
Seit mich eine junge Mutter (die Tochter meiner Cousine) vor einigen Jahren auf einem Familientreffen darauf ansprach, ob es in der Eifel auch eine Riesen-Murmelbahn gäbe, habe ich darauf gewartet, dass dies endlich der Fall ist. Und nun, seit September 2025, blickt Gerolstein stolz auf seine Waldkugelbahn Silvadrom, die weit mehr ist als nur eine einfache Murmelbahn. Schon der Name macht neugierig, ist aber schnell erklärt. Er setzt sich aus den Wörtern Silva für Wald/Waldland und Drom für Rundlauf zusammen, und genau das ist es auch. Denn die Eifeler wären nicht die Eifeler, wenn sie sich zu diesem Anlass nicht auch etwas ganz Besonderes ausdenken würden – mit Parkplatz, klarem Konzept und viel Landschaft, Spiel und Spaß, aber auch Stoff zum Lernen drumherum.
So mache ich mich an einem trüben, verregneten Maitag – ohne Kinder, die sind inzwischen groß und nicht so verfügbar – auf den Weg und merke schnell, dass ich mir definitiv am Start eine Murmel hätte ziehen sollen. Für 1 € spuckt der schöne rote „Kaugummiautomat“ eine bunte Holzkugel aus, und die braucht man für so viel mehr als nur zum Runterrollen lassen. Und während ich noch nach dem Ende der Murmelbahn suche, stelle ich fest, dass ich mich – schwupp – schon an Station 3 des 1,7 km langen Rundweges befinde. Auf der ersten Hälfte der Strecke gibt es mehrere Punkte, an denen es Rätsel zu lösen oder spannende Übungen zu meistern gilt – zunächst noch ohne Kugelbahn: die beginnt am höchsten Punkt und begleitet uns dann auf den letzten 600 m der Runde. Doch so weit ist es noch nicht. Hier, an der dritten Station, gilt es, ein Puzzle zu Licht im Wald zu lösen. Nach getaner Arbeit lege ich mich erst mal auf eine blattförmige Relaxliege, was ein kleiner Junge, der trotz des Wetters mit seiner Mutter unterwegs ist, ziemlich spannend findet. Die arme Mutter schaut etwas irritiert, da ich hier ohne Kind den Mitmach-Stationen folge, und da ich sie nicht beunruhigen möchte, stehe ich wieder auf und verabschiede mich freundlich. Kommentar des Jungen: „Jetzt ist die Frau wieder aufgestanden…“ Vor mich hin grinsend verschaffe mir einen respektablen Vorsprung, vorbei an einem Hüpfspiel. Ich hülle mich in Schweigen darüber, welches Tier am Ende der Pfosten wartet oder ob ich gehüpft bin. Kurz darauf passiere ich einen Balancierbalken, den ich lieber auslasse. Die Station „Wasser im Wald“ dagegen fasziniert mich in vielerlei Hinsicht, und ich bereue schon wieder, dass ich keine Kugel dabei habe, denn die Lösungen hätten mich wirklich interessiert. Bei dieser und einigen anderen Stationen gibt es ein wirklich nettes Konzept: Man tippt ein Ergebnis, steckt die Kugel in das passende Loch, und dann kommt sie unten entweder aus dem roten Loch (falsch) oder dem grünen (richtig) wieder heraus.
Ich ruhe eine ganze Weile auf einer Bank an einem herrlichen See, bevor es steil hinaufgeht zu „Wer frisst wen?“. Hier benötige ich keine Kugel, sondern versuche, mit Hilfe von Seilen und Löchern Fressfeinde richtig zuzuordnen. Das sollte ich als Erwachsene und Naturfreundin ja eigentlich mit links erledigen. Auf der Rückseite lässt sich das Ganze kontrollieren… Naja, was mein persönliches Ergebnis angeht: Da ist noch Luft nach oben. Ich habe die Beute des Grünspechts und des Siebenschläfers vertauscht. Auch Erwachsene wissen eben nicht alles… Und ich habe wieder etwas dazu gelernt, das ist ja auch schön!
Ganz oben auf der Höhe angekommen, suche ich mit dem Fernrohr den Fledermaus-Schlafplatz und bleibe dann einfach einen Moment zwischen den Bäumen sitzen. Es nieselt, und nichts ist zu hören außer dem Vogelgezwitscher. Um mich herum befinden sich besonders zahme Waldbewohner – quasi die handgefertigten „Geschwister“ all jener Wesen, die diesen Wald bevölkern. Ich liege ganz still und hoffe darauf, vielleicht auch echtes Wild zu sehen, nicht nur welches aus Holz. Doch es nieselt vor sich hin, und außer dem Zwitschern der Vögel und dem gelegentlichen Klopfen eines Spechts regt sich heute nichts. Ich blicke auf den hölzernen Fuchs und erfreue mich bei dem Gedanken, dass ich gestern auf meiner Fahrt über die schmalen Eifelstraßen gleich zwei Prachtexemplare gesehen habe, die mir höchst lebendig über den Weg gehuscht sind.
Nach einer Weile gehe ich weiter zum Wackeltisch – auch hier käme wieder eine Kugel zum Einsatz; dort gilt es, sie an Hindernissen vorbei durch geschicktes Bewegen des Tisches in die Baumhöhle in der Mitte zu befördern. Das wird natürlich besonders spannend, wenn mehrere das gleichzeitig versuchen und sich gegenseitig dabei stören. Kurz darauf stoße ich auf eine schmale Straße. (Nach rechts wären es nur wenige Meter bis zur Büschkapelle.) Auf der anderen Seite setzt sich der Weg fort, und dort beginnt dann auch die eigentliche Waldkugelbahn. Auch hier gibt es noch einmal einen Automaten, aber wie schon erwähnt, empfiehlt es sich, gleich zu Beginn der Runde eine Kugel zu ziehen.
Im Verlauf der Murmelbahn geht es um den Lebenszyklus eines Baumes von der Pflanzung bis zur Verarbeitung. Ich bin überrascht, dass die Bahn nicht durchgehend an einem Stück gefertigt ist, sondern kleinere Abschnitte mit verschiedenartigen Hindernissen enthält, so dass ich zwischendurch immer wieder die Kugel einsammeln und weiterlaufen kann. Die einzelnen Parcours, die die hölzernen Murmeln dabei durchlaufen, könnten unterschiedlicher kaum sein: gerade über zwei Stangen, durch keilförmige Läufe mit etlichen Stufen, in Schlangenlinien, durch Spiralen und Trichter, über Förderbänder oder imaginäre Sägeblätter und vorbei an künstlichen Hindernissen, Nägeln und Hämmern – mal hüpfend und mal gleitend geht es voran. Immer wieder schrecke ich hoch aus meiner Konzentration auf die Kugel, weil ich mich beobachtet fühle. Und immer wieder erkenne ich, dass es sich bei den bunten „Typen am Wegrand“ – allesamt freundlich lächelnd – um „Pappkameraden“ handelt, die uns einiges über den Verarbeitungskreislauf des Holzes erzählen können. Ich frage mich, wer dafür fotografiert wurde, und schaue systematisch in die Gesichter, ob nicht doch ein Bekannter dabei ist. An einem hölzernen Schrank, in dem die bunten Bälle noch einmal im Zickzack das ganze Sichtfenster durchlaufen können, ist dann Schluss mit der Murmelbahn und unserem „Rundlauf“. Obwohl klar war, dass der Kreislauf allmählich enden würde, überrascht es mich, und ich trenne mich nur ungern von der Bahn, ihren vielfältigen „Hindernisläufen“ und dem schönen Waldpfad.
Ich kann bereits den Funkmast erkennen, den ich auf dem Hinweg auf der Strecke vom Parkplatz zum Start passiert habe, und bummele gemütlich zurück zum Ausgangspunkt. Wo ich es nicht lassen kann, doch noch einmal an der ersten Station eine Kugel in den Korb zu schießen, ein paar weitere Stationen auszuprobieren und anzuschauen und zu fotografieren, bevor ein Regenschauer mich zurück zum Auto jagt. Eines steht fest: Die Bahn macht auch ohne Kinder Spaß, und ich habe eine Menge gelernt. Aber in Gesellschaft – vor allem in kindlicher Gesellschaft – ist es ganz sicher noch viel schöner! Ich komme wieder, mit Teilen meiner Familie oder Freunden, die noch Kinder im passenden Alter haben.
Standort: Zur Büschkapelle, Gerolstein (GPS 50°12’45.77″N, 6°39’56.56″E)
Parkgelegenheit: Waldparkplatz in unmittelbarer Nähe des Starts
Weiterführende Informationen: https://www.eifel.info/pois/waldkugelbahn-silvadrom-gerolstein
https://www.gerolsteiner-land.de/touren/naturerlebnispfad-waldkugelbahn
https://www.gerolstein.de/aktuelles/news/2025/waldkugelbahn/

























