Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Eifelblick „Am Apert“

Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Es gibt Themen, mit denen ist man nie wirklich „fertig“. Schon als Kind kletterte ich gerne auf Hochsitze, um mir einen Überblick zu verschaffen, obwohl ich sonst gar nicht so sportlich war. Bevorzugter Platz dafür: natürlich die Eifel!

Die Eifel ist reich an vielfältigen Landschaften, alten Klöstern und Schlössern, malerischen Dörfern, sanften Hügeln, schroffen Felsen, wasserreichen Wiesengründen und unendlich erscheinenden Wäldern. Und noch etwas bietet sie in Hülle und Fülle: fabelhafte Aussichten!

Diese „schönen Aussichten“ finden sich praktisch überall, wo der Betrachter ein wenig erhöht steht und die Sicht nicht durch Bäume verstellt wird. Im Idealfall wird dieser „Ort mit Ausblick“ noch ergänzt um eine Bank. Und die allerbesten Stellen – an denen die Augen gleich in mehrere Richtungen in die Ferne schweifen über endlose Hügelketten bis zum Horizont und wo sich atemberaubende Panoramen bieten – dort befinden sich die „Eifel-Blicke„.

Die entsprechenden Standorte wurden in den vergangenen Jahren vom Naturpark Nordeifel ausgebaut. Sie bestehen aus Aufbauten oder sogar Türmen mit Informationstafeln und sind von den benachbarten Wanderwegen/Zufahrtstraßen aus ausgeschildert. Alleine im Umkreis von 20 Kilometern rund um Prüm sind aktuell acht „Eifel-Blicke“ ausgewiesen, im Umkreis von 30 Kilometern sind es sogar 17. Aktuell finden sich auf der unten genannten Internetseite 65 Standorte, davon sind 13 barrierefrei zugänglich. Eines haben sie alle gemeinsam: Dem Besucher weht ordentlich Luft um die Nase, und die Aussicht ist herrlich und zeigt die Vielfalt und den Reiz der Eifellandschaft!

Vier davon habe ich bereits kennengelernt – viele weitere sollen noch folgen! Mein „erster“ „Eifel-Blick“ ist der Aussichtspunkt „Am Apert“ bei Büdesheim, den ich bereits 2009 besuchte. Zu jener Zeit war er einfach nur ein Fleck an einem Wirtschaftsweg mit einer phantastischen Aussicht und einer Picknickbank im hohen Gras. Und ich wusste als aufmerksamer Fahrgast meiner Gastgeber schon beim ersten Besuch die Antwort auf die alles entscheidende Frage: „Wo in diesem wunderschönen Panorama ist denn Fleringen?“ und fühlte mich wie ein Erstklässler, der beim Aufzeigen mit dem Finger schnipst, um auch bloß drangenommen zu werden. (Die Lösung wird natürlich nicht verraten, das soll jeder selbst herausfinden…) Heute geben Informationstafeln auf einer Holzplattform genaue Auskünfte über die Landschaft und die Ortschaften, die sich auf 600 Meter Höhe zu unseren Füßen erstrecken: Linkerhand über Wallersheim und die Prümer Kalkmulde hinweg bis zu den Höhen der Schneifel, nach rechts wandert der Blick weiter über den Duppacher Rücken zur Vulkaneifel hin. In weiter Ferne sind bei guter Sicht Teile der Ahreifel und die Vulkane um den Nürburgring erkennbar. Keine zwei Kilometer entfernt finden sich das Blutkreuz und die benachbarte Quelle. Ähnlich nah liegt „mein“ Waldhaus, in dem ich als Kind immer wieder gerne meine Ferien verbrachte. Heute sind es meine aktuellen Gastgeber, die mich jährlich zum Apert bringen.

Eine andere Tour führte 2017 zum Aussichtsturm „Zur Hardt“ oberhalb von Weinsheim. Während einer Traktorfahrt durch den zauberhaften Eifelwald bestieg ich erstmals die 25 Meter hohe Aussichtsplattform. Mit jedem Meter nach oben wurde die umliegende Landschaft mehr und mehr sichtbar, genau wie der sich entfernende Erdboden. Immer mehr Bäume blieben unter meinen Füßen zurück, und schließlich thronte ich hoch oben über den Wipfeln und konnte aus einer Gesamthöhe von 652 Metern über NN eine fabelhafte Rundumsicht weit ins Land hinaus genießen. Der Mobilfunkmast mit frei zugänglicher Plattform wurde 2010 am ehemaligen Standort eines hölzernen Aussichtsturms errichtet. Zugleich bietet er beim Besteigen – je nach persönlichem Umgang mit Höhen – ein wenig Nervenkitzel. Denn das Stahlgerüst bietet genügend Platz für den Blick nach unten… Für die, die es nach oben schaffen, bietet sich die Gelegenheit für das eine oder andere „Selfie mit Aussicht“. So auch für mich!

Zwei weitere „Eifel-Blicke“ eroberte ich dieses Jahr auf eigene Faust. Meine Wanderung vom Eichholzmaar zur Mineralquelle in Duppach führte mich zum Ausblick von der „Duppacher Höhe“. Dieser Platz ist nicht auf der unten genannten Internetseite der „Eifel-Blicke“ aufgeführt, allerdings der nahe gelegene, höher liegende „Eifel-Blick“ „Auf Heilert“. Trotzdem bietet der Aussichtspunkt auf 539 Meter Höhe am Bettinger Berg einen feinen Blick über die Vulkaneifel bis zur Hohen Acht, zum Nürburgring und zum Nerother Kopf. Über die im Mai vielfach gelb gefärbten Felder hinweg scheint mir in der Ferne die bezaubernde Votivkapelle auf der Anhöhe Wahlhausen zuzuwinken. Noch so ein Ziel…

Meine neueste Eroberung, wenn auch bei eher ungemütlichem Wetter, ist der „Katzenkopf Gondenbrett“ nördlich von Prüm ganz in der Nähe der Landstraße („Gondenbretter Weg“). Ich hatte es mir einfach machen und den Aussichtspunkt von der Straße aus besuchen wollen. Stattdessen wäre die Wanderweg-Variante vermutlich einfacher gewesen – und am Ende kaum länger. So wählte ich prompt die deutlich umständlichere Variante von Norden, die erst einmal konstant bergauf führte. Nicht weiter verwunderlich: „Eifel-Blicke“ liegen nun einmal oben. Irgendwann kam ich endlich an und schaute von der windumtosten Plattform in die an dem Tag nicht ganz so freundliche, aber umso eindrucksvollere Landschaft. Aus 574 Metern Höhe kann der Blick frei in alle Richtungen schweifen, über das Prümer Land und bis weit nach Belgien hinein. Ganz in der Nähe befinden sich Prüm und der Kalvarienberg (auch diese Geschichte will noch erzählt werden!). Der Höhenzug der Schneifel mit dem 697 Meter hohen „Schwarzen Mann“ bietet sich ebenso vor unseren Augen dar wie der Islek und die Prümer Kalkmulde. Die hölzerne Plattform wurde direkt auf einem gesprengten Westwallbunker errichtet. Die umliegende Natur lässt darauf nicht schließen. Wild und einsam und an dem Tag ähnlich zerzaust wie ich erhebt sich die Kuppe oberhalb der Zivilisation.

Nach dem „Eifel-Blick“ ist vor dem „Eifel-Blick“. Die Fern- (und Nah-)Sichten und ich sind noch nicht fertig miteinander. Nächstes Ziel – oder besser „weitere Aussichten“: Der Dreiländerblick bei Buchet. Es gibt noch so viel zu erkunden. Ich werde berichten…

 

Weitere Infos: www.eifel-blicke.de, www.ferienregion-pruem.de (unter „Erleben“ – „Ausflugsziele“), www.eifel.info, www.naturpark-eifel.de

Aussichtsturm „Zur Hardt“ Weinsheim: GPS 50°14’6.20″N, 6°28’14.56″E (der Straße „Zur Hardt“ aufwärts folgen, im Wald rechts halten – Parkgelegenheit am Gemeindehaus (Hans-Peter-Stihl-Haus, Straßburger Straße gegenüber der Kirche))

„Eifel-Blick“ „Am Apert“ Büdesheim: GPS 50°12’4.24″N, 6°33’14.72″E (B410 Büdesheim / Abzweig L10 in Richtung Wallersheim – Wanderparkplatz 17 – ab hier 2,5 km Fußweg)

„Eifel-Blick“ „Gondenbrett-Katzenkopf“: GPS 50°13’22.47″N,  6°24’47.14″E (Parkgelegenheit am St.-Joseph-Krankenhaus, ab hier 1,2 km Fußweg nördlich – ab Gondenbretter Weg/K180 definitiv ausgeschildert, direkt am Jakobsweg, Panoramaweg 120 und am Schneifel-Pfad gelegen)

„Eifel-Blick“ „Duppacher-Höhe“: GPS 50°16’12.43″N, 6°33’6.01″E (Wanderparkplatz Eichholzmaar, ab hier 1,5 km Fußweg westlich, direkt am Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“ gelegen)

Blick vom „Apert“ zur Duppacher Höhe
Foto: Ferienhof Feinen
Nicht jeden interessiert die Aussicht
Foto: Ferienhof Feinen
Blick vom Apert über die Kalkmulde zur Schneifel
Eifel-Blick „Am Apert“: Vulkaneifel-Panorama
Am Turm angekommen
Auf dem Aussichtsturm
Blick Richtung Prüm
Landschaft, so weit das Auge reicht

Vulkaneifel-Panorama
Auch mal nach unten schauen…
Selfie mit Aussicht
Blick von der Duppacher Höhe in die Vulkaneifel hinein
Ganz oben links liegt die Votivkapelle Wahlhausen
Blick vom Katzenkopf Gondenbrett zum Kalvarienberg
Blick vom Katzenkopf zum Höhenzug der Schneifel mit dem Schwarzen Mann

 

 

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

Ein bisschen neugierig bin ich, als ich vor dem hölzernen Bauwerk im Süden Bleialfs stehe, hinter dem sich ein sanfter bewaldeter Hügel erhebt. Neben dem Gebäude befinden sich frei zugänglich mehrere alte Loren. Gegenüber eines kaum erkennbaren Wassergrabens parken wir und stoßen sofort auf ein Schild, das auf eine Katastrophe hinweist, die mir als Auswärtige bisher völlig entgangen war.

Am 1. Juni 2018 wurde die Region von einem Unwetter mit Starkregen heimgesucht. Das Wasser in Flüssen und Bächen schwoll stark an. Es war nicht einmal der namensgebende Alfbach, der dem Besucherbergwerk Flut und Verderben brachte, sondern der kleinere Üchenbach. Dort, wo er über ein Rohr unter der Straße hindurchgeführt wird, wurde ein Anhänger angeschwemmt. Bis heute weiß niemand, wie er dorthin geriet oder wohin er gehörte. Er verstopfte den Abfluss. Wasser und Schlamm sammelten sich in der Talmulde und suchte sich den einfachsten Weg: nach unten! Ins Besucherbergwerk. Stollen, Empfangsgebäude und das kleine zugehörige Museum alter Grubenlampen und anderen Zubehörs standen bis zum Dach unter Wasser. Die Statue der heiligen Barbara, Schutzherrin der Bergleute, wurde fortgeschwemmt. Zurück blieb eine Wüste voll Schlamm. Es dauerte über ein Jahr, bis Führungen wieder möglich waren. Die Sammlung wurde fast vollständig zerstört. Aber St. Barbara steht wieder an ihrem Platz. Und ein Album dokumentiert mit zahlreichen Fotos die Überflutung. Der Stollen ist um einige Ausstellungsstücke ärmer, aber um eine Geschichte reicher. Bergleute und Bevölkerung haben gemeinsam dafür gesorgt, dass dieser Ort bestehen bleibt. Und wir immer noch unter Tage Abenteuer erleben können.

Die Geschichte des Erzabbaus ist uralt. In der Eifel finden sich zahllose Erze: Eisen, Kupfer, Blei, Zink Mangan, Braun- und Toneisenstein. Heute sprechen wir über Blei. Europas größtes Bleierzvorkommen befindet sich in der Eifel: in Günnersdorf bei Mechernich. Auch hier in Bleialf war das Erz bereits maßgeblich für den Ortsnamen. Es handelt sich um eine der wichtigsten Erzlagerstätten in der Eifel. Die Überlieferung besagt, dass die Menschen nur etwas in der Erde buddeln mussten, um reiche Beute zutage zu fördern. Bereits die Kelten und die Römer wussten das und nutzten diese Schätze der Erde. Erzabbau wurde also bereits über 2000 Jahre lang betrieben. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert – diese schriftlichen Nachweise bezeugen 1000 Jahre Bergbau in der Schneifel! Auf dem Bergbaupfad lassen sich auf überschaubarer Strecke verschiedene Spuren und Relikte erwandern und erfahren. Allen voran das Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, das wir nun endlich betreten.

Zunächst erhalten wir jeder einen Kittel und einen Helm. Sobald eine vorherige Gruppe aus der Tiefe zurückgekehrt ist, geht es los. Wir sind sieben Personen: drei Erwachsene, drei Kinder und ein Stollenführer. Vorbei an einer Ausstellung alter Kommunikationsgeräte geht es die Treppe hinab in den Stollen, der ursprünglich der Entwässerung und als Arbeitsweg zu den Abbaustellen diente. Das eigentliche Abbaugebiet lag etwa einen Kilometer tiefer im Berg. Doch es gibt hier alles zu sehen, was den Bergbau vor Ort ausmachte. Unser Führer erzählt uns von der Geschichte des Bergwerks und des Abbaus, zeigt uns Lichtlöcher, Erzvorkommen und Gesteinsschichten in den Wänden und reicht uns „tonnenschweres“ Werkzeug zum ausgiebigen Selbstversuch. Niemand verlässt den Stollen ohne ein Stück Gestein in der Tasche. Und dennoch ist noch genug da. Alte Schilder und Original-Equipment bis hin zum „Scheißkübel“ (klar, was soll man unter Tage sonst machen, wenn man mal muss…) ergänzen den intensiven Einblick in alte Zeiten. Übrigens braucht sich niemand Sorgen zu machen: Blei in festem Zustand ist nicht giftig. Gefährlich wird es erst bei der Bearbeitung und beim Schmelzen. So können wir sorglos weiter erkunden: Was macht ein Hund unter Tage? Wofür sind die Keile zwischen Balken und Decke? Was ist Wetter? Woran erkennt man im Stollen, ob draußen ein Tiefdruck- oder ein Hochdruckgebiet vorherrscht? Wie alt sind die Eichenbalken im Stollen? (So viel sei verraten – das Alter ist beeindruckend!!!) Und wie verrät gerade dieses Holz den Bergleuten, wenn der Gang einzubrechen droht? Ich möchte das nicht alles erzählen, sonst ist der tatsächliche Besuch nur noch halb so spannend. Denn das war er wirklich: spannend und erlebnisreich!

Irgendwann war es so weit, und wir mussten wieder „auftauchen“, zurück nach oben, aus dem Stollen wie aus einem Zeittunnel zurück in unsere eigene Wirklichkeit. Empfangen von einem Schwall warmer Luft, der uns fast zu Boden drückt nach der angenehm kühlen, feuchten Luft, die sich so gut atmen lässt. Die Kinder dürfen die Glocke läuten, um uns anzukündigen: Wir kommen, wir fahren aus! Dann geht es die Treppe hinauf. Noch ein Erinnerungsfoto, dann geben wir Kittel und Helme wieder ab. Schön war’s. Bergbau zum Sehen, Riechen, Anfassen, Erleben… Wir waren sehr beeindruckt! Und kommen gerne wieder.

Die eigentliche Blütezeit des Bleialfer Bergbaus lag in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Mühlenberger Stollen selbst wurde von 1839 bis 1852 1189 Meter weit in den Berg getrieben. 1862 erreichte der Abbau im Mühlenberger Stollen seinen Höhepunkt. Nach anfangs 85 Arbeitern im Jahr 1856 stieg die Zahl der Beschäftigten auf mehr als 1000 an. 1885 lag sie bereits wieder bei „nur“ 111 Arbeitern. 1954 wurde der Stollen geschlossen. Seit 1986/87 ist er als Besucherbergwerk und Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zugänglich. Führungen und Pflege erfolgen durch den Bergmannsverein St. Barbara.

Wer den Bergbau noch genauer erkunden möchte, folgt dem Bergbaupfad zu weiteren Stationen: Lichtlöchern, Schächten, Stollen und Halden. Nicht weit von hier erinnert ein weiterer Wanderweg an Ernest Hemingway. Wieder so etwas, was niemand weiß: 1944 hielt er sich als Kriegsberichterstatter in Buchet auf – etwa vier Kilometer von Bleialf entfernt.

Vor langer Zeit jedoch gab es hier im Berg noch weitere Bewohner. Eine alte Sage erzählt von den Wichtelmännchen:

Die Wichtelmännchen waren dünne kleine Wesen, die in verborgenen Höhlen und Ritzen unter der Erde lebten. Manchmal sah man sie, wie sie sich im Gras sonnten oder glockenhelle Lieder sangen, doch niemand durfte ihnen zu nahe kommen oder gar erfahren, wo genau sie lebten. Sie waren hilfreich und gut. Als ein armer Bauer schwer erkrankte, kamen sie heimlich im Schutze der Dunkelheit, versorgten das Vieh, erledigten die Feldarbeit und droschen das Korn. Der Bauer wurde wieder gesund und blickte voller Dankbarkeit auf die getane Arbeit. Seine Frau nähte viele kleine Jacken, Hosen und Mützen, auf dass die kleinen Helfer im Winter nie wieder frieren müssten. Der Bauer wartete, bis tiefer Schnee lag, ging frühmorgens auf die Suche und folgte den kaum sichtbaren Spuren, die er fand. Voll Freude stellte er einen Korb voller winziger Kleidung vor den verborgenen Eingang zu ihren Gängen. Die kleinen Wichtel aber erschraken: Sie waren entdeckt worden! Voller Furcht ergriffen sie die Flucht und waren nie wieder gesehen…

 

Anschrift und Internetauftritt: Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, Hamburg 1, 54608 Bleialf, Tel. 06555/1227 oder 0160/1009749, info@besucherbergwerk-bleialf.de, www.besucherbergwerk-bleialf.de, www.bergmannsverein-bleialf.de

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober Sa+So 14-17 Uhr (letzte Führung 16.15 Uhr), Sonderführungen und Gruppen ab 8 Personen nach Vereinbarung, Kindergeburtstage mit Schatzsuche

Eintrittspreise: Erwachsene 5,00 €, Jugendliche (6-14 Jahre) 2,50 €

Wanderempfehlung: Prümer Land Tour, Route 4 – Bergbaupfad Bleialf mit 12 Info-Stationen (kurzer Weg mit 6 Stationen 3km, langer Weg zzgl. 6 km) / Erlebnispfad Bleialf-Buchet (ca. 2,5 km) / Ernest-Hemingway-Weg (östlich von Bleialf, ca. 4km) / Westwall-Weg (östlich von Bleialf am Schwarzen Mann)

Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de (unter Erleben – Ausflugsziele oder Wandern – Prümer Land Touren), www.bleialf.de, www.naturpark-eifel.de, https;//touristikbleialf.de

Buchempfehlung (und Quelle der Wichtelgeschichte): Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

Noch eine Geschichte zum Bergwerk Bleialf: http://eifelecho.de/eine-geschichte-aus-dem-bleialfer-bergbau/

Der Üchenbach im Normalzustand

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Oben auf der Keltenfliehburg

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Die Schönecker Schweiz und ich kennen uns jetzt elf Jahre. In jedem Urlaub streife ich zumindest ihre Randgebiete, zu Fuß, auf dem Pferderücken oder bei einem Ausflug mit dem Traktor. Sie hat so viele Gesichter, und jedes ist schön. Und eines ist sie eigentlich immer: grün! Grün vom Laub an den Bäumen, grün vom Bärlauch auf dem Waldboden und von Moosen, Farnen und Flechten auf den Felsen. Ihre Geschichte ist ein ganz eigener Eifelkrimi, denn hier existierte vor 400 Millionen Jahren ein Meer, dessen Ablagerungen die heutige Landschaft gestaltet haben. Und die ist außergewöhnlich!

Beginnen wir mit dem Bärlauch. Ab März bis in den Juni hinein begleitet uns dieser Duft durch die ganze Schönecker Schweiz. Es handelt sich um das größte zusammenhängende Bärlauchgebiet Europas! 2017 wurden hier etwa 60 Tonnen Bärlauch geerntet – Tendenz steigend. Daneben gibt es hier große Vorkommen an Märzenbechern, oft im Jahreslauf gefolgt vom Silberblatt. Zwischen Fleringen und Rommersheim befindet sich auf einer felsigen Anhöhe im Wald zudem noch eine andere botanische Besonderheit: die „krüppelig gewachsene“ Krausbuche! (Streng genommen gleich drei dieser Bäume.)

Überhaupt: als Teil der Prümer Kalkmulde, die mit 240 km² wiederum die größte der Eifeler Kalkmulden ist und im Süden der Kalkmuldenzone liegt, bietet die Schönecker Schweiz Geologen und Botanikern einmalige Einsichten und Erlebnisse. Für Enzian muss niemand in die Alpen fahren: Der (teils beweidete) Kalkmagerrasen an sanften Hängen bietet mit kargem Boden, wenig Wasser, viel Sonne und eisigem Frost extreme Lebensbedingungen, die erstaunlicherweise eine große Artenvielfalt begünstigen und solche Besonderheiten hervorbringen wie beispielsweise Orchideen, Enzian, Wiesen-Salbei, Mücken-Händelwurz, Thymian, Küchenschellen und Wacholder.

Gleich nebenan finden sich Dolomitfelsen und Karstgestein und eine interessante Besonderheit: „Schwindbäche“ (auch Verlierbäche genannt). Das Wasser verschwindet in „Schlucklöchern“ im Karstgestein und tritt an anderer Stelle wieder aus. So kommt es, dass sich hier unterirdisch das größte Trinkwasserreservoir der Südeifel befindet, das 20.000 Menschen versorgt. Die Schönecker Schweiz einmal von unten zu betrachten, wäre also genauso interessant wie unsere oberirdische Wanderung heute! Doch die ist spannend genug: Überall finden sich Fossilien, und die Felsen geben Geologen einzigartige Einsichten: Bei Schönecken-Wetteldorf wurde bereits 1937 der „Wetteldorfer Richtschnitt“ vorgenommen, anhand dessen Wissenschaftler die Grenze zwischen Unter- und Mittel-Devon festlegen konnten und der seit 1981 der weltweit einzig gültige Maßstab ist. Um bei Superlativen zu bleiben: Hier befindet sich auch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Landkreis Bitburg/Prüm, stolze 865 Hektar groß.

Es ist die Landschaft, die dem Beinamen „Schweiz“ alle Ehre macht. Beispielsweise die „Jungfernley“ im Schalkenbachtal unweit des Schönecker Wanderparkplatzes. Es wird berichtet, hier sei eine bösartige Jungfrau zu Stein erstarrt. Daneben gibt es auch Erzählungen, aus ihrem Felsspalt hätten Hebammen die neugeborenen Kinder herausgezogen. Oder etwa die Hohlley, das „Tor zur Unterwelt“, deren Tropfsteinhöhlen Fledermäusen und Kreuzspinnen Unterschlupf bieten.

Hier beheimatet ist auch die Sage vom „Schalkenmännchen“. Es soll sich um den hinterhältigen Johann von Schwirzheim handeln, den auch der Himmel nicht aufnehmen wollte und dessen Seele daher immer noch unruhig durch den Wald streift, in dem er gewaltsam zu Tode kam. Ein junger Knecht hatte in Wallersheim drei Ferkel abgeliefert und sein Trinkgeld in der dortigen Wirtschaft gegen flüssiges Wohlbefinden eingetauscht. In der Dämmerung machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Dienstherrn nach Schönecken, als er im Schalkenbusch auf ein kleines Männlein traf, das er zunächst für einen verstockten Knaben hielt. Im Streit warf er dem Wicht böse Worte entgegen, bis dessen Gestalt wuchs und wuchs und ihm auf den Rücken sprang. Dem Jungen gelang es nicht, die bleierne Last abzuwerfen, die ihn zudem peitschte und antrieb und erst auf der Brücke in Schönecken von ihm abließ. Es heißt, der Knecht sei danach nie wieder froh gewesen.

Wen wundert es, dass auch die Kelten dieses Gebiet zu schätzen wussten? Oberhalb des Altburgtals befindet sich eine sogenannte „Keltenfliehburg“, auch „Keltenring“ genannt: Bezeichnungen, die neugierig machen! Um sie zu finden, muss man gut zu Fuß sein, und so machen wir uns auf den Weg, laufen von Meyersruh, wo Schalkenbach und Kupferbach zusammentreffen, über den Ichter Berg hinab ins Altburgtal und folgen zunächst dem Wanderweg 2. Meine Wanderkarte ist der Ansicht, dass Wanderweg 1 sicher am „Keltenring“ vorbei führt, doch diversen Wegbeschreibungen entnehme ich, dass auch die 2 zum Ziel führt, wenn man achtsam ist und sich im richtigen Moment rechts hält. Die Frage, wann dieser richtige Moment ist, wird uns eine Weile auf Trab halten – neben der atemberaubend schönen Wald- und Felsenlandschaft, die uns umgibt. Hinweisschilder geben uns die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein, und so biegen wir kurz rechts ab, um ein paar besonders schöne Felsen im Wald in Augenschein zu nehmen. Wenn ich Kelte gewesen wäre, hier hätte ich gelebt! Ich ernenne dieses Stück Erde kurzerhand zu meiner persönlichen Keltenfliehburg und folge weiter brav den Schildern, bis der Wald aufhört und ich irritiert feststelle, dass wir die Keltenfliehburg längst erreicht haben müssten. Also müssen es die grandiosen Felsen sein, an denen wir unlängst vorbei gelaufen sind, direkt am Wanderweg 1, was auch zu den Angaben auf meiner Karte passt. Die nächste halbe Stunde erkunden wir diese Felsen und Klüfte, und ich stehe auf den natürlichen Terrassen oberhalb der Bäume und stelle mir vor, wie die Kelten diesen Bereich gegen die von unten herannahenden Feinde verteidigten. Die Angreifer hatten keine Chance! Zufrieden lassen wir diesen Ort hinter uns und folgen dem Schneifel-Pfad abwärts, dem Altburgtal mit seinem Schluckloch entgegen. Die Felsen haben 1000 Gesichter: ein Flusspferd, von einem Löwen gejagt, ein schlafendes Krokodil, ein Bär mit einer vorwitzigen Nase – vielleicht ist es auch ein Fabelwesen, das Wache hält vor der Burg. Wie mögen die Kelten diese gewaltige Natur verehrt haben?

Wenige Meter weiter laufen wir fast gegen ein Schild, das plötzlich in der Landschaft erscheint und uns mit folgenden Worten begrüßt: „Schutz vor Feinden: Burg aus der Zeit um 500 v. Chr.“ Schallendes Gelächter erfüllt den Wald: Was auch immer wir vorher erkundet haben, hier ist es, das Ziel unserer Wanderung! Und es ist tatsächlich beeindruckend. Die Felsen Richtung Süden und Osten mögen mindestens 20 Meter hoch sein. Von hier oben gesehen geht es senkrecht in die Tiefe – Eroberung unmöglich, Verteidigung gesichert. Auf der ebenen Seite, von der auch wir uns genähert haben, gab es Wälle und Gräben sowie Konstruktionen aus Steinen und Holz – eine Abgrenzung von etwa 4.000 m². Das Holz ist längst verrottet, doch die Steine liegen überall. Was für ein magischer Ort hier oben mitten im Wald, grün schimmernd in der Sonne. Unter uns liegt das Altburgtal mit der kleinen Brücke und dem Schwindbach und wartet darauf, dass wir diese Burg von unten bestaunen.

Wer suchet, der findet – gelegentlich auch dreimal…

 

So findet man die Keltenfliehburg: Sie liegt am Schneifel-Pfad oberhalb des Altburgtals, ca. 50°10’8″N, 6°29’13″E (Angabe in der Datenbank der Kulturgüter: 50.169538N, 6.488320E). Wanderweg 2 verläuft unterhalb der Burg. Am einfachsten ist es, den Altburgbach in nördliche Richtung über die kleine Stahlbrücke zu überqueren. Dann wenige Meter links bis zum Infoschild über Karstbäche. Von hier nun weder Richtung Niederhersdorf noch Richtung Schönecken laufen, sondern den kleinen Pfad (Schneifel-Pfad) bergauf. Die Keltenburg befindet sich während des gesamten „Aufstiegs“ auf der rechten Seite. „Oben“ befinden sich rechterhand das Infoschild und der Zugang.

Lage: zwischen Schönecken, Rommersheim, Fleringen und Hersdorf

Wanderparkplätze: in Schönecken (Lindenstraße/L5 an der Nims-Brücke) und Rommersheim (der Straße „Auf der Schlack“ in östliche Richtung folgen)

Weitere Infos zu Wanderwegen und zu einer Mountainbike-Tour sowie zu den geologischen Gegebenheiten: www.ferienregion-pruem.de, www.schoenecken.de, www.naturpark-eifel.de, www.eifelsteig.de/Partnerwege/Vulkaneifel-Pfade (Schneifel-Pfad)

Führungen: http://www.brunhilde-rings.de/fuehrungen/altburgtal/

Buchempfehlung: Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

Am Fuße der Keltenfliehburg
Bärlauch zwischen Rommersheim und Fleringen
Gefunden: Dieses Schild informiert über die Keltenfliehburg
Altburgtal bei Schönecken
Krokodilfelsen
Blick von der Fliehburg – Wir tauften dieses imposante Felsgebilde „Die Liebenden“
Brücke im Altburgtal
An der Jungfernley
Jakobsweg am Schalkenbach bei Schönecken
Die Krausbuche zwischen Rommersheim und Fleringen
Interessanter Baum ausgangs des Altburgtals kurz vor Schönecken

Imposante Felsen am Kupferbach nahe Meyersruh
Schwindbach
Mit all meiner Phantasie glaubte ich die Angreifer zu sehen – aber die „echte Burg“ ist noch 500 Meter entfernt

Oberhalb des Altburgtals am Wanderweg 2
Mystische Felsen mitten im Wald
Auch hier wäre ein guter Ort für eine Burg gewesen – Felsen am Wanderweg 1
Nicht die gesuchte Keltenfliehburg, aber wer weiß…
Blick vom Schneifel-Pfad auf die Kelten-Fliehburg
Jungfernley

Tanz auf dem Vulkan – unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

Blick über die Vulkaneifel vom Eifelblick Duppacher Höhe

Tanz auf dem Vulkan:
Unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

An einem Samstag im Mai mache ich mich auf den Weg zum Tanz auf dem Vulkan: Interessanterweise sind es die kleinen Ortschaften Duppach und Steffeln, die – obwohl ganz am Rand der Vulkaneifel und nur etwa 15 Kilometer von Prüm entfernt gelegen – auf recht engem Raum alles präsentieren, was der Vulkanismus in der Eifel zu bieten hat. Schaut man sich die Ausbruchszentren der Quartär-Zeit (die letzten 2,588 Millionen Jahre bis heute) an, so gibt es an keiner anderen Stelle der Eifel eine derartige Dichte an Ausbrüchen und Kratern wie genau hier. Zudem sind die (meist trockenen) Maare hier im Norden des Westeifler Vulkanfeldes die ältesten. Am Eichholzmaar gibt es hierzu eine Schautafel.

Während Duppach verträumt-beschaulich daherkommt, bindet Steffeln seinen Gästen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase, dass sich hier alles um die heimischen Vulkane dreht. Im Vulkangarten erfährt der neugierige Besucher Genaueres über die Entstehung, den Ausbruch und die verschiedenen Formen von Vulkanen: Vulkanismus quasi zum Anfassen, mit einer mächtigen Vulkanwand, einem Modell-Maar und einem Modell-Vulkankegel. (Das ist wieder so ein Augenblick, wo ich unbedingt auf etwas hinaufklettern muss und nicht sicher bin, ob ich an einem Stück wieder herunterkomme – dieses Mal gerate ich nur ein bisschen ins Rutschen; trotzdem wird mir letztlich klar, dass es sich nicht um Schotterwege hinauf handelt, sondern um symbolische Lavaströme!)

Als der Steffelnkopf vor mehr als 100.000 Jahren entstand, war das sicher weniger gemütlich, genauso während des Schlackeabbaus in den vergangenen 30 Jahren, doch beeindruckend ist es dort auch heute. Neben den Infotafeln werden Experimentierstationen und Führungen angeboten, und an den Stationen lassen sich Lava- und Ascheströme, Einschlagtrichter, Wasserabflussrinnen und komplexe Phänomene wie Entstehungsphasen, Diskordanzen und Antidünen buchstäblich mit allen Sinnen erfahren und auf Abbildungen nachvollziehen. Ich verstehe jetzt endlich, was ein Tuffring ist und mache mich auf den Weg zur Steffelner Kirche, die auf einem solchen erbaut ist – absolut beeindruckend und sehenswert!

Beschaulich und entspannt präsentiert sich das Eichholzmaar, das etwa 1,7 Kilometer entfernt zwischen Steffeln und Duppach in der sich anmutig hebenden und senkenden Landschaft ruht, die von einigen markanten „Vulkanköpfen“ beherrscht wird. Mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Tiefe von drei Metern ist es eines der kleineren der 75 Eifelmaare, von denen zwölf Wasser führen. Auch das Eichholzmaar war zwischenzeitlich trockengelegt worden. Der seit 2007/2008 durchgeführten Renaturierung verdanken wir die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands als Maarsee mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Die Maarkrater sind übrigens deshalb vergleichsweise groß, weil es bei der Eruption zum Kontakt zwischen Magma und Grundwasser kam, der zu besonders starken Explosionen führte, und in den Tiefen der Maarseen finden Wissenschaftler unglaubliche Zeugnisse unserer Klima- und Besiedlungsgeschichte – hier beispielsweise Asche aus dem heftigen Vulkanausbruch, bei dem vor 13.000 Jahren der Laacher See entstand.

Rund um das Eichholzmaar gibt es Bänke und Ruhezonen und die Möglichkeit, entspannt die Natur zu betrachten oder sie von einem Beobachtungsturm aus zu genießen. Die hier beobachteten Vögel sind auf einer Tafel aufgelistet, und wenig später – auf dem Weg zur nahegelegenen Eichholzer Mineralquelle, wird mir klar, welche Farbe mich schon den ganzen Tag begleitet: Vor mir landet ein bezaubernder Vogel, der so unglaublich golden in der Sonne glitzert, dass es sich nur um eine Goldammer handeln kann! (Eine Annahme, die die Infotafel im Beobachtungsturm bestätigt.) Überall um mich herum ist es gelb: Löwenzahn, Raps, Ginster, Zitronenfalter und nun auch eine Goldammer!

Die in Stein gefasste Eichholzer Mineralquelle wird auch Steffelner Drees genannt (übrigens hat dieses in der Eifel sehr gebräuchliche Wort einen keltischen Ursprung: „draisen“) – ein deutliches Zeichen für stärker kohlendioxidhaltiges Wasser. Beim Betrachten erkenne ich die aufsteigenden Bläschen, die auch deutlich auf der Zunge prickeln. Ein letzter Gruß des erkaltenden Magma im Erdinneren. Schon die Farbe lässt erkennen, dass das Wasser einen hohen Eisengehalt besitzt. Es enthält übrigens vergleichsweise wenig Calcium und Magnesium. Auf der anderen Seite des Eichholzmaars, jenseits der Landstraße, befindet sich in einem Waldstück eine weitere Quelle, der Aueler Drees – wer also noch Durst hat… Von dort lässt es sich vorzüglich weiterwandern zu einer römischen Ausgrabungsstätte, aber heute besuche ich die Vulkane und nicht die Römer.

Ich folge dem Wegweiser Richtung Duppach, denn dort gibt es noch mehr zu trinken und außerdem noch ein Maar. Doch zunächst geht es aufwärts zum Eifelblick „Duppacher Höhe“ auf dem 539 Meter hohen Bettinger Berg. Der Blick reicht weit über das sanfte grün-gelbe Land und bleibt an markanten Punkten hängen, wie an der auf dem Steffelner Tuffring liegenden Votivkapelle Wahlhausen am alten Kreuzweg. Spannende Ziele gibt es noch genug.

Ich folge weiter dem Vulkaneifel-Pfad. Der Abstieg zur Mineralquelle Duppach ist relativ komfortabel. Unten ist es warm und sonnig. Die Quelle – auch Duppacher Drees genannt – liegt westlich des Dorfes, liebevoll durch einen Quellpavillon überdacht und in Stein gefasst mit einem Auslass aus Metall, an einer schmalen Straße direkt am Rande des trockenen Duppacher Maars. Das Wasser ist ebenfalls kohlensäure- und eisenhaltig, enthält aber auch sehr viel Calcium, Magnesium und Natrium sowie wenig Chlor und ist gut trinkbar. Knapp zwei Kilometer entfernt im weiteren Verlauf dieser Strecke lockt ein weiterer Aussichtspunkt: der „Eifelblick Heilert“.

Menschen, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen, sei ein Spaziergang durch das trockene Duppacher Maar an den dort grasenden Kuhherden vorbei empfohlen. Diese Tiere sind äußerst neugierig und kontaktfreudig und freuen sich über jede Abwechslung. Die am Hang stehenden Tiere muhen bei dieser Gelegenheit sogar mit einem klangvollen Echo!

Eifelherz, was willst Du mehr – denke ich und genehmige mir noch einen Schluck aus der Quelle.

 

Wanderparkplätze: Eichholzmaar und Vulkangarten Steffeln

Möglichkeiten zum Erkunden: Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“, Eifelverein-Wanderweg 2, Georundweg Steffeln / Georundweg Duppach (je etwa 10 km) sowie ein Rundgang durch Steffeln und Umgebung, der auf der Infotafel am Parkplatz des Vulkangartens beschrieben ist.

Führungen Vulkangarten/Eichholzmaar durch den Eifelverein ab Dorfgemeindehaus Steffeln (gegenüber der Kirche) April-Oktober jeden Mittwoch um 14 Uhr

Weitere Infos: www.obereskylltal.de, www.gerolsteiner-land.de, www.naturpark-eifel.de, http://eifelsteig-partnerwege.de

Im Vulkangarten
Vulkangarten – im Vordergrund das Maar
Tuffsteinring an der Kirche in Steffeln
Ankunft am Eichholzmaar
Eichholzmaar
Blick über das Eichholzmaar auf den Beobachtungsturm auf der anderen Seite
Eichholzer Mineralquelle / Steffelner Drees
Duppacher Drees
Freundliche Aufmerksamkeit im Duppacher Maar
Gelb, wohin das Auge reicht – blühendes Eifelgold (Ginster)
Aussichtspunkt Duppacher Höhe
Blick von der Duppacher Höhe auf Steffeln

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Auge in Auge mit dem Schwarzen Mann

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

 

Auf der Fahrt durch den Wald meinem Ziel entgegen schwirrt es durch meinen Kopf: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Ich sehe die alte Turnhalle vor mir und die Kindergruppen an den beiden Seiten, die sich gegenseitig zurufen: „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“

Und laufen werde ich auch. Denn ich werde ihm heute begegnen: dem Schwarzen Mann mit seinen Höhen und Tiefen. Erst einmal Höhen, denn ich befinde mich zunächst einmal auf dem Bergrücken. Oder Hügelkamm? Scheitel des Höhenzugs? Ich forsche nach: Der Schwarze Mann ist 697,3 Meter hoch. Und hat natürlich nichts mit dem Kinderlied zu tun – ach was! Das Internet weiß: Der Schwarze Mann ist die höchste Erhebung der Schneifel sowie der dritthöchste Berg der Eifel (nach der Hohen Acht und dem Erresberg) und gilt als Eldorado für Wintersportler und Wanderer sieben Kilometer nordwestlich von Prüm unweit der belgischen Grenze im Naturpark Hohes Venn. Und falls jemand mit dem Wort Schneifel nichts anfangen kann – das steht nicht etwa für die Schnee-Eifel, in der sich die Schneifel befindet, die aber ein größeres Gebiet umfasst, sondern kommt von dem Wort „Schneise“ und bezeichnet den Gebirgszug, zu dem auch der Schwarze Mann gehört. Verwirrt beschließe ich, dem Internet und meinen diversen Broschüren in dieser Hinsicht zu vertrauen und wende mich wieder dem Schwarzen Mann zu.

Doch bevor ich dem Herrn in die Augen schaue, halte ich am Wanderparkplatz 5. Denn nur 200 m von hier, direkt dort, wo die Straße nach Schlausenbach abzweigt, steht das Kettenkreuz und erzählt seine dunkle Geschichte. Dorthin gelange ich über einen weich federnden Waldpfad, der „nur für Wanderer“ (so steht es auf dem alten Holzschild am Wegrand) parallel zur Straße verläuft. Die beiden Bänke am Kreuz laden zu einer Pause ein, in der ich die Legende in Ruhe wirken lassen kann.

Kätt, ein Mädchen aus Schlausenbach, muss mutig und unerschrocken und vielleicht ein wenig vorwitzig gewesen sein. Sie wettete mit den jungen Männern aus ihrem Dorf, sie werde des Nachts allein im Dunkeln zu einem düsteren Ort mitten im Wald laufen. Auf dem Weg hinauf auf den Grat überfiel sie die Angst. Hinter jedem Baum oder Strauch witterte sie Gefahr. Als die Dorfjungen übermütig als Gespenster verkleidet aus den Büschen sprangen, erschrak sie so sehr, dass sie tot zu Boden fiel. An dieser Stelle wurde später ein Kreuz für sie errichtet: das Kättchenkreuz – heute Kettenkreuz genannt.

Als nächsten Ausgangspunkt habe ich mir den Wanderparkplatz 7 ausgesucht. Er liegt direkt oben am „Schwarzen Mann“ und trägt den klangvollen Namen „Am Tranchotstein“ – nach dem Tranchotstein, den wir später noch kennen lernen werden.

Rechterhand des Wanderweges, auf der Rückseite der an den Parkplatz grenzenden Erhebung führt eine Treppe hinauf zu einer Plattform, auf der sich ein hölzerner Geselle befindet: der Schwarze Mann mit Hut, langem Bart und Wanderstock. Hier oben erfahre ich, was die Gegend ausmacht und woher der seltsame Name stammt: Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der 15 Kilometer lange Höhenrücken unter dem Namen „Kerschtgesroth“ bekannt, was „Waldrodung“ bedeutet und auf den keltischen Volksstamm der Karusker/Cäroser zurückgeht, der hier beheimatet war. Der heutige Name stammt möglicherweise von den schwarzen Gesichtern der Bergleute oder der Köhler, die in der Gegend lebten und arbeiteten – vielleicht aber auch von den Holzgerüsten aus Baumstämmen, die napoleonische Landvermesser als Orientierungspunkte in die Landschaft setzten und die aus der Ferne wie dunkle Gestalten gewirkt haben mögen.

Aus dieser Zeit stammt auch der Tranchotstein direkt gegenüber der Treppe, dort, wo der „Moore-Pfad Schneifel“ die L20 kreuzt. Napoleons Kartograph Jean Joseph Tranchot markierte den höchsten Punkt der Schneifel (50°15’29″N, 6°21’37″E) mit diesem Stein, der die Inschrift „Kerschtgesroth“ trägt und mit Symbolen versehen ist. Er ist einer von 59 Punkten, die dazu dienten, das eroberte linksrheinische Gebiet flächendeckend zu kartographieren.

Etwas betriebsblind finde ich erst einmal weder den von mir mit Spannung erwarteten Holzkerl am höchsten Punkt noch den Stein mit dem interessanten Namen auf Anhieb und trabe an ihnen vorbei den Moore-Pfad Schneifel bergab, wo mich schon der nächste Fels mit Geschichte erwartet. Einfach so am Wegrand befindet sich ein Menhir – auch Langstein oder Weisenstein genannt. Die Kelten hinterließen sie in der Eifel, und es wird vermutet, dass sie besondere Stellen markierten, als Wegweiser oder auch Göttersteine dienten. Wer Kultorte finden möchte, muss nicht weit reisen. Alles, was wir in der Ferne suchen, finden wir auch in der Eifel! Der 150 cm hohe „Forstmeister-Jansen-Stein“ aus Grauwacke war schon lange in der Schneifel bekannt. 1930 wurde er an die jetzige Stelle verbracht und mit einer Inschrift im Gedenken an den Trierer Oberforstmeister Ivo Jansen versehen, die heute kaum noch erkennbar ist. So wandelt er sich vom Gedenkstein wieder zurück zu seinem keltischen Ursprung.

Etwas unterhalb treffe ich auf den Wanderweg 1 und folge dem Westwallweg nach rechts. Auf 630 Kilometern Länge waren von Kleve bis Basel 20.000 Bauwerke aus Zement, Eisen und Holz als Verteidigungs-Bollwerk im Westen errichtet worden. Ein Teil der Ruinen aus dieser Zeit befindet sich hier, auf dem Schwarzen Mann, und mahnt uns zum Frieden. Beeindruckende Relikte aus dem 2. Weltkrieg säumen den Weg, und ein Audioguide mit QR-Code erzählt mir an dieser Stelle die Geschichte des moosbewachsenen Gruppenunterstandes für 15 Personen (Station 11), den ich nun interessiert betrachte und der sich kaum von einem unterhöhlten Felsen unterscheidet.

Über die bequem ausgebauten Wanderwege 1 und 9 arbeite ich mich bergab ins Tal vor, wo ich wieder auf den „Moore-Pfad Schneifel“ treffe, mich dort links halte und etwas suche, das mich schon im Vorfeld neugierig gemacht hat: das Eschfenn mit seinen Blockbohlenwegen. Der Wald weicht einer kärgeren Moor-, Sumpf und Heidelandschaft, und dann erblicke ich links hinter einer Sitzgruppe den ersehnten Blockbohlenweg im Quellgebiet des Alfbaches. Spätestens hier fällt mir auf, was mich schon den ganzen Tag begleitet: Gluckerndes Wasser und das Zwitschern der Vögel. Egal ob auf der Höhe oder hier unten – überall ist Wald, überall singen Vögel und vor allem ist überall Wasser! Auch oben am Westwallweg, selbst an der Landstraße entlang. Das liegt an üppigen 1300 mm Niederschlag jährlich auf den Hochlagen der Schneifel, dem wasserstauenden Boden und den relativ sanften Gefällen. So nehmen die Torfmoose das Wasser auf und geben es langsam und stetig wieder ab. Nicht zuletzt an meine Ohren, die das Konzert aus den Stimmen des Wassers und der Vögel sichtlich genießen.

Ich atme tief ein und durchstreife das lichte Waldgebiet mit dem feuchten Boden auf klingenden Holzwegen und weich federnden Pfaden. Dieser besonders reizvolle Abschnitt des Weges ist bestimmt 500 Meter lang. Hinterher gelange ich links über einen zauberhaften Waldweg mit etlichen Bohlenwegen, Brücken und spannend gewachsenen Bäumen und über einen weiteren steil aufsteigenden Pfad (Teil des Matthiaswegs und des Moore-Pfads Schneifel) wieder etliche Höhenmeter hinauf zurück zum Schwarzen Mann. Den ich nun – ebenso wie den Tranchotstein – endlich finde und gebührend kennen lernen kann.

Im Winter ist das etwa 1,4 km von hier gelegene Blockhaus am Schwarzen Mann, umgeben von Abfahrtspisten, Langlaufloipen, einer Rodelbahn und Schleppliften, das Herz dieser Gegend. Und auch im Sommer bietet es Speis und Trank und ein offenes Kaminfeuer, Streichelzoo, Spielplatz und eine schöne Aussicht. Der immens große Wanderparkplatz 6 ist ein idealer Ausgangspunkt für etliche Wanderungen – sowohl auf gut ausgebauten breiten Wegen als auch auf schmalen, spannenden Pfaden. Wie auch am Parkplatz 7 oben am Tranchotstein befinden sich in einem Behälter neben der Übersichtskarte der Gegend Informationsblätter mit Wanderrouten und einer Karte der Umgebung. Der Schwarze Mann und ich sind noch nicht fertig miteinander. Es gibt noch so viel zu sehen! Der Dreiländerblick ist mir heute verwehrt geblieben. Und noch so vieles anderes. Und hier im Wald gibt es einen Trekking-Platz zum Zelten in freier Natur. Ich bin neugierig – und komme wieder…

 

Koordinaten:

Kettenkreuz: ca. 50°16’21.65″N, 6°22’53.49″E (am Schneifelpfad, Matthiasweg, Wanderweg 3 und 9)

Schwarzer Mann / Tranchotstein: 50°15’29″N, 6°21’37″E (am Moore-Pfad Schneifel)

Wanderwege:

Westwallweg, Matthiasweg, Moore-Pfad-Schneifel, Schneifel-Pfad (Muße-Pfad – Weg des Friedens), Wanderwege 1, 2, 3 und 9

Weitere Informationen:

www.ferienregion-pruem.de

https://www.naturwanderpark.eu/wanderwege/a-moore-pfad-schneifel (Premium-Wanderweg Moore-Pfad Schneifel)

Audio-Guide Westwallweg (zur Zeit in Überarbeitung): http://gwiw.bund-rlp.de/projekte/audioguide/

Eifel-Trekking: www.trekking-eifel.de

Literaturempfehlung:

Georg Müller: Wanderungen für die Seele, Droste Verlag 2016, ISBN 978-3-7700-1566-5

Kettenkreuz
Tranchotstein
Forstmeister-Jansen-Stein
Am Westwallweg
Im Eschfenn
Moore-Pfad Schneifel

Moore-Pfad Schneifel/Matthiasweg

Eine doppelte Entdeckung – das Kreuz im Wald

Keine andere Region steckt so voller mystischer Geschichten, die gern und gut gewürzt von den Einheimischen wiedergegeben werden. So führte eine Exkursion meiner Ferienhofbauern zum Blutkreuz im Wald südöstlich von Büdesheim, gar nicht weit von „meinem alten Waldhaus“ entfernt, in dem ich als Kind viele ausgiebige Urlaube verbrachte.

Um das Blutkreuz rankt sich eine – wie könnte es anders sein – blutige Geschichte: Eines Sonntags ging ein Jäger auf die Pirsch, tief in den Wald hinein. Unweit einer Quelle folgte er einem scheuen Reh, das verzweifelt vor ihm her sprang und schließlich hinter einem steinernen Kreuz Schutz suchte. Der Waidmann legte an und schoss, doch immer wieder verfehlte er sein Ziel. Blinde Wut wallte in ihm auf, und er legte erneut an und feuerte eiskalt auf das Kreuz. Der Schuss hallte im ganzen Wald wider – und drang tief in das Denkmal ein. Das Reh sprang fort, doch der kalte Stein begann aus seiner tiefen Wunde zu bluten. War das die Strafe dafür, dass er am Sonntag gejagt hatte? Erschrocken wandte der Jäger sich ab und hastete nach Hause. Kaum hatte er seine Stube betreten, fiel er tot zu Boden. Das Reh aber lebte noch lange und sprang froh durch den Wald. Man sagt, der Jäger folge ihm heute noch in dunklen Nächten durch den Wald am Blutkreuz.

Das spätgotische Nischenkreuz im Hundsbachtal wurde im 16. Jahrhundert errichtet und ist unter anderem über Route 3 der Prümer Land Touren (www.naturpark-eifel.de) oder Route 28 (www.ferienregion-pruem.de) zu erreichen. Ein schmaler Pfad durch den Wald führt zunächst zu einer Quelle und von dort zum Blutkreuz (50.202642N, 6.574016E). Nicht weit von dieser Stelle befinden sich ein „Drees“, eine kleine Kapelle und auf dem Apert ein „Eifel-Blick“ mit einer wunderbaren Aussicht. Davon soll ein anderes Mal die Rede sein.

Ich habe das Blutkreuz bereits drei Mal besucht – dachte ich. Doch als ich alte Fotos von 1976 durchschaute, die mein Vater, ein passionierter Fotograf, gemacht hatte, sah ich eine Abbildung von einem Steinkreuz, das mir sehr vertraut erschien. Schnell öffnete ich meine Bilddateien und zoomte, wie man das heute digital so schön machen kann, immer tiefer in das Bild hinein. Die Einschusslöcher in dem Kreuz sind auf beiden Bildern zu erkennen. Mein kleines Eifelherz lacht – ich war schon mit sechs Jahren an dem Kreuz, das mir erst kürzlich seine Geschichte erzählte.