Alfbachtal – von einer Bachaue, sanften Hängen, Bibern, Schmetterlingen und Hummeln

Blick von oben ins Alfbachtal

Es ist vor allem die Aussicht auf Biber, die mich in das idyllische Alfbachtal lockt. Doch ich entdecke schnell, dass dort noch viel mehr auf mich wartet!

Schon immer haben mich die sich schlängelnden Bachauen in der Eifel aus tiefstem Herzen angesprochen, und so folge ich der Empfehlung für eine kleine, feine, 6 Kilometer lange Wanderung mit 70 Höhenmetern, etwas Aussicht und ganz viel Wasser.

Ich starte in Pronsfeld am alten Bahnhof mit dem sehenswerten Eisenbahnmuseum. Von hier erstreckt sich der Eifel-Ardennen-Hohes Venn-Radweg 12 Kilometer lang bis Bleialf (und von dort weiter nach St. Vith) über die alte Eisenbahnstrecke am Ufer des Alfbachs entlang: Eine leicht zu bewältigende Rad- und Wanderstrecke ohne viele Höhenmeter. Dieser Abschnitt des Alfbachs und seine Umgebung (insgesamt 164 Hektar) stehen unter Naturschutz.

Ich laufe also los, von Pronsfeld in Richtung Bleialf, erst einmal den Radweg entlang. Zu meiner Linken plätschert der Alfbach fröhlich seiner Mündung in die Prüm entgegen und glitzert im Sonnenschein. Hinweisschilder geben anschaulich Auskunft über die Natur am Wegrand. Nach etwa 900 Metern, bei den letzten Pronsfelder Häusern, halte ich mich links (dem Wanderweg 22 und der roten Nordic-Walking-Strecke folgend). Von einer malerischen Brücke schaue ich auf den immer natürlicher und wild umwachsen erscheinenden Alfbach. Kurz darauf finde ich die ersten Biberspuren, einen üppigen Damm, der quer über den ganzen Bach reicht.

Mein Weg führt stetig bergauf, und im Hintergrund türmen sich dunkle Wolken auf. Einen Moment überlege ich, ob ich die Wanderung abbrechen und so schnell wie möglich den Heimweg antreten soll, oder ob ich meinen Weg fortsetze. Aber da die Strecke nicht allzu lang ist und ich gerade die 70 Höhenmeter schon fast vollständig hinter mich gebracht habe, entscheide ich mich fürs Weitergehen – zu Recht übrigens, denn das Wetter bleibt mir wohlgesonnen.

Der Wanderweg 22 biegt rechts ab und folgt dem Hang auf halber Höhe, doch ich steige weiter hoch und wähle erst die nächste Möglichkeit rechts (markiert durch den roten Pfeil der Nordic-Walking-Strecke). Von hier oben bieten sich wunderschöne wildromantische Aussichten über den Alfbach, die ihn umgebende Landschaft und die umliegenden Höhenzüge. Um mich herum wogen Gras und Getreide um die Wette, durchsetzt von den verschiedensten Blumen und einem bunten Gesumm. Hummeln und Schmetterlinge werden meine Wegbegleiter. Der Wanderweg stößt wieder auf meine Strecke. Immer wieder wecken spannende Geländemerkmale mein Interesse, und die Kamera steht nicht still. Ein bewachsener Hügel im Feld, ein malerischer Waldrand, blühender Mohn – es gibt so viel zu sehen! Und gleichzeitig ist es ganz still – ich bin allein mit mir und meiner Kamera und all dem Überschwang. Es ist ein Genuss, ganz mit mir im Reinen hier oben unterwegs zu sein.

Nach knapp einem Kilometer wende ich mich nach rechts. Ab hier geht es deutlich bergab, hinunter ins Tal und zurück zum Alfbach, wieder begleitet von Gräsern, Blumen, Ähren und dem Summen der Insekten. Vor der Brücke hört die Schönheit für kurze Zeit auf: Nicht Biber, sondern schweres Gerät waren hier im Einsatz, aber es sind nur ein paar Meter, dann ist alles wieder gut! Sofort zieht mich die wildromantische Landschaft erneut in ihren Bann, die bildlich gesprochen das Wort „Biber“ in Großbuchstaben auf der Stirn trägt. Haufenweise Spuren von Dämmen und Bauten bestätigen das, und die passenden Infotafeln gleich dazu – nicht nur zu Bibern, sondern auch zu Amphibien übrigens, von denen viele verschiedene Arten den hier entstandenen Lebensraum nutzen! Ich spähe ins Schilf hinein und um mich herum, in der Hoffnung, all diese Dinge auch zu entdecken. Einen Feuersalamander fände ich spannend, doch vielleicht war ich zu laut, denn er lässt sich nicht blicken. Hier unten im Tal steht eine Bank, mit Blick auf Wasser und Aue und einem Eifelwald im Rücken, wie ich ihn schon aus meiner Kindheit kenne und liebe.

Der Rest des Weges führt über den Eifel-Ardennen-HohesVenn-Radweg und ist somit bequem zu meistern. Der Asphalt könnte unromantisch wirken, jedoch gleichen dies die Blumen und Tiere am Wegrand ebenso aus wie die liebliche Auenlandschaft um den Alfbach. Zwischendurch laden Bänke zum Rasten und Infotafeln zum Lernen ein. Bäume, Unterholz, der Bach, sumpfige Gebiete in der Aue, Biberspuren und eine bunte Vielfalt an Blumen geleiten mich zurück nach Pronsfeld. Das Leben ist schön!!!

Weitere Informationen: www.ferienregion-pruem.de (Hier gibt es sowohl Auskunft zum Eifel-Ardennen-Hohes Venn-Radweg als auch die Wanderroute 22 zum Download), www.pronsfeld-eifel.de (Wanderinfos und Übersichtskarten zum Download: https://www.pronsfeld-eifel.de/modules/news/article.php?storyid=1571&location_id=5 )

Parkgelegenheit: Wanderparkplatz Nr. 12, Pronsfeld (hier gibt es zwei verschiedenen Übersichtskarten mit Wanderwegen zum Mitnehmen und ebenso Infos zu den Nordic-Walking-Strecken)
Weitere Park- und Wandermöglichkeiten im oberen Verlauf des Alfbaches an der Habscheider Mühle, in Buchet und Bleialf.

Die Strecke beginnt in Pronsfeld am ehemaligen Bahnhof nahe der Mündung des Alfbachs in die Prüm

Wenn das keine Biberspuren sind…
Blick über den Wanderweg 22 ins Alfbachtal. Wir steigen noch etwas höher.
Oben…
Blick hinunter in die Bachaue
Aussichten
Es blüht und summt
Mohn am Wegrand

Nahe der Brücke

Am Alfbach

Blick über die Bachaue auf den Hügel, über den ich gekommen bin

Wieder kurz vor der Mündung bei Pronsfeld
Heimweg über den Eifel-Ardennen-Hohes Venn-Radweg

Urweltliche Klänge und putzige Zeitgenossen im Eifeltal – der Eifel-Zoo Lünebach

Dieser frei fliegende Papagei begrüßt die Gäste an der Gastronomie

Es ist dieser eine Moment ganz am Ende meines Besuchs, als ich gerade schon den Eifel-Zoo verlassen möchte, der für mich bis in mein Innerstes auf den Punkt bringt, was diesen Ort im Bierbachtal (kurz vor der Mündung in die Prüm) so besonders macht: Ich stehe auf halber Höhe, habe die Urwald-Dingos gerade nach langer Liebäugelei und Fotosession hinter mir gelassen und blicke von oben hinunter ins Tal aufs Löwengehege. In diesem Moment ertönt aus eben diesem Revier ein kraftvolles, lautes, wildes und urtümliches Gebrüll, das das ganze Tal erschüttert und von den umliegenden Berghängen als Echo zurückgeworfen wird. Bereits dies geht mir durch Mark und Bein und lässt mich sprachlos dastehen, da ertönt zu meiner Linken wie eine Antwort ein unheimliches, hohes, durchdringendes, langgezogenes Heulen, das ich zunächst Wölfen (die es hier nicht gibt) zuordne. Es dauert einen Moment, bis ich meine Gedanken so weit sortiert habe, dass ich die Urwald-Dingos als Quelle vermuten kann, und dann setze ich mich wie magisch angezogen in Bewegung, um zu schauen, ob dieses ursprüngliche, gruselige Geräusch tatsächlich von diesen niedlichen, hübschen und überaus freundlichen roten „Hunden“ stammt.

Nach langer durch die Corona-Maßnahmen bedingter Pause hat endlich der Eifel-Zoo wieder geöffnet! Besucher benötigen zwar eine Anmeldung beziehungsweise ein Online-Ticket, aber da plant man den Besuch halt im Voraus und erfreut sich daran, endlich wieder die Tiere besuchen zu können, die schon so lange auf die Aufmerksamkeit ihrer „Kunden“ verzichten mussten. Und man spürt es, wie sie regelrecht um das Interesse betteln – oder vielleicht auch nur um Futter oder auch um Streicheleinheiten. Für mich wird es, nachdem ich durch den steinernen Torbogen wie in einen Schlosspark in diese neue, spannende Welt eingetreten bin, ein Tag der Geräusche. Gleich zu Anfang beweist mir der Lachende Hans mit keckernden und gurrenden Lauten (und ich glaube wirklich, er macht sie extra für mich!), warum er seinen Namen trägt. Im Englischen nennt er sich Kookaburra – auch dies beschreibt sehr deutlich lautmalerisch die Töne, die er von sich gibt. Ein Stück weiter patrouilliert der Emu, bereit, sein von Artgenossen und Kängurus bevölkertes Revier zu verteidigen, und nimmt mich ins Visier. Er erinnert mich fatal an einen Dinosaurier, einen Velociraptor, und ich ziehe lieber weiter.

Im Tal erkennt man noch die Schäden, die die Flutkatastrophe am 01.06.2018 angerichtet hatte. Bierbach und Prüm waren nach einem Unwetter stark über die Ufer getreten, überschwemmten das ganze Tal und verwüsteten Gehege und Zoogelände. Etliche Tiere ertranken in den Fluten. Ein Großteil der Anlagen war zerstört. Auf Schock und Verzweiflung folgten ein Wiederaufbau und eine Neuanlage als Natur-Zoo und Tiergarten, der sich stärker auf heimische Arten und natürliche Gehege konzentriert und zudem für mehr Barrierefreiheit und reichlich Angebote für Kinder sorgt. Phantasievolle Spielgelegenheiten (auch am Wegrand) und ein funkelnagelneuer Spielplatz lassen Kinderherzen höher schlagen, und im Streichelzoo können die Kleinen direkt mit lieben Tieren auf Tuchfühlung gehen. Auf die Wiedereröffnung 2019 folgten bereits zwei Schließungen durch Corona-Lockdowns. Trotz alledem werden Stück für Stück neue Bereiche gestaltet und wieder freigegeben: Die Löwen sind wieder da. Und wie! Ihr Brüllen lässt das Tal erbeben und ihr Zusammenspiel ist gewaltig und beeindruckend.

Das Frühjahr 2021 begrüßt mich auch mit Niedlichkeiten: Quiekende Meerschweinchen recken sich mir entgegen, das Ende Februar geborene Lama zeigt sich endlich den neugierigen Besuchern und posiert fotogen auf einem Hügel. Verliebt zücke ich meine Kamera, woraufhin die anderen Lamas eine regelrechte Show abziehen. 1001 bunte Gesichtsausdrücke später muss ich mich entscheiden, welche Fotos dieser Tiere jetzt am originellsten und schönsten geworden sind. Doch auch die Ponys und Esel können ulkige Gesichter machen, die Ungarischen Zackelschafe präsentieren eindrucksvoll ihre gedrehten Hörner, und wieder habe ich das Gefühl, sie tun dies extra für mich und meine Kamera. Die Kamerun-Schafe blöken mir von weitem entgegen in der Hoffnung auf etwas Futter. Bei diesen Temperaturen vermisse ich noch den Papageien vor der Gastronomie, doch dafür läuft mir ein Pfau gemessenen Schrittes über den Weg, und ich genieße ein Würstchen im Brötchen – im Laufen. Es gibt ja noch so viel zu erkunden. Die schmalspurige Eifel-Zoo-Bahn durch das Wildgehege fährt noch nicht wieder. Die Lok mit den bunten Waggons erinnert mich immer an Emma aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. Aber die Miniatur-Nachbildung einer Prümer Landschaft (mit der Basilika und anderen liebevoll gestalteten Gebäuden) am Bahnhof bezaubert stets aufs Neue. Hier unten in der Talsenke leben amerikanische und europäische Bisons (Indianerbüffel und Wisente) und Davidshirsche sowie Kraniche, klappernde Störche und eine bunte Vogelwelt. Der Park ist weitläufig und das Gelände vielfältig. Auf 30 Hektar leben 60 Tierarten, insgesamt etwa 400 Tiere.

Am Ende sind es wieder die Raubtiere, die mich beeindrucken. Der Rotluchs verteidigt fauchend sein Revier, wenn ich mich ihm nur nähere, und folgt mir auf der anderen Seite des Gitters. Was er wohl über mich denkt? Gar nicht so einfach, ein gutes Foto zu erhaschen, weil er gar nicht erst die nötige Distanz zulässt. Die Urwald-Dingos bezaubern mit treuen Hundeblicken. Und die Löwen? Einfach nur eindrucksvoll. Ich bin schon gespannt auf die neue Anlage. Und die Neugestaltung des Sees direkt unterhalb des Eingangs. Soviel ist sicher: Ich komme wieder! Und freue mich darauf.

Weitere Infos:
www.eifel-tiergarten.de (Facebook: @eifelzoo)
https://www.ferienregion-pruem.de/erleben/ausflugsziele/eifelzoo-luenebach

Durch diesen Torbogen betreten wir eine andere Welt.
Der Lachende Hans (Kookaburra)

Mein bester Freund mit dem freundlichen Blick und der schaurigen Stimme: der Urwald-Dingo
Eindrucksvoll: der männliche Löwe
Der Rotluchs
Nur ein kleiner Teil der vielfältigen Spielgelegenheiten

Das junge Lama
Das Lama mit den 1000 Gesichtern

Aufregung bei den Kamerun-Schafen
Die Lok der Eifel-Zoo-Bahn (für mich ganz klar „Emma“)
Der Zug fährt gleich los durch das Tal und hautnah an den Bewohnern des Wildgeheges vorbei.

Miniaturwelt am Bahnhof mit der Prümer Basilika

Wunderschöne Wegführung
Schneeeule
Noch jemand mit 1000 Gesichtern

Zum Abschied noch einmal der Urwald-Dingo
Ein schöner Ort!

Von Ringen und Steinen – auf den Spuren der Kelten unterwegs (Keltenring Prüm)

Warum mich die Kelten so faszinieren? Vielleicht, weil sie für uns nicht so greifbar sind wie die Römer und alles, was in der Geschichte nach ihnen kam. Vor 30 Jahren stand ich in England vor den Steinen von Stonehenge, umringt von Touristen und durch Zäune fern gehalten, und wartete vergeblich darauf, etwas Magisches zu verspüren. In der Eifel ist das anders. In der Eifel begegnet man den Spuren der Kelten unmittelbar. Ihre Hinterlassenschaften sind nur teilweise offensichtlich erkennbar, und gerade das schafft diese faszinierende Brücke zwischen dem, was wir heute wissen und erleben, und der Welt der Sagen und Mythen.

An vielen Orten gibt es Keltenringe und Steine. Für mich von meiner Eifel-Unterkunft aus praktisch nur einen Steinwurf entfernt: die Kelten-Fliehburg in der Schönecker Schweiz, der Langstein in Wallersheim und die Keltenringe in Weinsheim und Prüm.

Anfang November 2019 mache ich mich auf, den Keltenring in Prüm zu erkunden. Auf der Wanderkarte (siehe Empfehlung unten) ist der Keltenring deutlich zu erkennen. Wer der Prümer-Land-Tour-Route 1 folgt, kann ihn nicht verfehlen. Aber wie üblich folge ich meiner eigenen Wegführung und mache dadurch auch meine ganz eigenen Erfahrungen! Ich parke am Ende der Straße „Pferdemarkt“, die sich geradeaus als breiter bequemer Wanderweg fortsetzt. Es geht stetig bergauf, links grüßt steil aufwärts ein vorwiegend aus Nadelbäumen bestehender Wald, rechts fällt der Hang, von Laubbäumen besiedelt, tief zur Prüm hin ab. Ganz oben angekommen, raste ich erst einmal in einer gemütlichen Schutzhütte mit Blick auf das harmonische Grün und die bunten Farben des Herbstwaldes. Von hier zweigen sternförmig Wege ab, und ich habe die Wahl: Der Keltenring lässt sich von oben oder von unten erfahren, und ich wähle den oberen Weg, der im spitzen Winkel direkt links von der Route, über die ich gekommen bin, über die Höhe führt. (Halblinks bergab wäre alternativ die Prümer-Land-Route 1 weitergegangen, die dann linkerhand zu der später beschriebenen Info-Tafel führt. Hier befindet sich auch ein Hinweisschild zum Naturdenkmal „Alte Tannen“ – schon wieder ein Plan für die Zukunft, die muss ich kennenlernen!) Genug der Wegbeschreibungen!

Auf dem recht breiten und bequemen Wanderweg über die Höhe, der links und rechts von dichtem Wald gesäumt ist, lässt sich der Ring in Form von zwei Wällen erahnen, die der Weg sanft überwindet. Dies ist hier oben der einzige Hinweis auf das Vergangene. Auf dem zweiten Wall schlage ich mich rechts in die Büsche und folge einem kaum sichtbaren Pfad, der mich im Halbkreis über den alten Wall durch ein fast unberührtes Waldstück führt. Ich wandele im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren der Kelten! Rechts von mir raschelt es. Wenn jetzt direkt vor mir ein Reh auftauchen würde, wäre das keine Überraschung. Oder ein Wildschwein. Ich schaue mich um. Weit und breit keine Spur menschlichen Lebens. Was ich eigentlich sehr mag. Wie oft hier wohl jemand läuft? Bestimmt nicht täglich. Einmal in der Woche? Im Monat? Es ist wunderschön und ein ganz kleines bisschen gruselig. Was, wenn wirklich ein Wildschwein käme oder ich stolpern und mir die Beine brechen würde? Ich atme tief durch. Es riecht so gut nach Bäumen, Pilzen und Moos. Verwunschen sieht es aus. Reichlich Platz für Elfen und Zwerge und für mich mit meinen Gedanken. Ich kann gar nicht anders als diesem wunderbaren Pfad weiter zu folgen und den Wald zu erkunden. Das Wort „Traumpfad“ würde passen, und vielleicht ist es genau das, was die Menschen in Australien auch machen: Dem Herzen folgen. Interessanterweise gibt es auch in der Eifel eine ganze Reihe von sogenannten „Traumpfaden“. Zufall? Egal, das hier fühlt sich gut an.

Nach einem perfekten Viertelkreis über den Wall erreicht der Pfad die Oberkante einer aus Steinen aufgeschichteten und oben und seitlich mit Holz verstärkten Befestigung, die ich ausgiebig erkunde. Doch ich muss einem Pfad bergab zum tiefergelegenen parallelen Wanderweg (Prümer-Land-Tour 1) folgen, um die Infotafel zu lesen. Am Wegrand finde ich wunderschöne Pilze, die ich erst einmal ausgiebig fotografieren muss. Gut, dass mich keiner sieht, wie ich da auf dem Waldboden hocke und liege und krieche, um sie schön aufs Bild zu bekommen. Es entstehen Fotos vom Herbstwald und all seinem Leben und all seinen Farben, die zu Sinnsprüchen einladen: „Wenn du nicht weißt, wohin dein Weg führt, genieße die Farben am Wegrand“ poste ich am 16. November 2019 auf Facebook, begleitet von einem dieser Herbstwaldfotos, denn zum Zeitpunkt der Wanderung weiß ich gerade seit ein paar Tagen, dass ich meine Arbeitsstelle wechseln muss und dass vor mir eine lange schwierige Zeit der Suche und der Ungewissheit liegt. Da kommen mir Farben, Moos, Pilze und die Kelten gerade Recht.

Irgendwann ist es dann doch Zeit für die Infotafel, die mir auf einer Abbildung einen Eindruck der Größe und Bauweise der früheren Anlage vermittelt und natürlich noch mehr. So diente der Burgring vermutlich als Stützpunkt und Machtsymbol – übrigens später noch einmal im Mittelalter, auch wenn es dann natürlich nicht mehr die Kelten waren, die ihn bewohnten. Er wurde mit neueren Aufbauten vermutlich als Fluchtburg genutzt. Das rekonstruierte Tor der Keltenburg, das ich gerade bestaunt hatte, basiert auf Ausgrabungen aus dem Jahr 1974. Die ursprüngliche Anlage wird in die sogenannte Latèneperiode datiert und dürfte in der Eisenzeit etwa zwischen 500 und 100 vor Christus genutzt worden sein – ähnlich wie ihre „Schwester“ im Altburgtal der Schönecker Schweiz, die ich früher im Jahr bereits gesucht und schließlich auch gefunden hatte. Besucht habe ich auch den Langstein in Wallersheim, doch davon soll später einmal die Rede sein. Ich kann mich nicht überwinden, dem „geraden Weg“ der Route 1 zu folgen, und so klettere ich wieder hinauf auf die Höhe des Walls, bewundere noch einmal das rekonstruierte Tor, spähe in die Tiefe wie die Verteidiger vor über 2000 Jahren, rieche und spüre den feuchten bunten Wald um mich herum und genieße den federnden Boden unter meinen Füßen. Immer wieder spähe ich links und rechts, denn ich kann die Tiere ringsum hören und spüren, aber ich sehe nichts.

Der breite Wanderweg, der mich am Ausgangspunkt dieses abenteuerlichen Pfades erwartet, erscheint profan und unromantisch. So bin ich nur ein winziges bisschen erleichtert, weder mit gebrochenen Knochen noch vom Wildschwein erlegt vor der Welt verborgen auf dem Pfad zu dahin zu scheiden, und tief in mir kratzt die Enttäuschung, weil wieder alles so normal ist. Ich bin wieder im Heute. Irgendwie schade. Vielleicht blinzelt ja irgendwo hinter mir noch ein Kelte um die Ecke. Oder ein Zwerg, eine Elfe, ein heimliches Eifelwesen… Wer weiß.

Viel zu schnell erreiche ich bergab den Tannenweg und das Post-Feriendorf. Es erwartet mich ein fröhlicher Abend. Aber das weiß ich in diesem Moment noch nicht…

Quellen, Links und Empfehlungen:
www.ferienregion-pruem.de
Wanderkarte Nr. 17 (Prümer Land) des Eifelvereins, ISBN 978-3-944-620-00-8
https://www.eifelverein.de/index.php/verlag/buecher-und-karten/wanderkarten/254-pruemer-land-nr-17

Keltenring Prüm:
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=23877, Wanderwege: Prümer Land-Tour Route 1
Parkgelegenheit: Am Postferiendorf (Straße „Pferdemarkt“ bis zum Ende durchfahren, am Straßenrand parken.)
Länge der von mir geschilderten Route: ca. 2,2 km

Kelten-Fliehburg Schönecken:
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=2416, Örtlicher Rundwege 1
weitere Empfehlungen:
https://susanne-wingels.de/schoenecker-schweiz-auf-der-jagd-nach-der-felsenburg

Oben angekommen! Hier biege ich scharf links ab (im spitzen Winkel, dem grünen Schild folgend). Die Prümer-Land-Tour 1 setzt sich nach links bergab und dann wieder links fort (auf diese Weise gelangt man automatisch zur Infotafel).
Links bergab ginge es zu diesem Naturdenkmal. Die Prümer-Land-Tour 1 folgt zunächst dieser Strecke.
Auf dem Weg ist der Wall deutlich erkennbar.
Das Abenteuer beginnt!

Rekonstruierte Toranlage der Keltenburg (Oberkante). Links der Pfad hinab zur Info-Tafel.

Rekonstruierte Toranlage der Keltenburg
„Wenn du nicht weißt, wohin dein Weg führt, genieße die Farben am Wegrand“

Auf dem Heimweg

Kalvarienberg – von einem Berg, einer Explosion und dem, was heute ist

Der Kalvarienberg thront über Prüm. In der Mitte erkennt man deutlich die fehlende Kuppe.

Ich folge der Kalvarienbergstraße in Prüm bergauf bis zu ihrem Ende und gelange an einen kleinen Wanderparkplatz, bevor Absperrpfosten den Weg nur noch für Fußgänger freigeben, hinauf in idyllisches Grün. Ich befinde mich auf dem alten Kreuzweg – und wandele auf den Spuren einer der größten Nachkriegs-Katastrophen.

Schon von weitem lässt sich erkennen, dass der Kalvarienberg, der über der Silhouette der Stadt thront, fast genau am Gipfel eine „Delle“ aufweist. Steht man davor, sieht man einen riesigen, dicht bewachsenen Krater (190×90 Meter groß und etwa 25 Meter tief). Kleine Pfade führen von mehreren Seiten steil bergab hinein – heute vor allem für Kinder ein großes Abenteuer, denn gut zu Fuß sollte man schon sein, bevor man diese Wege einschlägt.

Was war geschehen? Nach dem 2. Weltkrieg lag Prüm in Trümmern. Der Einsturz der Basilika am Heiligen Abend 1945 (davon wird in einem anderen Beitrag die Rede sein) gab der Bevölkerung fast den Rest. Erst nach der Währungsreform 1948 ging es bergauf, und die Stadt wurde mit einem riesigen Kraftakt wieder aufgebaut. Die französischen Besatzer ließen seit Kriegsende sämtliche Munition sammeln und in einen Bereitschaftsbunker bringen, der unter Hitler in Form von zwei Stollen unterhalb der Kuppe des Kalvarienbergs angelegt worden war. Zudem warteten hier etwa 500 Tonnen Sprengstoff darauf, die Westwallbefestigungen zu sprengen.

Am Abend eines schwülen Sommertages, des 15. Juli 1949 (ein Freitag), machte sich um 18.45 Uhr der Gendarmeriechef auf den Weg zum Kalvarienberg, nachdem eine Rauchsäule über dem Berg gemeldet worden war. Schnell wurde deutlich, dass auch die Feuerwehr nichts mehr ausrichten konnte. Der Landrat ließ die Stadt Prüm räumen. Innerhalb von einer Stunde hatten 2.700 Menschen ihre Heimat verlassen, die meisten zu Fuß und nur mit dem, was sie tragen konnten, die Alten sowie Frauen und Kinder mit einem letzten Zug Richtung Gerolstein. Manche suchten in ihren Kellern Schutz.

Zwischen 20.22 und 20.23 Uhr hob unter einem dunklen Donnergrollen die Bergspitze ab, fiel wieder zurück, und nach einer weiteren Explosion und mehreren Erschütterungen erschien ein riesiger Feuer- und Rauchpilz über dem Berg. 250.000 m³ rote Erde, Sand, Gesteinsbrocken und Staub flogen durch die Luft, rollten in einer Lawine zu Tal und deckten 96 Hektar Land zu. Die Erschütterung war bis Aachen zu spüren und wurde selbst im entfernten Basel noch als Erdbeben aufgezeichnet. Nach der heftigen Druckwelle und dem Bombardement durch Steine und Schutt lag die Stadt Prüm erneut in Trümmern: 76 Häuser (mit 131 Wohnungen) wurden völlig zerstört, 161 stark beschädigt, 965 Menschen obdachlos, 60 Personen wurden verletzt und 12 starben – darunter Gendarmeriemeister Max Oberg und das Prümer Original Katharina Zimmer (Zömmisch Kätchen), das wie durch ein Wunder den Krieg im Keller des gesprengten Bischöflichen Konvikts überlebt hatte und nun wie in der eigenen Prophezeiung mit den anderen Opfern der Explosionskatastrophe mit einer großen Trauerfeier am 20. Juli 1949 durch den Bischof beigesetzt wurde. Ihr Grab und der Gedenkstein für die durch die Detonation Verstorbenen finden sich heute noch auf dem Friedhof.

Im Hier und Jetzt, vor meinen Augen und unter meinen Füßen, ist der Kalvarienberg ein stiller, friedlicher Ort. Die zerstörte Kalvarienbergkapelle wurde an einem anderen Standort nachgebaut. Sie bietet einen malerischen Blick über die Stadt Prüm hinweg bis zur Basilika und zur gegenüberliegenden Anhöhe. Ich raste auf einer Bank, hinter mir Gras, Wald und Löwenzahn – Grün, soweit das Auge reicht – und genieße den Anblick. Nach einer Weile betrete ich die Kapelle und zünde eine Kerze an. Der benachbarte Bestattungswald und der frisch benannte „Dechant-Josef-Zilliken-Weg“ im Gedenken an den aufrechten Pfarrer, der Opfer der Nationalsozialisten wurde, verstärken den tiefen Frieden. So schön und so idyllisch. Die Vögel singen. Ich stapfe bergauf bis zum Rand des Kraters, bewundere den neuen Kreuzweg (von dem ursprünglichen ist nur die 3. Station an der Kreuzung zur Straße „Am Ölberg“ erhalten – siehe Foto), schaue durch das Gestrüpp in die Tiefe und auf das jenseits des „Lochs“ liegende Gedenkkreuz. Dieses Loch ist groß, tief, eindrucksvoll und von einer schrecklichen, gewaltigen Wucht geschaffen worden. Doch seit 2020 gibt es dort trotzdem auch etwas zu lächeln, denn nun sind sechs Ziegen von Mai bis Oktober im Krater damit beschäftigt, den Bewuchs „in Schach zu halten“. Der Bereich ist eingezäunt, kann aber über drei Zugänge betreten werden (bitte nicht füttern!).

Auf dem Schneifel-Pfad und dem Jakobsweg umrunde ich die tiefe Senke und schaue nun von der anderen Seite, in der Nähe des Krankenhauses, hinab und hinüber. Hier finde ich die Gedenkstätte für die Kreuzkapelle mit Nachbildungen der sogenannten „Holtermänner“ – Figuren des Nicodemus und des Joseph von Arimathäa, die aus den Trümmern geborgen werden konnten und sich heute in der Basilika befinden. Das weithin sichtbare „Hohe Kreuz“, das ich schon von der anderen Seite erblickt hatte, trägt am Fuß die Inschrift „Zur Erinnerung an die Explosionskatastrophe am 15.7.1949 – Diene der Versöhnung und dem Frieden“. Ich atme tief durch und denke an die Opfer und das Leid, das an diesem Tag geschah.

Ein idyllischer Pfad führt durch den Wald im Sonnenschein hinab zurück zur Kapelle und zu dem kleinen Parkplatz, auf dem mein Auto auf mich wartet, als unverrückbarer Beweis der Gegenwart. Ein leichter Wind weht. In den Zweigen über mir zwitschert ein Vogel, und die Basilika leuchtet mir sauber und farbenfroh aus dem Tal entgegen.

Doch das, was ich hier erfahren, gesehen, gelesen und auf diese Weise fast hautnah erlebt habe, werde ich nie vergessen! Der 15. Juli 1949 wird heute noch von den Prümern der „schwarze Freitag“ genannt.

 

Buchempfehlungen / Quellen:
Monika Rolef (Hg.), „Das neue Prüm – Chronik einer Stadt – 1945-1975, erster Band“, Prüm, Dezember 2020;
Broschüre „Kalvarienberg Prüm, Kapelle Unserer Lieben Frau“, Verein Kalvarienbergkapelle Prüm, 2. Erweiterte Auflage 2006

Weitere Empfehlung: Stadtführungen von Zeitzeugen, u.a. Monika Rolef, buchbar über die Tourist-Information Prümer Land, www.ferienregion-pruem.de

https://www.volksfreund.de/region/bitburg-pruem/ziegen-als-landschaftsgaertner-maeh-arbeiten-am-kalvarienberg_aid-50488431

Wanderwege: Jakobsweg, Schneifel-Pfad, Prümer-Land-Tour Route 1, Prüm-Rundwege 8 und 9

Der Weg hinauf zur neuen Kalvarienbergkapelle und zum Krater
Explosionskatastrophe am 15. Juli 1949 (Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Monika Rolef)
Wie ein Wunder: Station 3 des Kreuzweges an der Kreuzung Kalvarienbergstraße / Am Ölberg (Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Monika Rolef)

Die neue Kalvarienbergkapelle

Aussicht von der Kalvarienbergkapelle
Blick auf die Basilika

Der neue Kreuzweg, Station 2
Kraterrand von Süden mit Treppe hinab; gegenüber das Hohe Kreuz

Das hohe Kreuz in der Nähe des Krankenhauses

Der nordliche Kraterrand am Hohen Kreuz
Blick vom nördlichen Kraterrand zur Treppe am südlichen Kraterrand
Kreuzkapelle mit Abbildung der beiden „Holtermänner“
Der Rückweg

Grabmal und Gedenkstein für die Opfer

Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund… – der fliegende Käfer von Buchet

Was anfänglich nach Biene Maja oder Insektenforschung klingt, ist etwas sehr Ungewöhnliches. Im Internet hatte ich ein Foto gesehen, das mich sehr neugierig machte. Sofort sprang ich (ich hoffe nur innerlich!) auf und dachte: So etwas kenne ich noch nicht – das muss ich sehen! Und natürlich fotografieren, das versteht sich von selbst.

Und so kommt es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Buchet fahre. Waren Sie schon einmal da? Buchet liegt am Höhenzug Schneifel im Naturpark Hohes Venn-Eifel, einfach ausgedrückt zwischen dem Höhenzug und der belgischen Grenze. Fährt man von Prüm über Niedermehlen und Sellerich nach Bleialf und hält sich dann rechts, kommt man dort hin. Ich jedoch habe den Käfer von Buchet direkt für meinen Anreisetag geplant und besuche vorher noch meinen Freund, den Schwarzen Mann. Ich kann nicht durch die Schneifel fahren, ohne dort zu halten, den Kerl zu umarmen und nach Möglichkeit mit dem Selbstauslöser ein Foto davon zu machen. Also fahre ich im strahlenden Sonnenschein los, lege eine Kuschelminute bei dem Holzkerl oben auf dem Kamm der Schneifel ein, wandere vom Wanderparkplatz Brandscheid noch ein paar Meter durch den Wald bis zum Dreiländerblick und mache mich schließlich mit dem Auto auf den Weg nach Buchet.

Was auf der Landkarte so einfach aussieht, nämlich der sich schlängelnden „Hauptstraße“ Richtung Norden zu folgen, gestaltet sich im echten dreidimensionalen Leben etwas herausfordernder. So geht es kräftig bergab um die Kurve, in der sich zudem eine Baustelle mit einseitiger Straßensperrung befindet. Sozusagen Fahren im Blindflug nach Gehör. Und dann sehe ich ihn, gleich links von mir: den fliegenden Käfer von Buchet!

Auf einer Wiese befindet sich auf einem 7 Meter hohen Mast eine überdimensionale Wippe: an der einen Seite ist die Karosserie eines alten VW Käfer befestigt, auf der anderen Seite sein Motor und sein Getriebe. Der Wind treibt beide sanft wippend im Kreis herum. Und das bereits seit 2008. Im Rahmen einer internationalen Skulpturenausstellung von „Artemedia“ installierte derzeit der Metallbildhauer Herbert Kruft (sein Skulpturenpark in Niederprüm ist immer einen Besuch wert!) den fliegenden Käfer am Ortseingang von Buchet. Und dort dreht er sich auch heute weithin sichtbar im Wind und sorgt für staunende Gesichter.

Direkt unterhalb der Wiese befinden sich Parkmöglichkeiten am Gemeindehaus. Ein Wanderweg führt von hier durch das Alfbachtal nach Bleialf, doch wir nehmen den Pfad bergauf, der uns direkt zu dem rot leuchtenden Kunstwerk führt. Wildblumen begleiten mich am Wegrand, und zu meinen Füßen sonnt sich eine Blindschleiche. Nach wenigen Metern öffnet sich linkerhand das Gebüsch und gibt mir den Blick frei auf das Objekt meiner Neugier: den Käfer von Buchet. Und so nehme ich Platz auf einer Bank und schaue ihm zu, dem roten Automobil, wie es sich unermüdlich im Wind dreht und sich vorwärts und rückwärts neigt, als würde es gleich seinen Motor starten und einfach weiter zum Himmel fliegen. Irgendwie meditativ, das Ganze. Und absolut außergewöhnlich.

Nach einer Weile stehe ich auf und beginne, das überdimensionale „Windspiel“ von allen Seiten zu fotografieren. Besonders die Perspektive, bei der ich fast direkt darunter stehe und man die Wippe kaum wahrnehmen kann, macht mir Spaß. Meine Freunde lächeln immer darüber, wie viele Aufnahmen ich von einem einzigen Objekt machen kann. In diesem Fall sind es 72. Zufrieden hänge ich mir die Kamera wieder um den Hals und mache mich „auf die Socken“ zurück zum Auto. Nur noch schnell ein paar Blumen fotografieren und den Blick zum Alfbach hinunter. Ich schaue mich um.

Fröhlich wippend scheint der Käfer mir nachzuwinken und wendet sich mir noch einmal zu. Weiter unten im Tal gluckert der Alfbach idyllisch vor sich hin und wartet darauf, dass ich ihn erkunde. Wird gemacht, lieber Alfbach! Versprochen!

https://www.skulpturenpark-kruft.de/kunst/fliegender-vw-kaefer-6-internationale-skulpturenausstellung-gipfeltreffen-von-artemedia/, www.buchet.de, www.ferienregion-pruem.de, https://www.pruem.de/buchet#top_o

Geocache vor Ort: https://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?wp=GC2MFYA&title=

Blindschleiche voraus
Am Wegrand
Das Alfbachtal
Der Weg nach Bleialf am Alfbach entlang

Burg Schönecken – ein schöner Flecken

Das erste Mal erblickte ich sie 2008: die majestätische Burgruine hoch über dem „Burgflecken“ Schönecken. Damals und viele weitere Male zuckelte der Traktor meiner Ferienhofbauern kraftvoll und zugleich gemächlich die Steigung hinauf, um mir und meinen Miturlaubern einen Besuch des Burggeländes und den atemberaubenden Ausblick zu ermöglichen.

Im Mai dieses Jahres nun mache ich mich auf eigene Faust auf den Weg – froh, die Burg nach langer Renovierungszeit endlich wieder unverhüllt anschauen zu dürfen. Da ich an dem Tag etwas fußlahm bin, wähle ich einen Höhenweg, der am Rammenfeld beginnt, und erreiche die Burg nach einer gemütlichen Wanderung von etwa 700 Metern ohne große Steigungen, vorbei an ins Tal abfallenden Wiesen, Felsen und einem kleinen Wäldchen. Bereits auf dem Weg bieten sich atemberaubende Ausblicke. Zudem liegt unweit des Weges auf einer Wiese ein Pavillon, für den ich unbedingt einen Schlenker in einen anderen Pfad hinein wagen muss, weil er so hübsch und einladend aussieht. Hier gibt es einen spannenden Geocache (leider nur für Premium-Cacher), mehrere Bänke und einen grandiosen Blick über Schönecken. Was mag sich in der Vergangenheit hier abgespielt haben? Sicherlich keine GPS-gestützte Schatzsuche, sondern vielleicht Belagerungen, Kämpfe, lustwandelnde Damen und möglicherweise die eine oder andere Liebeserklärung im Angesicht der schönen Aussicht?

Grundsätzlich können wir die Burg von drei Seiten „erobern“: Gegenüber der Tankstelle am Ortseingang beginnt der Schlosspfad, der sich der Burg von Osten nähert. Auch aus dem Altburgtal im Norden heraus führen gleich mehrere Wanderwege hinauf. Von Westen erreichen wir die Burg entweder über den Burgweg oder vom Rammenfeld aus über den Höhenweg, den ich gewählt habe. Es gibt an der Burg keinen Parkplatz – man sollte sich also in jedem Fall zu Fuß auf den Weg machen.

Das weitläufige Burggelände beginnt hinter einer Schranke. Linkerhand befinden sich Schautafeln, auf denen geschichtliche Hintergründe und durch eine Zeichnung ein Eindruck von der ehemaligen Größe der Anlage vermittelt werden. Der Weg zur Hauptburg erstreckt sich gut begehbar über die Höhe, gesäumt von einigen wenigen großen Bäumen. Zu meiner Linken sind erste Gebäudereste erkennbar, und eine Wiese fällt leicht zur noch erhaltenen Ringmauer ab und lockt zum Picknick und zum Verweilen. Doch die Bänke sind alle besetzt, und mich zieht es zu einem Rondell, auf dem sich zwei junge Männer gerade gegenseitig fotografieren. Wie üblich biete ich meine Hilfe an, fotografiere zwei glückliche Menschen auf der Mauer über dem Abgrund, und dann bin ich selbst dran, denn die beiden revanchieren sich, und ich erhalte ein glücklich-lebendiges Portrait von mir vor dem malerischen landschaftlichen Hintergrund. Übrigens ist von hier aus der Panoramaweg gut sichtbar, den ich nur wenige Tage zuvor begangen habe. Und nun, wo ich weiß, wo er ist, sehe ich auch die Anhöhe, an der sich der Wetteldorfer Richtschnitt befindet. Gleich gegenüber meiner jetzigen Position, aber deutlich tiefer, sehe ich das Rondell der Wilhelmshöhe, von der bei der Eierlage die Schüsse abgegeben werden und die ich bei meiner letzten Wanderung besucht habe. Dort unter der Fahne habe ich gestanden und genau das gemacht, was ich jetzt auch mache: zur Kamera greifen und festhalten, was ich sehe.

Ich fotografiere, was das Zeug hält, und kann mich nicht satt sehen an all der Schönheit der Gegend und des Burgfleckens tief unter mir. Apropos tief unter mir: Direkt hinter der Mauer geht es senkrecht hinunter. Ich will gar nicht wissen, wie tief, aber es ist wirklich weit bis „unten“. Und hier habe ich gerade noch entspannt auf der Mauer gesessen, sogar mit Rucksack auf dem Rücken, und für ein Foto posiert… Was für eine spannende Aussicht nicht nur in der Horizontalen, sondern auch vertikal nach unten gesehen. Wer könnte diese Mauern einnehmen?

Das dachten sich auch die Grafen von Vianden, als sie im 12. oder frühen 13. Jahrhundert die Burg oberhalb der bereits bestehenden Ortschaft erbauten. Sie wurde „Sconecke“ oder auch „Bellacosta“ genannt. Besiedelt war dieses Gebiet bereits vor Christi Geburt durch die Kelten. Wetteldorf geht auf eine Schenkung König Pippins an die Abtei Prüm im Jahr 762 zurück, und 933 wird auch „Schöneck“ erstmals in einem Zinsverzeichnis genannt. 1132 war Graf Friedrich I. von Vianden Schutzvogt dieser Ländereien, die der Abtei Prüm gehörten. Die machtvolle Burg war leicht zu verteidigen und diente dazu, zugleich die Südgrenze des Territoriums der Fürstabtei sowie den Ort selbst zu schützen und die Straße von Bitburg nach Prüm im Tal der Nims zu kontrollieren. Bereits im Jahr 1248 führten Erbstreitigkeiten zu einer Familienfehde: Der erstgeborene Sohn (Heinrich II.) des verstorbenen Friedrich II. wurde von seinem Großvater übergangen, weil er noch ein Kind war. Sein Onkel Philipp, zweitgeborener Sohn des Großvaters, übernahm Titel und Ländereien. Als er erwachsen war, nahm Neffe Heinrich seinen Onkel Philipp gefangen und hielt ihn auf der Burg fest. Da sämtliche Herrscher der Region miteinander verwandt und verschwägert waren, führte dieser Familienkonflikt zur Einmischung des Bischofs von Utrecht und des Luxemburger Grafen. Philipp wurde freigelassen, die Grafschaft Vianden wurde Luxemburger Lehen, und Heinrich II. fortan Herr von Schönecken. Ein Schiedsspruch von 1280 sorgte jedoch dafür, dass die Ländereien weiterhin im Besitz der Abtei Prüm verblieben.

Noch toller trieb es Hartard von Schönecken, der ein verwirrendes Dreier-Lehensverhältnis mit den Luxemburger Grafen und dem König von Böhmen auf der einen Seite, Kaiser Karl IV. als zweitem Lehensherr und außerdem mit dem Trierer Kurfürsten Balduin als dritte Partei einging. Doch erst 1384 gelangte die Burg durch Kauf endgültig in den Trierer Besitz. Nun kehrte erst einmal Ruhe ein.

Ein katastrophaler Brand verwüstete im Jahr 1802 die Burg und die darunter liegende Ortschaft. Steine der Ruine wurden für den Wiederaufbau der Häuser genutzt. Sie sind für immer verloren. Und doch ist so der Ort noch stärker mit der Ruine verbunden, die ihn überragt.

Ihre Faszination hat sie dadurch nicht verloren! Das Areal der Anlage erstreckt sich um mich herum auf dem weitläufigen, etwa 120 Meter langen und bis zu 60 Meter breiten Plateau auf einem Bergsporn. Ich denke daran, was hier los ist, wenn der Traktor der Ferienhof-Bauern uns hierher bringt – meist nach einem kurzen Stopp, um im Ort ein Eis zu kaufen. Meine Miturlauber und ich erobern im Nu praktisch alle Bereiche der frei zugänglichen Ruine und genießen die Aussicht von verschiedenen Passagen der Ringmauer aus in alle Richtungen. Von hier und durch die leeren Fenster der Turmreste bietet sich ein malerischer, atemberaubender Blick auf Schönecken und seine Umgebung. Niemand kann sich der Magie entziehen, und so sind die Ruhe- und Rastbänke auf dem Plateau ebenso wie die Aussichtspunkte in der Regel gut besucht. Die Sonne scheint, neben mir ragen die restlichen Mauern in die Höhe, und ich möchte noch nicht gehen. Es ist etwas leerer geworden als vorhin bei meiner Ankunft. Also nehme ich erst einmal auf einer Bank Platz, lasse meine Seele baumeln und meinen Blick über das Land gleiten. Mauersegler stürzen sich von den uralten Mauerresten in die Tiefe. Meine Gedanken begleiten sie und fliegen von dieser zauberhaften Burg aus frei wie ein Vogel durch Zeit und Raum weit über das Prümer Land.

 

Weitere Informationen:
www.schoenecken.de, www.schoenecken.com
www.ferienregion-pruem.de
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=740

Weitere Quellen:
Matthias Kordel: „Die schönsten Schlösser und Burgen in der Eifel“, Wartberg Verlag Gudensberg 1999

 

Frisch renovierte und doch sehr alte Steine
Blick auf Schönecken – im Hintergrund auf dem Hügelkamm verläuft der Panoramaweg, unterhalb in der oberen Bildmitte liegt der Wetteldorfer Richtschnitt

Blick nach Norden Richtung Schönecker Schweiz/Altburgtal (die sich noch weit in den Osten hinein erstrecken)

Blick von der Burgruine auf den Park
Schöne Aussichten auf den schönen Burgflecken!

Blick von oben auf den Aussichtspunkt Wilhelmshöhe (rechts)

Ein bisschen Gullivers Reisen – die Suche nach der Pronsfelder Riesenbank

Die Neuigkeit dringt gleich aus mehreren Kanälen zu mir vor: Pronsfeld hat jetzt auch (wie Birresborn in der Nähe der Eishöhlen) eine Riesenbank! Sie liegt direkt am Wanderweg, oben auf dem Berg. Viel mehr ist zu diesem Zeitpunkt nicht herauszufinden, aber es wird deutlich, dass sie sich auf dem Höhberg am Wanderweg 22 befinden müsste.

Kurz darauf „urlaube“ ich wieder in der Eifel und mache mich sofort auf die Suche. Zu dem Zeitpunkt gibt es im Internet noch keine genaueren Angaben, aber ich habe mir auf der Wanderkarte angeschaut, wo sich der Höhberg befindet und welche Stellen ich mir für eine solche Bank vorstellen könnte. Auf dem Parkplatz am Bahnhof/Eisenbahnmuseum liegen brandneue Infoblätter mit Wanderwegen aus, und ich überlege mir eine Route, die mich ans Ziel bringen soll.

Da Wanderweg 8 (Route gelb), der nach oben auf den Höhberg zum Wanderweg 22 führen soll, ein Rundweg ist, stehe ich gleich hinter dem Bahnhof vor der Qual der Wahl: halbrechts durchs Alfbachtal oder halblinks an der Prüm entlang. Mein Ziel? Genau vor mir oben auf dem Berg „in der Mitte“, also zuckele ich unsicher nach links durch das Tal der Prüm, bewundere die Alfbachmündung und stocke in meiner Unentschlossenheit vor einem Schild, das auf einen Pfad zeigt, der durch den Wald steil nach oben führt: „Aussichtspunkt“. Damit könnte ja… Wahrscheinlich nicht… Aber wenn ich nicht da entlang laufe, ist es vielleicht doch der Weg zur Riesenbank. Und da hoch muss ich sowieso. Also lege ich alle Pläne ad acta, lasse Rundweg 8 sausen und folge dem Pfad über Stufen und Wurzeln im Zickzackkurs stetig bergauf. Es ist steil, aber schön, anstrengend, aber effektiv, und so stehe ich schon kurz darauf und etliche Höhenmeter weiter oben vor einer Bank, die durch eine Lücke zwischen den Bäumen einen malerischen Blick über Pronsfeld bietet (und einen Geocache – siehe unten). Ich ruhe mich aus und veranstalte ein kleines Picknick mit Keksen und Saft, bei dem ich schon mal ausgiebig fotografiere. Definitiv eine „Normalbank“, aber schön. Ich atme zufrieden durch. Immerhin bin ich bereits fast oben, und eine schöne Aussicht hatte ich auch schon.

Ein kleines Stückchen geht es noch bergauf, dann stoße ich wieder auf den Wanderweg 8, den ich ursprünglich erwählte. In welche Richtung ich nun gehen muss, ist einfach. Die Bank steht irgendwo ganz oben. Also bloß nicht bergab, sondern immer dahin, wo es noch etwas höher hinaus geht. Von Zeit zu Zeit geben Informationstafeln Auskunft zur Natur am Wegrand. Unterwegs begegnen mir Sonnenstrahlen im Laubwald und golden leuchtender Ginster. Auf der anderen Seite der Bergkuppe muss ich notgedrungen ein paar Höhenmeter wieder abgeben, doch dann führt der Wanderweg 22 rechts auf der Höhe entlang. Irgendwo hier muss sie sein. Und ich laufe, laufe, laufe… Schaue, schaue, schaue…

Mittlerweile ist die Position der Bank auch im Internet zu finden. Auch wer Wanderweg 22 (orangefarbenen Route auf der „alten“ Pronsfelder Wanderkarte) oder dem neu benannten „Alfbachhöhenweg“ folgt, kommt auf jeden Fall an ihr vorbei. Zu diesem Zeitpunkt im Mai jedoch ist ihre Lage für mich noch ziemlich unklar. Ich spähe rechts und links, immer auf der Suche nach einer großen Bank, die eigentlich nicht zu übersehen sein sollte, genieße die spannende Natur, die der Höhberg mir bietet, mit Ausblicken nach links ins Bierbachtal und nach rechts ins Alfbachtal und auf Pronsfeld in meinem Rücken. Deutlich später als gedacht erspähe ich hinter einer Wegbiegung mit bewaldeter Böschung endlich das ersehnte Objekt: die funkelnagelneue Riesenbank mit einem dekorativen Fahrrad (nur schauen, nicht benutzen) davor – noch abgesperrt, aber schon begehbar. Oder sollte ich „bekletterbar“ sagen? Eine Leiter führt hinauf, und ich nehme Platz und spähe nach Norden ins Alfbachtal hinunter und auf Pronsfeld, das sich im Osten die Hänge hinaufzieht.

Ich turne wieder hinunter. Zeit für den Beweis, dass ich auch hier war! Auf einem Zaunpfahl gegenüber stelle ich meine Kamera ab und habe ziemliche Probleme, sie geradezurichten, ohne dass sie hinunterpurzelt. Ich versuche es mit verschiedenen Gegenständen: Holzspänen, Taschentüchern… Schließlich ist es das Umhängeband der Kamera, das unter die linke Seite der Kamera gelegt dieser zum richtigen (geraden) Winkel verhilft. Die Fotos, die ich mit Fernauslöser mache, sind zu hell, aber schön, und zeigen mich in etlichen Positionen auf der Bank, immer mit meinem Handy (verschämt versteckt) als Auslöser. Ein Hoch auf die moderne Kameratechnik! Beine baumeln lassen ist auf dieser Bank Programm. Die Sitzfläche befindet sich oberhalb meiner Augenhöhe, die Oberkante der Lehne befindet sich auf 3,20 Metern Höhe. Ganz schön weit oben! Als ich direkt davor stehe, bekomme ich beinahe Genickstarre. Ich muss an die literarische Figur Gulliver denken, der sich im Land der Riesen zurechtfinden muss.

Ich klettere wieder auf die Bank und bin glücklich, denn ich bin in der Eifel, und meine Seele baumelt mit den Beinen um die Wette. Anschließend trage ich mich noch als eine der Ersten in das funkelnagelneue „Gipfelbuch“ ein, und freue mich daran, dass die Menschen in der Eifel sich so schöne Dinge ausdenken, um den Wegrand unserer Wanderungen mit spannenden Erlebnissen zu würzen.

Zurück wähle ich fast den gleichen Weg, nur dass ich dem Wanderweg 8 bis hinunter zur Landstraße und zum Alfbach folge. Ein Stück weiter westlich hätte ich auf die Landstraße stoßen können, das wäre kürzer und weniger anstrengend gewesen, aber womöglich langweilig und durch die Autos vielleicht ungemütlich. Unterwegs begegne ich neugierigen Kühen und sonst wieder einmal niemandem, bis ich im Tal bin. Ach wie schön, die ganze Eifel für mich allein zu haben, mit lieben Freunden, die am Abend auf „meinem“ Ferienhof schon auf mich warten.

So darf es weitergehen!

Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de, www.pronsfeld-eifel.de

Geocache: https://www.geocaching.com/geocache/GC62NTP_panorama-ii

Literaturempfehlungen:
Wanderkarte 17 des Eifelvereins – „Prümer Land“, Maßstab 1:25.000, ISBN 978-3944620008,
ausliegende Wanderkarten in den Infokästen an den Pronsfelder Parkplätzen

Rechts oder links? Wanderweg 8 führt rechts ins Alfbachtal und links an der Prüm entlang. Dazwischen direkt vor mir liegt das Ziel meiner Wanderung, der Höhberg.
Aufstieg zum ersten Aussichtpunkt (Blick zurück nach unten, wo hinter den Bäumen nicht mehr sichtbar der Alfbach in die Prüm mündet)
„Normalbank“ mit Aussicht
Ausblick auf Pronsfeld (mit Picknick und Geocache)
Eifelgrün
Eifelgold
Wanderweg 8 oben auf dem Höhberg
Wanderweg 22 oben auf dem Höhberg
Hinter der Kurve liegt die Riesenbank
Ganz frisch und neu – im Mai war das „Drumherum“ noch abgesperrt.
Die Bank im Profil (das Bild ist gerade!)
Blick von der Riesenbank ins Alfbachtal
Fotosession mit Selbstauslöser und Fernbedienung (nein, wir waren nicht zu dritt!)
Blick von der Riesenbank auf Pronsfeld
Das Gipfelbuch!
Wanderweg 22
Wanderweg 22
Wer Aufmerksamkeit wünscht, sollte an Kühen vorbei spazieren…
Noch mehr Eifelgold

Im Tal der Dämmerung – meine persönliche „Grüne Hölle“ in Bollendorf

Die Vorzeichen sind suboptimal: Ein langer Abend, geprägt von einer nicht unerheblichen Menge Alkohol, kein Kaffee am Morgen und wunde Füße vom Vortag (Panoramaweg Schönecken in Winterstiefeln bei steigenden Temperaturen). Aber ich bin schon auf halbem Wege, die Neugier ist groß und die grüne Hölle von Bollendorf ist ein absolutes Muss in meinem straffen Tourenprogramm für diese Woche. Ich bin hier, um zu erkunden, da gibt es kein Pardon.

Nachdem ich aus dem Prümer Land eine knappe Stunde angereist bin, haben es bereits die ersten 450 Meter Wegstrecke meiner Wanderung in sich. Auf diesem kurzen Stück erarbeite ich mir bereits 70 Höhenmeter bergauf, allerdings auf gut ausgebauten Wegen. (Das sind durchschnittlich 15% Steigung! Dieser Wert ist übrigens nebenbei bemerkt das höchste, was man auf einem Laufband einstellen könnte. Und ich bin definitiv nicht im besten Grundzustand dafür.) Erst dann beginnt der eigentliche Wanderweg, und als ich ihn erblicke, bin ich dankbar über mein gutes Schuhwerk (heute habe ich von vornherein besser gewählt als gestern – Versuch macht klug!): auf diesem Steig sind Wanderschuhe mit guter Sohle absolut empfehlenswert! Es sei denn, man ist eine Bergziege oder die einzige Person, die mir auf dem Weg begegnet. Aber dazu später.

Der Rundweg „Grüne Hölle“ ist gut ausgeschildert und führt über verschiedene Stationen einer Audiotour auf 6 Kilometern Länge an zehn interessanten Punkten vorbei. Trittsicherheit ist erforderlich, und auch die Höhenmeter (etwa 140 hinauf und hinunter allein auf meinem Teilstück von etwa 4 Kilometern Länge) sind nicht zu unterschätzen.

Die Schönheit dieser Felsenlandschaft zieht mich sofort in ihren Bann. Nicht umsonst nennt man dieses Gebiet die „Bollendorfer Schweiz“. Schnell spüre ich die geologische Verwandtschaft zur Teufelsschlucht. Doch im Gegensatz dazu ist dieser Pfad menschenleer, und der Anspruch an Kondition und Trittsicherheit ist definitiv noch höher. Wer die Kühle von Wald und Felsen liebt, abenteuerliche Herausforderungen, bizarre Felsformationen und verschlungene Wege, der ist hier genau richtig. Schnell verstehe ich auch, warum es „grüne Hölle heißt: der Wald ist grün, und die Felsen sind es auch. Tiefste Ruhe umgibt mich, und die Atmosphäre wechselt laufend von entspannend-freundlich grün bis hin zu einem bedrohlich-glitschigen Dunkelgrün, gepaart mit Felsen in hell-leuchtenden Brauntönen oder auch tiefem Dunkelgrau. Der Sandstein wird immer wieder von Farnen und Moosen überwachsen, und nach einigem Auf und Ab erreiche ich den Eingang zu dem Felsmassiv, das dem Rundweg seinen Namen gab. Um sicher zu gehen, wurde der Fels beschriftet: „Grüne Hölle“! Steinstufen führen tief hinab in einen schmalen Spalt mit hohen Wänden, der vor einem scheinbar undurchdringlichen hohen Felsen endet. Unwillkürlich denke ich an Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer. Genau so sah das Tal der Dämmerung aus! „Kann Emma nicht schneller…?“ Ob es hier auch so ein Echo gibt??? Ich probiere es, und Gott sei Dank donnern keine Felsen auf mich herab. Dafür packe ich (wie es im unten genannten Buch empfohlen wird) meine Taschenlampe aus und richte sie auf die feuchten Felswände: Sie leuchten tatsächlich grün! Dieses Leuchtmoos (Schistostega pennata) ist äußerst selten, und ich freue mich, dass es sich mir gezeigt hat. Auf der rechten Seite des riesigen Felsens, der mir den Weg zu versperren scheint, öffnet sich ein niedriger Durchschlupf, und ich nehme meinen Rucksack ab und ducke mich hindurch. „Draußen“ empfangen mich Licht, Wald, riesige helle Sandsteinfelsen, Vogelgezwitscher und eine Bank. Erleichtert nehme ich Platz, um mich von der fordernden Wegstrecke zu erholen, und genieße eine kleine Pause. Und nun kommt es zu einer äußerst bizarren Begegnung: Durch das Loch „schlüpft“ eine Joggerin. Eine Joggerin!!! Ich bin froh, dass ich diesen Untergrund irgendwie wandernd bewältige, und diese Frau hüpft einfach darüber hinweg… Auch sie hat nicht wirklich mit einem menschlichen Wesen gerechnet und fährt erschrocken zusammen, als sie mich sieht. Wir starren uns an – beide fassungslos! Dann springt sie leichtfüßig an mir vorbei und entschwindet hinter dem nächsten Felsen wie eine Fata Morgana.

Die nächsten Meter verlaufen etwas ruhiger auf und ab, dann öffnet sich vor mir mit dem „Eulenhorst“ das nächste Felsmassiv. Die Bezeichnung „labyrinthartig“, die sich in manchen Wanderbeschreibungen findet, kann ich nur unterschreiben: Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Felsenlandschaft zu durchqueren, und nach längerer Betrachtung beider Passagen entscheide ich mich für den scheinbar einfacheren linken Weg. Das Auf und Ab und die schmalen Durchgänge zwischen den hohen Felsen nehmen kein Ende, und am Ausgang starre ich skeptisch auf die steile, von rutschigem altem Laub bedeckte Felstreppe zwischen schroffen Felswänden mit etlichen Vorsprüngen. Kurz hadere ich mit mir: Probiere ich es und rutsche gegebenenfalls ab und demoliere mir bestenfalls nur den Allerwertesten? Oder setze ich mich gleich hin? Ich trage Jeans, es ist trocken und sowieso kein Mensch in der Nähe. Die Joggerin ist längst über alle Berge, möglicherweise sogar bereits wieder zuhause. Seufzend setze ich mich auf meinen Po und bewältige den steilen Ausstieg aus dem Felsmassiv auf höchst unelegante, aber sichere Weise.

Die auf meiner Wanderkarte ebenfalls verzeichnete Heidenlay bietet weniger Herausforderungen als ihre Vorgänger, und plötzlich bin ich am Ziel meiner Sehnsüchte: Die „Kreuzlay“ als oberer Endpunkt dieses Rundweg-Teilstücks, das sich permanent an der Bruchkante des Ferschweiler-Bollendorfer Plateaus entlang bewegte. Hier gibt es tatsächlich ein Gipfelkreuz! Es trägt die Aufschrift: „Viele Wege führen zu Gott – einer führt über die Berge!“ Ich nicke zustimmend und grinse unwillkürlich. Das beschreibt meinen Zustand ziemlich gut. Ich verweile eine Weile auf einer Bank und genieße die Aussicht. Genug geklettert! Die Wanderkarte verrät mir, dass das nächste Teilstück des Rundwegs über einen entspannten Waldweg führt. Gott sei Dank!

Nach diesem flott bewältigten Wegstück wartet noch der Maria-Theresien-Stein auf mich. Es handelt sich um einen Grenzstein zwischen Echternach und Vianden, den die österreichische Kaiserin 1771 in ihrer Eigenschaft als Herzogin von Luxemburg errichten ließ. Von hier führt eine Abkürzung zurück zu meinem Ausgangspunkt. Ich liebe malerische Felsformationen! Aber für heute ist mein Soll erfüllt. Ich werde wiederkommen und mir den eindrucksvollen Predigtstuhl, die geheimnisvolle Muhmenlay und die phantastische Aussicht an der Lingelslay entspannt und mit Freude und unter besseren körperlichen Voraussetzungen als heute anschauen. Dann sicherlich auch mit dem Audioguide, denn die Geschichte der Muhmenlay scheint recht spannend zu sein.

Ab hier geht es nur noch entspannt abwärts. Im Nu befinde ich mich wieder an der Schutzhütte, bei der der Felsenpfad zur „Grünen Hölle“ beginnt. Fast schon im Trab laufe ich zurück zum Parkplatz am Waldhotel. Ich genieße die sonnigen Aussichten auf Bollendorf und das malerische Tal der Sauer und begebe mich zurück zu meinem Feriendomizil ins Prümer Land.

Die grüne Hölle ist geschafft! Es war ein unglaubliches Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Und das ich mit dem zweiten Streckenteil definitiv fortsetzen werde. Ich muss lächeln, als ich an die Joggerin denke. Auch der Moment, in dem ich auf dem Po aus dem Eulenhorst gerutscht bin, gibt eine gute Geschichte ab. Und das Bild vom „Tal der Dämmerung“ werde ich all jenen zeigen, die wie ich die Augsburger Puppenkiste mögen. Etwas habe ich dort oben ganz bestimmt bewältigt: meine ganz persönliche wild-abenteuerliche und zugleich wunderschöne grüne Hölle.

 

Fazit:
„Geheimtipp“ als fast menschenleere Alternative zur Teufelsschlucht, schöner Abenteuerpfad auch für wanderfeste Kinder, festes Schuhwerk erforderlich, hoher Abenteuerfaktor, nichts für Klaustrophobiker, tolle Aussicht und faszinierende Felslandschaften; spendet Kühle bei Hitze, bei feuchtem Wetter nur bedingt geeignet; der Audioguide wurde liebevoll von den „Leuten aus dem Dorf“ gestaltet

Parkmöglichkeit und Audioguide-Verleih:
Waldhotel Sonnenberg, Sonnenbergallee 1, Bollendorf

Weitere Informationen und Eindrücke:
https://www.eifel.info/a-gruene-hoelle,
https://www.naturpark-suedeifel.de/a-gruene-hoelle,
https://www.felsenland-suedeifel.de/a-audiotour-gruene-hoelle,
https://www.traumsteige.com/bollendorfer-schweiz-durch-die-grune-holle/,
www.bollendorf.de
https://www.naturpark-suedeifel.de/naturschatz/landschaftsraeume/das-ferschweiler-bollendorfer-plateau
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3616
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3617
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3615
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3614
https://www.youtube.com/watch?v=06scoGUGwR8
https://www.youtube.com/watch?v=WhUJmQoDuc8

Buchempfehlungen:
Loni Liebermann: 52 kleine und große Eskapaden in der Eifel, DuMont Reiseverlag 2018, ISBN 978-3-7701-8070-7
Topographische Karte 1:25000 „Naturpark Südeifel“, Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, ISBN 978-3896372758

Bergauf auf dem Weg zum Rundwanderweg
Der Affenkopf markiert den Beginn des Rundwanderwegs

Die „Grüne Hölle“ erinnert mich an das „Tal der Dämmerung“ aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“
Es lohnt sich, mit der Taschenlampe die Felsen genauer zu betrachten
Blick zurück auf den Eingang der „Grünen Hölle“
Ausgang aus der „Grünen Hölle“ und die Lücke, aus der die Joggerin „schlüpfte“

Vor mir erscheint der Eulenhorst
Blick zurück auf den Weg, den ich gekommen bin

Im Eulen-Horst befindet sich ein labyrinthartiges System von Spalten und Wegen
Inmitten des Eulen-Horsts: „Trittsicherheit erforderlich“ trifft es ziemlich gut. Hier fallen mir automatisch Sinnsprüche zu Wegen und Hindernissen ein – zum Beispiel: „Die Schwierigkeiten, auf die wir stoßen, wenn wir ein Ziel zu erlangen trachten, sind der kürzeste Weg zu ihm“ (Khalil Gibran)
Ende einer Rutschpartie
Ausgangs des Eulen-Horsts

Aussicht von der Kreuzlay
Aufgang zum Aussichtspunkt Kreuzlay
Der Maria-Theresien-Stein. errichtet 1771

Nur Fliegen ist schöner – Aussichten rund um Schönecken

Eifelpanorama mit Blick auf Schönecken

Endlich ist sie wieder unverhüllt, die schöne Burg, die über dem Ort Schönecken thront, der sich selbst liebevoll als „Burgflecken“ bezeichnet und aus den Ortsteilen Schönecken und Wetteldorf besteht. Zwei Jahre lang musste ich an den für seine Verhüllungsobjekte bekannten Künstler Christo denken, wann immer mein Blick zum Wahrzeichen hinauf wanderte. Nun endlich strahlt sie im Sonnenlicht, die Steine hell und sauber, die Kanten rötlich abgesetzt. Oben ist im Innenbereich noch nicht alles zugänglich, und ein zweiter Bauabschnitt wird folgen, doch für mich ist es Zeit für ein buchstäbliches Rundum-Erlebnis.

Von der unglaublichen Natur und der spannenden Geschichte der Schönecker Schweiz hatte ich bereits in Blogbeiträgen erzählt, ebenso von der traditionellen Eierlage zum Osterfest. Ich nutze die „Enthüllung“ als Gelegenheit für einen Rundumschlag, um gleich in mehrerer Hinsicht meine Neugier auf Schönecken zu befriedigen: mich mit der Geschichte der Burg zu befassen, Aussichten zu genießen und den Wetteldorfer Richtschnitt kennenzulernen, der dafür sorgt, dass für Geologen der kleine Ort den Nabel Europas bildet. Dafür werde ich, abgesehen von einem alternativen Aufstieg, den Panoramaweg Schönecken begehen. Als ersten Ausblick jedoch möchte ich die Stelle finden, von der die Böllerschüsse bei der Eierlage abgegeben werden und von der man sich ausrechnen kann, dass sie eine hervorragende Sicht auf die Burg bieten müsste. Jedes Mal, wenn ich den Felsvorsprung mit Mauer, Geländer und Fahne sehe, kitzelt mich die Neugier, den Aufstieg zu suchen und zu finden. Daher steht das heute Morgen als erstes auf dem Plan, solange die Beine noch frisch sind.

Später bei der Suche im Internet werde ich herausfinden, dass der Ort südlich des Flüsschens Nims, zu dem ich nun aufstrebe, Wilhelmshöhe heißt und etwa 30 bis 40 Meter über dem Tal thront. Gleich gegenüber auf der Nordseite der Nims erhebt sich Burg Schönecken, gut 70 Meter über der Talsohle. Ich habe Glück bei meiner Suche nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt. Mein Orientierungssinn lässt mich nicht im Stich. Zum Parken bietet sich das Gemeindezentrum FiF an, und von dort folge ich der Nims ein paar Meter nördlich und nutze dann die Brücke linkerhand. Nach ein paar Metern kann ich den Pfad schon sehen, der mit ein paar Stufen beginnt und sich dann am Berg entlang zunächst über eine Wiese und später durch Büsche schmal am Hang entlang bewegt. Etliche Höhenmeter und ein paar Kehren später stehe ich auf dem Rondell, das als Pavillon zu Ehren Kaiser Wilhelms II. errichtet wurde, der am 20. Oktober 1911 auf der Durchfahrt durch Schönecken Beifall und Jubel auslöste. In den 1990er Jahren folgte das heutige Bauwerk. Neben der freien Sicht auf die Burg – fast auf Augenhöhe – bietet die Plattform einen phantastischen Blick über Schönecken und auf die umliegenden Höhenzüge. Ich muss mich erst einmal setzen und alles auf mich wirken lassen. So viele große und kleine Dinge fallen mir ins Auge: die Burgruine, eine Kapelle, die malerischen Häuser, die sanften Hügel mit Wäldern und Feldern, Straßen, die sich wie Bänder durch die Landschaft schlängeln und schließlich weit unter mir mein eigenes Auto auf dem Parkplatz des FiF. Meine Speicherkarte ächzt unter der Last all der Fotos, die ich in alle Himmelsrichtungen schieße. Später werde ich feststellen, dass ich vor lauter Begeisterung sämtliche Blickwinkel und Sehenswürdigkeiten doppelt und dreifach festgehalten habe. Schönheit liegt im Auge des Betrachters – hier gibt es für jeden Geschmack reichlich davon. Dabei schaue ich besonders intensiv nach Süden, denn dort, wo in einiger Entfernung ein Kirchturm emporragt, werde ich mich nachher auf den Weg machen – auf den „Panoramaweg“.

Zuvor noch ein kleiner Abstecher in den nahegelegenen Park, der sich 300 Meter nordwestlich der Treppe zur Wilhelmshöhe an der Nims entlang nach Norden zieht. Auch hier nehme ich mir Zeit und atme tief durch. Idyllisch plätschert das Wasser des Flüsschens und glitzert im Sonnenschein. Vögel singen. Harmonisch angelegte Wege und Sitzgelegenheiten zwischen Wiesen und Baumgruppen bieten Ruhe für Körper und Seele. Immer wieder bieten sich Blicke steil hinauf auf die Burg. Ein paar Schritte entfernt runden ein bunt und phantasievoll gestalteter Kinderspielplatz und eine Hundewiese das Bild ab.

Ich kehre dem Tal den Rücken und wandere Richtung Wetteldorf. Vor der Kirche biege ich links ab (Alte Bitburger Straße). Für den Panoramaweg müsste ich der ersten Straße rechts Richtung Jugendlager/Feriendorf folgen, doch ich möchte erst einmal meine geologische Neugier befriedigen und den sagenhaften Richtschnitt betrachten. Daher wähle ich die 2. Straße rechts (Danielsberg) und folge den Schildern zum Richtschnitt. Bald geht die Straße in einen Weg über (hier oben gibt es tatsächlich noch einen richtig schönen weitläufigen Spielplatz!), und ich steige höher und höher und schaue, sobald ich mich umschaue, auf mit Kalkmagerrasen bewachsene Hügel. Ich liebe diesen Anblick! Schon bald erreiche ich eine Bank und nutze sie für eine kurze Rast, bevor ich dem Schild folge, das mir klarmacht, dass ich meinen Weg verlassen und dem Abzweig links hoch folgen muss, um zum Richtschnitt zu gelangen. Zu meiner Verblüffung geht es wenige Meter weiter erneut links ab und einen kaum erkennbaren Pfad hoch, der mich am Hügel entlang deutlich bergauf zu einer abgesperrten zugewachsenen Hütte führt. Hier ist er, der sagenumwobene Wetteldorfer Richtschnitt, und ich spähe durchs Fenster und sehe Erde und Gestein. Eine Taschenlampe kann hier nicht schaden, um etwas mehr zu erkennen. Geocachern sei der Earthcache an diesem Ort empfohlen.

Um zu wissen, was geologisch hier los ist, muss man etwas genauer nachlesen. Ein Schild am Weg gibt Auskunft. Die Heisdorf-Schichten zeigen die Ablagerungen eines flachen Meeres. Hier finden sich Fossilien von Brachiopoden, Trilobiten, Muscheln und Schnecken in wechselnden Lagen verschiedener Gesteine. Geologen helfen die Funde, eine internationale Referenz (GSSP) für die geologische „Zeitgrenze“ zwischen Unter- und Mitteldevon festzulegen. Dank der Schönecker Fundstelle konnte sie auf einen Zeitpunkt vor 393,3 Millionen Jahren festgelegt werden. Es handelt sich um den einzigen verbindlich festgelegten und allgemein anerkannten Richtschnitt in Deutschland. Noch heute gehen auf diesen unscheinbaren Ort und seine Funde wichtige geologische Publikationen und Erkenntnisse von internationaler Bedeutung zurück.

Meine unwissenden Augen haben genug gesehen. Ich kehre zurück auf den Weg und schlage mich über den gut ausgebauten Wanderweg Richtung Westen durch, wo ich bald auf den Panoramaweg stoßen werde. Ich picknicke auf einer Bank am Waldrand, als plötzlich ein Reh vor mir auftaucht und mich verblüfft anschaut. Es ist ganz ruhig und etwas fassungslos, scheint sich lange Gedanken über meine Anwesenheit zu machen (ich greife gar nicht erst zu meiner Kamera, da die Einstellungen gerade völlig unpassend für die Lichtverhältnisse sind und ich lieber zurückstarre). Nach einer Weile wendet sich das Tier in Ruhe von mir ab und durchbricht schließlich links von mir den Waldrand. Anscheinend sitzt hier nicht so oft jemand. Auf dem ganzen Weg treffe ich nur einen einzigen Menschen (nebst Hund). Mehr Ruhe fernab des Alltagsstresses ist gar nicht mehr möglich. Es gibt nur die grandiose Eifellandschaft, ihre tierischen Bewohner, die Steigung, 1000 Kleinigkeiten am Wegrand, meine Kamera, meine Füße und mich.

Ab dem Feriendorf geht es auf dem Panoramaweg stetig über eine Asphaltstraße bergauf. Der Blick auf Schönecken ist grandios und wird von Minute zu Minute noch besser. Auch das Angebot an Ruhebänken ist auf diesem Weg üppig. Nur der Aufstieg will und will kein Ende nehmen. Als ich endlich in der Schutzhütte auf der Höhe angekommen bin, lese ich in meinem Faltblatt zum Panoramaweg, dass ich 160 Höhenmeter geschafft habe. Nun denn, es waren ja auch nicht meine ersten Höhenmeter an diesem Tag. Links ab geht es weiter auf dem Hügelkamm entlang vorbei an einem Gehöft namens Irsfelderhof. Dieses Stück Weg kann man übrigens von der Burg Schönecken aus perfekt erkennen, wenn man weiß, wo es ist. Aus 560 Metern Höhe gesehen liegt selbst die Burg tief unten im Tal. Darunter erstreckt sich der Burgflecken, und die Fernsicht weit über die Hügel des Prümer Lands hinweg ist atemberaubend.

Der Abstieg führt über einen Wirtschaftsweg zunächst durch ein Waldstück. Auch hier bin ich ganz für mich. Am Ende des Waldes bietet sich erneut eine malerische Aussicht auf die Ortschaften Schönecken und Wetteldorf. Meine Füße sind müde und mein Herz (und meine Kamera) voll von eindrucksvollen Bildern. Ich beschließe, die Burg bei frischer Kraft mit voller Energie an einem anderen Tag zu genießen.

Auf einer Sonnenbank sitzend betrachte ich den Burgflecken ein letztes Mal malerisch im Tal liegend, bevor er beim Abstieg in die Tiefen des Alltags wieder auf Augenhöhe zurückkehrt.

Ich komme wieder!

 

Weitere Informationen:
www.schoenecken.de, www.schoenecken.com
www.ferienregion-pruem.de
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19017
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5583
https://www.volksfreund.de/region/bitburg-pruem/ein-weltberuehmtes-stueck-eifel-warum-fast-jeder-geologe-wetteldorf-kennt_aid-5994613

Geocache (Earthcache) am Wetteldorfer Richtschnitt: https://www.geocaching.com/geocache/GC2ZT2M_wetteldorfer-richtschnitt?guid=2401f3b7-c010-480d-beaa-4ec1f3d942a5

Ruhebank an der Nims am FiF (Forum im Flecken) mit Blick auf die Burg und die Wilhelmshöhe (oben links)
Aufstieg zur Wilhelmshöhe
Auf dem Weg zur Wilhelmshöhe
Noch nicht ganz oben; ein erster Blick auf Schönecken
Die Wilhelmshöhe
Blick Richtung Wetteldorf und Panoramaweg: Oben über den Kamm zwischen beiden Wäldern werde ich später laufen
Burg Schönecken von der Wilhelmshöhe aus
Blick auf Wetteldorf und den Aufstieg des Panoramawegs (Der Weg führt quer hoch von unten links nach rechts und weiter hoch nach oben links. Oben links neben dem Wäldchen befindet sich die Schutzhütte, an der der Weg links abbiegt.)
Burg Schönecken
Im Park
Blick vom FiF auf die Wilhelmshöhe

Kurz vor dem Ziel: Die Ludwig-Happel-Hütte, die über einem Teil des Wetteldorfer Richtschnitts errichtet wurde, ist recht zugewachsen.
Blick durch das Fenster der Ludwig-Happel-Hütte auf einen Teil des Wetteldorfer Richtschnitts
Tierische Begegnung – Teil 1

Noch auf Augenhöhe mit der Burg (auf dem Panoramaweg in der Nähe des Feriendorfs). Hier wird deutlich, wie sich die Häuser von Schönecken an den Wegen entlang nach oben „bewegen“.
Schönes am Wegrand
Tierische Begegnung – Teil 2
Endloser Aufstieg mit grandiosen Aussichten
Blick nach Süden „auf die andere Seite“ der Anhöhe von der Wegkreuzung „ganz oben“ an der Schutzhütte
Endlich oben! Blick aus der Schutzhütte nach Westen
Blick auf Schönecken vom Panoramaweg – etwa auf Höhe Irsfelderhof

Keine Hexenhäuschen oder Grabhügel – die Kalköfen in der Eifel

Der Kalkofen zwischen Rommersheim und Fleringen

Als ich vor zwölf Jahren in die Eifel zurückkehrte, hörte ich davon und hatte keine Ahnung – war aber furchtbar neugierig. Kalkofen hier, Kalkofen da. Worum geht es da eigentlich? Und wo kann man sich das anschauen?
Wir finden sie überall, wo die Eifel Kalkgestein zu bieten hat. Manchmal sind sie deutlich als Gebäude erkennbar und wecken unsere Wissbegier, und manchmal glauben wir stattdessen, einen keltischen Grabhügel vor sich zu haben. 500 Jahre lang versorgten sie die Eifel mit Kalk zum Bauen und Düngen, größtenteils noch bis nach dem 2. Weltkrieg. Auch in den Namen von Orten, Gütern oder Familien finden sie sich noch wieder und weisen auf die Vergangenheit hin.
Zwischen Fleringen und Rommersheim findet sich ein besonders gut erhaltenes Exemplar mit Informationstafel, ebenfalls zwischen Niederehe und Nohn an der L68. Eine Fundstelle bei Iversheim (Bad Münstereifel) weist auf ein großes römisches Kalkwerk hin, das um 150 bis 300 n.Chr. betrieben wurde. An anderen Stellen befinden sich von Gras überwucherte „Hügel“ als Reste solcher Kalköfen, die kaum als solche zu erkennen sind, so wie wir sie südlich oberhalb von Fleringen in der Nähe der Schönecker Schweiz auf einer Kuhwiese finden, etwa 700 Meter Luftlinie von der Krausbuche entfernt.
In der Prümer Kalkmulde fand sich eine große Dichte dieser Öfen. So sind allein für Fleringen im Jahr 1856 neun Öfen belegt. 1985 sorgte der „Geschichtsverein Prümer Land“ für die Reaktivierung des oben genannten Kalkofens zwischen Rommersheim und Fleringen, der heute frei zugänglich besichtigt werden kann. Wir können hineinkriechen, drumherum laufen, den Ofen von allen Seiten sehen und anfassen und uns in alte Zeiten hineindenken. Von Zeit zu Zeit wird hier aktiv Kalk gebrannt. Davon zeugt auch der Boden des Kalkofens, wenn man ihn betritt. Oft sind die Spuren zwar von Laub bedeckt, aber sie sind da und erzählen uns ihre Geschichte.
Und wie funktioniert das Kalkbrennen? Beim Brennen im mit Holz befeuerten Ofen entweicht Kohlensäure aus dem Kalk. Der gebrannte Kalk wird mit Wasser „gelöscht“, die so gewonnene Kalkmilch dann als Mörtelgemisch (mit Sand und Wasser) oder zum Kalken von Fassaden und Räumen verwendet, wobei das Wasser verdunstet und die Kohlensäure durch die Luft wieder in den Kalk eindringen kann. Der frische Baustoff hat allerdings eine ätzende Wirkung auf Augen und Haut.
Vieles ist noch aus alten Zeiten überliefert, so eine alte Schilderung von Johannes Busch (geb. 1854) über die Kalkbrennerei in Schönecken. Dort wird erzählt, dass die Menschen ebenso aus St. Vith im Westen wie auch aus östlicher Richtung aus der Gegend weit hinter der Kyll nach Schönecken kamen. Vier bis acht Öfen gehörten jeweils einer Familie. Nebenan befanden sich Ställe oder Unterstände für das Vieh der Kundschaft, das für den Transport genutzt wurde. Im Sommerhalbjahr lebte auch die Familie des Kalkbrenners vor Ort, die der Kundschaft sowohl Kaffee als auch verbotenerweise selbst gebrannten Korn anboten. Nach 1890 löste Thomasschlacke den Kalk als Düngemittel ab, was zu einem starken Rückgang der Nachfrage führte. Nikolaus Arenth, ein Nachfahr der Schönecker Ofenbetreiber, gab 1995 das überlieferte Wissen preis und schildert, dass knapp 5000 Reisigbündel aus den umliegenden Wäldern benötigt wurden, um in einem solchen Ofen Kalk zu brennen. Auch nach dem Krieg, als Baumaterial knapp war, wurde hier nochmals ein Ofen in Betrieb genommen.
Mit all diesem Wissen machen wir uns auf den Weg und erkunden die Öfen – die Hügel am Wegrand ebenso wie die rekonstruierten Gebäude am Wegrand, die wir nach Herzenslust anschauen, anfassen und erkunden können. Und laufen durch das raschelnde Laub, bücken uns, um durch das Loch ins Innere des Ofens zu gelangen, und dann stehen wir dort und werden ganz still und können ihn hören, riechen und fühlen, den Hauch der alten Zeiten.

Koordinaten Kalkofen in Rommersheim: 50°11’53.7″N 6°27’50.5″E /
bei Üxheim-Niederehe: 50°19’14.1″N 6°46’43.3″E /
Hügel südlich von Fleringen: 50°11’42.5″N 6°29’54.5″E


Weitere Informationen: https://www.schoenecken.com/HTML/kalkoefen.htm
https://www.eifel.info/a-kalkofen-1
https://www.eifel.de/go/sehenswertes-detail/kalkofen_hillesheim.html

Im Kalkofen

Kalkofen in Üxheim-Niederehe (in der Nähe der Nohner Mühle)
Grüße aus dem Auenland – diese Hügel sind ehemalige Kalköfen (zu finden am Rand der Schönecker Schweiz)
Kalkofen in Niederehe an der Basis
Infotafel über den Kalkofen an der Landstraße zwischen Rommersheim und Fleringen

Spaß beim Erkunden
Milch ist auch weiß – Kühe weiden auf den ehemaligen Kalköfen am Rand der Schönecker Schweiz

Ein Wasserfall im Wachstum – die Nohner Wasserfälle (Wasserfall Dreimühlen)

Ein Wasserfall im Wachstum – die Nohner Wasserfälle (Wasserfall Dreimühlen)
Irgendwo im Nirgendwo wartet eines meiner Lieblingsmotive: Wasserfälle sind immer toll, und Wasser begleitet mich in der Eifel fast immer. Nach einer langen Phase der Neugier (Notiz aus der Zeit vor meinem Navi: auf der Karte herauszufinden, wo ich eigentlich hin muss, ist gar nicht so leicht…) finde ich im Mai 2017 erstmals mit ortskundiger Hilfe in Begleitung einer Eifeler Freundin diesen märchenhaften Ort: den Wasserfall Dreimühlen, auch unter dem Namen Nohner Wasserfälle bekannt. Und kehre immer wieder zurück, denn Wetter und Jahreszeiten verleihen dem Naturdenkmal ein täglich neues Gesicht: in romantischem Tiefgrün im späten Frühjahr, bunten Herbstfarben im Indian Summer und verziert mit bizarren Eiszapfen im Winter.
An einem zauberhaften Novembermorgen 2019, der mich mit Nebel im Tal und Sonne auf den Höhenrücken der Eifel begrüßt, führt mich mein Weg – unmittelbar vor der Abreise – wieder dorthin. Im Gepäck viele schöne Moment und Geschehnisse und Erinnerungen an die letzten Tage und noch mehr wichtige Wünsche für die Zukunft. In der Kapelle an der Nohner Mühle – so viel ist klar – will ich auf dem Rückweg sechs Kerzen anzünden, jede einzelne für eine ganz bestimmte Person oder einen ganz besonderen Gedanken. Bereits dreimal an diesem Tag haben mich die Eifeler Menschen mit ihrer Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft positiv – nun, überrascht kann man nicht sagen, das ist es ja, was ich an diesen Menschen so mag – sagen wir: überzeugt.
Gleich hinter dem Kalkofen an der Landstraße biege ich links ab auf den Wanderparkplatz „Nohner Mühle“ und mache mich von hier aus auf den Weg. Zunächst betrachte ich die Kapelle nur freundlich im Vorübergehen und lasse auch die Nohner Mühle links liegen, die ohnehin (wen wundert es so spät im Jahr mitten in der Woche und mitten am Tag) nicht geöffnet ist. Wenig später muss ich mich entscheiden, ob ich unten am Bach entlang gehe oder weiter oben (links) den asphaltierten Weg wähle. Ich schlage zunächst den Pfad unten ein, mir kommen auch Menschen entgegen, aber er ist mir zu nass, rutschig und steinig, was sich mit meiner Erinnerung an das letzte Mal deckt. Es wäre sicher zu schaffen, aber das mit dem Abrutschen und Hose zerreißen verschiebe ich auf eine andere Gelegenheit. So laufe ich ein paar Meter zurück und schlage durch die Unterführung den „harmlosen Weg“ (Kalkeifel-Radweg) zu den Fällen ein und nähere mich den Wasserfällen. Mein Weg kreuzt den eines Ehepaares, das zum ersten Mal hier ist und keine Ahnung hat, ob es auf dem richtigen Weg ist (ja! Es ist nicht mehr weit! Etwa 500 Meter.) – gemeinsam setzt man den Weg fort.
Der Anblick der Wasserfälle ist immer schön! Kaum in Sichtweite, beginnen meine beiden Begleiter, sich gegenseitig mit den Fällen im Hintergrund abzulichten. Ich nehme die Sache in die Hand, nehme ihr Handy und fotografiere beide gemeinsam vor diesem schönen Hintergrund, und im Gegenzug bieten beide mir das Gleiche an, was ich gerne annehme. Bis heute ist dieses Foto von mir vor den Nohner Wasserfällen mein Profilbild bei Instagram.
Vor den Fällen geht ein Stieg mit Geländer hinab ins Tal, und dort erfahre ich auch auf einer Infotafel, wie dieses Naturwunder entstanden ist: nämlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts, als wegen Bauarbeiten an der Bahnstrecke nach Jünkerath ein gemeinsamer Lauf für drei Karstquellen des Mühlenbachs geschaffen wurde. Seitdem fällt das Calcium- und CO2-haltige Wasser an genau dieser Stelle über eine Breite von etwa 12 Metern über die Kante etwa 6 Meter in die Tiefe. Durch eine besonders starke Verdunstung, Laubmoos und Kieselalgen (die eine viel größere Oberfläche bieten als glatter Fels) bilden sich hier Kalksinterverkrustungen, die den Wasserfall jährlich um etwa 8-10 Zentimeter zum Tal hin wachsen lassen. Die drei Bäche hatten bereits zuvor seit der letzten Eiszeit eine 300 Meter lange und 100 Meter breite Sinterbank entstehen lassen. Es handelt sich um das nördlichste Kalksintervorkommen in Europa. Seit 1938 gilt der Wasserfall Dreimühlen (benannt nach der nahegelegenen Burgruine) als Naturdenkmal. Das Wasser enthält 200 mg Calcium je Liter. Ich staune.
Anschließend erkunde ich den Wasserfall an seiner Basis von allen Seiten. Der Weg führt teilweise fast darunter hindurch, und von jeder Seite bietet er neue und spannende Perspektiven. Das Wasser gleitet wie ein Vorhang an Höhlen vorbei, springt und tropft über moosige Absätze im Gestein, platscht auf Felsen und in seinen eigenen Abfluss zum Ahbach, den ich über die malerische Brücke überquere, um den Wasserfall aus der Ferne mit seiner umgebenden Landschaft zu betrachten und natürlich zu fotografieren. Auf einer Bank genau gegenüber gönne ich mir eine Rast, bevor es auf den Rückweg geht. Wieder vorbei am Wasserfall, wieder eine endlose Kette von (noch besseren) Fotos…
Es dauert eine Weile, bevor ich mich von all dem abwenden kann. Auf dem Weg zum Auto kehre ich in die winzige Kapelle ein. Sechs Kerzen sind schnell gegriffen, bezahlt und auf dem Altar arrangiert. Ich sehe mich im ganzen (überschaubaren, aber sehr hübschen) Raum um. Keine brennende Kerze, kein Feuerzeug, keine Streichhölzer. Seufzend hoffe ich, dass sich jemand, der besser ausgerüstet ist als ich, meiner Kerzen und damit auch der Wünsche, die ich hineingelegt habe, annehmen wird, und ziehe weiter. Nach fünfzig Metern stoppe ich. Ich habe nicht gebetet! Das gehört aber unbedingt dazu. Ich drehe um und betrete die Kapelle erneut. Und bevor ich überhaupt anfangen kann zu beten, öffnet sich die Tür, und eine Wanderin mit voluminösem Rucksack kommt herein (es wird eng!), die – welch wunderbare Fügung – ein Feuerzeug bei sich hat. So bedanke ich mich überschwänglich und bringe meine Wünsche auf den Weg.
Nun kann ich beruhigt fahren! Und habe so viel Gutes erfahren an diesem schönen Herbsttag!

Weitere Informationen: https://www.gerolsteiner-land.de/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.nohn-eifel.de/tourismus/wasserfall, https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-255237, https://www.eifel.info/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.eifelsteig.de/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.eifelverein.de/index.php/hauptwanderwege
(Rad-)Wandern: Fernwanderweg Eifelsteig, Kalkeifel-Radweg, Rundweg
Parken: Wanderparkplatz Nohner Mühle, GPS 50°19’18.0″N 6°46’45.1″E (Abzweig von der L68) – ab hier 1 km Fußweg zum Wasserfall
Essen und Trinken: Nohner Mühle, Nohner Mühle 2, 54578 Nohn, www.nohnermuehle.de

Ein Blick von „gegenüber“:
Hier erkennt man die Kalksinterbank, die seit der Eiszeit entstanden ist, in ihrer ganzen Breite

Kalk verdunstet auf der vergrößerten Oberfläche des Mooses.
Diese Verkrustungen lassen den Wasserfall wachsen

Zulauf oberhalb des Wasserfalls
Die kleine Kapelle – ein guter Ort für wichtige Wünsche
Der Ahbach im Tal

Auf der Flucht vor dem Coronavirus rund um das Mehlenbachtal

Am 18.03.2020 wird es Zeit, die Eifel zu verlassen und mich an meinem Heimatort in die mehr oder weniger freiwillige Isolation zu begeben. Keine Urlaubsreisen mehr. Jeder kehre in sein Haus oder seine Wohnung zurück – wie in der Bibel: ein jeglicher in seine Stadt… Also Lebewohl Eifel, Lebewohl Freiheit, wer weiß schon, für wie lange und was danach sein wird. Welche Restaurants und Feriendomizile nach der „Reisesperre“ überlebt haben und noch existieren. Und welche geliebten und geschätzten Menschen der Krankheit womöglich zum Opfer fallen.
Nun also, wie ein letzter freier Atemzug, eine Wanderung im Mehlenbachtal. Das Tal macht mich schon lange neugierig, leuchtet es mir doch auf meiner Wanderkarte grün und einladend entgegen. Ich habe mir die Sache auf der Karte genau angeschaut und ein paar Tourenbeschreibungen durchgelesen und mich entschieden, direkt im Tal unterhalb von Niedermehlen zu parken, dort, wo der Wanderweg 8 auf die Landstraße trifft. Auf der Durchfahrt habe ich bereits ausgekundschaftet, dass dort neben der Landstraße ein wenig Freiraum mit zum Parken geeignetem Untergrund vorhanden ist. Spannend klingt auch das Wacholdergebiet, also beschließe ich, beides miteinander zu kombinieren.
So überquere ich zum ersten Mal den Mehlenbach, genieße den Blick auf das Bächlein, das unter Sträuchern geduckt dahinplätschert, und folge zunächst der Landstraße Richtung Westen leicht aufwärts nach Niedermehlen und biege nach 150 Metern links ab in den Wacholderweg. Die Straße ist wie ausgestorben. Klar, wegen Corona sitzt jeder in seinem Haus. Doch hinter der nächsten Kurve begrüßt mich ein Hund äußerst freudig, und seine Besitzerin grüßt entspannt, wünscht mir erst einmal einen schönen Tag (ich mag die Eifelmenschen so gern!) und erkundigt sich dann nach meinem Ziel. „Oh, das Wacholdergebiet, da müssen Sie ja den Weg ganz hoch!“ Ja, das muss ich, und sie beschreibt mir genau, wie mein Weg weiter verlaufen sollte. Ich bedanke mich herzlich für ihre hilfreichen Angaben. Sie bezweifelt, dass der Wanderweg oben schon freigeschnitten ist, und ich sehe das nicht so verkrampft. Zur Not komme ich eben einfach wieder zurück. Außerdem verrät mir meine Wanderkarte, dass es „oben“ Alternativen gibt. Ich hatte mir eigentlich eine tiefer liegende Route ausgesucht. Die Praxis zeigt: Auf dieser Route hätte ich gar keinen Wacholder gesehen. Also hier noch einmal ein ganz herzlicher Dank an die nette Dame mit dem genauso netten Hund. Ich verdanke ihr einen ganz besonderen Moment.
Also einfach immer nach oben. Die kleine gepflasterte Straße lässt das entspannt zu und bietet Aussichten, die alle zwei Meter schon wieder noch spektakulärer erscheinen als einen Moment zuvor. Ein Aufstieg mit Genuss – es müssen etwa 100 Höhenmeter gewesen sein, bei denen jeder Schritt es wert war, gegangen zu werden. „Oben“ ist nicht zu verfehlen. Ich tauche in den Wald ein, sehe rechterhand den ersten Wacholder, als sich zur Linken ein Wald- und Wiesenweg mit einem verwitterten Hinweisschild „Wacholdergebiet“ öffnet, der definitiv noch nicht freigeschnitten wurde. Ich klettere über den Baum, der mir den Weg versperren möchte, und genieße den Wiesenpfad zwischen Waldrand und Weiden, der immer wieder eindrucksvolle Aussichten bietet. Auf der anderen Seite des Tals erhebt sich der Kalvarienberg. Ich kann das Krankenhaus und ein paar Häuser der Ortschaft Tafel erkennen. Mein Weg führt direkt auf eine skurrile Formation aus drei Kiefern zu, doch zuvor lädt mich zur Rechten eine malerische Schutzhütte zum Verweilen ein. Ich setze mich, trinke, esse, schaue auf die Karte und lese dann eine Nachricht. Einer meiner Eifel-Menschen bedankt sich bei mir, weil ich ihm heute Morgen noch etwas Gutes zurückgelassen habe. Ich blicke von meiner Bank aus durch die Fenster und die Tür und genieße die Schönheit der Eifel, die unglaubliche Stille des Landes um mich herum, und der Abschied wird mir noch viel schwerer. Kein Mensch ist in der Nähe – ein guter Ort, um einfach einmal die Seele fließen zu lassen und eine Runde hemmungslos zu weinen. Hört ja keiner. Außer mir ist niemand hier.
Irgendwann ist es wieder gut. Ich trinke etwas Wasser, stärke mich und ziehe weiter. Nach wenigen Schritten erreiche ich die Kiefern, stark und knorrig und ganz einzigartig gewachsen. Wie alt mögen sie sein? Ihr Ausblick über das Tal ist einmalig. Und hier gibt es ihn dann auch in Hülle und Fülle: den Wacholder. Wild und struppig geleitet er meinen Weg, und über ihn hinweg schaue ich hinunter ins Tal und hinüber auf die nächste Hügelkette. Den Germanen war der Wacholder heilig. Irgendwie kann ich das verstehen.
Irgendwann ist es vorbei mit dem Wacholder, und ich treffe auf den breiten, heute etwas schlammigen Wanderweg 17, von dem es heißt, dass er später steil abwärts geht. Mal schauen, wie ich und mein Knie das so verkraften. Vor meinem geistigen Auge bildet sich ein Bild von mir mit schlammverkrusteter Kleidung. Alles dreckig und verschrammt, bloß die Kamera heil und sauber. Auch das gab es schon einmal bei einer Wanderung. An einer Weide öffnet sich ein grandioser Weitblick bis zum Viadukt der Schnellstraße mit viel typischer Eifellandschaft und der eindrucksvollen Architektur der Brücke und der Straße, die sich wie ein Band durch die Natur zieht.
Ein Stück weiter bergab zeigt ein Wegweiser, dass mein Weg (17) sich rechts durch einen Laubwald fortsetzt. Kaum erkennbar schlängelt er sich abwärts zwischen den Bäumen hindurch, und ruckzuck (und ohne nennenswerte Probleme mit dem Gefälle, eher beim Erkennen des Weges) bin ich unten. Das letzte Stück Böschung renne ich, damit ich nicht rutsche (später erkenne ich, dass ich eine Serpentine verpasst habe – so viel zum Thema Geländetauglichkeit).
Und dann bin ich fast im Tal und werde von nun an begleitet von dem freundlichen Plätschern verschiedenster Wasserläufe, die den Weg kreuzen oder parallel dazu verlaufen, und von sprießendem Grün. Ich folge dem Weg nach rechts auf der Suche nach einem Übergang und mit dem Ziel, endlich den Mehlenbach nicht nur aus der Ferne, sondern auch aus der Nähe zu erkunden. Dafür muss ich nur weiter dem Gebietswanderweg 17 folgen. Zwei querliegende Bäume weiter (kein echtes Hindernis, ein malerisches Motiv und zudem gut für mein Wanderer-Abenteurer-Selbstbewusstsein, mit allem fertig zu werden) ist es endlich so weit: über einen Blockbohlenweg gelange ich zu einer Brücke über den Mehlenbach, der sich malerisch durch das weite grüne Tal windet – mäandern sagt der Fachmann wohl dazu. Parallel zur hölzernen Brücke führt eine Furt durch das Wasser, und ich stelle mir den Spaß für Pferd und Reiter beim Durchqueren des Bachbetts vor – es sei denn, einer von ihnen ist wasserscheu oder nutzt die Gelegenheit für ein Bad. Das Gewässer wird begleitet von niedrigen und höheren Büschen, die zeitweise Hecken bilden und sich wie das Dach eines Kirchenschiffs über dem Bächlein wölben.
Auf der anderen Seite geht es wieder kurz bergauf, dann folge ich dem örtlichen Wanderweg 8 nach links bis zu meinem Ausgangspunkt. Immer noch werde ich linkerhand begleitet von dem plätschernden Mehlenbach, auf den ich immer wieder Blicke erhaschen kann. Zur Rechten steigt der Wald teilweise steil an, und von meinem Standpunkt aus, vielleicht 20 oder 30 Meter über der Talsohle, schaue ich zurück auf die andere Seite des Tals, dorthin, wo ich hergekommen bin. Deutlich oberhalb meines Standorts liegt gegenüber das Wäldchen, das ich erreichte, nachdem ich schon eine ganze Weile abwärts gelaufen war. Das Wacholdergebiet wird nur teilweise sichtbar, und plötzlich erkenne ich, wie hoch ich eigentlich war. Hoch über den Dingen, allein in meiner Hütte am Feldrand neben den alten Kiefern.
Ein guter Ort für den letzten Tag in Freiheit – für wie lange, das werden wir sehen.

Parkmöglichkeit: Bleialfer Straße (L17) 50°12’59.1″N 6°23’32.3″E
Daten zur begangenen Route: Länge: gut 4 km, Höhenmeter: aufwärts wie abwärts je etwa 130; Nutzung der Wanderwege 10 (nicht auf der Karte, aber an den Wegen gekennzeichnet), Gebietswanderweg „Route 17“ (Prümer Land) und Ortswanderweg 8 (Prüm)
Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de/wandern
Empfehlung: Wanderkarte Nr. 17 des Eifelvereins, „Prümer Land“, ISBN: 978-3-944-620-00-8

Weiter Blick über Niedermehlen
Blick zurück von fast ganz „oben“
Traumhafte Aussichten vom Wiesenweg am Waldrand über die Felder auf dem Weg zum Wacholdergebiet
Rast mit traumhaftem Blick
Einsame Hütte mit Ausblick

Kiefern mit Ausblick: Diese Bäume könnten viel erzählen
Traumhafter Blick über das Wacholdergebiet in die Landschaft hinein

Abstieg mit weitem Blick

Diese Schilder geleiten uns vom Wacholdergebiet hinab bis über den Mehlenbach

Der Mehlenbach

Hier geht es gleich links zum Mehlenbach
Dieser Blockbohlenweg führt zur Brücke über den Mehlenbach
Hier gluckert und plätschert es laut: Der Mehlenbach

Wanderweg 8
Wanderweg 8 kurz vor Niedermehlen
Der Mehlenbach windet sich malerisch durch das weite Tal

Frühlingsboten

Viel mehr als nur Eierlaufen – „Hase und Igel“ am Ostermontag bei der Schönecker Eierlage

104 Eier warten auf der Von-Hersel-Straße auf den Raffer.
Die Perspektive täuscht: Die Eier liegen im Abstand von 62,5 cm (1 Elle).

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in Schönecken, und am Ostersamstag klingelt ein (mehr oder weniger) junger Mann und bittet um Eier – dann sollten Sie ihm welche geben! Denn dieser Mensch ist der „Raffer“ oder der „Läufer“ bei einer der ältesten und interessantesten Ostertraditionen überhaupt – der Schönecker Eierlage!
2011 wurde ich erstmals Zeugin dieses faszinierenden Wettlaufs. Damals wurde der Läufer mit einem Alter von 44 Jahren zum ältesten Sieger der Eierlage gekürt. 2014, bei meinem zweiten Besuch, konnte ich den damaligen Raffer erneut als Läufer bejubeln, der ebenfalls siegte.

Doch was geschieht eigentlich am Ostermontag in Schönecken? Aus dem Mund meiner damals vierjährigen Tochter geschildert passiert folgendes: „Der Eine läuft immer hin und her und hat manchmal ein Ei. Am Ende hat der andere gewonnen, aber den hat man nie gesehen. Alle haben nur gesagt, dass er gewonnen hat.“
Im Klartext: Auf der Von-Hersel-Straße werden 104 rohe Eier im Abstand von einer Elle (62,5 cm) ausgelegt. Um 14 Uhr treten zwei Junggesellen gegeneinander an: Der „Raffer“, der diese Eier einzeln aufsammeln und in den Korb bringen muss, und der Läufer, der die Wegstrecke ins benachbarte Seiwerath und zurück – 7,6 Kilometer bei 122 Metern Höhenunterschied – auf sich nimmt. Der Raffer kann selbst entscheiden, wann er welches Ei aufsammelt, doch es muss einzeln geschehen. Dabei legt er maximal etwa 65 Meter und insgesamt 6,9 Kilometer zurück. Hinzu kommen 104mal stehenbleiben, bücken, aufheben, umdrehen und zurücklaufen. Das letzte Ei darf er werfen. Wer seine Aufgabe zuerst beendet hat, ist der Sieger des Wettbewerbs.

Die Feierlichkeiten beginnen übrigens am Karsamstag mit dem Aufbauen. Am Ostersonntag richtet die Junggesellensodalität bereits ein großes Fest im Gemeindezentrum aus. Der Ostermontag ist geprägt vom Hochamt und gipfelt in dem Wettlauf mit anschließendem Umtrunk und Tanz im Festzelt. Nach dem Aufräumen werden am Dienstag als feierlicher Abschluss die für den Lauf gesammelten Eier verzehrt. Spannend ist jedoch auch die Versteigerung am Palmsonntag, eine Woche vor Ostern. Die Junggesellen bewerben sich paarweise als Raffer und Läufer. Ihnen werden vom Verein 25 Euro angeboten. Im Anschluss unterbieten sich die Bewerber in einer rückwärts laufenden Versteigerung (die Beträge werden also immer kleiner). Bleiben nur noch drei Paarungen übrig, entscheidet die Sodalität darüber, welche davon am besten geeignet ist, anzutreten. Die beiden Sieger geben nun bekannt, wer von ihnen der Raffer und wer der Läufer ist – eine Neuigkeit, die im Dorf schnell die Runde macht.

Als wir am Ostermontag Schönecken erreichen, gleicht besonders die Von-Hersel-Straße einem Hexenkessel. Schaulustige von Nah und Fern bevölkern die festlich geschmückte Ortschaft (auch liebevoll „Flecken“ genannt) und fiebern mit den Probanden um den Sieg. Die Spannung steigt, sobald der Läufer den Punkt erreicht, an dem er von Schönecken wieder sichtbar ist. Der Böllerschuss treibt den Raffer zur Eile. Die Menge tobt. Schweißgebadet hastet er durch die enge Gasse zwischen den Zuschauern hindurch – geschützt, begleitet und angefeuert von seinen Junggesellen-Kollegen und getragen von der Menge. Letztlich ist der Läufer auch von der Von-Hersel-Straße aus sichtbar. Nun wird es eng für den Raffer, wenn er noch nicht fertig ist! Nur noch wenige Meter, und der Läufer hätte gewonnen…

Wer würden Sie sein wollen – Läufer oder Raffer? Welche Strategie würden Sie als Raffer verfolgen? Erst die kurzen Strecken? Oder die langen?
Ich denke darüber nach, wann ein junger Mann ein Junggeselle ist. Darf er schon …? Tatsächlich dürfen die Teilnehmer nicht verheiratet sein und keine Kinder haben.

Und was ging meiner kleinen Tochter durch den Kopf? „Mama, warum heißt der Raffer eigentlich Raffer? Der läuft doch auch…“ Kluges Kind! Das Wort raffen ist vielleicht etwas altmodisch, bedeutet aber in etwa „aufheben“. Eifler kennen sicher den Begriff „oprafen“, zum Beispiel beim Steinesammeln auf dem Feld. Und was dachte die Kleine noch? „Warum nimmt der nicht mehrere Eier auf einmal?“ Was soll ich dazu sagen? Spielregeln? Alte Traditionen?

Wie gut, dass es die in der Eifel noch gibt!

Der Ursprung dieser einzigartigen Tradition zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, weil er so wunderbar typisch für das Leben und die Menschen in der Eifel ist – der Sage nach schon um 1500:
In Schönecken lebten 14 Junker, die neben gewöhnlichem Dienstpersonal auch Läufer beschäftigten, die für sie Besorgungen erledigten. Ein Zechgelage der Ritter führte zu fortgeschrittener Stunde zu Zank und Streit und großmäuligen Sprüchen. Jeder glaubte, den schnellsten Läufer zu haben. Um herauszufinden, wer von ihnen Recht hatte, wetteten sie – jeder auf seinen Läufer. Die Wettläufe erfreuten sich auch beim Volk größter Beliebtheit, und bereits nach kurzer Zeit fand zu Ostern der Wettstreit in einer Form statt, die sich bis heute erhalten hat. Zur damaligen Zeit handelte es sich um 100 bis 110 Eier, und der Läufer lief bis Niederhersdorf und malte dort ein Kreuz an die Kirchentür, bevor er zurückkehrte. (Ich hoffe, er kam nie auf den Gedanken, jemand anderen damit zu beauftragen. Wurde die Tür bewacht, um festzustellen, dass es wirklich der Läufer war, der sich dort verewigte?) Nach der Rückkehr des Läufers gaben sich Raffer und Läufer Kuss und Handschlag und erhielten ein Trinkgeld. Anschließend wurde auf der Burg ein großer Ball abgehalten. Und natürlich ein fröhliches Eier-Essen!
(Tatsächlich urkundlich nachgewiesen ist der Brauch im Jahr 1764. Aber man geht davon aus, dass er deutlich älter ist. Und es wäre doch nett, wenn es so abgelaufen wäre wie oben beschrieben…)

Weitere Informationen: www.eierlage.de, http://www.schoenecken-eifel.de/EIERLAGE.HTM, https://www.ferienregion-pruem.de/kultur/tradition/eierlage-in-schoenecken

Quelle und Buchempfehlung: Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

Zwei Kameraden begleiten den Raffer und sorgen dafür, dass ihm niemand im Weg steht.
(Aufnahme aus dem Jahr 2019)
Ei ausgewählt und aufgehoben (opgeraft). Jetzt schnell zurück zum Korb.
„Oprafen“
104x hinlaufen, aufheben und dann schnell zurück zum Korb – begleitet von den Anfeuerungsrufen der Zuschauer und Kameraden. Kamerateams halten alles fest.
Der Läufer naht. Nun bleibt dem Raffer nicht mehr viel Zeit.
(Aufnahme aus dem Jahr 2014; der Läufer 2014 war bereits 2011 als Raffer bei der Eierlage aktiv. Begleitet wird er unter anderem von dem Läufer aus dem Jahr 2011 (links), der damals siegte.)
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: das Ei
Nicht jeder Besucher ist aufmerksam. Obwohl die Eier bei der Veranstaltung im Mittelpunkt stehen, wird das eine oder andere Ei im Vorfeld des Laufs von unachtsamen Fußgängern zertreten. Dann muss schnell für Ersatz gesorgt werden.
Vorbereitungen: Läufer, Raffer, Hauptmann und Brudermeister kontrollieren die regelrechte Auslage der Eier. Die mediale Aufmerksamkeit ist groß.
Raffer und Läufer kurz vor dem Start der Eierlage. Noch schnell etwas trinken und dann auf den Wettbewerb fokussieren.

Eine Schlucht, der Teufel, die Felsen und ich – oder: Von der Schlucht, die oben liegt (die Teufelsschlucht)

Die faszinierende, wildromantische Teufelsschlucht in Ernzen nahe der luxemburgischen Grenze und ich brauchten drei Anläufe, bis ich Landschaft und Felsen wirklich genießen und auf mich wirken lassen konnte. Das zwischen uns ist eine lange und komplizierte Geschichte.

Sie beginnt im April 2011, als ich mich frohgemut mit zwei Teenagern und einer Vierjährigen im Schlepptau aufmachte, die Felsschlucht zu erkunden, und erst einmal an den Irreler Wasserfällen halt machte – im Grunde eine sinnvolle Idee, die auch zunächst zu schönen Erlebnissen führte. Da wir vorhatten, mit dem Auto zur Schlucht weiterzufahren, ließ ich die Hälfte meiner Vorräte im Auto und nahm nur etwas Bargeld, zwei Trinkflaschen und einen kleinen Snack mit zu den Wasserfällen. Wir kletterten hinab zum Fluss und erkundeten die Stromschnellen, überquerten die malerisch überdachte Brücke, bestaunten den Ausblick über das wilde Wasser und die gewaltigen Felsblöcke darin und durchstreiften schließlich den angrenzenden Wald. Auf einem Schild stand: Teufelsschlucht 2,0 km.

Nun, dachte ich bei mir, das ist nicht weit, und die Stufen, mit denen der Weg begann, sahen hübsch und einladend aus. Von den 180 Höhenmetern, die wir auf diesem Stück überwinden mussten, und dass der Rundweg durch die Teufelsschlucht weitere 1,8 Kilometer lang ist (ganz zu schweigen von seinem ständigen Auf und Ab), war nirgendwo die Rede. Bei jedem Felsen glaubten wir, die Schlucht erreicht zu haben, machten eine Pause, tranken, aßen, fotografierten und entdeckten dann ein weiteres Schild mit dem Vermerk „Teufelsschlucht“ und einer Kilometeranzeige, die einfach nicht signifikant kleiner werden wollte. Nach etwa einem Kilometer und gefühlten 1000 Stufen gingen uns Getränke und Verpflegung aus. Die Teenager meuterten. Die Vierjährige gab den letzten Schluck in ihrer Flasche dahin für die maulenden Jugendlichen. Klingt wie ein Märchen, fühlte sich an wie ein Alptraum und führte meinerseits zu Phantasien von plötzlich auftauchenden Helikoptern oder geländetauglichen Traktoren, die uns aus diesem „Irgendwo im Nirgendwo“-Trip befreiten.

Als wir die Teufelsschlucht endlich erreichten, übersahen wir die Abkürzung zum Besucherzentrum, stolperten hungrig, durstig und müde zwischen Felsen hindurch und Pfade und Stiege hinauf und hinab, ohne sie genießen zu können. Endlich im Besucherzentrum angekommen, füllte ich meine Flasche mit Leitungswasser, kaufte Essen und Trinken für die Kinder, eine Karte für mich (natürlich – die Menschen in der Eifel sind immer hilfsbereit – begleitet von einer exakten Wegbeschreibung bezüglich der kürzesten Strecke zurück zu meinem Auto), schärfte meinen Kindern ein, sich nicht vom Fleck zu rühren, und galoppierte die Abkürzung vom Besucherzentrum hinab zum Parkplatz an den Irreler Wasserfällen (ein Foto von der Brücke musste trotzdem noch sein!), stieg ein, fuhr die Strecke zum offiziellen Besucherparkplatz, lief von dort wieder zum Besucherzentrum (eine nicht enden wollende Entfernung von 500 Metern) und war nach rekordverdächtigen 45 Minuten wieder mit meinen drei Schützlingen vereint.

Fazit: Die Strecke erscheint deutlich länger und ist durch die Höhenmeter sehr anstrengend. Als Familie unbedingt „oben“ bei der Teufelsschlucht starten und mit dem Weg durch die Schlucht beginnen, solange man noch frisch und aufnahmefähig ist. Im Anschluss an eine Wanderung bietet sich ein Besuch im Dinosaurierpark an, der sich am Weg zwischen Parkplatz und Schlucht befindet. Bei Regen oder Frost kann der Pfad, der über Felsen, Stufen, Stock und Stein führt, glitschig und glatt sein. Es gibt eine Vielzahl von Wanderwegen unterschiedlicher Länge, die die Schlucht durchqueren. Unterhaltsam aufbereitete spannende Fakten rund um das Naturwunder und seine Entstehung gibt es auf dem 1,8 Kilometer langen kleinen Rundweg Teufelspfad 1 als Audiotour, die auch über eine App aufs Handy geladen werden kann. GPS-Geräte können im Besucherzentrum geliehen werden. Das Naturparkzentrum bietet neben „Teufels Küche“ noch ein Naturparkmuseum mit interaktiven Stationen, das Haus der Jagd und einen Info- und Souvenirshop. Das Besucherzentrum ist übrigens barrierefrei – die Schlucht ist es nicht!

Im Sommer 2019, bei meinem dritten Anlauf (der zweite scheiterte an einem trüben Novembertag 2013 an meiner negativ angehauchten Stimmung), erschloss sich mir endlich die traumhafte Schönheit und Faszination dieser Schlucht, die ihren Namen mehr als verdient hat: Ich drängte mich durch schmale Spalten, die ich nicht aufrecht durchqueren konnte, starrte auf bizarre Steingesichter, bewunderte wild wucherndes Grün und durchlöcherte Felsen und bestaunte die atemberaubende Aussicht hinab auf die sanft hügelige Eifellandschaft außerhalb der Schlucht. Die wilde, ungezähmte und berauschend schöne Natur verzaubert an jeder Ecke auf eine ganz urtümliche und aufregende Weise, die jeder Beschreibung trotzt. Da gibt es nur eines: Sehen, durchwandern und jeden Meter genießen!

Nun endlich hatte ich auch Augen und Ohren für die Entstehungsgeschichte der Gegend und ihre Besonderheiten: Die Teufelsschlucht liegt am Ostrand des Ferschweiler Hochplateaus, also weit über den Irreler Wasserfällen am Unterlauf der Prüm im Tal (die eigentlich Stromschnellen sind). Die Landschaft der Südeifel bildete sich vor 190 Millionen Jahren aus einem Meer heraus, dessen Reste heute noch an vielen Orten der Eifel sichtbar sind. Es sind nicht zuletzt die Versteinerungen und Fossilien, die diese Landschaft so einzigartig und faszinierend machen. Im Delta eines Flusses, durch die Anhebung des Rheinischen Schiefergebirges heute auf einer Höhe von 330 Metern, bildete sich eine ca. 30 Meter dicke Schicht aus Luxemburger Sandstein. Der darunter liegende Mergelboden war weich und wurde stellenweise herausgewaschen, was zu einem Abrutschen der darüber liegenden Felsschichten und zur Bildung von Klüften führte. Vor etwa 12.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit, bildete sich – herausgesprengt im ständigen Wechsel zwischen Frost und Tauwetter – eine 28 Meter tiefe Felsspalte im Sandstein, an ihrer engsten Stelle nur einen Meter breit: die Teufelsschlucht war entstanden. Ihre Lage hoch oben verwirrte die Menschen. Diese Schlucht war nicht durch einen Fluss entstanden, sie musste Teufelswerk sein. Schaut man sich die Felsgebilde mit etwas Phantasie an, können sie auch heute noch gespenstisch wirken. Die ins Tal gerutschten gewaltigen Felsblöcke finden sich auch an den Irreler Wasserfällen. Die wabenförmigen Löcher im Sandstein stammen übrigens von Kieselsäure-Einlagerungen. Und noch eine botanische Besonderheit haben die Felsen vor Ort zu bieten: das goldgrün reflektierende Leuchtmoos. Als gäbe es nicht schon genug zum Wundern und Staunen!

 

Adressen und Infos:
Naturparkzentrum Teufelsschlucht, Ferschweilerstraße 50, 54668 Ernzen, Tel.: 06525/933930, www.teufelsschlucht.de
GPS Besucherzentrum 49°50.8217’N 6°26.1164’E
GPS Teufelsschlucht 49°50.7232’N 6°26.4195’E
Dinosaurierpark Teufelsschlucht (gleiche Adresse): Tel. 06525/9339344 www.dinopark-teufelsschlucht.de

Weitere Infos: www.eifel-gps.de, www.eifel.info, www.naturpark-südeifel.de  

Youtube: https://youtu.be/LbBaF5ezv3U

Irreler Wasserfälle

Durchgang

April 2011: Der Weg begann harmlos und schön
November 2013 – hier sieht man deutlich, wie winzig der Durchgang ist: Der Wanderweg führt durch dieses Loch!

Von oben nicht viel mehr als ein Spalt: Blick von oben am Ausgang der Teufelsschlucht (Norden)
Vor dem Eingang des Dinosaurierparks

Prüm und die Sache mit den Karolingern

Prüm und die Sache mit den Karolingern

Von welcher Seite auch immer ich mich der Stadt Prüm nähere: Mein Blick fällt auf die stolze, weiß und rosa leuchtende Basilika und die benachbarten Abteigebäude. Sie laden ein zum Staunen, Innehalten und auch zum Gebet. Rückwärtig und etwas unterhalb, am Gerberweg, zwischen Basilika und Abtei auf der einen Seite und unweit des Aldi-Parkplatzes auf der anderen Seite, befinden sich mehrere Statuen und Gedenktafeln, die eine spannende Geschichte erzählen. Hier, zwischen Friedhof und Bushaltestelle, im Schatten des ehemaligen Klosters, erfahren wir, was es mit Prüm, der Abtei und den Karolingern auf sich hat.

Wenn ich mir Prüm in seinen Anfängen vorstelle, sehe ich im grünen Tal an einem plätschernden Fluss eine kleine hölzerne Kapelle vor mir – nicht gerade günstig zur Verteidigung gegen Gegner gelegen, die von den umliegenden Hängen hinab darauf zuströmen. Dieses Schicksal ereignete die gerade knospende Stadt nicht nur einmal! Und dennoch: Irgendetwas machten die Gründer von Stadt und Abtei richtig, sonst wäre daraus nicht eine solche Erfolgsgeschichte geworden, ein Zentrum der kirchlichen Macht, eine florierende Stadt. Die Lage im Talkessel bot Schutz vor Wind und Wetter, und die Prüm spendete Leben: Wasser zum Trinken, Kochen und für die sich ansiedelnden Gewerbe, Bewässerung für die Gärten und Felder und Viehweiden.

Von fundamentaler Wichtigkeit für die Gründung der Abtei waren die Karolinger. Dieser Begriff war im Geschichtsunterricht in Windeseile an meinem Ohr vorbeigerauscht (praktisch in einem gemeinsamen Zug mit ihren Vorgängern, den Merowingern), und erst nun begreife ich, dass das Wort sich auf Karl Martell bezieht, den Großvater Karls des Großen. Eigentlich sehr einfach und prägnant! Noch beeindruckender sind die Fakten: Die Klostergründung liegt im Jahr 2021 genau 1.300 Jahre zurück. 1.300 Jahre! Ginge man noch einmal so weit in die Vergangenheit zurück, landete man in Europa in der keltischen Hallstattkultur oder im Griechenland von Pythagoras, und das persische Weltreich würde gerade erst gegründet.

Also, tief durchatmen: 721 gründete Bertrada die Ältere gemeinsam mit ihrem Sohn Charibert das erste Kloster in Prüm. Es stand etwa dort, wo sich heute der Friedhof befindet. Bertrada war mütterlicherseits die Urgroßmutter von Karl dem Großen, ihr Schwager Pippin der Mittlere war interessanterweise auf der väterlichen Seite dessen Urgroßvater. Bertrada die Ältere war eine fränkische Edle und stammte von der Burg Mürlenbach. Ihre Mutter hatte bereits Klöster in Oeren bei Trier und (gemeinsam mit dem heiligen Willibrord) in Echternach begründet. Aus Echternach stammten auch die ersten Mönche: nach den strengen Regeln des heiligen Columban lebende irische Missionare. Der erste Abt trug den Namen Angloard. Nun sollte es nicht mehr lange dauern, bis die heute noch berühmten und bestaunten Sandalen Christi ihren Weg nach Prüm fanden.

Dreißig Jahr später ließ sich der Hausmeier (wichtigstes fränkisches Amt) Pippin der Jüngere, ein Enkel des oben genannten gleichnamigen Schwagers Bertradas und Sohn Karl Martells (die Karolinger, wir erinnern uns…), zum König salben und festigte damit seine Macht. Pippin soll sehr klein gewesen sein und trug daher die Beinamen „der Kurze“ oder „der Kleine“. Auch seine Statue auf dem Karolingerweg am Gerberweg in Prüm ist entsprechend kurz geraten.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Bertrada der Jüngeren, die – Sie ahnen es! – eine Enkelin der oben genannten Klostergründerin war, die ihrerseits mit seinem Großvater verschwägert war, gründete er das schwindende Kloster in Prüm 752 neu. Das Paar gebar mehrere Kinder. Der älteste Sohn sollte später „Karl der Große“ genannt werden!

Ab 762 ließen Pippin und Bertrada an der Mündung des Tettenbachs in die Prüm prachtvolle neue Gebäude errichten: ein neues Benediktinerkloster und eine „goldene Kirche“. Als wichtigste Reliquie erhielt die fortan „Sankt Salvator“ genannte Neugründung die „Sandalen Jesu Christi“, die sich bis heute vor Ort befinden und zu bestimmten Zeiten zu besichtigen sind. Die Stelle des Abts wurde mit einem Verwandten namens Aßuerus besetzt. Die Familie suchte das Kloster in Prüm regelmäßig auf: zunächst Pippin, dann sein Sohn Kaiser Karl der Große, dann dessen Sohn Pippin der Höckrige, der dort Mönch wurde. Zur Einweihung 799, nach vierzigjähriger Bauzeit, sollen Papst Leo III. und Karl der Große anwesend gewesen sein. Karls Statue auf dem Karolingerweg zeigt bildlich: Karl der Große hatte nicht nur ein riesiges Reich, auch er selbst war groß! Quellen sprechen von 1,90 Metern – also selbst für heutige Verhältnisse ein stattlicher Kerl: mit fünf Ehefrauen (nacheinander), etlichen Konkubinen und etwa 20 Nachkommen. Böse Zungen behaupten, es gäbe heute mehr Mitteleuropäer, die Karl den Großen unter ihren Vorfahren haben, als solche, bei denen dies nicht der Fall ist. Außerdem sagt man ihm eine Fistelstimme nach.

Unter der Regentschaft seines Enkels Kaiser Lothar I. fand im September 855 ein Ereignis statt, mit dem der Name von Stadt und Abtei bis heute Einzug in die Geschichtsbücher fand: die Teilung von Prüm. Kurz vor seinem Tod teilte der Kaiser das riesige Frankenreich unter seinen Söhnen auf – eine Entscheidung, die später zum Zerfall des Reiches führte. Er selbst trat dem Kloster bei, verstarb kurz darauf und wurde dort beerdigt. Ein Sarkophag mit seinen Gebeinen befindet sich heute noch in der Basilika.

Die Karolinger legten den Grundstein für ein blühendes Klosterleben: Landschenkungen und Erbschaften, sechs Zweigklöster, die Unantastbarkeit der Klostergrenzen und die Unabhängigkeit von weltlichen Gerichten, Marktrechte, Wallfahrten und Prozessionen. Viel später, 1222, sollte Prüm zum Fürstentum erhoben werden. Unzählige Ortschaften im Umkreis verdanken ihre Existenz dem Kloster.

Doch es gab im wahrsten Sinne des Wortes gewaltige Rückschlage: Die Wikinger kamen, sahen und siegten! Am Dreikönigsfest 882 fielen herumziehende Normannen über Prüm her. Bauern waren zur Verteidigung herbeigeeilt und wurden erbarmungslos niedergemetzelt. Das Kloster wurde geplündert und niedergebrannt. Niemand war mehr am Leben, der es hätte löschen können. Zehn Jahre später kehrten sie zurück. Sie kamen aus dem Wald, nahmen Gefangene und hinterließen Tod und Verwüstung. Dennoch konnten Klosterschätze, Handschriften und Urkunden vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Es war Abt Regino, dessen Statue ebenfalls am Karolingerweg zu finden ist, der seine Erlebnisse mit den Nordmännern schriftlich festhielt, mit seinen Mönchen den Wiederaufbau in Angriff nahm und zudem das Prümer Urbar verfasste, eine über 1.100 Jahre alte Niederschrift der Güter und Einkünfte des Klosters.

Die goldene Kirche stand bis 1721. Sie liegt heute unter dem Hahnplatz. Im linken Eckturm (dem Nordturm) der heutigen barocken Basilika befindet sich ihr ehemaliger Südturm. Ein Teil des Mauerwerks ist von innen sichtbar. 1802 wurden unter Napoleons Verwaltung alle Klöster aufgelöst. Seit 1852 dient die Abtei als Gymnasium. Bei der Jahresausstellung der EVBK e.V. in den Sommerferien ist sie für Besucher geöffnet. Kreuzgang und Innenhofgarten versetzen unvermittelt in alte, klösterliche Zeiten. Ob sie diese Wirkung auch auf Schüler und Lehrer ausüben, die ihnen täglich „begegnen“? Beim Anblick des mächtigen Kristallleuchters an der Decke der Aula, die auch Fürstensaal genannt wird, stockt mir der Atem: Ich kann nur beten, dass niemals jemand einen Fußball mitbringt…

Die ehrfurchtgebietende Basilika mit der anmutigen Fassade, den Statuen Pippins und Karls neben dem Portal und den mächtigen Säulen im Innenraum wurde Pfarrkirche. Sie kann uns viel erzählen – auch über die Karolinger: die Reste des alten Turms, die Sandalen Christi, Kaiser Lothars Grab, Kunstschätze, Altäre, Reliquien. Ein Gemälde im Chorraum zeigt die Weihe der Klosterkirche im Jahr 799. Im Haus des Gastes am Hahnplatz befindet sich eine alte Abbildung der Klostergründung. Die ganze Geschichte der Klostergründung und Stadtentwicklung können wir ausführlich in Wort und Bild im Museum Prüm an der Tiergartenstraße nachvollziehen. Auch den Karolingern können wir in (unterschiedlicher) Lebensgröße einen Besuch abstatten: Auf dem Karolingerweg am Gerberweg. Schauen wir sie uns an, die großen und kleinen Gründer und Wohltäter, und „erlaufen“ und ergründen wir ihre Geschichte!

 

Weitere Infos:
Tourist-Information Prümer Land, Haus des Gastes, Hahnplatz 1, 54595 Prüm, www.ferienregion-pruem.de (hier gibt es einen Flyer zum Karolingerweg)
Museum Prüm, Tiergartenstraße 54, 54595 Prüm, www.museum-pruem.de
www.evbk.org
www.lataustip.de

Weitere Quellen:
Flyer Karolingerstadt Prüm,
Monika Rolef: Prüm und die Karolinger (Paulinus-Druckerei Trier 1995),
Dr. Reiner Nolden (Trier): 1100 Jahre Prümer Urbar und die Ersterwähnung von Trittenheim,
https://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/karl-der-grosse-der-riese-mit-der-fistelstimme-a-945746.html

Abt Regino vor Basilika und Abtei
Statue des Kaisers Lothar I. am Karolingerweg
Pippin der Kurze
Karl der Große
Kaiser Lothar I.
Abtei Prüm
Prüm-Basilika-Okt2015
St.-Salvator-Basilika Prüm im Oktober 2015
Regino-Gymnasium / Abtei Prüm
Abt Regino, im Hintergrund die Abtei
Abt Regino
Gedenktafel – Darstellung des Treffens zwischen Mönch Wandalbert und König Ludwig dem Deutschen
Innenhof der Abtei
Abtei-nördliches Portal
Fürstensaal und Aula des Regino-Gymnasiums
Die Basilika innen gegen Ende der Renovierungsarbeiten 2019
St.-Salvator-Basilika Prüm
Gedenktafel für Mönch Wandalbert
Die Türme der Basilika vom Friedhof aus gesehen
Der Sarkophag Kaiser Lothars

 

 

Die Magie der Krausbuche

Als ich die Eifel 2008 für mich endlich wiederentdeckte, führte einer meiner ersten Ausflüge zu einem ganz besonderen Baum, den ich bis heute mehrmals im Jahr aufsuche: zur Krausbuche in der Schönecker Schweiz zwischen Fleringen und Rommersheim.

Gemeinsam mit meinen Eltern und meinen beiden Töchtern fand ich nach leichten Anlaufschwierigkeiten das runde Blätterdach über dem Felsen, tauchte ab in die Höhle, die sich dort bildet, und war fasziniert: dieser Baum ist etwas ganz Besonderes, spannend, abenteuerlich und magisch. Zumindest für mich. Wann auch immer ich dorthin komme und in welcher Stimmung auch immer ich sein mag: Die Krausbuche schenkt mir Ruhe, Frieden und Geborgenheit und manchmal den einen oder anderen guten Gedanken oder schöne Bilder vor meinem inneren Auge. Sie ist für mich das, was man einen Kraftort nennt. Und für die anderen? Die Kinder können im Baum und auf den Felsen klettern, und auf dem Boden zu ihren Füßen kann man schön Platz nehmen und picknicken. So gibt dieser Ort jedem das, was er braucht…

Doch was ist das für ein Baum? Die „alte“ Krausbuche, die seit über 100 Jahren nicht mehr existiert, wird in einem Eifelführer von 1906 als „Gerichtsbuche“ bezeichnet. Im Mittelalter diente sie als Gerichtsstätte. Dieser alte Baum ist vermodert und auf diese Weise fast vollständig verschwunden. Es existiert noch ein Bild von vor 1900, das auf der Schönecker Internetseite betrachtet werden kann und das ich hier ebenfalls zeigen darf. An seiner Stelle stehen drei „Nachkommen“, von denen einer der größte und älteste ist und seinem Vorgänger alle Ehre macht. Doch auch die kleineren „Nachbarn“ (einer unmittelbar daneben, einer etwa 30 Meter nordöstlich, dem Weg in den Wald folgend) bieten dem Besucher bereits ein spannendes Lager unterhalb des Blätterdaches. Ein Ort, der seit jeher den Einheimischen als lauschiges Ziel ihrer familiären Sonntagsspaziergänge diente und Verliebten ganz sicher auch als heimlicher Treffpunkt. Es ist überliefert, dass in alten Zeiten ein Schäfer diesen Baum nutzte, um seine Schafe in der Umgebung weiden zu lassen. Er selbst kletterte auf den Baum, der sich ihm durch seinen Wuchs wie eine Treppe anbot, und behielt so den Überblick.

Es wird vermutet, dass es sich um eine Süntelbuche handelt, auch Teufels- oder Hexenholz, Krüppel- oder Schlangenbuche genannt. Schaut man sich den Baum an, sind all diese Namen kein Wunder und der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Korkenzieherartig drehen und winden sich Stamm und Äste umeinander und formen ein schirmartiges Gebilde, unter dem ein anheimelnd schattiger Hohlraum entsteht. Bei der Krausbuche in Fleringen/Rommersheim wird dies noch verstärkt durch den kalkhaltigen Dolomitfelsen, auf dem sie thront. Stamm und Felsen bilden Gesichter und Formen und geben dem Baum seine ganz eigene unverwechselbare Persönlichkeit. Und immer wieder zücke ich die Kamera und versuche, diese Magie festzuhalten: bizarre Formen, das Spiel der Sonne zwischen den Blättern, den schützenden Schirm ihrer Äste.

Lange Zeit rankten sich Mythen um den Wuchs der Krausbuche. Im 19. Jahrhundert wurde vermutet, sie sei zunächst mit der Krone in den Boden gewachsen und dann gekappt worden, so dass nun die untere Hälfte des ursprünglichen Baumes nach oben zeigte. Im 20. Jahrhundert gab es auf der Basis von Spuren früher menschlicher Besiedelung Überlegungen, eine Mutation sei durch Rückstände einer viele Jahrhunderte zurückliegenden vorindustriellen Nutzung in Form einer nahe gelegenen Eisenschmelze ausgelöst worden. Die Zuordnung zu den Süntelbuchen erfolgte erst in diesem Jahrhundert.

Süntelbuchen sind eine sehr seltene Form der Rotbuche – was ich äußerst spannend finde, denn ihre Blätter sind nicht etwa rot, sondern grün! Ihre größte Population befand sich am Ort ihrer Entdeckung, im Süntel, einem Höhenzug nördlich von Hameln. Der dortige Süntelbuchenwald wurde im Jahr 1843 abgeholzt. Das Holz erschien den Waldbesitzern nutzlos, weil es nicht gestapelt und daraus auch keine Bretter produziert werden konnten. Heute gibt es noch etwa 50 Standorte, an denen derartige Bäume gefunden werden. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wuchsform tragen sie verschiedene botanische und volkstümliche Namen. Besonders bekannt ist die Süntelbuchenallee mit über 100 Bäumen in Bad Nenndorf.

Die nächste Verwandte unserer drei Krausbuchen steht in Blankenheim. Dort befindet sich die vor mehr als 200 Jahren auf einem alten keltischen Grabhügel gepflanzte Süntelbuche frei zugänglich und deutlich sichtbar auf einer Wiese unweit der B51.

Grund genug für mich, sie an einem lauschigen Novemberabend kurz vor dem Sonnenuntergang zu besuchen und im leuchtend-goldenen Abendlicht ihre Schönheit festzuhalten. Auch dies ist für viele Menschen ein besonderer Ort, dessen Faszination ich gut verstehen kann. Und doch zieht es mich wieder zu der einen. Bei der nächsten Gelegenheit besuche ich sie wieder, suche ihre Ruhe und genieße das Verweilen unter ihrem lauschigen Blätterschirm: die mystisch-schöne Krausbuche mitten im Wald in der Schönecker Schweiz!

 

Koordinaten:
Krausbuche in Fleringen/Rommersheim ca. 50°11’33.79″N, 6°29’20.02″E /
Süntelbuche in Blankenheim 50°25’44.99″N, 6°37’14.82″E

Lateinischer Name der Süntelbuche: Fagus sylvatica forma suentelensis

Weitere Informationen: Wanderkarte „Prümer Land“ (1:25000), www.ferienregion-pruem.de (Wandern/Örtliche Wanderwege/Rundweg 8, Fleringen),
www.schoenecken.com, www.fleringen.de, www.suentelbuchen.de, www.kulturdb.de,
https://www.myheimat.de/wallersheim/natur/naturdenkmal-krausbuche-d2924362.html
Kreiskalender Bitburg-Prüm 1992: Theo Büsch, „Die Krausbuche bei Fleringen – eine Laune der Natur?“, (S. 117-199, Abb. Seite 118)

Die „kleine Schwester“, gleich nebenan
Die alte Gerichtsbuche
Quelle: Kreiskalender Bitburg-Prüm 1992, Seite 118

Die große und die kleine Krausbuche im Frühling
ohne Blätterkleid

Die Süntelbuche in Blankenheim

 

Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Eifelblick „Am Apert“

Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Es gibt Themen, mit denen ist man nie wirklich „fertig“. Schon als Kind kletterte ich gerne auf Hochsitze, um mir einen Überblick zu verschaffen, obwohl ich sonst gar nicht so sportlich war. Bevorzugter Platz dafür: natürlich die Eifel!

Die Eifel ist reich an vielfältigen Landschaften, alten Klöstern und Schlössern, malerischen Dörfern, sanften Hügeln, schroffen Felsen, wasserreichen Wiesengründen und unendlich erscheinenden Wäldern. Und noch etwas bietet sie in Hülle und Fülle: fabelhafte Aussichten!

Diese „schönen Aussichten“ finden sich praktisch überall, wo der Betrachter ein wenig erhöht steht und die Sicht nicht durch Bäume verstellt wird. Im Idealfall wird dieser „Ort mit Ausblick“ noch ergänzt um eine Bank. Und die allerbesten Stellen – an denen die Augen gleich in mehrere Richtungen in die Ferne schweifen über endlose Hügelketten bis zum Horizont und wo sich atemberaubende Panoramen bieten – dort befinden sich die „Eifel-Blicke„.

Die entsprechenden Standorte wurden in den vergangenen Jahren vom Naturpark Nordeifel ausgebaut. Sie bestehen aus Aufbauten oder sogar Türmen mit Informationstafeln und sind von den benachbarten Wanderwegen/Zufahrtstraßen aus ausgeschildert. Alleine im Umkreis von 20 Kilometern rund um Prüm sind aktuell acht „Eifel-Blicke“ ausgewiesen, im Umkreis von 30 Kilometern sind es sogar 17. Aktuell finden sich auf der unten genannten Internetseite 65 Standorte, davon sind 13 barrierefrei zugänglich. Eines haben sie alle gemeinsam: Dem Besucher weht ordentlich Luft um die Nase, und die Aussicht ist herrlich und zeigt die Vielfalt und den Reiz der Eifellandschaft!

Vier davon habe ich bereits kennengelernt – viele weitere sollen noch folgen! Mein „erster“ „Eifel-Blick“ ist der Aussichtspunkt „Am Apert“ bei Büdesheim, den ich bereits 2009 besuchte. Zu jener Zeit war er einfach nur ein Fleck an einem Wirtschaftsweg mit einer phantastischen Aussicht und einer Picknickbank im hohen Gras. Und ich wusste als aufmerksamer Fahrgast meiner Gastgeber schon beim ersten Besuch die Antwort auf die alles entscheidende Frage: „Wo in diesem wunderschönen Panorama ist denn Fleringen?“ und fühlte mich wie ein Erstklässler, der beim Aufzeigen mit dem Finger schnipst, um auch bloß drangenommen zu werden. (Die Lösung wird natürlich nicht verraten, das soll jeder selbst herausfinden…) Heute geben Informationstafeln auf einer Holzplattform genaue Auskünfte über die Landschaft und die Ortschaften, die sich auf 600 Meter Höhe zu unseren Füßen erstrecken: Linkerhand über Wallersheim und die Prümer Kalkmulde hinweg bis zu den Höhen der Schneifel, nach rechts wandert der Blick weiter über den Duppacher Rücken zur Vulkaneifel hin. In weiter Ferne sind bei guter Sicht Teile der Ahreifel und die Vulkane um den Nürburgring erkennbar. Keine zwei Kilometer entfernt finden sich das Blutkreuz und die benachbarte Quelle. Ähnlich nah liegt „mein“ Waldhaus, in dem ich als Kind immer wieder gerne meine Ferien verbrachte. Heute sind es meine aktuellen Gastgeber, die mich jährlich zum Apert bringen.

Eine andere Tour führte 2017 zum Aussichtsturm „Zur Hardt“ oberhalb von Weinsheim. Während einer Traktorfahrt durch den zauberhaften Eifelwald bestieg ich erstmals die 25 Meter hohe Aussichtsplattform. Mit jedem Meter nach oben wurde die umliegende Landschaft mehr und mehr sichtbar, genau wie der sich entfernende Erdboden. Immer mehr Bäume blieben unter meinen Füßen zurück, und schließlich thronte ich hoch oben über den Wipfeln und konnte aus einer Gesamthöhe von 652 Metern über NN eine fabelhafte Rundumsicht weit ins Land hinaus genießen. Der Mobilfunkmast mit frei zugänglicher Plattform wurde 2010 am ehemaligen Standort eines hölzernen Aussichtsturms errichtet. Zugleich bietet er beim Besteigen – je nach persönlichem Umgang mit Höhen – ein wenig Nervenkitzel. Denn das Stahlgerüst bietet genügend Platz für den Blick nach unten… Für die, die es nach oben schaffen, bietet sich die Gelegenheit für das eine oder andere „Selfie mit Aussicht“. So auch für mich!

Zwei weitere „Eifel-Blicke“ eroberte ich dieses Jahr auf eigene Faust. Meine Wanderung vom Eichholzmaar zur Mineralquelle in Duppach führte mich zum Ausblick von der „Duppacher Höhe“. Dieser Platz ist nicht auf der unten genannten Internetseite der „Eifel-Blicke“ aufgeführt, allerdings der nahe gelegene, höher liegende „Eifel-Blick“ „Auf Heilert“. Trotzdem bietet der Aussichtspunkt auf 539 Meter Höhe am Bettinger Berg einen feinen Blick über die Vulkaneifel bis zur Hohen Acht, zum Nürburgring und zum Nerother Kopf. Über die im Mai vielfach gelb gefärbten Felder hinweg scheint mir in der Ferne die bezaubernde Votivkapelle auf der Anhöhe Wahlhausen zuzuwinken. Noch so ein Ziel…

Meine neueste Eroberung, wenn auch bei eher ungemütlichem Wetter, ist der „Katzenkopf Gondenbrett“ nördlich von Prüm ganz in der Nähe der Landstraße („Gondenbretter Weg“). Ich hatte es mir einfach machen und den Aussichtspunkt von der Straße aus besuchen wollen. Stattdessen wäre die Wanderweg-Variante vermutlich einfacher gewesen – und am Ende kaum länger. So wählte ich prompt die deutlich umständlichere Variante von Norden, die erst einmal konstant bergauf führte. Nicht weiter verwunderlich: „Eifel-Blicke“ liegen nun einmal oben. Irgendwann kam ich endlich an und schaute von der windumtosten Plattform in die an dem Tag nicht ganz so freundliche, aber umso eindrucksvollere Landschaft. Aus 574 Metern Höhe kann der Blick frei in alle Richtungen schweifen, über das Prümer Land und bis weit nach Belgien hinein. Ganz in der Nähe befinden sich Prüm und der Kalvarienberg (auch diese Geschichte will noch erzählt werden!). Der Höhenzug der Schneifel mit dem 697 Meter hohen „Schwarzen Mann“ bietet sich ebenso vor unseren Augen dar wie der Islek und die Prümer Kalkmulde. Die hölzerne Plattform wurde direkt auf einem gesprengten Westwallbunker errichtet. Die umliegende Natur lässt darauf nicht schließen. Wild und einsam und an dem Tag ähnlich zerzaust wie ich erhebt sich die Kuppe oberhalb der Zivilisation.

Nach dem „Eifel-Blick“ ist vor dem „Eifel-Blick“. Die Fern- (und Nah-)Sichten und ich sind noch nicht fertig miteinander. Nächstes Ziel – oder besser „weitere Aussichten“: Der Dreiländerblick bei Buchet. Es gibt noch so viel zu erkunden. Ich werde berichten…

 

Weitere Infos: www.eifel-blicke.de, www.ferienregion-pruem.de (unter „Erleben“ – „Ausflugsziele“), www.eifel.info, www.naturpark-eifel.de

Aussichtsturm „Zur Hardt“ Weinsheim: GPS 50°14’6.20″N, 6°28’14.56″E (der Straße „Zur Hardt“ aufwärts folgen, im Wald rechts halten – Parkgelegenheit am Gemeindehaus (Hans-Peter-Stihl-Haus, Straßburger Straße gegenüber der Kirche))

„Eifel-Blick“ „Am Apert“ Büdesheim: GPS 50°12’4.24″N, 6°33’14.72″E (B410 Büdesheim / Abzweig L10 in Richtung Wallersheim – Wanderparkplatz 17 – ab hier 2,5 km Fußweg)

„Eifel-Blick“ „Gondenbrett-Katzenkopf“: GPS 50°13’22.47″N,  6°24’47.14″E (Parkgelegenheit am St.-Joseph-Krankenhaus, ab hier 1,2 km Fußweg nördlich – ab Gondenbretter Weg/K180 definitiv ausgeschildert, direkt am Jakobsweg, Panoramaweg 120 und am Schneifel-Pfad gelegen)

„Eifel-Blick“ „Duppacher-Höhe“: GPS 50°16’12.43″N, 6°33’6.01″E (Wanderparkplatz Eichholzmaar, ab hier 1,5 km Fußweg westlich, direkt am Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“ gelegen)

Blick vom „Apert“ zur Duppacher Höhe
Foto: Ferienhof Feinen
Nicht jeden interessiert die Aussicht
Foto: Ferienhof Feinen
Blick vom Apert über die Kalkmulde zur Schneifel
Eifel-Blick „Am Apert“: Vulkaneifel-Panorama
Am Turm angekommen
Auf dem Aussichtsturm
Blick Richtung Prüm
Landschaft, so weit das Auge reicht

Vulkaneifel-Panorama
Auch mal nach unten schauen…
Selfie mit Aussicht
Blick von der Duppacher Höhe in die Vulkaneifel hinein
Ganz oben links liegt die Votivkapelle Wahlhausen
Blick vom Katzenkopf Gondenbrett zum Kalvarienberg
Blick vom Katzenkopf zum Höhenzug der Schneifel mit dem Schwarzen Mann

 

 

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

Ein bisschen neugierig bin ich, als ich vor dem hölzernen Bauwerk im Süden Bleialfs stehe, hinter dem sich ein sanfter bewaldeter Hügel erhebt. Neben dem Gebäude befinden sich frei zugänglich mehrere alte Loren. Gegenüber eines kaum erkennbaren Wassergrabens parken wir und stoßen sofort auf ein Schild, das auf eine Katastrophe hinweist, die mir als Auswärtige bisher völlig entgangen war.

Am 1. Juni 2018 wurde die Region von einem Unwetter mit Starkregen heimgesucht. Das Wasser in Flüssen und Bächen schwoll stark an. Es war nicht einmal der namensgebende Alfbach, der dem Besucherbergwerk Flut und Verderben brachte, sondern der kleinere Üchenbach. Dort, wo er über ein Rohr unter der Straße hindurchgeführt wird, wurde ein Anhänger angeschwemmt. Bis heute weiß niemand, wie er dorthin geriet oder wohin er gehörte. Er verstopfte den Abfluss. Wasser und Schlamm sammelten sich in der Talmulde und suchte sich den einfachsten Weg: nach unten! Ins Besucherbergwerk. Stollen, Empfangsgebäude und das kleine zugehörige Museum alter Grubenlampen und anderen Zubehörs standen bis zum Dach unter Wasser. Die Statue der heiligen Barbara, Schutzherrin der Bergleute, wurde fortgeschwemmt. Zurück blieb eine Wüste voll Schlamm. Es dauerte über ein Jahr, bis Führungen wieder möglich waren. Die Sammlung wurde fast vollständig zerstört. Aber St. Barbara steht wieder an ihrem Platz. Und ein Album dokumentiert mit zahlreichen Fotos die Überflutung. Der Stollen ist um einige Ausstellungsstücke ärmer, aber um eine Geschichte reicher. Bergleute und Bevölkerung haben gemeinsam dafür gesorgt, dass dieser Ort bestehen bleibt. Und wir immer noch unter Tage Abenteuer erleben können.

Die Geschichte des Erzabbaus ist uralt. In der Eifel finden sich zahllose Erze: Eisen, Kupfer, Blei, Zink Mangan, Braun- und Toneisenstein. Heute sprechen wir über Blei. Europas größtes Bleierzvorkommen befindet sich in der Eifel: in Günnersdorf bei Mechernich. Auch hier in Bleialf war das Erz bereits maßgeblich für den Ortsnamen. Es handelt sich um eine der wichtigsten Erzlagerstätten in der Eifel. Die Überlieferung besagt, dass die Menschen nur etwas in der Erde buddeln mussten, um reiche Beute zutage zu fördern. Bereits die Kelten und die Römer wussten das und nutzten diese Schätze der Erde. Erzabbau wurde also bereits über 2000 Jahre lang betrieben. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert – diese schriftlichen Nachweise bezeugen 1000 Jahre Bergbau in der Schneifel! Auf dem Bergbaupfad lassen sich auf überschaubarer Strecke verschiedene Spuren und Relikte erwandern und erfahren. Allen voran das Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, das wir nun endlich betreten.

Zunächst erhalten wir jeder einen Kittel und einen Helm. Sobald eine vorherige Gruppe aus der Tiefe zurückgekehrt ist, geht es los. Wir sind sieben Personen: drei Erwachsene, drei Kinder und ein Stollenführer. Vorbei an einer Ausstellung alter Kommunikationsgeräte geht es die Treppe hinab in den Stollen, der ursprünglich der Entwässerung und als Arbeitsweg zu den Abbaustellen diente. Das eigentliche Abbaugebiet lag etwa einen Kilometer tiefer im Berg. Doch es gibt hier alles zu sehen, was den Bergbau vor Ort ausmachte. Unser Führer erzählt uns von der Geschichte des Bergwerks und des Abbaus, zeigt uns Lichtlöcher, Erzvorkommen und Gesteinsschichten in den Wänden und reicht uns „tonnenschweres“ Werkzeug zum ausgiebigen Selbstversuch. Niemand verlässt den Stollen ohne ein Stück Gestein in der Tasche. Und dennoch ist noch genug da. Alte Schilder und Original-Equipment bis hin zum „Scheißkübel“ (klar, was soll man unter Tage sonst machen, wenn man mal muss…) ergänzen den intensiven Einblick in alte Zeiten. Übrigens braucht sich niemand Sorgen zu machen: Blei in festem Zustand ist nicht giftig. Gefährlich wird es erst bei der Bearbeitung und beim Schmelzen. So können wir sorglos weiter erkunden: Was macht ein Hund unter Tage? Wofür sind die Keile zwischen Balken und Decke? Was ist Wetter? Woran erkennt man im Stollen, ob draußen ein Tiefdruck- oder ein Hochdruckgebiet vorherrscht? Wie alt sind die Eichenbalken im Stollen? (So viel sei verraten – das Alter ist beeindruckend!!!) Und wie verrät gerade dieses Holz den Bergleuten, wenn der Gang einzubrechen droht? Ich möchte das nicht alles erzählen, sonst ist der tatsächliche Besuch nur noch halb so spannend. Denn das war er wirklich: spannend und erlebnisreich!

Irgendwann war es so weit, und wir mussten wieder „auftauchen“, zurück nach oben, aus dem Stollen wie aus einem Zeittunnel zurück in unsere eigene Wirklichkeit. Empfangen von einem Schwall warmer Luft, der uns fast zu Boden drückt nach der angenehm kühlen, feuchten Luft, die sich so gut atmen lässt. Die Kinder dürfen die Glocke läuten, um uns anzukündigen: Wir kommen, wir fahren aus! Dann geht es die Treppe hinauf. Noch ein Erinnerungsfoto, dann geben wir Kittel und Helme wieder ab. Schön war’s. Bergbau zum Sehen, Riechen, Anfassen, Erleben… Wir waren sehr beeindruckt! Und kommen gerne wieder.

Die eigentliche Blütezeit des Bleialfer Bergbaus lag in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Mühlenberger Stollen selbst wurde von 1839 bis 1852 1189 Meter weit in den Berg getrieben. 1862 erreichte der Abbau im Mühlenberger Stollen seinen Höhepunkt. Nach anfangs 85 Arbeitern im Jahr 1856 stieg die Zahl der Beschäftigten auf mehr als 1000 an. 1885 lag sie bereits wieder bei „nur“ 111 Arbeitern. 1954 wurde der Stollen geschlossen. Seit 1986/87 ist er als Besucherbergwerk und Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zugänglich. Führungen und Pflege erfolgen durch den Bergmannsverein St. Barbara.

Wer den Bergbau noch genauer erkunden möchte, folgt dem Bergbaupfad zu weiteren Stationen: Lichtlöchern, Schächten, Stollen und Halden. Nicht weit von hier erinnert ein weiterer Wanderweg an Ernest Hemingway. Wieder so etwas, was niemand weiß: 1944 hielt er sich als Kriegsberichterstatter in Buchet auf – etwa vier Kilometer von Bleialf entfernt.

Vor langer Zeit jedoch gab es hier im Berg noch weitere Bewohner. Eine alte Sage erzählt von den Wichtelmännchen:

Die Wichtelmännchen waren dünne kleine Wesen, die in verborgenen Höhlen und Ritzen unter der Erde lebten. Manchmal sah man sie, wie sie sich im Gras sonnten oder glockenhelle Lieder sangen, doch niemand durfte ihnen zu nahe kommen oder gar erfahren, wo genau sie lebten. Sie waren hilfreich und gut. Als ein armer Bauer schwer erkrankte, kamen sie heimlich im Schutze der Dunkelheit, versorgten das Vieh, erledigten die Feldarbeit und droschen das Korn. Der Bauer wurde wieder gesund und blickte voller Dankbarkeit auf die getane Arbeit. Seine Frau nähte viele kleine Jacken, Hosen und Mützen, auf dass die kleinen Helfer im Winter nie wieder frieren müssten. Der Bauer wartete, bis tiefer Schnee lag, ging frühmorgens auf die Suche und folgte den kaum sichtbaren Spuren, die er fand. Voll Freude stellte er einen Korb voller winziger Kleidung vor den verborgenen Eingang zu ihren Gängen. Die kleinen Wichtel aber erschraken: Sie waren entdeckt worden! Voller Furcht ergriffen sie die Flucht und waren nie wieder gesehen…

 

Anschrift und Internetauftritt: Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, Hamburg 1, 54608 Bleialf, Tel. 06555/1227 oder 0160/1009749, info@besucherbergwerk-bleialf.de, www.besucherbergwerk-bleialf.de, www.bergmannsverein-bleialf.de

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober Sa+So 14-17 Uhr (letzte Führung 16.15 Uhr), Sonderführungen und Gruppen ab 8 Personen nach Vereinbarung, Kindergeburtstage mit Schatzsuche

Eintrittspreise: Erwachsene 5,00 €, Jugendliche (6-14 Jahre) 2,50 €

Wanderempfehlung: Prümer Land Tour, Route 4 – Bergbaupfad Bleialf mit 12 Info-Stationen (kurzer Weg mit 6 Stationen 3km, langer Weg zzgl. 6 km) / Erlebnispfad Bleialf-Buchet (ca. 2,5 km) / Ernest-Hemingway-Weg (östlich von Bleialf, ca. 4km) / Westwall-Weg (östlich von Bleialf am Schwarzen Mann)

Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de (unter Erleben – Ausflugsziele oder Wandern – Prümer Land Touren), www.bleialf.de, www.naturpark-eifel.de, https;//touristikbleialf.de

Buchempfehlung (und Quelle der Wichtelgeschichte): Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

Noch eine Geschichte zum Bergwerk Bleialf: http://eifelecho.de/eine-geschichte-aus-dem-bleialfer-bergbau/

Der Üchenbach im Normalzustand

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Oben auf der Keltenfliehburg

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Die Schönecker Schweiz und ich kennen uns jetzt elf Jahre. In jedem Urlaub streife ich zumindest ihre Randgebiete, zu Fuß, auf dem Pferderücken oder bei einem Ausflug mit dem Traktor. Sie hat so viele Gesichter, und jedes ist schön. Und eines ist sie eigentlich immer: grün! Grün vom Laub an den Bäumen, grün vom Bärlauch auf dem Waldboden und von Moosen, Farnen und Flechten auf den Felsen. Ihre Geschichte ist ein ganz eigener Eifelkrimi, denn hier existierte vor 400 Millionen Jahren ein Meer, dessen Ablagerungen die heutige Landschaft gestaltet haben. Und die ist außergewöhnlich!

Beginnen wir mit dem Bärlauch. Ab März bis in den Juni hinein begleitet uns dieser Duft durch die ganze Schönecker Schweiz. Es handelt sich um das größte zusammenhängende Bärlauchgebiet Europas! 2017 wurden hier etwa 60 Tonnen Bärlauch geerntet – Tendenz steigend. Daneben gibt es hier große Vorkommen an Märzenbechern, oft im Jahreslauf gefolgt vom Silberblatt. Zwischen Fleringen und Rommersheim befindet sich auf einer felsigen Anhöhe im Wald zudem noch eine andere botanische Besonderheit: die „krüppelig gewachsene“ Krausbuche! (Streng genommen gleich drei dieser Bäume.)

Überhaupt: als Teil der Prümer Kalkmulde, die mit 240 km² wiederum die größte der Eifeler Kalkmulden ist und im Süden der Kalkmuldenzone liegt, bietet die Schönecker Schweiz Geologen und Botanikern einmalige Einsichten und Erlebnisse. Für Enzian muss niemand in die Alpen fahren: Der (teils beweidete) Kalkmagerrasen an sanften Hängen bietet mit kargem Boden, wenig Wasser, viel Sonne und eisigem Frost extreme Lebensbedingungen, die erstaunlicherweise eine große Artenvielfalt begünstigen und solche Besonderheiten hervorbringen wie beispielsweise Orchideen, Enzian, Wiesen-Salbei, Mücken-Händelwurz, Thymian, Küchenschellen und Wacholder.

Gleich nebenan finden sich Dolomitfelsen und Karstgestein und eine interessante Besonderheit: „Schwindbäche“ (auch Verlierbäche genannt). Das Wasser verschwindet in „Schlucklöchern“ im Karstgestein und tritt an anderer Stelle wieder aus. So kommt es, dass sich hier unterirdisch das größte Trinkwasserreservoir der Südeifel befindet, das 20.000 Menschen versorgt. Die Schönecker Schweiz einmal von unten zu betrachten, wäre also genauso interessant wie unsere oberirdische Wanderung heute! Doch die ist spannend genug: Überall finden sich Fossilien, und die Felsen geben Geologen einzigartige Einsichten: Bei Schönecken-Wetteldorf wurde bereits 1937 der „Wetteldorfer Richtschnitt“ vorgenommen, anhand dessen Wissenschaftler die Grenze zwischen Unter- und Mittel-Devon festlegen konnten und der seit 1981 der weltweit einzig gültige Maßstab ist. Um bei Superlativen zu bleiben: Hier befindet sich auch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Landkreis Bitburg/Prüm, stolze 865 Hektar groß.

Es ist die Landschaft, die dem Beinamen „Schweiz“ alle Ehre macht. Beispielsweise die „Jungfernley“ im Schalkenbachtal unweit des Schönecker Wanderparkplatzes. Es wird berichtet, hier sei eine bösartige Jungfrau zu Stein erstarrt. Daneben gibt es auch Erzählungen, aus ihrem Felsspalt hätten Hebammen die neugeborenen Kinder herausgezogen. Oder etwa die Hohlley, das „Tor zur Unterwelt“, deren Tropfsteinhöhlen Fledermäusen und Kreuzspinnen Unterschlupf bieten.

Hier beheimatet ist auch die Sage vom „Schalkenmännchen“. Es soll sich um den hinterhältigen Johann von Schwirzheim handeln, den auch der Himmel nicht aufnehmen wollte und dessen Seele daher immer noch unruhig durch den Wald streift, in dem er gewaltsam zu Tode kam. Ein junger Knecht hatte in Wallersheim drei Ferkel abgeliefert und sein Trinkgeld in der dortigen Wirtschaft gegen flüssiges Wohlbefinden eingetauscht. In der Dämmerung machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Dienstherrn nach Schönecken, als er im Schalkenbusch auf ein kleines Männlein traf, das er zunächst für einen verstockten Knaben hielt. Im Streit warf er dem Wicht böse Worte entgegen, bis dessen Gestalt wuchs und wuchs und ihm auf den Rücken sprang. Dem Jungen gelang es nicht, die bleierne Last abzuwerfen, die ihn zudem peitschte und antrieb und erst auf der Brücke in Schönecken von ihm abließ. Es heißt, der Knecht sei danach nie wieder froh gewesen.

Wen wundert es, dass auch die Kelten dieses Gebiet zu schätzen wussten? Oberhalb des Altburgtals befindet sich eine sogenannte „Keltenfliehburg“, auch „Keltenring“ genannt: Bezeichnungen, die neugierig machen! Um sie zu finden, muss man gut zu Fuß sein, und so machen wir uns auf den Weg, laufen von Meyersruh, wo Schalkenbach und Kupferbach zusammentreffen, über den Ichter Berg hinab ins Altburgtal und folgen zunächst dem Wanderweg 2. Meine Wanderkarte ist der Ansicht, dass Wanderweg 1 sicher am „Keltenring“ vorbei führt, doch diversen Wegbeschreibungen entnehme ich, dass auch die 2 zum Ziel führt, wenn man achtsam ist und sich im richtigen Moment rechts hält. Die Frage, wann dieser richtige Moment ist, wird uns eine Weile auf Trab halten – neben der atemberaubend schönen Wald- und Felsenlandschaft, die uns umgibt. Hinweisschilder geben uns die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein, und so biegen wir kurz rechts ab, um ein paar besonders schöne Felsen im Wald in Augenschein zu nehmen. Wenn ich Kelte gewesen wäre, hier hätte ich gelebt! Ich ernenne dieses Stück Erde kurzerhand zu meiner persönlichen Keltenfliehburg und folge weiter brav den Schildern, bis der Wald aufhört und ich irritiert feststelle, dass wir die Keltenfliehburg längst erreicht haben müssten. Also müssen es die grandiosen Felsen sein, an denen wir unlängst vorbei gelaufen sind, direkt am Wanderweg 1, was auch zu den Angaben auf meiner Karte passt. Die nächste halbe Stunde erkunden wir diese Felsen und Klüfte, und ich stehe auf den natürlichen Terrassen oberhalb der Bäume und stelle mir vor, wie die Kelten diesen Bereich gegen die von unten herannahenden Feinde verteidigten. Die Angreifer hatten keine Chance! Zufrieden lassen wir diesen Ort hinter uns und folgen dem Schneifel-Pfad abwärts, dem Altburgtal mit seinem Schluckloch entgegen. Die Felsen haben 1000 Gesichter: ein Flusspferd, von einem Löwen gejagt, ein schlafendes Krokodil, ein Bär mit einer vorwitzigen Nase – vielleicht ist es auch ein Fabelwesen, das Wache hält vor der Burg. Wie mögen die Kelten diese gewaltige Natur verehrt haben?

Wenige Meter weiter laufen wir fast gegen ein Schild, das plötzlich in der Landschaft erscheint und uns mit folgenden Worten begrüßt: „Schutz vor Feinden: Burg aus der Zeit um 500 v. Chr.“ Schallendes Gelächter erfüllt den Wald: Was auch immer wir vorher erkundet haben, hier ist es, das Ziel unserer Wanderung! Und es ist tatsächlich beeindruckend. Die Felsen Richtung Süden und Osten mögen mindestens 20 Meter hoch sein. Von hier oben gesehen geht es senkrecht in die Tiefe – Eroberung unmöglich, Verteidigung gesichert. Auf der ebenen Seite, von der auch wir uns genähert haben, gab es Wälle und Gräben sowie Konstruktionen aus Steinen und Holz – eine Abgrenzung von etwa 4.000 m². Das Holz ist längst verrottet, doch die Steine liegen überall. Was für ein magischer Ort hier oben mitten im Wald, grün schimmernd in der Sonne. Unter uns liegt das Altburgtal mit der kleinen Brücke und dem Schwindbach und wartet darauf, dass wir diese Burg von unten bestaunen.

Wer suchet, der findet – gelegentlich auch dreimal…

 

So findet man die Keltenfliehburg: Sie liegt am Schneifel-Pfad oberhalb des Altburgtals, ca. 50°10’8″N, 6°29’13″E (Angabe in der Datenbank der Kulturgüter: 50.169538N, 6.488320E). Wanderweg 2 verläuft unterhalb der Burg. Am einfachsten ist es, den Altburgbach in nördliche Richtung über die kleine Stahlbrücke zu überqueren. Dann wenige Meter links bis zum Infoschild über Karstbäche. Von hier nun weder Richtung Niederhersdorf noch Richtung Schönecken laufen, sondern den kleinen Pfad (Schneifel-Pfad) bergauf. Die Keltenburg befindet sich während des gesamten „Aufstiegs“ auf der rechten Seite. „Oben“ befinden sich rechterhand das Infoschild und der Zugang.

Lage: zwischen Schönecken, Rommersheim, Fleringen und Hersdorf

Wanderparkplätze: in Schönecken (Lindenstraße/L5 an der Nims-Brücke) und Rommersheim (der Straße „Auf der Schlack“ in östliche Richtung folgen)

Weitere Infos zu Wanderwegen und zu einer Mountainbike-Tour sowie zu den geologischen Gegebenheiten: www.ferienregion-pruem.de, www.schoenecken.de, www.naturpark-eifel.de, www.eifelsteig.de/Partnerwege/Vulkaneifel-Pfade (Schneifel-Pfad)

Führungen: http://www.brunhilde-rings.de/fuehrungen/altburgtal/

Buchempfehlung: Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

YouTube: https://youtu.be/4s7TbqExq0s

Am Fuße der Keltenfliehburg
Bärlauch zwischen Rommersheim und Fleringen
Gefunden: Dieses Schild informiert über die Keltenfliehburg
Altburgtal bei Schönecken
Krokodilfelsen
Blick von der Fliehburg – Wir tauften dieses imposante Felsgebilde „Die Liebenden“
Brücke im Altburgtal
An der Jungfernley
Jakobsweg am Schalkenbach bei Schönecken
Die Krausbuche zwischen Rommersheim und Fleringen
Interessanter Baum ausgangs des Altburgtals kurz vor Schönecken

Imposante Felsen am Kupferbach nahe Meyersruh
Schwindbach
Mit all meiner Phantasie glaubte ich die Angreifer zu sehen – aber die „echte Burg“ ist noch 500 Meter entfernt

Oberhalb des Altburgtals am Wanderweg 2
Mystische Felsen mitten im Wald
Auch hier wäre ein guter Ort für eine Burg gewesen – Felsen am Wanderweg 1
Nicht die gesuchte Keltenfliehburg, aber wer weiß…
Blick vom Schneifel-Pfad auf die Kelten-Fliehburg
Jungfernley

Tanz auf dem Vulkan – unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

Blick über die Vulkaneifel vom Eifelblick Duppacher Höhe

Tanz auf dem Vulkan:
Unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

An einem Samstag im Mai mache ich mich auf den Weg zum Tanz auf dem Vulkan: Interessanterweise sind es die kleinen Ortschaften Duppach und Steffeln, die – obwohl ganz am Rand der Vulkaneifel und nur etwa 15 Kilometer von Prüm entfernt gelegen – auf recht engem Raum alles präsentieren, was der Vulkanismus in der Eifel zu bieten hat. Schaut man sich die Ausbruchszentren der Quartär-Zeit (die letzten 2,588 Millionen Jahre bis heute) an, so gibt es an keiner anderen Stelle der Eifel eine derartige Dichte an Ausbrüchen und Kratern wie genau hier. Zudem sind die (meist trockenen) Maare hier im Norden des Westeifler Vulkanfeldes die ältesten. Am Eichholzmaar gibt es hierzu eine Schautafel.

Während Duppach verträumt-beschaulich daherkommt, bindet Steffeln seinen Gästen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase, dass sich hier alles um die heimischen Vulkane dreht. Im Vulkangarten erfährt der neugierige Besucher Genaueres über die Entstehung, den Ausbruch und die verschiedenen Formen von Vulkanen: Vulkanismus quasi zum Anfassen, mit einer mächtigen Vulkanwand, einem Modell-Maar und einem Modell-Vulkankegel. (Das ist wieder so ein Augenblick, wo ich unbedingt auf etwas hinaufklettern muss und nicht sicher bin, ob ich an einem Stück wieder herunterkomme – dieses Mal gerate ich nur ein bisschen ins Rutschen; trotzdem wird mir letztlich klar, dass es sich nicht um Schotterwege hinauf handelt, sondern um symbolische Lavaströme!)

Als der Steffelnkopf vor mehr als 100.000 Jahren entstand, war das sicher weniger gemütlich, genauso während des Schlackeabbaus in den vergangenen 30 Jahren, doch beeindruckend ist es dort auch heute. Neben den Infotafeln werden Experimentierstationen und Führungen angeboten, und an den Stationen lassen sich Lava- und Ascheströme, Einschlagtrichter, Wasserabflussrinnen und komplexe Phänomene wie Entstehungsphasen, Diskordanzen und Antidünen buchstäblich mit allen Sinnen erfahren und auf Abbildungen nachvollziehen. Ich verstehe jetzt endlich, was ein Tuffring ist und mache mich auf den Weg zur Steffelner Kirche, die auf einem solchen erbaut ist – absolut beeindruckend und sehenswert!

Beschaulich und entspannt präsentiert sich das Eichholzmaar, das etwa 1,7 Kilometer entfernt zwischen Steffeln und Duppach in der sich anmutig hebenden und senkenden Landschaft ruht, die von einigen markanten „Vulkanköpfen“ beherrscht wird. Mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Tiefe von drei Metern ist es eines der kleineren der 75 Eifelmaare, von denen zwölf Wasser führen. Auch das Eichholzmaar war zwischenzeitlich trockengelegt worden. Der seit 2007/2008 durchgeführten Renaturierung verdanken wir die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands als Maarsee mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Die Maarkrater sind übrigens deshalb vergleichsweise groß, weil es bei der Eruption zum Kontakt zwischen Magma und Grundwasser kam, der zu besonders starken Explosionen führte, und in den Tiefen der Maarseen finden Wissenschaftler unglaubliche Zeugnisse unserer Klima- und Besiedlungsgeschichte – hier beispielsweise Asche aus dem heftigen Vulkanausbruch, bei dem vor 13.000 Jahren der Laacher See entstand.

Rund um das Eichholzmaar gibt es Bänke und Ruhezonen und die Möglichkeit, entspannt die Natur zu betrachten oder sie von einem Beobachtungsturm aus zu genießen. Die hier beobachteten Vögel sind auf einer Tafel aufgelistet, und wenig später – auf dem Weg zur nahegelegenen Eichholzer Mineralquelle, wird mir klar, welche Farbe mich schon den ganzen Tag begleitet: Vor mir landet ein bezaubernder Vogel, der so unglaublich golden in der Sonne glitzert, dass es sich nur um eine Goldammer handeln kann! (Eine Annahme, die die Infotafel im Beobachtungsturm bestätigt.) Überall um mich herum ist es gelb: Löwenzahn, Raps, Ginster, Zitronenfalter und nun auch eine Goldammer!

Die in Stein gefasste Eichholzer Mineralquelle wird auch Steffelner Drees genannt (übrigens hat dieses in der Eifel sehr gebräuchliche Wort einen keltischen Ursprung: „draisen“) – ein deutliches Zeichen für stärker kohlendioxidhaltiges Wasser. Beim Betrachten erkenne ich die aufsteigenden Bläschen, die auch deutlich auf der Zunge prickeln. Ein letzter Gruß des erkaltenden Magma im Erdinneren. Schon die Farbe lässt erkennen, dass das Wasser einen hohen Eisengehalt besitzt. Es enthält übrigens vergleichsweise wenig Calcium und Magnesium. Auf der anderen Seite des Eichholzmaars, jenseits der Landstraße, befindet sich in einem Waldstück eine weitere Quelle, der Aueler Drees – wer also noch Durst hat… Von dort lässt es sich vorzüglich weiterwandern zu einer römischen Ausgrabungsstätte, aber heute besuche ich die Vulkane und nicht die Römer.

Ich folge dem Wegweiser Richtung Duppach, denn dort gibt es noch mehr zu trinken und außerdem noch ein Maar. Doch zunächst geht es aufwärts zum Eifelblick „Duppacher Höhe“ auf dem 539 Meter hohen Bettinger Berg. Der Blick reicht weit über das sanfte grün-gelbe Land und bleibt an markanten Punkten hängen, wie an der auf dem Steffelner Tuffring liegenden Votivkapelle Wahlhausen am alten Kreuzweg. Spannende Ziele gibt es noch genug.

Ich folge weiter dem Vulkaneifel-Pfad. Der Abstieg zur Mineralquelle Duppach ist relativ komfortabel. Unten ist es warm und sonnig. Die Quelle – auch Duppacher Drees genannt – liegt westlich des Dorfes, liebevoll durch einen Quellpavillon überdacht und in Stein gefasst mit einem Auslass aus Metall, an einer schmalen Straße direkt am Rande des trockenen Duppacher Maars. Das Wasser ist ebenfalls kohlensäure- und eisenhaltig, enthält aber auch sehr viel Calcium, Magnesium und Natrium sowie wenig Chlor und ist gut trinkbar. Knapp zwei Kilometer entfernt im weiteren Verlauf dieser Strecke lockt ein weiterer Aussichtspunkt: der „Eifelblick Heilert“.

Menschen, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen, sei ein Spaziergang durch das trockene Duppacher Maar an den dort grasenden Kuhherden vorbei empfohlen. Diese Tiere sind äußerst neugierig und kontaktfreudig und freuen sich über jede Abwechslung. Die am Hang stehenden Tiere muhen bei dieser Gelegenheit sogar mit einem klangvollen Echo!

Eifelherz, was willst Du mehr – denke ich und genehmige mir noch einen Schluck aus der Quelle.

 

Wanderparkplätze: Eichholzmaar und Vulkangarten Steffeln

Möglichkeiten zum Erkunden: Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“, Eifelverein-Wanderweg 2, Georundweg Steffeln / Georundweg Duppach (je etwa 10 km) sowie ein Rundgang durch Steffeln und Umgebung, der auf der Infotafel am Parkplatz des Vulkangartens beschrieben ist.

Führungen Vulkangarten/Eichholzmaar durch den Eifelverein ab Dorfgemeindehaus Steffeln (gegenüber der Kirche) April-Oktober jeden Mittwoch um 14 Uhr

Weitere Infos: www.obereskylltal.de, www.gerolsteiner-land.de, www.naturpark-eifel.de, http://eifelsteig-partnerwege.de

Im Vulkangarten
Vulkangarten – im Vordergrund das Maar
Tuffsteinring an der Kirche in Steffeln
Ankunft am Eichholzmaar
Eichholzmaar
Blick über das Eichholzmaar auf den Beobachtungsturm auf der anderen Seite
Eichholzer Mineralquelle / Steffelner Drees
Duppacher Drees
Freundliche Aufmerksamkeit im Duppacher Maar
Gelb, wohin das Auge reicht – blühendes Eifelgold (Ginster)
Aussichtspunkt Duppacher Höhe
Blick von der Duppacher Höhe auf Steffeln

Alle Wege führen nach Pronsfeld – was Eisenbahnen und Fahrräder gemeinsam haben

Alle Wege führen nach Pronsfeld –
was Eisenbahnen und Fahrräder gemeinsam haben

Pronsfeld, wo hab ich das doch gelesen? Richtig, auf einer Milchpackung! Denn die richtig leckere Milch kommt natürlich aus der Eifel. Dabei hat „die Arla“ (wie Mitarbeiter und Angehörige und Anwohner die Arla Foods Deutschland GmbH freundlich personalisieren, falls sie nicht noch von der „Muh“ sprechen) ihren Sitz streng genommen nicht in Pronsfeld, sondern auf dem Gebiet des Nachbarorts Pittenbach (der sogar eine andere Postleitzahl hat) – wenn auch zugegebenermaßen direkt an der Ortsgrenze und mit einer Pronsfelder Postadresse. Außer der Sache mit der Milch wusste ich eigentlich nichts über Pronsfeld…

Dabei ist es in gewisser Weise der Nabel der Welt. Zumindest, wenn man direkt vor der alten Lok an der Kreuzung Hauptstraße / Bahnhofstraße steht. Direkt nebenan gluckert die Prüm unter einer Brücke hindurch in ihrem malerischen Bachbett, und auf der anderen Straßenseite befindet sich ein freundlich einladender Fahrradrastplatz mit gefühlten hundert Wegweisern. Hier geht es nach Prüm, Pittenbach, Waxweiler, Lünebach und Arzfeld, Bleialf und zur Habscheidermühle und letztlich auch nach St. Vith in Belgien, geleitet von mehreren verschiedenen Radrouten-Symbolen. Da muss ich mich erst einmal setzen.

Dann setzt die Neugier ein, und ich lasse mich ein auf das frei zugängliche Outdoor-Eisenbahnmuseum, das mir die Geschichte dieses Ortes erzählt. Denn ich befinde mich an einem alten Bahnhof. Die Lok, die hier ausgestellt ist und die ich frei betreten kann, ist eine Köf II mit einem Flachwagen. Der 3. Klasse-Personenwagen stammt aus dem Jahr 1940. Die Uhr, das Stationsschild, Gleisstücke, Signale, alte Fahrpläne, Fotos und vieles mehr erinnern an alte Zeiten, denn seit 1886 hielten hier die Züge der Westeifelbahn auf der Strecke von Prüm nach Bleialf. Heute sind es Radler aus allen Himmelsrichtungen, die die Bahntrasse zu entspannten Fahrradtouren ohne viele Höhenmeter nutzen und hier ihre wohlverdiente Pause einlegen.

1883 war bereits die Kreisstadt Prüm mit Gerolstein und damit mit der Eifelbahn von Trier nach Köln verbunden worden, ab 1888 ging es von Bleialf weiter nach St. Vith und letztlich ab 1889 über die Vennbahn bis Aachen und Luxemburg. Ab 1907 war es außerdem möglich, mit der Bahn von Pronsfeld nach Waxweiler oder nach Neuerburg zu gelangen, und ab 1916 existierte auf der Strecke sogar ein zweites Gleis. Die Strecke war nicht nur für den Personenverkehr und die wirtschaftliche Entwicklung der Region wichtig, sondern auch für militärische Zwecke wie die Versorgung der Westfront im 1. Weltkrieg mit Soldaten, Material und Verpflegung. Nachdem St. Vith ab 1920 zu Belgien gehörte, wurde Bleialf Zollstation, und der Verkehr auf dieser Strecke ging deutlich zurück. Dennoch war Pronsfeld 1936 beim Bau des Westwalls ein wichtiger Umschlagplatz für das Baumaterial, und die Bahn wurde von zahlreichen Arbeitern als Verkehrsmittel genutzt. Zum Kriegsende wurde der Bahnhof aufgrund seiner militärischen Wichtigkeit fast vollständig zerstört, und mit ihm das ihn umgebende Dorf. Mehrere Jahre nach dem 2. Weltkrieg wurden die Strecken zwar wieder in Betrieb genommen, nicht jedoch die Verbindung zwischen Bleialf und St. Vith. Von 1965 bis 1972 wurde der Personenverkehr nach und nach eingestellt. Der letzte Güterzug fuhr 1994.

Heute, in den Zeiten des fast grenzenlosen Europas, strampeln wir auf bequem asphaltierter Trasse – meist ohne uns der dramatischen Ereignisse bewusst zu sein, die sich hier ereigneten – von Pronsfeld aus, nicht selten über malerische Viadukte, in alle Himmelsrichtungen des weiten Eifellandes. Oder auch mal eben kurz nach Belgien.

 

Standort Eisenbahnmuseum:

54597 Pronsfeld, Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße

(mit Picknickplatz, einer mobilen Toilette und einem kleinen „Kiosk“, der an Sommerwochenenden geöffnet ist)

weitere Infos:

www.ferienregion-pruem.de (unter Kultur – Museen / Radfahren – Radfahren rund um Prüm – Eifel-Ardennen-Hohes Venn-Radwanderweg bzw. Prüm-Radweg bzw. Enz-Radweg)

www.pronsfeld-eifel.de/85/eisenbahngeschichte

 

 

 

 

 

 

Wie die Niederrheinerin zur Eifel fand

Urlaub in der Eifel – manch einem mag das langweilig erscheinen. Für mich ist sie das gelobte Land. Immer schon!

Ich stamme nicht aus der Region und ich lebe nicht in dieser Gegend, doch ich bin hier, so oft es eben geht. Als ich ein Kind war, machten wir Urlaub im Waldhaus in Wallersheim. Wenn der Zug hinter Köln langsam bergauf dampfte, die Kühe immer schöner wurden und am Ende die Lok ausfiel, weil der Aufstieg zu beschwerlich war, jubelte mein Herz. Nicht das Sauerland, nicht das Meer oder die Alpen – die Eifel musste es sein!

Ganz fortbleiben konnte ich nie. Seit zehn Jahren verbringe ich nun jeden Urlaub auf einem Bauernhof im Prümer Land und bekomme nie genug von „meiner“ Eifel.

Begleiten Sie mich auf meiner Reise mit den Augen einer Fremden und voll tiefer Verbundenheit zu Land und Leuten.

 

Eine doppelte Entdeckung – das Kreuz im Wald

Keine andere Region steckt so voller mystischer Geschichten, die gern und gut gewürzt von den Einheimischen wiedergegeben werden. So führte eine Exkursion meiner Ferienhofbauern zum Blutkreuz im Wald südöstlich von Büdesheim, gar nicht weit von „meinem alten Waldhaus“ entfernt, in dem ich als Kind viele ausgiebige Urlaube verbrachte.

Um das Blutkreuz rankt sich eine – wie könnte es anders sein – blutige Geschichte: Eines Sonntags ging ein Jäger auf die Pirsch, tief in den Wald hinein. Unweit einer Quelle folgte er einem scheuen Reh, das verzweifelt vor ihm her sprang und schließlich hinter einem steinernen Kreuz Schutz suchte. Der Waidmann legte an und schoss, doch immer wieder verfehlte er sein Ziel. Blinde Wut wallte in ihm auf, und er legte erneut an und feuerte eiskalt auf das Kreuz. Der Schuss hallte im ganzen Wald wider – und drang tief in das Denkmal ein. Das Reh sprang fort, doch der kalte Stein begann aus seiner tiefen Wunde zu bluten. War das die Strafe dafür, dass er am Sonntag gejagt hatte? Erschrocken wandte der Jäger sich ab und hastete nach Hause. Kaum hatte er seine Stube betreten, fiel er tot zu Boden. Das Reh aber lebte noch lange und sprang froh durch den Wald. Man sagt, der Jäger folge ihm heute noch in dunklen Nächten durch den Wald am Blutkreuz.

Das spätgotische Nischenkreuz im Hundsbachtal wurde im 16. Jahrhundert errichtet und ist unter anderem über Route 3 der Prümer Land Touren (www.naturpark-eifel.de) oder Route 28 (www.ferienregion-pruem.de) zu erreichen. Ein schmaler Pfad durch den Wald führt zunächst zu einer Quelle und von dort zum Blutkreuz (50.202642N, 6.574016E). Nicht weit von dieser Stelle befinden sich ein „Drees“, eine kleine Kapelle und auf dem Apert ein „Eifel-Blick“ mit einer wunderbaren Aussicht. Davon soll ein anderes Mal die Rede sein.

Ich habe das Blutkreuz bereits drei Mal besucht – dachte ich. Doch als ich alte Fotos von 1976 durchschaute, die mein Vater, ein passionierter Fotograf, gemacht hatte, sah ich eine Abbildung von einem Steinkreuz, das mir sehr vertraut erschien. Schnell öffnete ich meine Bilddateien und zoomte, wie man das heute digital so schön machen kann, immer tiefer in das Bild hinein. Die Einschusslöcher in dem Kreuz sind auf beiden Bildern zu erkennen. Mein kleines Eifelherz lacht – ich war schon mit sechs Jahren an dem Kreuz, das mir erst kürzlich seine Geschichte erzählte.