Als ich vor zwölf Jahren in die Eifel zurückkehrte, hörte ich davon und hatte keine Ahnung – war aber furchtbar neugierig. Kalkofen hier, Kalkofen da. Worum geht es da eigentlich? Und wo kann man sich das anschauen? Wir finden sie überall, wo die Eifel Kalkgestein zu bieten hat. Manchmal sind sie deutlich als Gebäude erkennbar und wecken unsere Wissbegier, und manchmal glauben wir stattdessen, einen keltischen Grabhügel vor sich zu haben. 500 Jahre lang versorgten sie die Eifel mit Kalk zum Bauen und Düngen, größtenteils noch bis nach dem 2. Weltkrieg. Auch in den Namen von Orten, Gütern oder Familien finden sie sich noch wieder und weisen auf die Vergangenheit hin. Zwischen Fleringen und Rommersheim findet sich ein besonders gut erhaltenes Exemplar mit Informationstafel, ebenfalls zwischen Niederehe und Nohn an der L68. Eine Fundstelle bei Iversheim (Bad Münstereifel) weist auf ein großes römisches Kalkwerk hin, das um 150 bis 300 n.Chr. betrieben wurde. An anderen Stellen befinden sich von Gras überwucherte „Hügel“ als Reste solcher Kalköfen, die kaum als solche zu erkennen sind, so wie wir sie südlich oberhalb von Fleringen in der Nähe der Schönecker Schweiz auf einer Kuhwiese finden, etwa 700 Meter Luftlinie von der Krausbuche entfernt. In der Prümer Kalkmulde fand sich eine große Dichte dieser Öfen. So sind allein für Fleringen im Jahr 1856 neun Öfen belegt. 1985 sorgte der „Geschichtsverein Prümer Land“ für die Reaktivierung des oben genannten Kalkofens zwischen Rommersheim und Fleringen, der heute frei zugänglich besichtigt werden kann. Wir können hineinkriechen, drumherum laufen, den Ofen von allen Seiten sehen und anfassen und uns in alte Zeiten hineindenken. Von Zeit zu Zeit wird hier aktiv Kalk gebrannt. Davon zeugt auch der Boden des Kalkofens, wenn man ihn betritt. Oft sind die Spuren zwar von Laub bedeckt, aber sie sind da und erzählen uns ihre Geschichte. Und wie funktioniert das Kalkbrennen? Beim Brennen im mit Holz befeuerten Ofen entweicht Kohlensäure aus dem Kalk. Der gebrannte Kalk wird mit Wasser „gelöscht“, die so gewonnene Kalkmilch dann als Mörtelgemisch (mit Sand und Wasser) oder zum Kalken von Fassaden und Räumen verwendet, wobei das Wasser verdunstet und die Kohlensäure durch die Luft wieder in den Kalk eindringen kann. Der frische Baustoff hat allerdings eine ätzende Wirkung auf Augen und Haut. Vieles ist noch aus alten Zeiten überliefert, so eine alte Schilderung von Johannes Busch (geb. 1854) über die Kalkbrennerei in Schönecken. Dort wird erzählt, dass die Menschen ebenso aus St. Vith im Westen wie auch aus östlicher Richtung aus der Gegend weit hinter der Kyll nach Schönecken kamen. Vier bis acht Öfen gehörten jeweils einer Familie. Nebenan befanden sich Ställe oder Unterstände für das Vieh der Kundschaft, das für den Transport genutzt wurde. Im Sommerhalbjahr lebte auch die Familie des Kalkbrenners vor Ort, die der Kundschaft sowohl Kaffee als auch verbotenerweise selbst gebrannten Korn anboten. Nach 1890 löste Thomasschlacke den Kalk als Düngemittel ab, was zu einem starken Rückgang der Nachfrage führte. Nikolaus Arenth, ein Nachfahr der Schönecker Ofenbetreiber, gab 1995 das überlieferte Wissen preis und schildert, dass knapp 5000 Reisigbündel aus den umliegenden Wäldern benötigt wurden, um in einem solchen Ofen Kalk zu brennen. Auch nach dem Krieg, als Baumaterial knapp war, wurde hier nochmals ein Ofen in Betrieb genommen. Mit all diesem Wissen machen wir uns auf den Weg und erkunden die Öfen – die Hügel am Wegrand ebenso wie die rekonstruierten Gebäude am Wegrand, die wir nach Herzenslust anschauen, anfassen und erkunden können. Und laufen durch das raschelnde Laub, bücken uns, um durch das Loch ins Innere des Ofens zu gelangen, und dann stehen wir dort und werden ganz still und können ihn hören, riechen und fühlen, den Hauch der alten Zeiten.
Koordinaten Kalkofen in Rommersheim: 50°11’53.7″N 6°27’50.5″E / bei Üxheim-Niederehe: 50°19’14.1″N 6°46’43.3″E / Hügel südlich von Fleringen: 50°11’42.5″N 6°29’54.5″E Weitere Informationen: https://www.schoenecken.com/HTML/kalkoefen.htm https://www.eifel.info/a-kalkofen-1 https://www.eifel.de/go/sehenswertes-detail/kalkofen_hillesheim.html
Im Kalkofen
Kalkofen in Üxheim-Niederehe (in der Nähe der Nohner Mühle)Grüße aus dem Auenland – diese Hügel sind ehemalige Kalköfen (zu finden am Rand der Schönecker Schweiz)Kalkofen in Niederehe an der BasisInfotafel über den Kalkofen an der Landstraße zwischen Rommersheim und Fleringen
Spaß beim ErkundenMilch ist auch weiß – Kühe weiden auf den ehemaligen Kalköfen am Rand der Schönecker Schweiz
Am 18.03.2020 wird es Zeit, die Eifel zu verlassen und mich an meinem Heimatort in die mehr oder weniger freiwillige Isolation zu begeben. Keine Urlaubsreisen mehr. Jeder kehre in sein Haus oder seine Wohnung zurück – wie in der Bibel: ein jeglicher in seine Stadt… Also Lebewohl Eifel, Lebewohl Freiheit, wer weiß schon, für wie lange und was danach sein wird. Welche Restaurants und Feriendomizile nach der „Reisesperre“ überlebt haben und noch existieren. Und welche geliebten und geschätzten Menschen der Krankheit womöglich zum Opfer fallen. Nun also, wie ein letzter freier Atemzug, eine Wanderung im Mehlenbachtal. Das Tal macht mich schon lange neugierig, leuchtet es mir doch auf meiner Wanderkarte grün und einladend entgegen. Ich habe mir die Sache auf der Karte genau angeschaut und ein paar Tourenbeschreibungen durchgelesen und mich entschieden, direkt im Tal unterhalb von Niedermehlen zu parken, dort, wo der Wanderweg 8 auf die Landstraße trifft. Auf der Durchfahrt habe ich bereits ausgekundschaftet, dass dort neben der Landstraße ein wenig Freiraum mit zum Parken geeignetem Untergrund vorhanden ist. Spannend klingt auch das Wacholdergebiet, also beschließe ich, beides miteinander zu kombinieren. So überquere ich zum ersten Mal den Mehlenbach, genieße den Blick auf das Bächlein, das unter Sträuchern geduckt dahinplätschert, und folge zunächst der Landstraße Richtung Westen leicht aufwärts nach Niedermehlen und biege nach 150 Metern links ab in den Wacholderweg. Die Straße ist wie ausgestorben. Klar, wegen Corona sitzt jeder in seinem Haus. Doch hinter der nächsten Kurve begrüßt mich ein Hund äußerst freudig, und seine Besitzerin grüßt entspannt, wünscht mir erst einmal einen schönen Tag (ich mag die Eifelmenschen so gern!) und erkundigt sich dann nach meinem Ziel. „Oh, das Wacholdergebiet, da müssen Sie ja den Weg ganz hoch!“ Ja, das muss ich, und sie beschreibt mir genau, wie mein Weg weiter verlaufen sollte. Ich bedanke mich herzlich für ihre hilfreichen Angaben. Sie bezweifelt, dass der Wanderweg oben schon freigeschnitten ist, und ich sehe das nicht so verkrampft. Zur Not komme ich eben einfach wieder zurück. Außerdem verrät mir meine Wanderkarte, dass es „oben“ Alternativen gibt. Ich hatte mir eigentlich eine tiefer liegende Route ausgesucht. Die Praxis zeigt: Auf dieser Route hätte ich gar keinen Wacholder gesehen. Also hier noch einmal ein ganz herzlicher Dank an die nette Dame mit dem genauso netten Hund. Ich verdanke ihr einen ganz besonderen Moment. Also einfach immer nach oben. Die kleine gepflasterte Straße lässt das entspannt zu und bietet Aussichten, die alle zwei Meter schon wieder noch spektakulärer erscheinen als einen Moment zuvor. Ein Aufstieg mit Genuss – es müssen etwa 100 Höhenmeter gewesen sein, bei denen jeder Schritt es wert war, gegangen zu werden. „Oben“ ist nicht zu verfehlen. Ich tauche in den Wald ein, sehe rechterhand den ersten Wacholder, als sich zur Linken ein Wald- und Wiesenweg mit einem verwitterten Hinweisschild „Wacholdergebiet“ öffnet, der definitiv noch nicht freigeschnitten wurde. Ich klettere über den Baum, der mir den Weg versperren möchte, und genieße den Wiesenpfad zwischen Waldrand und Weiden, der immer wieder eindrucksvolle Aussichten bietet. Auf der anderen Seite des Tals erhebt sich der Kalvarienberg. Ich kann das Krankenhaus und ein paar Häuser der Ortschaft Tafel erkennen. Mein Weg führt direkt auf eine skurrile Formation aus drei Kiefern zu, doch zuvor lädt mich zur Rechten eine malerische Schutzhütte zum Verweilen ein. Ich setze mich, trinke, esse, schaue auf die Karte und lese dann eine Nachricht. Einer meiner Eifel-Menschen bedankt sich bei mir, weil ich ihm heute Morgen noch etwas Gutes zurückgelassen habe. Ich blicke von meiner Bank aus durch die Fenster und die Tür und genieße die Schönheit der Eifel, die unglaubliche Stille des Landes um mich herum, und der Abschied wird mir noch viel schwerer. Kein Mensch ist in der Nähe – ein guter Ort, um einfach einmal die Seele fließen zu lassen und eine Runde hemmungslos zu weinen. Hört ja keiner. Außer mir ist niemand hier. Irgendwann ist es wieder gut. Ich trinke etwas Wasser, stärke mich und ziehe weiter. Nach wenigen Schritten erreiche ich die Kiefern, stark und knorrig und ganz einzigartig gewachsen. Wie alt mögen sie sein? Ihr Ausblick über das Tal ist einmalig. Und hier gibt es ihn dann auch in Hülle und Fülle: den Wacholder. Wild und struppig geleitet er meinen Weg, und über ihn hinweg schaue ich hinunter ins Tal und hinüber auf die nächste Hügelkette. Den Germanen war der Wacholder heilig. Irgendwie kann ich das verstehen. Irgendwann ist es vorbei mit dem Wacholder, und ich treffe auf den breiten, heute etwas schlammigen Wanderweg 17, von dem es heißt, dass er später steil abwärts geht. Mal schauen, wie ich und mein Knie das so verkraften. Vor meinem geistigen Auge bildet sich ein Bild von mir mit schlammverkrusteter Kleidung. Alles dreckig und verschrammt, bloß die Kamera heil und sauber. Auch das gab es schon einmal bei einer Wanderung. An einer Weide öffnet sich ein grandioser Weitblick bis zum Viadukt der Schnellstraße mit viel typischer Eifellandschaft und der eindrucksvollen Architektur der Brücke und der Straße, die sich wie ein Band durch die Natur zieht. Ein Stück weiter bergab zeigt ein Wegweiser, dass mein Weg (17) sich rechts durch einen Laubwald fortsetzt. Kaum erkennbar schlängelt er sich abwärts zwischen den Bäumen hindurch, und ruckzuck (und ohne nennenswerte Probleme mit dem Gefälle, eher beim Erkennen des Weges) bin ich unten. Das letzte Stück Böschung renne ich, damit ich nicht rutsche (später erkenne ich, dass ich eine Serpentine verpasst habe – so viel zum Thema Geländetauglichkeit). Und dann bin ich fast im Tal und werde von nun an begleitet von dem freundlichen Plätschern verschiedenster Wasserläufe, die den Weg kreuzen oder parallel dazu verlaufen, und von sprießendem Grün. Ich folge dem Weg nach rechts auf der Suche nach einem Übergang und mit dem Ziel, endlich den Mehlenbach nicht nur aus der Ferne, sondern auch aus der Nähe zu erkunden. Dafür muss ich nur weiter dem Gebietswanderweg 17 folgen. Zwei querliegende Bäume weiter (kein echtes Hindernis, ein malerisches Motiv und zudem gut für mein Wanderer-Abenteurer-Selbstbewusstsein, mit allem fertig zu werden) ist es endlich so weit: über einen Blockbohlenweg gelange ich zu einer Brücke über den Mehlenbach, der sich malerisch durch das weite grüne Tal windet – mäandern sagt der Fachmann wohl dazu. Parallel zur hölzernen Brücke führt eine Furt durch das Wasser, und ich stelle mir den Spaß für Pferd und Reiter beim Durchqueren des Bachbetts vor – es sei denn, einer von ihnen ist wasserscheu oder nutzt die Gelegenheit für ein Bad. Das Gewässer wird begleitet von niedrigen und höheren Büschen, die zeitweise Hecken bilden und sich wie das Dach eines Kirchenschiffs über dem Bächlein wölben. Auf der anderen Seite geht es wieder kurz bergauf, dann folge ich dem örtlichen Wanderweg 8 nach links bis zu meinem Ausgangspunkt. Immer noch werde ich linkerhand begleitet von dem plätschernden Mehlenbach, auf den ich immer wieder Blicke erhaschen kann. Zur Rechten steigt der Wald teilweise steil an, und von meinem Standpunkt aus, vielleicht 20 oder 30 Meter über der Talsohle, schaue ich zurück auf die andere Seite des Tals, dorthin, wo ich hergekommen bin. Deutlich oberhalb meines Standorts liegt gegenüber das Wäldchen, das ich erreichte, nachdem ich schon eine ganze Weile abwärts gelaufen war. Das Wacholdergebiet wird nur teilweise sichtbar, und plötzlich erkenne ich, wie hoch ich eigentlich war. Hoch über den Dingen, allein in meiner Hütte am Feldrand neben den alten Kiefern. Ein guter Ort für den letzten Tag in Freiheit – für wie lange, das werden wir sehen.
Parkmöglichkeit: Bleialfer Straße (L17) 50°12’59.1″N 6°23’32.3″E Daten zur begangenen Route: Länge: gut 4 km, Höhenmeter: aufwärts wie abwärts je etwa 130; Nutzung der Wanderwege 10 (nicht auf der Karte, aber an den Wegen gekennzeichnet), Gebietswanderweg „Route 17“ (Prümer Land) und Ortswanderweg 8 (Prüm) Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de/wandern Empfehlung: Wanderkarte Nr. 17 des Eifelvereins, „Prümer Land“, ISBN: 978-3-944-620-00-8
Weiter Blick über NiedermehlenBlick zurück von fast ganz „oben“Traumhafte Aussichten vom Wiesenweg am Waldrand über die Felder auf dem Weg zum WacholdergebietRast mit traumhaftem BlickEinsame Hütte mit Ausblick
Kiefern mit Ausblick: Diese Bäume könnten viel erzählenTraumhafter Blick über das Wacholdergebiet in die Landschaft hinein
Abstieg mit weitem Blick
Diese Schilder geleiten uns vom Wacholdergebiet hinab bis über den Mehlenbach
Der Mehlenbach
Hier geht es gleich links zum MehlenbachDieser Blockbohlenweg führt zur Brücke über den MehlenbachHier gluckert und plätschert es laut: Der Mehlenbach
Wanderweg 8Wanderweg 8 kurz vor NiedermehlenDer Mehlenbach windet sich malerisch durch das weite Tal
104 Eier warten auf der Von-Hersel-Straße auf den Raffer. Die Perspektive täuscht: Die Eier liegen im Abstand von 62,5 cm (1 Elle).
Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in Schönecken, und am Ostersamstag klingelt ein (mehr oder weniger) junger Mann und bittet um Eier – dann sollten Sie ihm welche geben! Denn dieser Mensch ist der „Raffer“ oder der „Läufer“ bei einer der ältesten und interessantesten Ostertraditionen überhaupt – der Schönecker Eierlage! 2011 wurde ich erstmals Zeugin dieses faszinierenden Wettlaufs. Damals wurde der Läufer mit einem Alter von 44 Jahren zum ältesten Sieger der Eierlage gekürt. 2014, bei meinem zweiten Besuch, konnte ich den damaligen Raffer erneut als Läufer bejubeln, der ebenfalls siegte.
Doch was geschieht eigentlich am Ostermontag in Schönecken? Aus dem Mund meiner damals vierjährigen Tochter geschildert passiert folgendes: „Der Eine läuft immer hin und her und hat manchmal ein Ei. Am Ende hat der andere gewonnen, aber den hat man nie gesehen. Alle haben nur gesagt, dass er gewonnen hat.“ Im Klartext: Auf der Von-Hersel-Straße werden 104 rohe Eier im Abstand von einer Elle (62,5 cm) ausgelegt. Um 14 Uhr treten zwei Junggesellen gegeneinander an: Der „Raffer“, der diese Eier einzeln aufsammeln und in den Korb bringen muss, und der Läufer, der die Wegstrecke ins benachbarte Seiwerath und zurück – 7,6 Kilometer bei 122 Metern Höhenunterschied – auf sich nimmt. Der Raffer kann selbst entscheiden, wann er welches Ei aufsammelt, doch es muss einzeln geschehen. Dabei legt er maximal etwa 65 Meter und insgesamt 6,9 Kilometer zurück. Hinzu kommen 104mal stehenbleiben, bücken, aufheben, umdrehen und zurücklaufen. Das letzte Ei darf er werfen. Wer seine Aufgabe zuerst beendet hat, ist der Sieger des Wettbewerbs.
Die Feierlichkeiten beginnen übrigens am Karsamstag mit dem Aufbauen. Am Ostersonntag richtet die Junggesellensodalität bereits ein großes Fest im Gemeindezentrum aus. Der Ostermontag ist geprägt vom Hochamt und gipfelt in dem Wettlauf mit anschließendem Umtrunk und Tanz im Festzelt. Nach dem Aufräumen werden am Dienstag als feierlicher Abschluss die für den Lauf gesammelten Eier verzehrt. Spannend ist jedoch auch die Versteigerung am Palmsonntag, eine Woche vor Ostern. Die Junggesellen bewerben sich paarweise als Raffer und Läufer. Ihnen werden vom Verein 25 Euro angeboten. Im Anschluss unterbieten sich die Bewerber in einer rückwärts laufenden Versteigerung (die Beträge werden also immer kleiner). Bleiben nur noch drei Paarungen übrig, entscheidet die Sodalität darüber, welche davon am besten geeignet ist, anzutreten. Die beiden Sieger geben nun bekannt, wer von ihnen der Raffer und wer der Läufer ist – eine Neuigkeit, die im Dorf schnell die Runde macht.
Als wir am Ostermontag Schönecken erreichen, gleicht besonders die Von-Hersel-Straße einem Hexenkessel. Schaulustige von Nah und Fern bevölkern die festlich geschmückte Ortschaft (auch liebevoll „Flecken“ genannt) und fiebern mit den Probanden um den Sieg. Die Spannung steigt, sobald der Läufer den Punkt erreicht, an dem er von Schönecken wieder sichtbar ist. Der Böllerschuss treibt den Raffer zur Eile. Die Menge tobt. Schweißgebadet hastet er durch die enge Gasse zwischen den Zuschauern hindurch – geschützt, begleitet und angefeuert von seinen Junggesellen-Kollegen und getragen von der Menge. Letztlich ist der Läufer auch von der Von-Hersel-Straße aus sichtbar. Nun wird es eng für den Raffer, wenn er noch nicht fertig ist! Nur noch wenige Meter, und der Läufer hätte gewonnen…
Wer würden Sie sein wollen – Läufer oder Raffer? Welche Strategie würden Sie als Raffer verfolgen? Erst die kurzen Strecken? Oder die langen? Ich denke darüber nach, wann ein junger Mann ein Junggeselle ist. Darf er schon …? Tatsächlich dürfen die Teilnehmer nicht verheiratet sein und keine Kinder haben.
Und was ging meiner kleinen Tochter durch den Kopf? „Mama, warum heißt der Raffer eigentlich Raffer? Der läuft doch auch…“ Kluges Kind! Das Wort raffen ist vielleicht etwas altmodisch, bedeutet aber in etwa „aufheben“. Eifler kennen sicher den Begriff „oprafen“, zum Beispiel beim Steinesammeln auf dem Feld. Und was dachte die Kleine noch? „Warum nimmt der nicht mehrere Eier auf einmal?“ Was soll ich dazu sagen? Spielregeln? Alte Traditionen?
Wie gut, dass es die in der Eifel noch gibt!
Der Ursprung dieser einzigartigen Tradition zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, weil er so wunderbar typisch für das Leben und die Menschen in der Eifel ist – der Sage nach schon um 1500: In Schönecken lebten 14 Junker, die neben gewöhnlichem Dienstpersonal auch Läufer beschäftigten, die für sie Besorgungen erledigten. Ein Zechgelage der Ritter führte zu fortgeschrittener Stunde zu Zank und Streit und großmäuligen Sprüchen. Jeder glaubte, den schnellsten Läufer zu haben. Um herauszufinden, wer von ihnen Recht hatte, wetteten sie – jeder auf seinen Läufer. Die Wettläufe erfreuten sich auch beim Volk größter Beliebtheit, und bereits nach kurzer Zeit fand zu Ostern der Wettstreit in einer Form statt, die sich bis heute erhalten hat. Zur damaligen Zeit handelte es sich um 100 bis 110 Eier, und der Läufer lief bis Niederhersdorf und malte dort ein Kreuz an die Kirchentür, bevor er zurückkehrte. (Ich hoffe, er kam nie auf den Gedanken, jemand anderen damit zu beauftragen. Wurde die Tür bewacht, um festzustellen, dass es wirklich der Läufer war, der sich dort verewigte?) Nach der Rückkehr des Läufers gaben sich Raffer und Läufer Kuss und Handschlag und erhielten ein Trinkgeld. Anschließend wurde auf der Burg ein großer Ball abgehalten. Und natürlich ein fröhliches Eier-Essen! (Tatsächlich urkundlich nachgewiesen ist der Brauch im Jahr 1764. Aber man geht davon aus, dass er deutlich älter ist. Und es wäre doch nett, wenn es so abgelaufen wäre wie oben beschrieben…)
Weitere Informationen: www.eierlage.de, http://www.schoenecken-eifel.de/EIERLAGE.HTM, https://www.ferienregion-pruem.de/kultur/tradition/eierlage-in-schoenecken
Quelle und Buchempfehlung: Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de
Zwei Kameraden begleiten den Raffer und sorgen dafür, dass ihm niemand im Weg steht. (Aufnahme aus dem Jahr 2019)Ei ausgewählt und aufgehoben (opgeraft). Jetzt schnell zurück zum Korb.„Oprafen“104x hinlaufen, aufheben und dann schnell zurück zum Korb – begleitet von den Anfeuerungsrufen der Zuschauer und Kameraden. Kamerateams halten alles fest.Der Läufer naht. Nun bleibt dem Raffer nicht mehr viel Zeit. (Aufnahme aus dem Jahr 2014; der Läufer 2014 war bereits 2011 als Raffer bei der Eierlage aktiv. Begleitet wird er unter anderem von dem Läufer aus dem Jahr 2011 (links), der damals siegte.)Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: das EiNicht jeder Besucher ist aufmerksam. Obwohl die Eier bei der Veranstaltung im Mittelpunkt stehen, wird das eine oder andere Ei im Vorfeld des Laufs von unachtsamen Fußgängern zertreten. Dann muss schnell für Ersatz gesorgt werden.Vorbereitungen: Läufer, Raffer, Hauptmann und Brudermeister kontrollieren die regelrechte Auslage der Eier. Die mediale Aufmerksamkeit ist groß.Raffer und Läufer kurz vor dem Start der Eierlage. Noch schnell etwas trinken und dann auf den Wettbewerb fokussieren.
Von welcher Seite auch immer ich mich der Stadt Prüm nähere: Mein Blick fällt auf die stolze, weiß und rosa leuchtende Basilika und die benachbarten Abteigebäude. Sie laden ein zum Staunen, Innehalten und auch zum Gebet. Rückwärtig und etwas unterhalb, am Gerberweg, zwischen Basilika und Abtei auf der einen Seite und unweit des Aldi-Parkplatzes auf der anderen Seite, befinden sich mehrere Statuen und Gedenktafeln, die eine spannende Geschichte erzählen. Hier, zwischen Friedhof und Bushaltestelle, im Schatten des ehemaligen Klosters, erfahren wir, was es mit Prüm, der Abtei und den Karolingern auf sich hat.
Wenn ich mir Prüm in seinen Anfängen vorstelle, sehe ich im grünen Tal an einem plätschernden Fluss eine kleine hölzerne Kapelle vor mir – nicht gerade günstig zur Verteidigung gegen Gegner gelegen, die von den umliegenden Hängen hinab darauf zuströmen. Dieses Schicksal ereignete die gerade knospende Stadt nicht nur einmal! Und dennoch: Irgendetwas machten die Gründer von Stadt und Abtei richtig, sonst wäre daraus nicht eine solche Erfolgsgeschichte geworden, ein Zentrum der kirchlichen Macht, eine florierende Stadt. Die Lage im Talkessel bot Schutz vor Wind und Wetter, und die Prüm spendete Leben: Wasser zum Trinken, Kochen und für die sich ansiedelnden Gewerbe, Bewässerung für die Gärten und Felder und Viehweiden.
Von fundamentaler Wichtigkeit für die Gründung der Abtei waren die Karolinger. Dieser Begriff war im Geschichtsunterricht in Windeseile an meinem Ohr vorbeigerauscht (praktisch in einem gemeinsamen Zug mit ihren Vorgängern, den Merowingern), und erst nun begreife ich, dass das Wort sich auf Karl Martell bezieht, den Großvater Karls des Großen. Eigentlich sehr einfach und prägnant! Noch beeindruckender sind die Fakten: Die Klostergründung liegt im Jahr 2021 genau 1.300 Jahre zurück. 1.300 Jahre! Ginge man noch einmal so weit in die Vergangenheit zurück, landete man in Europa in der keltischen Hallstattkultur oder im Griechenland von Pythagoras, und das persische Weltreich würde gerade erst gegründet.
Also, tief durchatmen: 721 gründete Bertrada die Ältere gemeinsam mit ihrem Sohn Charibert das erste Kloster in Prüm. Es stand etwa dort, wo sich heute der Friedhof befindet. Bertrada war mütterlicherseits die Urgroßmutter von Karl dem Großen, ihr Schwager Pippin der Mittlere war interessanterweise auf der väterlichen Seite dessen Urgroßvater. Bertrada die Ältere war eine fränkische Edle und stammte von der Burg Mürlenbach. Ihre Mutter hatte bereits Klöster in Oeren bei Trier und (gemeinsam mit dem heiligen Willibrord) in Echternach begründet. Aus Echternach stammten auch die ersten Mönche: nach den strengen Regeln des heiligen Columban lebende irische Missionare. Der erste Abt trug den Namen Angloard. Nun sollte es nicht mehr lange dauern, bis die heute noch berühmten und bestaunten Sandalen Christi ihren Weg nach Prüm fanden.
Dreißig Jahr später ließ sich der Hausmeier (wichtigstes fränkisches Amt) Pippin der Jüngere, ein Enkel des oben genannten gleichnamigen Schwagers Bertradas und Sohn Karl Martells (die Karolinger, wir erinnern uns…), zum König salben und festigte damit seine Macht. Pippin soll sehr klein gewesen sein und trug daher die Beinamen „der Kurze“ oder „der Kleine“. Auch seine Statue auf dem Karolingerweg am Gerberweg in Prüm ist entsprechend kurz geraten.
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Bertrada der Jüngeren, die – Sie ahnen es! – eine Enkelin der oben genannten Klostergründerin war, die ihrerseits mit seinem Großvater verschwägert war, gründete er das schwindende Kloster in Prüm 752 neu. Das Paar gebar mehrere Kinder. Der älteste Sohn sollte später „Karl der Große“ genannt werden!
Ab 762 ließen Pippin und Bertrada an der Mündung des Tettenbachs in die Prüm prachtvolle neue Gebäude errichten: ein neues Benediktinerkloster und eine „goldene Kirche“. Als wichtigste Reliquie erhielt die fortan „Sankt Salvator“ genannte Neugründung die „Sandalen Jesu Christi“, die sich bis heute vor Ort befinden und zu bestimmten Zeiten zu besichtigen sind. Die Stelle des Abts wurde mit einem Verwandten namens Aßerus besetzt. Die Familie suchte das Kloster in Prüm regelmäßig auf: zunächst Pippin, dann sein Sohn Kaiser Karl der Große, dann dessen Sohn Pippin der Höckrige, der dort Mönch wurde. Zur Einweihung 799, nach vierzigjähriger Bauzeit, sollen Papst Leo III. und Karl der Große anwesend gewesen sein. Karls Statue auf dem Karolingerweg zeigt bildlich: Karl der Große hatte nicht nur ein riesiges Reich, auch er selbst war groß! Quellen sprechen von 1,90 Metern – also selbst für heutige Verhältnisse ein stattlicher Kerl: mit fünf Ehefrauen (nacheinander), etlichen Konkubinen und etwa 20 Nachkommen. Böse Zungen behaupten, es gäbe heute mehr Mitteleuropäer, die Karl den Großen unter ihren Vorfahren haben, als solche, bei denen dies nicht der Fall ist. Außerdem sagt man ihm eine Fistelstimme nach.
Unter der Regentschaft seines Enkels Kaiser Lothar I. fand im September 855 ein Ereignis statt, mit dem der Name von Stadt und Abtei bis heute Einzug in die Geschichtsbücher fand: die Teilung von Prüm. Kurz vor seinem Tod teilte der Kaiser das riesige Frankenreich unter seinen Söhnen auf – eine Entscheidung, die später zum Zerfall des Reiches führte. Er selbst trat dem Kloster bei, verstarb kurz darauf und wurde dort beerdigt. Ein Sarkophag mit seinen Gebeinen befindet sich heute noch in der Basilika.
Die Karolinger legten den Grundstein für ein blühendes Klosterleben: Landschenkungen und Erbschaften, sechs Zweigklöster, die Unantastbarkeit der Klostergrenzen und die Unabhängigkeit von weltlichen Gerichten, Marktrechte, Wallfahrten und Prozessionen. Viel später, 1222, sollte Prüm zum Fürstentum erhoben werden. Unzählige Ortschaften im Umkreis verdanken ihre Existenz dem Kloster.
Doch es gab im wahrsten Sinne des Wortes gewaltige Rückschlage: Die Wikinger kamen, sahen und siegten! Am Dreikönigsfest 882 fielen herumziehende Normannen über Prüm her. Bauern waren zur Verteidigung herbeigeeilt und wurden erbarmungslos niedergemetzelt. Das Kloster wurde geplündert und niedergebrannt. Niemand war mehr am Leben, der es hätte löschen können. Zehn Jahre später kehrten sie zurück. Sie kamen aus dem Wald, nahmen Gefangene und hinterließen Tod und Verwüstung. Dennoch konnten Klosterschätze, Handschriften und Urkunden vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Es war Abt Regino, dessen Statue ebenfalls am Karolingerweg zu finden ist, der seine Erlebnisse mit den Nordmännern schriftlich festhielt, mit seinen Mönchen den Wiederaufbau in Angriff nahm und zudem das Prümer Urbar verfasste, eine über 1.100 Jahre alte Niederschrift der Güter und Einkünfte des Klosters.
Die goldene Kirche stand bis 1721. Sie liegt heute unter dem Hahnplatz. Im linken Eckturm (dem Nordturm) der heutigen barocken Basilika befindet sich ihr ehemaliger Südturm. Ein Teil des Mauerwerks ist von innen sichtbar. 1802 wurden unter Napoleons Verwaltung alle Klöster aufgelöst. Seit 1852 dient die Abtei als Gymnasium. Bei der Jahresausstellung der EVBK e.V. in den Sommerferien ist sie für Besucher geöffnet. Kreuzgang und Innenhofgarten versetzen unvermittelt in alte, klösterliche Zeiten. Ob sie diese Wirkung auch auf Schüler und Lehrer ausüben, die ihnen täglich „begegnen“? Beim Anblick des mächtigen Kristallleuchters an der Decke der Aula, die auch Fürstensaal genannt wird, stockt mir der Atem: Ich kann nur beten, dass niemals jemand einen Fußball mitbringt…
Die ehrfurchtgebietende Basilika mit der anmutigen Fassade, den Statuen Pippins und Karls neben dem Portal und den mächtigen Säulen im Innenraum wurde Pfarrkirche. Sie kann uns viel erzählen – auch über die Karolinger: die Reste des alten Turms, die Sandalen Christi, Kaiser Lothars Grab, Kunstschätze, Altäre, Reliquien. Ein Gemälde im Chorraum zeigt die Weihe der Klosterkirche im Jahr 799. Im Haus des Gastes am Hahnplatz befindet sich eine alte Abbildung der Klostergründung. Die ganze Geschichte der Klostergründung und Stadtentwicklung können wir ausführlich in Wort und Bild im Museum Prüm an der Tiergartenstraße nachvollziehen. Auch den Karolingern können wir in (unterschiedlicher) Lebensgröße einen Besuch abstatten: Auf dem Karolingerweg am Gerberweg. Schauen wir sie uns an, die großen und kleinen Gründer und Wohltäter, und „erlaufen“ und ergründen wir ihre Geschichte!
Weitere Infos: Tourist-Information Prümer Land, Haus des Gastes, Hahnplatz 1, 54595 Prüm, www.ferienregion-pruem.de (hier gibt es einen Flyer zum Karolingerweg) Museum Prüm, Tiergartenstraße 54, 54595 Prüm, www.museum-pruem.de www.evbk.org
Abt Regino vor Basilika und AbteiStatue des Kaisers Lothar I. am KarolingerwegPippin der KurzeKarl der GroßeKaiser Lothar I.Abtei PrümSt.-Salvator-Basilika Prüm im Oktober 2015Regino-Gymnasium / Abtei PrümAbt Regino, im Hintergrund die AbteiAbt ReginoGedenktafel – Darstellung des Treffens zwischen Mönch Wandalbert und König Ludwig dem DeutschenInnenhof der AbteiAbtei-nördliches PortalFürstensaal und Aula des Regino-GymnasiumsDie Basilika innen gegen Ende der Renovierungsarbeiten 2019St.-Salvator-Basilika PrümGedenktafel für Mönch WandalbertDie Türme der Basilika vom Friedhof aus gesehenDer Sarkophag Kaiser Lothars
Als ich die Eifel 2008 für mich endlich wiederentdeckte, führte einer meiner ersten Ausflüge zu einem ganz besonderen Baum, den ich bis heute mehrmals im Jahr aufsuche: zur Krausbuche in der Schönecker Schweiz zwischen Fleringen und Rommersheim.
Gemeinsam mit meinen Eltern und meinen beiden Töchtern fand ich nach leichten Anlaufschwierigkeiten das runde Blätterdach über dem Felsen, tauchte ab in die Höhle, die sich dort bildet, und war fasziniert: dieser Baum ist etwas ganz Besonderes, spannend, abenteuerlich und magisch. Zumindest für mich. Wann auch immer ich dorthin komme und in welcher Stimmung auch immer ich sein mag: Die Krausbuche schenkt mir Ruhe, Frieden und Geborgenheit und manchmal den einen oder anderen guten Gedanken oder schöne Bilder vor meinem inneren Auge. Sie ist für mich das, was man einen Kraftort nennt. Und für die anderen? Die Kinder können im Baum und auf den Felsen klettern, und auf dem Boden zu ihren Füßen kann man schön Platz nehmen und picknicken. So gibt dieser Ort jedem das, was er braucht…
Doch was ist das für ein Baum? Die „alte“ Krausbuche, die seit über 100 Jahren nicht mehr existiert, wird in einem Eifelführer von 1906 als „Gerichtsbuche“ bezeichnet. Im Mittelalter diente sie als Gerichtsstätte. Dieser alte Baum ist vermodert und auf diese Weise fast vollständig verschwunden. Es existiert noch ein Bild von vor 1900, das auf der Schönecker Internetseite betrachtet werden kann und das ich hier ebenfalls zeigen darf. An seiner Stelle stehen drei „Nachkommen“, von denen einer der größte und älteste ist und seinem Vorgänger alle Ehre macht. Doch auch die kleineren „Nachbarn“ (einer unmittelbar daneben, einer etwa 30 Meter nordöstlich, dem Weg in den Wald folgend) bieten dem Besucher bereits ein spannendes Lager unterhalb des Blätterdaches. Ein Ort, der seit jeher den Einheimischen als lauschiges Ziel ihrer familiären Sonntagsspaziergänge diente und Verliebten ganz sicher auch als heimlicher Treffpunkt. Es ist überliefert, dass in alten Zeiten ein Schäfer diesen Baum nutzte, um seine Schafe in der Umgebung weiden zu lassen. Er selbst kletterte auf den Baum, der sich ihm durch seinen Wuchs wie eine Treppe anbot, und behielt so den Überblick.
Es wird vermutet, dass es sich um eine Süntelbuche handelt, auch Teufels- oder Hexenholz, Krüppel- oder Schlangenbuche genannt. Schaut man sich den Baum an, sind all diese Namen kein Wunder und der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Korkenzieherartig drehen und winden sich Stamm und Äste umeinander und formen ein schirmartiges Gebilde, unter dem ein anheimelnd schattiger Hohlraum entsteht. Bei der Krausbuche in Fleringen/Rommersheim wird dies noch verstärkt durch den kalkhaltigen Dolomitfelsen, auf dem sie thront. Stamm und Felsen bilden Gesichter und Formen und geben dem Baum seine ganz eigene unverwechselbare Persönlichkeit. Und immer wieder zücke ich die Kamera und versuche, diese Magie festzuhalten: bizarre Formen, das Spiel der Sonne zwischen den Blättern, den schützenden Schirm ihrer Äste.
Lange Zeit rankten sich Mythen um den Wuchs der Krausbuche. Im 19. Jahrhundert wurde vermutet, sie sei zunächst mit der Krone in den Boden gewachsen und dann gekappt worden, so dass nun die untere Hälfte des ursprünglichen Baumes nach oben zeigte. Im 20. Jahrhundert gab es auf der Basis von Spuren früher menschlicher Besiedelung Überlegungen, eine Mutation sei durch Rückstände einer viele Jahrhunderte zurückliegenden vorindustriellen Nutzung in Form einer nahe gelegenen Eisenschmelze ausgelöst worden. Die Zuordnung zu den Süntelbuchen erfolgte erst in diesem Jahrhundert.
Süntelbuchen sind eine sehr seltene Form der Rotbuche – was ich äußerst spannend finde, denn ihre Blätter sind nicht etwa rot, sondern grün! Ihre größte Population befand sich am Ort ihrer Entdeckung, im Süntel, einem Höhenzug nördlich von Hameln. Der dortige Süntelbuchenwald wurde im Jahr 1843 abgeholzt. Das Holz erschien den Waldbesitzern nutzlos, weil es nicht gestapelt und daraus auch keine Bretter produziert werden konnten. Heute gibt es noch etwa 50 Standorte, an denen derartige Bäume gefunden werden. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wuchsform tragen sie verschiedene botanische und volkstümliche Namen. Besonders bekannt ist die Süntelbuchenallee mit über 100 Bäumen in Bad Nenndorf.
Die nächste Verwandte unserer drei Krausbuchen steht in Blankenheim. Dort befindet sich die vor mehr als 200 Jahren auf einem alten keltischen Grabhügel gepflanzte Süntelbuche frei zugänglich und deutlich sichtbar auf einer Wiese unweit der B51.
Grund genug für mich, sie an einem lauschigen Novemberabend kurz vor dem Sonnenuntergang zu besuchen und im leuchtend-goldenen Abendlicht ihre Schönheit festzuhalten. Auch dies ist für viele Menschen ein besonderer Ort, dessen Faszination ich gut verstehen kann. Und doch zieht es mich wieder zu der einen. Bei der nächsten Gelegenheit besuche ich sie wieder, suche ihre Ruhe und genieße das Verweilen unter ihrem lauschigen Blätterschirm: die mystisch-schöne Krausbuche mitten im Wald in der Schönecker Schweiz!
Koordinaten: Krausbuche in Fleringen/Rommersheim ca. 50°11’33.79″N, 6°29’20.02″E / Süntelbuche in Blankenheim 50°25’44.99″N, 6°37’14.82″E
Lateinischer Name der Süntelbuche: Fagus sylvatica forma suentelensis
Weitere Informationen: Wanderkarte „Prümer Land“ (1:25000), www.ferienregion-pruem.de (Wandern/Örtliche Wanderwege/Rundweg 8, Fleringen), www.schoenecken.com, www.fleringen.de, www.suentelbuchen.de, www.kulturdb.de, https://www.myheimat.de/wallersheim/natur/naturdenkmal-krausbuche-d2924362.html Kreiskalender Bitburg-Prüm 1992: Theo Büsch, „Die Krausbuche bei Fleringen – eine Laune der Natur?“, (S. 117-199, Abb. Seite 118)
Die „kleine Schwester“, gleich nebenanDie alte Gerichtsbuche Quelle: Kreiskalender Bitburg-Prüm 1992, Seite 118
Die große und die kleine Krausbuche im Frühlingohne Blätterkleid
Auf der Fahrt durch den Wald meinem Ziel entgegen schwirrt es durch meinen Kopf: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Ich sehe die alte Turnhalle vor mir und die Kindergruppen an den beiden Seiten, die sich gegenseitig zurufen: „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“
Und laufen werde ich auch. Denn ich werde ihm heute begegnen: dem Schwarzen Mann mit seinen Höhen und Tiefen. Erst einmal Höhen, denn ich befinde mich zunächst einmal auf dem Bergrücken. Oder Hügelkamm? Scheitel des Höhenzugs? Ich forsche nach: Der Schwarze Mann ist 697,3 Meter hoch. Und hat natürlich nichts mit dem Kinderlied zu tun – ach was! Das Internet weiß: Der Schwarze Mann ist die höchste Erhebung der Schneifel sowie der dritthöchste Berg der Eifel (nach der Hohen Acht und dem Erresberg) und gilt als Eldorado für Wintersportler und Wanderer sieben Kilometer nordwestlich von Prüm unweit der belgischen Grenze im Naturpark Hohes Venn. Und falls jemand mit dem Wort Schneifel nichts anfangen kann – das steht nicht etwa für die Schnee-Eifel, in der sich die Schneifel befindet, die aber ein größeres Gebiet umfasst, sondern kommt von dem Wort „Schneise“ und bezeichnet den Gebirgszug, zu dem auch der Schwarze Mann gehört. Verwirrt beschließe ich, dem Internet und meinen diversen Broschüren in dieser Hinsicht zu vertrauen und wende mich wieder dem Schwarzen Mann zu.
Doch bevor ich dem Herrn in die Augen schaue, halte ich am Wanderparkplatz 5. Denn nur 200 m von hier, direkt dort, wo die Straße nach Schlausenbach abzweigt, steht das Kettenkreuz und erzählt seine dunkle Geschichte. Dorthin gelange ich über einen weich federnden Waldpfad, der „nur für Wanderer“ (so steht es auf dem alten Holzschild am Wegrand) parallel zur Straße verläuft. Die beiden Bänke am Kreuz laden zu einer Pause ein, in der ich die Legende in Ruhe wirken lassen kann.
Kätt, ein Mädchen aus Schlausenbach, muss mutig und unerschrocken und vielleicht ein wenig vorwitzig gewesen sein. Sie wettete mit den jungen Männern aus ihrem Dorf, sie werde des Nachts allein im Dunkeln zu einem düsteren Ort mitten im Wald laufen. Auf dem Weg hinauf auf den Grat überfiel sie die Angst. Hinter jedem Baum oder Strauch witterte sie Gefahr. Als die Dorfjungen übermütig als Gespenster verkleidet aus den Büschen sprangen, erschrak sie so sehr, dass sie tot zu Boden fiel. An dieser Stelle wurde später ein Kreuz für sie errichtet: das Kättchenkreuz – heute Kettenkreuz genannt.
Als nächsten Ausgangspunkt habe ich mir den Wanderparkplatz 7 ausgesucht. Er liegt direkt oben am „Schwarzen Mann“ und trägt den klangvollen Namen „Am Tranchotstein“ – nach dem Tranchotstein, den wir später noch kennen lernen werden.
Rechterhand des Wanderweges, auf der Rückseite der an den Parkplatz grenzenden Erhebung führt eine Treppe hinauf zu einer Plattform, auf der sich ein hölzerner Geselle befindet: der Schwarze Mann mit Hut, langem Bart und Wanderstock. Hier oben erfahre ich, was die Gegend ausmacht und woher der seltsame Name stammt: Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der 15 Kilometer lange Höhenrücken unter dem Namen „Kerschtgesroth“ bekannt, was „Waldrodung“ bedeutet und auf den keltischen Volksstamm der Karusker/Cäroser zurückgeht, der hier beheimatet war. Der heutige Name stammt möglicherweise von den schwarzen Gesichtern der Bergleute oder der Köhler, die in der Gegend lebten und arbeiteten – vielleicht aber auch von den Holzgerüsten aus Baumstämmen, die napoleonische Landvermesser als Orientierungspunkte in die Landschaft setzten und die aus der Ferne wie dunkle Gestalten gewirkt haben mögen.
Aus dieser Zeit stammt auch der Tranchotstein direkt gegenüber der Treppe, dort, wo der „Moore-Pfad Schneifel“ die L20 kreuzt. Napoleons Kartograph Jean Joseph Tranchot markierte den höchsten Punkt der Schneifel (50°15’29″N, 6°21’37″E) mit diesem Stein, der die Inschrift „Kerschtgesroth“ trägt und mit Symbolen versehen ist. Er ist einer von 59 Punkten, die dazu dienten, das eroberte linksrheinische Gebiet flächendeckend zu kartographieren.
Etwas betriebsblind finde ich erst einmal weder den von mir mit Spannung erwarteten Holzkerl am höchsten Punkt noch den Stein mit dem interessanten Namen auf Anhieb und trabe an ihnen vorbei den Moore-Pfad Schneifel bergab, wo mich schon der nächste Fels mit Geschichte erwartet. Einfach so am Wegrand befindet sich ein Menhir – auch Langstein oder Weisenstein genannt. Die Kelten hinterließen sie in der Eifel, und es wird vermutet, dass sie besondere Stellen markierten, als Wegweiser oder auch Göttersteine dienten. Wer Kultorte finden möchte, muss nicht weit reisen. Alles, was wir in der Ferne suchen, finden wir auch in der Eifel! Der 150 cm hohe „Forstmeister-Jansen-Stein“ aus Grauwacke war schon lange in der Schneifel bekannt. 1930 wurde er an die jetzige Stelle verbracht und mit einer Inschrift im Gedenken an den Trierer Oberforstmeister Ivo Jansen versehen, die heute kaum noch erkennbar ist. So wandelt er sich vom Gedenkstein wieder zurück zu seinem keltischen Ursprung.
Etwas unterhalb treffe ich auf den Wanderweg 1 und folge dem Westwallweg nach rechts. Auf 630 Kilometern Länge waren von Kleve bis Basel 20.000 Bauwerke aus Zement, Eisen und Holz als Verteidigungs-Bollwerk im Westen errichtet worden. Ein Teil der Ruinen aus dieser Zeit befindet sich hier, auf dem Schwarzen Mann, und mahnt uns zum Frieden. Beeindruckende Relikte aus dem 2. Weltkrieg säumen den Weg, und ein Audioguide mit QR-Code erzählt mir an dieser Stelle die Geschichte des moosbewachsenen Gruppenunterstandes für 15 Personen (Station 11), den ich nun interessiert betrachte und der sich kaum von einem unterhöhlten Felsen unterscheidet.
Über die bequem ausgebauten Wanderwege 1 und 9 arbeite ich mich bergab ins Tal vor, wo ich wieder auf den „Moore-Pfad Schneifel“ treffe, mich dort links halte und etwas suche, das mich schon im Vorfeld neugierig gemacht hat: das Eschfenn mit seinen Blockbohlenwegen. Der Wald weicht einer kärgeren Moor-, Sumpf und Heidelandschaft, und dann erblicke ich links hinter einer Sitzgruppe den ersehnten Blockbohlenweg im Quellgebiet des Alfbaches. Spätestens hier fällt mir auf, was mich schon den ganzen Tag begleitet: Gluckerndes Wasser und das Zwitschern der Vögel. Egal ob auf der Höhe oder hier unten – überall ist Wald, überall singen Vögel und vor allem ist überall Wasser! Auch oben am Westwallweg, selbst an der Landstraße entlang. Das liegt an üppigen 1300 mm Niederschlag jährlich auf den Hochlagen der Schneifel, dem wasserstauenden Boden und den relativ sanften Gefällen. So nehmen die Torfmoose das Wasser auf und geben es langsam und stetig wieder ab. Nicht zuletzt an meine Ohren, die das Konzert aus den Stimmen des Wassers und der Vögel sichtlich genießen.
Ich atme tief ein und durchstreife das lichte Waldgebiet mit dem feuchten Boden auf klingenden Holzwegen und weich federnden Pfaden. Dieser besonders reizvolle Abschnitt des Weges ist bestimmt 500 Meter lang. Hinterher gelange ich links über einen zauberhaften Waldweg mit etlichen Bohlenwegen, Brücken und spannend gewachsenen Bäumen und über einen weiteren steil aufsteigenden Pfad (Teil des Matthiaswegs und des Moore-Pfads Schneifel) wieder etliche Höhenmeter hinauf zurück zum Schwarzen Mann. Den ich nun – ebenso wie den Tranchotstein – endlich finde und gebührend kennen lernen kann.
Im Winter ist das etwa 1,4 km von hier gelegene Blockhaus am Schwarzen Mann, umgeben von Abfahrtspisten, Langlaufloipen, einer Rodelbahn und Schleppliften, das Herz dieser Gegend. Und auch im Sommer bietet es Speis und Trank und ein offenes Kaminfeuer, Streichelzoo, Spielplatz und eine schöne Aussicht. Der immens große Wanderparkplatz 6 ist ein idealer Ausgangspunkt für etliche Wanderungen – sowohl auf gut ausgebauten breiten Wegen als auch auf schmalen, spannenden Pfaden. Wie auch am Parkplatz 7 oben am Tranchotstein befinden sich in einem Behälter neben der Übersichtskarte der Gegend Informationsblätter mit Wanderrouten und einer Karte der Umgebung. Der Schwarze Mann und ich sind noch nicht fertig miteinander. Es gibt noch so viel zu sehen! Der Dreiländerblick ist mir heute verwehrt geblieben. Und noch so vieles anderes. Und hier im Wald gibt es einen Trekking-Platz zum Zelten in freier Natur. Ich bin neugierig – und komme wieder…
Koordinaten:
Kettenkreuz: ca. 50°16’21.65″N, 6°22’53.49″E (am Schneifelpfad, Matthiasweg, Wanderweg 3 und 9)
Schwarzer Mann / Tranchotstein: 50°15’29″N, 6°21’37″E (am Moore-Pfad Schneifel)
Wanderwege:
Westwallweg, Matthiasweg, Moore-Pfad-Schneifel, Schneifel-Pfad (Muße-Pfad – Weg des Friedens), Wanderwege 1, 2, 3 und 9
Alle Wege führen nach Pronsfeld – was Eisenbahnen und Fahrräder gemeinsam haben
Pronsfeld, wo hab ich das doch gelesen? Richtig, auf einer Milchpackung! Denn die richtig leckere Milch kommt natürlich aus der Eifel. Dabei hat „die Arla“ (wie Mitarbeiter und Angehörige und Anwohner die Arla Foods Deutschland GmbH freundlich personalisieren, falls sie nicht noch von der „Muh“ sprechen) ihren Sitz streng genommen nicht in Pronsfeld, sondern auf dem Gebiet des Nachbarorts Pittenbach (der sogar eine andere Postleitzahl hat) – wenn auch zugegebenermaßen direkt an der Ortsgrenze und mit einer Pronsfelder Postadresse. Außer der Sache mit der Milch wusste ich eigentlich nichts über Pronsfeld…
Dabei ist es in gewisser Weise der Nabel der Welt. Zumindest, wenn man direkt vor der alten Lok an der Kreuzung Hauptstraße / Bahnhofstraße steht. Direkt nebenan gluckert die Prüm unter einer Brücke hindurch in ihrem malerischen Bachbett, und auf der anderen Straßenseite befindet sich ein freundlich einladender Fahrradrastplatz mit gefühlten hundert Wegweisern. Hier geht es nach Prüm, Pittenbach, Waxweiler, Lünebach und Arzfeld, Bleialf und zur Habscheidermühle und letztlich auch nach St. Vith in Belgien, geleitet von mehreren verschiedenen Radrouten-Symbolen. Da muss ich mich erst einmal setzen.
Dann setzt die Neugier ein, und ich lasse mich ein auf das frei zugängliche Outdoor-Eisenbahnmuseum, das mir die Geschichte dieses Ortes erzählt. Denn ich befinde mich an einem alten Bahnhof. Die Lok, die hier ausgestellt ist und die ich frei betreten kann, ist eine Köf II mit einem Flachwagen. Der 3. Klasse-Personenwagen stammt aus dem Jahr 1940. Die Uhr, das Stationsschild, Gleisstücke, Signale, alte Fahrpläne, Fotos und vieles mehr erinnern an alte Zeiten, denn seit 1886 hielten hier die Züge der Westeifelbahn auf der Strecke von Prüm nach Bleialf. Heute sind es Radler aus allen Himmelsrichtungen, die die Bahntrasse zu entspannten Fahrradtouren ohne viele Höhenmeter nutzen und hier ihre wohlverdiente Pause einlegen.
1883 war bereits die Kreisstadt Prüm mit Gerolstein und damit mit der Eifelbahn von Trier nach Köln verbunden worden, ab 1888 ging es von Bleialf weiter nach St. Vith und letztlich ab 1889 über die Vennbahn bis Aachen und Luxemburg. Ab 1907 war es außerdem möglich, mit der Bahn von Pronsfeld nach Waxweiler oder nach Neuerburg zu gelangen, und ab 1916 existierte auf der Strecke sogar ein zweites Gleis. Die Strecke war nicht nur für den Personenverkehr und die wirtschaftliche Entwicklung der Region wichtig, sondern auch für militärische Zwecke wie die Versorgung der Westfront im 1. Weltkrieg mit Soldaten, Material und Verpflegung. Nachdem St. Vith ab 1920 zu Belgien gehörte, wurde Bleialf Zollstation, und der Verkehr auf dieser Strecke ging deutlich zurück. Dennoch war Pronsfeld 1936 beim Bau des Westwalls ein wichtiger Umschlagplatz für das Baumaterial, und die Bahn wurde von zahlreichen Arbeitern als Verkehrsmittel genutzt. Zum Kriegsende wurde der Bahnhof aufgrund seiner militärischen Wichtigkeit fast vollständig zerstört, und mit ihm das ihn umgebende Dorf. Mehrere Jahre nach dem 2. Weltkrieg wurden die Strecken zwar wieder in Betrieb genommen, nicht jedoch die Verbindung zwischen Bleialf und St. Vith. Von 1965 bis 1972 wurde der Personenverkehr nach und nach eingestellt. Der letzte Güterzug fuhr 1994.
Heute, in den Zeiten des fast grenzenlosen Europas, strampeln wir auf bequem asphaltierter Trasse – meist ohne uns der dramatischen Ereignisse bewusst zu sein, die sich hier ereigneten – von Pronsfeld aus, nicht selten über malerische Viadukte, in alle Himmelsrichtungen des weiten Eifellandes. Oder auch mal eben kurz nach Belgien.
Standort Eisenbahnmuseum:
54597 Pronsfeld, Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße
(mit Picknickplatz, einer mobilen Toilette und einem kleinen „Kiosk“, der an Sommerwochenenden geöffnet ist)
weitere Infos:
www.ferienregion-pruem.de (unter Kultur – Museen / Radfahren – Radfahren rund um Prüm – Eifel-Ardennen-Hohes Venn-Radwanderweg bzw. Prüm-Radweg bzw. Enz-Radweg)