Große Aussichten für Zwerge und Riesen –XXL-Bank in Schönecken

Sage und schreibe sechs Jahre ist es her, dass ich die Aussicht auf Schönecken vom Panoramaweg genießen konnte. Und im gleichen Jahr – 2020 – berichtete ich auch über die Riesenbänke in Birresborn und Pronsfeld. Ich mag solche Orte! Groß und Klein haben einfach nur Freude an dem seltsamen Größenverhältnis, können damit spielen, darauf herumklettern und das eine oder andere skurrile Familienfoto schießen. Kleine (okay, in diesem Fall eher große …), einfache Dinge können so viel Spaß machen!

Und dann plötzlich, irgendwann 2023, schaue ich von Schönecken aus auf die gegenüberliegenden Höhenzüge und stelle fest, dass auch dort oben die Riesen eine Bank erbaut haben. Es sieht so aus, als sei sie etwa auf der Route, die ich damals gelaufen bin. Meine Neugier ist geweckt – da will ich hin! Ich liebe Riesenbänke!

Nun ist es endlich so weit, und die Bank hat schon eine viel dunklere Farbe angenommen, so dass ich einen Moment stutze und ganz genau schauen muss, um aus der Ferne herauszufinden, dass sie wirklich noch da ist. Das liegt daran, dass sie am Waldrand optisch nur noch schwer wahrnehmbar ist, wenn man nicht weiß, wo sie ist. Und meine Augen haben viel zu tief gesucht. In den gängigen Wander-Apps fehlt noch eine exakte Ortsangabe – und auch ein Weg, den ich später nutzen werde und der nur auf der gängigen Online-Karte zu erahnen ist. Aber eines steht fest: meine Bank aus Brobdingnag (dem Land der Riesen aus „Gullivers Reisen“), auf der sich auch große Menschen wie Liliputaner fühlen, liegt am Panoramaweg, oberhalb des Wetteldorfer Richtschnitts, und so mache ich mich an einem sonnigen Morgen endlich auf den Weg hinauf.

Ich parke in der Nähe der Kirche und laufe zunächst ein Stückchen die Alte Bitburger Straße entlang. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass sich hier auf der rechten Seite ein Mammutbaum befindet. Ich erfreue mich an dem schon stattlichen, hoch aufragenden Gehölz mit der markanten Borke, und frage mich, warum es mir noch nie aufgefallen ist. Bei der zweiten Gelegenheit biege ich nach rechts ab (Danielsberg) und halte mich dann geradeaus, den Schildern zum Wetteldorfer Richtschnitt nach. An einer Gabelung bleibe ich halbrechts und erreiche schon nach wenigen Häusern freies Feld, vorbei an einem Grill- und einem Spielplatz. Mein Blick verweilt auf diesen Gemeinschaftsplätzen. Das sieht nach einer entspannten, geselligen Nachbarschaft aus. Ich lächle und setze meinen Weg fort, lasse die letzten Häuser hinter mir. Wer es weiß, kann vor sich, leicht nach links versetzt, auf halber Höhe in dem aufgeforsteten Waldstück vor dem hohen Nadelwald die Hütte erkennen, die sich über dem Wetteldorfer Richtschnitt befindet – für Geologen ein überaus wichtiger Gesteinsaufschluss, der die Grenze zwischen Unter– und Mitteldevon definiert. Bei meiner letzten Wanderung war die Hütte nicht so gut sichtbar – oder ich wusste einfach noch nicht, wo sie war.

Ich schaue mich um. Noch strahlt die Sonne, aber die Wolken am Horizont verheißen schon, dass sich das vermutlich noch ändert, bevor ich mein Ziel erreiche. Als ich im Wald ankomme, umfängt mich das vielfältige Grün von Nadelbäumen und Gräsern. Hier führt an einer Bank ein grasbewachsener Weg links hinauf, den ich einschlage, dem Schild zum Richtschnitt nach, vorbei an den Heisdorf-Schichten mit Infoschild am Wegrand. Kurz darauf führt linkerhand ein sehr schmaler Pfad links zum Richtschnitt hinauf – wer möchte, kann hier einen Abstecher zu dem sagenhaften Ort machen, der optisch recht profan daherkommt. (Wer mehr wissen möchte: https://susanne-wingels.de/nur-fliegen-ist-schoener-aussichten-rund-um-schoenecken)

Der eigentliche Weg führt aber weiter über den Grasweg zwischen Bäumen und Naturhecken hindurch hinauf bis zum nächsten Abzweig, wo ich dem Schild mit der 5 scharf links hinauf folge und über eine Rechtskehre, in der es kräftig bergauf geht, den Waldrand erreiche, dem der Weg kaum sichtbar weiter folgt. Hier bieten sich erste Aussichten auf Schönecken und die herrliche Landschaft rundherum! Und während ich zuvor die Bänke verschmäht habe, um möglichst schnell die Riesenbank zu erreichen, bleibe ich nun stehen, verschnaufe einen Moment und halte die Schönheit, die sich vor mir aufblättert, nach allen Regeln der Kunst fotografisch fest. Wobei die Kunst etwas zu wünschen übrig lässt, denn die Sonne ist weg und will auch nicht mehr zurückkommen. Ich rede mir die Situation schön, indem ich darüber nachdenke, dass es so wenigstens nicht so warm ist, und erfreue mich an dem Ausblick.

Als ich nach weiteren 300 m am Waldrand entlang endlich die XXL-Bank erblicke, habe ich etwa 1,5 km und 110 Höhenmeter hinter mir. Unter mir breitet sich das Schönecker Panorama aus, mit Burgruine, Kirchturmspitzen, Siedlungen und ganz vielen Hügeln ringsherum – Hügeln mit Wald, Wiesen und Äckern und vor allem auch mit dem markanten Kalkmagerrasen und Wacholderheiden bewachsen. Ich liebe diese Landschaft, ihre ursprüngliche Reinheit und Einzigartigkeit. Wieder muss meine Kamera dran glauben, und es ist zu schade, dass die Sonne nicht mehr scheint. Die Bank liegt, immer noch über mir, etwas unterhalb des Waldrandes, rückwärtig umrahmt von mehreren Kiefern. Als ich näher komme, erkenne ich, dass der Boden unterhalb des mächtigen Gebildes mit Hackschnitzeln bestreut ist. Immer noch muss ich hinaufschauen zu dem Koloss – meine Augen können gerade einmal über die überdimensionale Sitzfläche schauen. Zu meinem Erstaunen bemerke ich, wie gut durchdacht die Konstruktion ist, und dass die Bank vom dahinter liegenden Weg aus nahezu barrierefrei erreichbar ist. (Ein barrierefreier „Aufstieg“ hierher wäre möglich über die Straßen Danielsberg (links halten)/Auf dem Roeß – dem Verlauf 900 m leicht bergauf folgen, dann rechts abbiegen – diesen Weg werde ich für den Rückweg wählen.)

Auf der Sitzfläche befindet sich eine weitere, normal dimensionierte Bank ohne Rückenlehne, die mich an die Turnbänke in Sporthallen erinnert. So kann sich jeder, auch mit Knieproblemen, entspannt hinsetzen, ohne sich zu verrenken. Von der Anhöhe, die sich von mir aus rechts, also hinter der Bank, befindet, führt ein Steg aus drei Planken mit einem Geländer fast ohne Gefälle hinauf zur Sitzfläche, an die er sich nur mit minimalem Höhenunterschied von vielleicht 10-15 cm anschließt. Hier hat jemand wirklich nachgedacht! Kompliment an die lieben Schönecker! Selbst Oma im Rollstuhl oder der Kinderwagen haben die Möglichkeit, mit auf die Bank zu kommen – nur am Ende des Steges muss man rechtzeitig stoppen und nach links auf die Sitzfläche wechseln. Wenn ich darauf stehe, verschwinde ich immer noch hinter der überdimensionalen Rückenlehne. Sie muss also 1,70 m oder noch etwas höher sein.

Ich versuche, mit Hilfe des Selbstauslösers Selfies zu schießen. Zunächst lege ich meine Kamera auf den Boden und schiebe das Band darunter, um sie schräg zustellen. Bei der Kontrolle stelle ich fest, dass dieser Winkel äußerst unvorteilhaft ist und außerdem der halbe Kopf fehlt. Nase und Doppelkinn sind aber gut zu erkennen. Ich grinse. Schön ist anders… Aber Löschen ist auch keine Option, dazu sind meine krampfhaften Bemühungen einfach zu amüsant. Zweiter Versuch: Nun lege ich die Kamera auf die unterste Strebe der Rückenlehne und knie mich auf die „normale“ Bank: Schon besser, sogar die Aussicht ist ein bisschen zu erkennen, aber die Größe der Bank wird nicht wirklich deutlich. Ich muss meine Strategie grundlegend ändern, mache aber erst einmal die obligatorischen Panoramafotos – nicht, dass ich das vor lauter Selfiewahn nachher vergesse. Dann überlege ich, ob ich die Strecke in 12 Sekunden schaffen kann, und platziere meine Kamera hinter der Bank unterhalb der Kiefer, die etwas weiter entfernt steht. Der Winkel stimmt, und frohgemut drücke ich ab, renne über den Steg und stelle mich in Position – sehe das Blinken, als ich gerade stehe, und freue mich. Trödeln darf ich nicht, aber es ist machbar. Eine Kontrolle des Bildes ist allerdings ernüchternd: Ich habe sehr detailgetreu Waldboden fotografiert, mit mir unscharf irgendwo im Hintergrund hinter Gräsern und Blättern. So wird das nichts. Erst, als ich die Kamera etwas weiter rechts und auf meinem Rucksack platziere, kommt ein schönes Foto von mir an der Lehne der Bank heraus. Na also! Ich umrunde die Bank noch einmal und setze meinen Weg dann fort.

Nach wenigen Metern begegnet mir eine Familie. Ich kombiniere messerscharf: Vielleicht bekomme ich doch noch ein Foto von mir auf der Bank, frontal von vorne. Flugs spreche ich die Menschen an und biete – ich gebe zu, strategisch motiviert – an, ein Gruppenfoto von ihnen zu machen, wo ich doch gerade noch da bin. Leider will die Familie keines, sie waren schon öfter hier und wollen nur „spielen“. Also muss ich konkreter werden und frage, ob sie denn eines von mir machen könnten. Es sind nette, hilfsbereite Menschen, und so mache ich mich kurz darauf fröhlich und mit einem schönen Zwergenfoto von mir im Handy auf den Rückweg, indem ich dem Weg weiter folge und dann, als ich auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg stoße, links abbiege. (Der 7 km lange Panoramaweg mit 157 Höhenmetern geht hier übrigens rechts bergauf weiter und ist sehr empfehlenswert!) Die kleine Straße führt bergab zurück nach Wetteldorf und bietet auf dem Weg noch ein paar schöne Blicke hinauf zu meiner Riesenbank.

Ich atme durch: Geschafft – ohne Sonne, aber auch ohne Regen. Und denke voll Dankbarkeit an die Menschen, die solche schönen Orte schaffen. Auf Wiedersehen, du liebe Bank mit den malerischen Bäumen dahinter und der phantastischen Aussicht – ich komme wieder!

Weiterführende Informationen:
https://www.ferienregion-pruem.de/touren/panoramaweg-schoenecken
https://www.volksfreund.de/region/bitburg-pruem/ueberdimensionale-bank-gute-aussicht-auf-schoenecken-und-umgebung-garantiert_aid-77101167

Parkgelegenheit:
Alte Bitburger Straße/Ecke Pfarrgasse (GPS 50° 9’12.87″N, 6°27’54.40″E) oder in Schönecken im Ort, beispielsweise am FiF, Teichstraße/Am Forum)

Links zu meinen Blogs über dem Panoramaweg und die anderen Riesenbänke:
https://susanne-wingels.de/nur-fliegen-ist-schoener-aussichten-rund-um-schoenecken
https://susanne-wingels.de/von-eisigen-hoehlen-uralten-baeumen-und-einer-bank-fuer-riesen-ein-ausflug-zu-den-birresborner-eishoehlen
https://susanne-wingels.de/ein-bisschen-gullivers-reisen-die-suche-nach-der-pronsfelder-riesenbank

Die Hütte, die den Wetteldorfer Richtschnitt schützt, liegt etwas oberhalb des Weges.
Was für ein An-/Ausblick!
Panoramablick auf Schönecken

Prüm zu allen Zeiten von allen Seiten – abenteuerlicher Panoramaweg

Blick von der Kalvarienbergkapelle auf Prüm und die Basilika

Egal, von welcher Seite wir uns nähern: Irgendwann ist er da, der erste Blick hinunter ins Tal auf Prüm und seine stolze Basilika – wunderschön, fast poetisch, lässt dieser Anblick niemanden kalt. Ich persönlich möchte mehr davon, Prüm von allen Seiten betrachten, erkunden, fotografieren – und nirgendwo ist das besser möglich als auf dem Panorama-Wanderweg 120 rund um die Karolingerstadt, der zudem auch reichlich Aussicht in andere Richtungen zu bieten hat.

Angelegt wurde die anspruchsvolle Route, auf der auf gut 20 km 430 Höhenmeter zu überwinden sind, 2008 anlässlich des 120jährigen Bestehens der Prümer Ortsgruppe im Eifelverein. Sie beginnt am Wanderparkplatz 14 („Wenzelbach“) an der B410 zwischen Prüm und Niederprüm, lässt sich aber auf diversen anderen Parkplätzen beginnen und natürlich auch vielfältig abkürzen oder durch Abstecher, zum Beispiel in die Innenstadt von Prüm, beliebig erweitern.

Für die Abenteurer unter uns haben sich die Prümer etwas ganz Besonderes ausgedacht. Auf dem Weg gibt es sage und schreibe 65 Geocaches zu heben (digitale Schatzsuche – Link siehe unten!). Vier Gruppen privater Cacher haben die „Schätze“ verschiedenster Art und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade auf dem Weg versteckt (traditionelle, Multi- und Mystery-Caches) – unendlicher Entdeckerspaß inklusive! Wer nur geradeaus schaut und denkt, kommt meistens nicht weit. Es lohnt sich, ungewohnte Körperpositionen einzunehmen oder sich Dinge einmal von unten, oben oder auch von hinten anzuschauen. Zudem – und das ist uns mehrfach passiert – könnten auch andere Suchende sich gerade am gleichen Ort befinden, um ebenfalls ganz unauffällig („Muggel“ = Uneingeweihte dürfen ja nichts merken!) den Cache zu heben. So kommt man entweder ganz wunderbar ins Gespräch, oder man zieht sich zurück, bis die andere Gruppe fündig geworden ist. Denn eines möchte man ganz sicher nicht: einfach nur mitbekommen, wo sich das Versteck befindet!

Doch auch ohne digitale Schatzsuche gibt es so viel zu entdecken: Der Weg führt vorbei am Kalvarienberg, der 1949 durch die Explosion dort gelagerter Munition quasi in Stücke gerissen wurde, so dass vier Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs erneut Tod und Zerstörung in Prüm regierten. Noch heute beherrscht ein riesiger Krater den Gipfel, und ein Mahnmal erinnert an das schreckliche Ereignis. Für uns als Wanderer bietet der Berg jedoch auch wunderbare Ausblicke auf Prüm. Ein Abstecher zu der hübschen, nach der Katastrophe neu errichteten Kalvarienbergkapelle mit Blick über Prüm und über den Kreuzweg sei jedem wärmstens ans Herz gelegt. Vom Panoramaweg selbst kann der Blick hier oben nach Niederprüm und über das Mehlenbachtal mit seiner Wacholderheide schweifen und weit darüber hinaus bis nach Belgien.

Nördlich von Tafel führt die Strecke ein Stück über den Jakobsweg und den Schneifel-Pfad. In den oberen Regionen des idyllischen Tettenbuschs bietet sich im Skigebiet Wolfsschlucht ein spannender Blick durch die Schneise ins Tal und auf eine bayerisch anmutende Landschaft. Hier verläuft der Weg stellenweise identisch mit dem Gebietswanderweg 16. Es lohnt sich, erneut abzubiegen und (dem Weg Nr. 16 folgend) dem uralten Keltenring einen Besuch abzustatten. Der Wall lässt sich über verschlafene Waldwege erkunden, und an der Prümer-Land-Route befindet sich eine Infotafel dazu mit Blick auf ein rekonstruiertes Tor der Befestigungsanlage.

Natürlich kann der Weg in beide Richtungen erlebt und begangen werden. Unweit des Ausgangspunkts liegt Niederprüm. Von seinen Höhen bietet sich ebenfalls ein reizvoller Blick auf den Ortskern von Niederprüm mit der hübschen weißen Pfarrkirche St. Gordianus und Epimachus, die eindrucksvolle Talbrücke der A60 über die Prüm sowie auf die Höhenlagen von Prüm am Kalvarienberg und am Tettenbusch. Zeit, innezuhalten, Blick und Gedanken schweifen zu lassen und ganz tief durchzuatmen. Um dann mit frischem Schwung den nächsten Geocache zu heben. Oder einfach die Schönheit der Landschaft, der Ortschaften und des Augenblicks zu genießen.

 

Weitere Infos:
www.ferienregion-pruem.de
www.eifelverein-pruem.de
www.geocaching.com

 

Prüm mit Basilika und Abtei, im Hintergrund der Kalvarienberg
Blick ins Mehlenbachtal
Blick auf Niederprüm und die Höhenlagen von Prüm

Der Weg nach Niederprüm

Geocaching – moderne digitale Schatzsuche

Blick auf die Talbrücke der A60
Blick über Niederprüm zum Kalvarienberg und zum Tettenbusch
Niederprüm
Wanderweg in der Nähe des Wanderparkplatzes Wolfsschlucht
Ausblicke am Weg in der Nähe des Wanderparkplatzes Wolfsschlucht
Skihütte Wolfsschlucht