Ein bisschen Gullivers Reisen – die Suche nach der Pronsfelder Riesenbank

Die Neuigkeit dringt gleich aus mehreren Kanälen zu mir vor: Pronsfeld hat jetzt auch (wie Birresborn in der Nähe der Eishöhlen) eine Riesenbank! Sie liegt direkt am Wanderweg, oben auf dem Berg. Viel mehr ist zu diesem Zeitpunkt nicht herauszufinden, aber es wird deutlich, dass sie sich auf dem Höhberg am Wanderweg 22 befinden müsste.

Kurz darauf „urlaube“ ich wieder in der Eifel und mache mich sofort auf die Suche. Zu dem Zeitpunkt gibt es im Internet noch keine genaueren Angaben, aber ich habe mir auf der Wanderkarte angeschaut, wo sich der Höhberg befindet und welche Stellen ich mir für eine solche Bank vorstellen könnte. Auf dem Parkplatz am Bahnhof/Eisenbahnmuseum liegen brandneue Infoblätter mit Wanderwegen aus, und ich überlege mir eine Route, die mich ans Ziel bringen soll.

Da Wanderweg 8 (Route gelb), der nach oben auf den Höhberg zum Wanderweg 22 führen soll, ein Rundweg ist, stehe ich gleich hinter dem Bahnhof vor der Qual der Wahl: halbrechts durchs Alfbachtal oder halblinks an der Prüm entlang. Mein Ziel? Genau vor mir oben auf dem Berg „in der Mitte“, also zuckele ich unsicher nach links durch das Tal der Prüm, bewundere die Alfbachmündung und stocke in meiner Unentschlossenheit vor einem Schild, das auf einen Pfad zeigt, der durch den Wald steil nach oben führt: „Aussichtspunkt“. Damit könnte ja… Wahrscheinlich nicht… Aber wenn ich nicht da entlang laufe, ist es vielleicht doch der Weg zur Riesenbank. Und da hoch muss ich sowieso. Also lege ich alle Pläne ad acta, lasse Rundweg 8 sausen und folge dem Pfad über Stufen und Wurzeln im Zickzackkurs stetig bergauf. Es ist steil, aber schön, anstrengend, aber effektiv, und so stehe ich schon kurz darauf und etliche Höhenmeter weiter oben vor einer Bank, die durch eine Lücke zwischen den Bäumen einen malerischen Blick über Pronsfeld bietet (und einen Geocache – siehe unten). Ich ruhe mich aus und veranstalte ein kleines Picknick mit Keksen und Saft, bei dem ich schon mal ausgiebig fotografiere. Definitiv eine „Normalbank“, aber schön. Ich atme zufrieden durch. Immerhin bin ich bereits fast oben, und eine schöne Aussicht hatte ich auch schon.

Ein kleines Stückchen geht es noch bergauf, dann stoße ich wieder auf den Wanderweg 8, den ich ursprünglich erwählte. In welche Richtung ich nun gehen muss, ist einfach. Die Bank steht irgendwo ganz oben. Also bloß nicht bergab, sondern immer dahin, wo es noch etwas höher hinaus geht. Von Zeit zu Zeit geben Informationstafeln Auskunft zur Natur am Wegrand. Unterwegs begegnen mir Sonnenstrahlen im Laubwald und golden leuchtender Ginster. Auf der anderen Seite der Bergkuppe muss ich notgedrungen ein paar Höhenmeter wieder abgeben, doch dann führt der Wanderweg 22 rechts auf der Höhe entlang. Irgendwo hier muss sie sein. Und ich laufe, laufe, laufe… Schaue, schaue, schaue…

Mittlerweile ist die Position der Bank auch im Internet zu finden. Auch wer Wanderweg 22 (orangefarbenen Route auf der „alten“ Pronsfelder Wanderkarte) oder dem neu benannten „Alfbachhöhenweg“ folgt, kommt auf jeden Fall an ihr vorbei. Zu diesem Zeitpunkt im Mai jedoch ist ihre Lage für mich noch ziemlich unklar. Ich spähe rechts und links, immer auf der Suche nach einer großen Bank, die eigentlich nicht zu übersehen sein sollte, genieße die spannende Natur, die der Höhberg mir bietet, mit Ausblicken nach links ins Bierbachtal und nach rechts ins Alfbachtal und auf Pronsfeld in meinem Rücken. Deutlich später als gedacht erspähe ich hinter einer Wegbiegung mit bewaldeter Böschung endlich das ersehnte Objekt: die funkelnagelneue Riesenbank mit einem dekorativen Fahrrad (nur schauen, nicht benutzen) davor – noch abgesperrt, aber schon begehbar. Oder sollte ich „bekletterbar“ sagen? Eine Leiter führt hinauf, und ich nehme Platz und spähe nach Norden ins Alfbachtal hinunter und auf Pronsfeld, das sich im Osten die Hänge hinaufzieht.

Ich turne wieder hinunter. Zeit für den Beweis, dass ich auch hier war! Auf einem Zaunpfahl gegenüber stelle ich meine Kamera ab und habe ziemliche Probleme, sie geradezurichten, ohne dass sie hinunterpurzelt. Ich versuche es mit verschiedenen Gegenständen: Holzspänen, Taschentüchern… Schließlich ist es das Umhängeband der Kamera, das unter die linke Seite der Kamera gelegt dieser zum richtigen (geraden) Winkel verhilft. Die Fotos, die ich mit Fernauslöser mache, sind zu hell, aber schön, und zeigen mich in etlichen Positionen auf der Bank, immer mit meinem Handy (verschämt versteckt) als Auslöser. Ein Hoch auf die moderne Kameratechnik! Beine baumeln lassen ist auf dieser Bank Programm. Die Sitzfläche befindet sich oberhalb meiner Augenhöhe, die Oberkante der Lehne befindet sich auf 3,20 Metern Höhe. Ganz schön weit oben! Als ich direkt davor stehe, bekomme ich beinahe Genickstarre. Ich muss an die literarische Figur Gulliver denken, der sich im Land der Riesen zurechtfinden muss.

Ich klettere wieder auf die Bank und bin glücklich, denn ich bin in der Eifel, und meine Seele baumelt mit den Beinen um die Wette. Anschließend trage ich mich noch als eine der Ersten in das funkelnagelneue „Gipfelbuch“ ein, und freue mich daran, dass die Menschen in der Eifel sich so schöne Dinge ausdenken, um den Wegrand unserer Wanderungen mit spannenden Erlebnissen zu würzen.

Zurück wähle ich fast den gleichen Weg, nur dass ich dem Wanderweg 8 bis hinunter zur Landstraße und zum Alfbach folge. Ein Stück weiter westlich hätte ich auf die Landstraße stoßen können, das wäre kürzer und weniger anstrengend gewesen, aber womöglich langweilig und durch die Autos vielleicht ungemütlich. Unterwegs begegne ich neugierigen Kühen und sonst wieder einmal niemandem, bis ich im Tal bin. Ach wie schön, die ganze Eifel für mich allein zu haben, mit lieben Freunden, die am Abend auf „meinem“ Ferienhof schon auf mich warten.

So darf es weitergehen!

Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de, www.pronsfeld-eifel.de

Geocache: https://www.geocaching.com/geocache/GC62NTP_panorama-ii

Literaturempfehlungen:
Wanderkarte 17 des Eifelvereins – „Prümer Land“, Maßstab 1:25.000, ISBN 978-3944620008,
ausliegende Wanderkarten in den Infokästen an den Pronsfelder Parkplätzen

Rechts oder links? Wanderweg 8 führt rechts ins Alfbachtal und links an der Prüm entlang. Dazwischen direkt vor mir liegt das Ziel meiner Wanderung, der Höhberg.
Aufstieg zum ersten Aussichtpunkt (Blick zurück nach unten, wo hinter den Bäumen nicht mehr sichtbar der Alfbach in die Prüm mündet)
„Normalbank“ mit Aussicht
Ausblick auf Pronsfeld (mit Picknick und Geocache)
Eifelgrün
Eifelgold
Wanderweg 8 oben auf dem Höhberg
Wanderweg 22 oben auf dem Höhberg
Hinter der Kurve liegt die Riesenbank
Ganz frisch und neu – im Mai war das „Drumherum“ noch abgesperrt.
Die Bank im Profil (das Bild ist gerade!)
Blick von der Riesenbank ins Alfbachtal
Fotosession mit Selbstauslöser und Fernbedienung (nein, wir waren nicht zu dritt!)
Blick von der Riesenbank auf Pronsfeld
Das Gipfelbuch!
Wanderweg 22
Wanderweg 22
Wer Aufmerksamkeit wünscht, sollte an Kühen vorbei spazieren…
Noch mehr Eifelgold

Im Tal der Dämmerung – meine persönliche „Grüne Hölle“ in Bollendorf

Die Vorzeichen sind suboptimal: Ein langer Abend, geprägt von einer nicht unerheblichen Menge Alkohol, kein Kaffee am Morgen und wunde Füße vom Vortag (Panoramaweg Schönecken in Winterstiefeln bei steigenden Temperaturen). Aber ich bin schon auf halbem Wege, die Neugier ist groß und die grüne Hölle von Bollendorf ist ein absolutes Muss in meinem straffen Tourenprogramm für diese Woche. Ich bin hier, um zu erkunden, da gibt es kein Pardon.

Nachdem ich aus dem Prümer Land eine knappe Stunde angereist bin, haben es bereits die ersten 450 Meter Wegstrecke meiner Wanderung in sich. Auf diesem kurzen Stück erarbeite ich mir bereits 70 Höhenmeter bergauf, allerdings auf gut ausgebauten Wegen. (Das sind durchschnittlich 15% Steigung! Dieser Wert ist übrigens nebenbei bemerkt das höchste, was man auf einem Laufband einstellen könnte. Und ich bin definitiv nicht im besten Grundzustand dafür.) Erst dann beginnt der eigentliche Wanderweg, und als ich ihn erblicke, bin ich dankbar über mein gutes Schuhwerk (heute habe ich von vornherein besser gewählt als gestern – Versuch macht klug!): auf diesem Steig sind Wanderschuhe mit guter Sohle absolut empfehlenswert! Es sei denn, man ist eine Bergziege oder die einzige Person, die mir auf dem Weg begegnet. Aber dazu später.

Der Rundweg „Grüne Hölle“ ist gut ausgeschildert und führt über verschiedene Stationen einer Audiotour auf 6 Kilometern Länge an zehn interessanten Punkten vorbei. Trittsicherheit ist erforderlich, und auch die Höhenmeter (etwa 140 hinauf und hinunter allein auf meinem Teilstück von etwa 4 Kilometern Länge) sind nicht zu unterschätzen.

Die Schönheit dieser Felsenlandschaft zieht mich sofort in ihren Bann. Nicht umsonst nennt man dieses Gebiet die „Bollendorfer Schweiz“. Schnell spüre ich die geologische Verwandtschaft zur Teufelsschlucht. Doch im Gegensatz dazu ist dieser Pfad menschenleer, und der Anspruch an Kondition und Trittsicherheit ist definitiv noch höher. Wer die Kühle von Wald und Felsen liebt, abenteuerliche Herausforderungen, bizarre Felsformationen und verschlungene Wege, der ist hier genau richtig. Schnell verstehe ich auch, warum es „grüne Hölle heißt: der Wald ist grün, und die Felsen sind es auch. Tiefste Ruhe umgibt mich, und die Atmosphäre wechselt laufend von entspannend-freundlich grün bis hin zu einem bedrohlich-glitschigen Dunkelgrün, gepaart mit Felsen in hell-leuchtenden Brauntönen oder auch tiefem Dunkelgrau. Der Sandstein wird immer wieder von Farnen und Moosen überwachsen, und nach einigem Auf und Ab erreiche ich den Eingang zu dem Felsmassiv, das dem Rundweg seinen Namen gab. Um sicher zu gehen, wurde der Fels beschriftet: „Grüne Hölle“! Steinstufen führen tief hinab in einen schmalen Spalt mit hohen Wänden, der vor einem scheinbar undurchdringlichen hohen Felsen endet. Unwillkürlich denke ich an Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer. Genau so sah das Tal der Dämmerung aus! „Kann Emma nicht schneller…?“ Ob es hier auch so ein Echo gibt??? Ich probiere es, und Gott sei Dank donnern keine Felsen auf mich herab. Dafür packe ich (wie es im unten genannten Buch empfohlen wird) meine Taschenlampe aus und richte sie auf die feuchten Felswände: Sie leuchten tatsächlich grün! Dieses Leuchtmoos (Schistostega pennata) ist äußerst selten, und ich freue mich, dass es sich mir gezeigt hat. Auf der rechten Seite des riesigen Felsens, der mir den Weg zu versperren scheint, öffnet sich ein niedriger Durchschlupf, und ich nehme meinen Rucksack ab und ducke mich hindurch. „Draußen“ empfangen mich Licht, Wald, riesige helle Sandsteinfelsen, Vogelgezwitscher und eine Bank. Erleichtert nehme ich Platz, um mich von der fordernden Wegstrecke zu erholen, und genieße eine kleine Pause. Und nun kommt es zu einer äußerst bizarren Begegnung: Durch das Loch „schlüpft“ eine Joggerin. Eine Joggerin!!! Ich bin froh, dass ich diesen Untergrund irgendwie wandernd bewältige, und diese Frau hüpft einfach darüber hinweg… Auch sie hat nicht wirklich mit einem menschlichen Wesen gerechnet und fährt erschrocken zusammen, als sie mich sieht. Wir starren uns an – beide fassungslos! Dann springt sie leichtfüßig an mir vorbei und entschwindet hinter dem nächsten Felsen wie eine Fata Morgana.

Die nächsten Meter verlaufen etwas ruhiger auf und ab, dann öffnet sich vor mir mit dem „Eulenhorst“ das nächste Felsmassiv. Die Bezeichnung „labyrinthartig“, die sich in manchen Wanderbeschreibungen findet, kann ich nur unterschreiben: Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Felsenlandschaft zu durchqueren, und nach längerer Betrachtung beider Passagen entscheide ich mich für den scheinbar einfacheren linken Weg. Das Auf und Ab und die schmalen Durchgänge zwischen den hohen Felsen nehmen kein Ende, und am Ausgang starre ich skeptisch auf die steile, von rutschigem altem Laub bedeckte Felstreppe zwischen schroffen Felswänden mit etlichen Vorsprüngen. Kurz hadere ich mit mir: Probiere ich es und rutsche gegebenenfalls ab und demoliere mir bestenfalls nur den Allerwertesten? Oder setze ich mich gleich hin? Ich trage Jeans, es ist trocken und sowieso kein Mensch in der Nähe. Die Joggerin ist längst über alle Berge, möglicherweise sogar bereits wieder zuhause. Seufzend setze ich mich auf meinen Po und bewältige den steilen Ausstieg aus dem Felsmassiv auf höchst unelegante, aber sichere Weise.

Die auf meiner Wanderkarte ebenfalls verzeichnete Heidenlay bietet weniger Herausforderungen als ihre Vorgänger, und plötzlich bin ich am Ziel meiner Sehnsüchte: Die „Kreuzlay“ als oberer Endpunkt dieses Rundweg-Teilstücks, das sich permanent an der Bruchkante des Ferschweiler-Bollendorfer Plateaus entlang bewegte. Hier gibt es tatsächlich ein Gipfelkreuz! Es trägt die Aufschrift: „Viele Wege führen zu Gott – einer führt über die Berge!“ Ich nicke zustimmend und grinse unwillkürlich. Das beschreibt meinen Zustand ziemlich gut. Ich verweile eine Weile auf einer Bank und genieße die Aussicht. Genug geklettert! Die Wanderkarte verrät mir, dass das nächste Teilstück des Rundwegs über einen entspannten Waldweg führt. Gott sei Dank!

Nach diesem flott bewältigten Wegstück wartet noch der Maria-Theresien-Stein auf mich. Es handelt sich um einen Grenzstein zwischen Echternach und Vianden, den die österreichische Kaiserin 1771 in ihrer Eigenschaft als Herzogin von Luxemburg errichten ließ. Von hier führt eine Abkürzung zurück zu meinem Ausgangspunkt. Ich liebe malerische Felsformationen! Aber für heute ist mein Soll erfüllt. Ich werde wiederkommen und mir den eindrucksvollen Predigtstuhl, die geheimnisvolle Muhmenlay und die phantastische Aussicht an der Lingelslay entspannt und mit Freude und unter besseren körperlichen Voraussetzungen als heute anschauen. Dann sicherlich auch mit dem Audioguide, denn die Geschichte der Muhmenlay scheint recht spannend zu sein.

Ab hier geht es nur noch entspannt abwärts. Im Nu befinde ich mich wieder an der Schutzhütte, bei der der Felsenpfad zur „Grünen Hölle“ beginnt. Fast schon im Trab laufe ich zurück zum Parkplatz am Waldhotel. Ich genieße die sonnigen Aussichten auf Bollendorf und das malerische Tal der Sauer und begebe mich zurück zu meinem Feriendomizil ins Prümer Land.

Die grüne Hölle ist geschafft! Es war ein unglaubliches Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Und das ich mit dem zweiten Streckenteil definitiv fortsetzen werde. Ich muss lächeln, als ich an die Joggerin denke. Auch der Moment, in dem ich auf dem Po aus dem Eulenhorst gerutscht bin, gibt eine gute Geschichte ab. Und das Bild vom „Tal der Dämmerung“ werde ich all jenen zeigen, die wie ich die Augsburger Puppenkiste mögen. Etwas habe ich dort oben ganz bestimmt bewältigt: meine ganz persönliche wild-abenteuerliche und zugleich wunderschöne grüne Hölle.

 

Fazit:
„Geheimtipp“ als fast menschenleere Alternative zur Teufelsschlucht, schöner Abenteuerpfad auch für wanderfeste Kinder, festes Schuhwerk erforderlich, hoher Abenteuerfaktor, nichts für Klaustrophobiker, tolle Aussicht und faszinierende Felslandschaften; spendet Kühle bei Hitze, bei feuchtem Wetter nur bedingt geeignet; der Audioguide wurde liebevoll von den „Leuten aus dem Dorf“ gestaltet

Parkmöglichkeit und Audioguide-Verleih:
Waldhotel Sonnenberg, Sonnenbergallee 1, Bollendorf

Weitere Informationen und Eindrücke:
https://www.eifel.info/a-gruene-hoelle,
https://www.naturpark-suedeifel.de/a-gruene-hoelle,
https://www.felsenland-suedeifel.de/a-audiotour-gruene-hoelle,
https://www.traumsteige.com/bollendorfer-schweiz-durch-die-grune-holle/,
www.bollendorf.de
https://www.naturpark-suedeifel.de/naturschatz/landschaftsraeume/das-ferschweiler-bollendorfer-plateau
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3616
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3617
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3615
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3614
https://www.youtube.com/watch?v=06scoGUGwR8
https://www.youtube.com/watch?v=WhUJmQoDuc8

Buchempfehlungen:
Loni Liebermann: 52 kleine und große Eskapaden in der Eifel, DuMont Reiseverlag 2018, ISBN 978-3-7701-8070-7
Topographische Karte 1:25000 „Naturpark Südeifel“, Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, ISBN 978-3896372758

Bergauf auf dem Weg zum Rundwanderweg
Der Affenkopf markiert den Beginn des Rundwanderwegs

Die „Grüne Hölle“ erinnert mich an das „Tal der Dämmerung“ aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“
Es lohnt sich, mit der Taschenlampe die Felsen genauer zu betrachten
Blick zurück auf den Eingang der „Grünen Hölle“
Ausgang aus der „Grünen Hölle“ und die Lücke, aus der die Joggerin „schlüpfte“

Vor mir erscheint der Eulenhorst
Blick zurück auf den Weg, den ich gekommen bin

Im Eulen-Horst befindet sich ein labyrinthartiges System von Spalten und Wegen
Inmitten des Eulen-Horsts: „Trittsicherheit erforderlich“ trifft es ziemlich gut. Hier fallen mir automatisch Sinnsprüche zu Wegen und Hindernissen ein – zum Beispiel: „Die Schwierigkeiten, auf die wir stoßen, wenn wir ein Ziel zu erlangen trachten, sind der kürzeste Weg zu ihm“ (Khalil Gibran)
Ende einer Rutschpartie
Ausgangs des Eulen-Horsts

Aussicht von der Kreuzlay
Aufgang zum Aussichtspunkt Kreuzlay
Der Maria-Theresien-Stein. errichtet 1771

Nur Fliegen ist schöner – Aussichten rund um Schönecken

Eifelpanorama mit Blick auf Schönecken

Endlich ist sie wieder unverhüllt, die schöne Burg, die über dem Ort Schönecken thront, der sich selbst liebevoll als „Burgflecken“ bezeichnet und aus den Ortsteilen Schönecken und Wetteldorf besteht. Zwei Jahre lang musste ich an den für seine Verhüllungsobjekte bekannten Künstler Christo denken, wann immer mein Blick zum Wahrzeichen hinauf wanderte. Nun endlich strahlt sie im Sonnenlicht, die Steine hell und sauber, die Kanten rötlich abgesetzt. Oben ist im Innenbereich noch nicht alles zugänglich, und ein zweiter Bauabschnitt wird folgen, doch für mich ist es Zeit für ein buchstäbliches Rundum-Erlebnis.

Von der unglaublichen Natur und der spannenden Geschichte der Schönecker Schweiz hatte ich bereits in Blogbeiträgen erzählt, ebenso von der traditionellen Eierlage zum Osterfest. Ich nutze die „Enthüllung“ als Gelegenheit für einen Rundumschlag, um gleich in mehrerer Hinsicht meine Neugier auf Schönecken zu befriedigen: mich mit der Geschichte der Burg zu befassen, Aussichten zu genießen und den Wetteldorfer Richtschnitt kennenzulernen, der dafür sorgt, dass für Geologen der kleine Ort den Nabel Europas bildet. Dafür werde ich, abgesehen von einem alternativen Aufstieg, den Panoramaweg Schönecken begehen. Als ersten Ausblick jedoch möchte ich die Stelle finden, von der die Böllerschüsse bei der Eierlage abgegeben werden und von der man sich ausrechnen kann, dass sie eine hervorragende Sicht auf die Burg bieten müsste. Jedes Mal, wenn ich den Felsvorsprung mit Mauer, Geländer und Fahne sehe, kitzelt mich die Neugier, den Aufstieg zu suchen und zu finden. Daher steht das heute Morgen als erstes auf dem Plan, solange die Beine noch frisch sind.

Später bei der Suche im Internet werde ich herausfinden, dass der Ort südlich des Flüsschens Nims, zu dem ich nun aufstrebe, Wilhelmshöhe heißt und etwa 30 bis 40 Meter über dem Tal thront. Gleich gegenüber auf der Nordseite der Nims erhebt sich Burg Schönecken, gut 70 Meter über der Talsohle. Ich habe Glück bei meiner Suche nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt. Mein Orientierungssinn lässt mich nicht im Stich. Zum Parken bietet sich das Gemeindezentrum FiF an, und von dort folge ich der Nims ein paar Meter nördlich und nutze dann die Brücke linkerhand. Nach ein paar Metern kann ich den Pfad schon sehen, der mit ein paar Stufen beginnt und sich dann am Berg entlang zunächst über eine Wiese und später durch Büsche schmal am Hang entlang bewegt. Etliche Höhenmeter und ein paar Kehren später stehe ich auf dem Rondell, das als Pavillon zu Ehren Kaiser Wilhelms II. errichtet wurde, der am 20. Oktober 1911 auf der Durchfahrt durch Schönecken Beifall und Jubel auslöste. In den 1990er Jahren folgte das heutige Bauwerk. Neben der freien Sicht auf die Burg – fast auf Augenhöhe – bietet die Plattform einen phantastischen Blick über Schönecken und auf die umliegenden Höhenzüge. Ich muss mich erst einmal setzen und alles auf mich wirken lassen. So viele große und kleine Dinge fallen mir ins Auge: die Burgruine, eine Kapelle, die malerischen Häuser, die sanften Hügel mit Wäldern und Feldern, Straßen, die sich wie Bänder durch die Landschaft schlängeln und schließlich weit unter mir mein eigenes Auto auf dem Parkplatz des FiF. Meine Speicherkarte ächzt unter der Last all der Fotos, die ich in alle Himmelsrichtungen schieße. Später werde ich feststellen, dass ich vor lauter Begeisterung sämtliche Blickwinkel und Sehenswürdigkeiten doppelt und dreifach festgehalten habe. Schönheit liegt im Auge des Betrachters – hier gibt es für jeden Geschmack reichlich davon. Dabei schaue ich besonders intensiv nach Süden, denn dort, wo in einiger Entfernung ein Kirchturm emporragt, werde ich mich nachher auf den Weg machen – auf den „Panoramaweg“.

Zuvor noch ein kleiner Abstecher in den nahegelegenen Park, der sich 300 Meter nordwestlich der Treppe zur Wilhelmshöhe an der Nims entlang nach Norden zieht. Auch hier nehme ich mir Zeit und atme tief durch. Idyllisch plätschert das Wasser des Flüsschens und glitzert im Sonnenschein. Vögel singen. Harmonisch angelegte Wege und Sitzgelegenheiten zwischen Wiesen und Baumgruppen bieten Ruhe für Körper und Seele. Immer wieder bieten sich Blicke steil hinauf auf die Burg. Ein paar Schritte entfernt runden ein bunt und phantasievoll gestalteter Kinderspielplatz und eine Hundewiese das Bild ab.

Ich kehre dem Tal den Rücken und wandere Richtung Wetteldorf. Vor der Kirche biege ich links ab (Alte Bitburger Straße). Für den Panoramaweg müsste ich der ersten Straße rechts Richtung Jugendlager/Feriendorf folgen, doch ich möchte erst einmal meine geologische Neugier befriedigen und den sagenhaften Richtschnitt betrachten. Daher wähle ich die 2. Straße rechts (Danielsberg) und folge den Schildern zum Richtschnitt. Bald geht die Straße in einen Weg über (hier oben gibt es tatsächlich noch einen richtig schönen weitläufigen Spielplatz!), und ich steige höher und höher und schaue, sobald ich mich umschaue, auf mit Kalkmagerrasen bewachsene Hügel. Ich liebe diesen Anblick! Schon bald erreiche ich eine Bank und nutze sie für eine kurze Rast, bevor ich dem Schild folge, das mir klarmacht, dass ich meinen Weg verlassen und dem Abzweig links hoch folgen muss, um zum Richtschnitt zu gelangen. Zu meiner Verblüffung geht es wenige Meter weiter erneut links ab und einen kaum erkennbaren Pfad hoch, der mich am Hügel entlang deutlich bergauf zu einer abgesperrten zugewachsenen Hütte führt. Hier ist er, der sagenumwobene Wetteldorfer Richtschnitt, und ich spähe durchs Fenster und sehe Erde und Gestein. Eine Taschenlampe kann hier nicht schaden, um etwas mehr zu erkennen. Geocachern sei der Earthcache an diesem Ort empfohlen.

Um zu wissen, was geologisch hier los ist, muss man etwas genauer nachlesen. Ein Schild am Weg gibt Auskunft. Die Heisdorf-Schichten zeigen die Ablagerungen eines flachen Meeres. Hier finden sich Fossilien von Brachiopoden, Trilobiten, Muscheln und Schnecken in wechselnden Lagen verschiedener Gesteine. Geologen helfen die Funde, eine internationale Referenz (GSSP) für die geologische „Zeitgrenze“ zwischen Unter- und Mitteldevon festzulegen. Dank der Schönecker Fundstelle konnte sie auf einen Zeitpunkt vor 393,3 Millionen Jahren festgelegt werden. Es handelt sich um den einzigen verbindlich festgelegten und allgemein anerkannten Richtschnitt in Deutschland. Noch heute gehen auf diesen unscheinbaren Ort und seine Funde wichtige geologische Publikationen und Erkenntnisse von internationaler Bedeutung zurück.

Meine unwissenden Augen haben genug gesehen. Ich kehre zurück auf den Weg und schlage mich über den gut ausgebauten Wanderweg Richtung Westen durch, wo ich bald auf den Panoramaweg stoßen werde. Ich picknicke auf einer Bank am Waldrand, als plötzlich ein Reh vor mir auftaucht und mich verblüfft anschaut. Es ist ganz ruhig und etwas fassungslos, scheint sich lange Gedanken über meine Anwesenheit zu machen (ich greife gar nicht erst zu meiner Kamera, da die Einstellungen gerade völlig unpassend für die Lichtverhältnisse sind und ich lieber zurückstarre). Nach einer Weile wendet sich das Tier in Ruhe von mir ab und durchbricht schließlich links von mir den Waldrand. Anscheinend sitzt hier nicht so oft jemand. Auf dem ganzen Weg treffe ich nur einen einzigen Menschen (nebst Hund). Mehr Ruhe fernab des Alltagsstresses ist gar nicht mehr möglich. Es gibt nur die grandiose Eifellandschaft, ihre tierischen Bewohner, die Steigung, 1000 Kleinigkeiten am Wegrand, meine Kamera, meine Füße und mich.

Ab dem Feriendorf geht es auf dem Panoramaweg stetig über eine Asphaltstraße bergauf. Der Blick auf Schönecken ist grandios und wird von Minute zu Minute noch besser. Auch das Angebot an Ruhebänken ist auf diesem Weg üppig. Nur der Aufstieg will und will kein Ende nehmen. Als ich endlich in der Schutzhütte auf der Höhe angekommen bin, lese ich in meinem Faltblatt zum Panoramaweg, dass ich 160 Höhenmeter geschafft habe. Nun denn, es waren ja auch nicht meine ersten Höhenmeter an diesem Tag. Links ab geht es weiter auf dem Hügelkamm entlang vorbei an einem Gehöft namens Irsfelderhof. Dieses Stück Weg kann man übrigens von der Burg Schönecken aus perfekt erkennen, wenn man weiß, wo es ist. Aus 560 Metern Höhe gesehen liegt selbst die Burg tief unten im Tal. Darunter erstreckt sich der Burgflecken, und die Fernsicht weit über die Hügel des Prümer Lands hinweg ist atemberaubend.

Der Abstieg führt über einen Wirtschaftsweg zunächst durch ein Waldstück. Auch hier bin ich ganz für mich. Am Ende des Waldes bietet sich erneut eine malerische Aussicht auf die Ortschaften Schönecken und Wetteldorf. Meine Füße sind müde und mein Herz (und meine Kamera) voll von eindrucksvollen Bildern. Ich beschließe, die Burg bei frischer Kraft mit voller Energie an einem anderen Tag zu genießen.

Auf einer Sonnenbank sitzend betrachte ich den Burgflecken ein letztes Mal malerisch im Tal liegend, bevor er beim Abstieg in die Tiefen des Alltags wieder auf Augenhöhe zurückkehrt.

Ich komme wieder!

 

Weitere Informationen:
www.schoenecken.de, www.schoenecken.com
www.ferienregion-pruem.de
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19017
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5583
https://www.volksfreund.de/region/bitburg-pruem/ein-weltberuehmtes-stueck-eifel-warum-fast-jeder-geologe-wetteldorf-kennt_aid-5994613

Geocache (Earthcache) am Wetteldorfer Richtschnitt: https://www.geocaching.com/geocache/GC2ZT2M_wetteldorfer-richtschnitt?guid=2401f3b7-c010-480d-beaa-4ec1f3d942a5

Ruhebank an der Nims am FiF (Forum im Flecken) mit Blick auf die Burg und die Wilhelmshöhe (oben links)
Aufstieg zur Wilhelmshöhe
Auf dem Weg zur Wilhelmshöhe
Noch nicht ganz oben; ein erster Blick auf Schönecken
Die Wilhelmshöhe
Blick Richtung Wetteldorf und Panoramaweg: Oben über den Kamm zwischen beiden Wäldern werde ich später laufen
Burg Schönecken von der Wilhelmshöhe aus
Blick auf Wetteldorf und den Aufstieg des Panoramawegs (Der Weg führt quer hoch von unten links nach rechts und weiter hoch nach oben links. Oben links neben dem Wäldchen befindet sich die Schutzhütte, an der der Weg links abbiegt.)
Burg Schönecken
Im Park
Blick vom FiF auf die Wilhelmshöhe

Kurz vor dem Ziel: Die Ludwig-Happel-Hütte, die über einem Teil des Wetteldorfer Richtschnitts errichtet wurde, ist recht zugewachsen.
Blick durch das Fenster der Ludwig-Happel-Hütte auf einen Teil des Wetteldorfer Richtschnitts
Tierische Begegnung – Teil 1

Noch auf Augenhöhe mit der Burg (auf dem Panoramaweg in der Nähe des Feriendorfs). Hier wird deutlich, wie sich die Häuser von Schönecken an den Wegen entlang nach oben „bewegen“.
Schönes am Wegrand
Tierische Begegnung – Teil 2
Endloser Aufstieg mit grandiosen Aussichten
Blick nach Süden „auf die andere Seite“ der Anhöhe von der Wegkreuzung „ganz oben“ an der Schutzhütte
Endlich oben! Blick aus der Schutzhütte nach Westen
Blick auf Schönecken vom Panoramaweg – etwa auf Höhe Irsfelderhof

Ein Wasserfall im Wachstum – die Nohner Wasserfälle (Wasserfall Dreimühlen)

Ein Wasserfall im Wachstum – die Nohner Wasserfälle (Wasserfall Dreimühlen)
Irgendwo im Nirgendwo wartet eines meiner Lieblingsmotive: Wasserfälle sind immer toll, und Wasser begleitet mich in der Eifel fast immer. Nach einer langen Phase der Neugier (Notiz aus der Zeit vor meinem Navi: auf der Karte herauszufinden, wo ich eigentlich hin muss, ist gar nicht so leicht…) finde ich im Mai 2017 erstmals mit ortskundiger Hilfe in Begleitung einer Eifeler Freundin diesen märchenhaften Ort: den Wasserfall Dreimühlen, auch unter dem Namen Nohner Wasserfälle bekannt. Und kehre immer wieder zurück, denn Wetter und Jahreszeiten verleihen dem Naturdenkmal ein täglich neues Gesicht: in romantischem Tiefgrün im späten Frühjahr, bunten Herbstfarben im Indian Summer und verziert mit bizarren Eiszapfen im Winter.
An einem zauberhaften Novembermorgen 2019, der mich mit Nebel im Tal und Sonne auf den Höhenrücken der Eifel begrüßt, führt mich mein Weg – unmittelbar vor der Abreise – wieder dorthin. Im Gepäck viele schöne Moment und Geschehnisse und Erinnerungen an die letzten Tage und noch mehr wichtige Wünsche für die Zukunft. In der Kapelle an der Nohner Mühle – so viel ist klar – will ich auf dem Rückweg sechs Kerzen anzünden, jede einzelne für eine ganz bestimmte Person oder einen ganz besonderen Gedanken. Bereits dreimal an diesem Tag haben mich die Eifeler Menschen mit ihrer Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft positiv – nun, überrascht kann man nicht sagen, das ist es ja, was ich an diesen Menschen so mag – sagen wir: überzeugt.
Gleich hinter dem Kalkofen an der Landstraße biege ich links ab auf den Wanderparkplatz „Nohner Mühle“ und mache mich von hier aus auf den Weg. Zunächst betrachte ich die Kapelle nur freundlich im Vorübergehen und lasse auch die Nohner Mühle links liegen, die ohnehin (wen wundert es so spät im Jahr mitten in der Woche und mitten am Tag) nicht geöffnet ist. Wenig später muss ich mich entscheiden, ob ich unten am Bach entlang gehe oder weiter oben (links) den asphaltierten Weg wähle. Ich schlage zunächst den Pfad unten ein, mir kommen auch Menschen entgegen, aber er ist mir zu nass, rutschig und steinig, was sich mit meiner Erinnerung an das letzte Mal deckt. Es wäre sicher zu schaffen, aber das mit dem Abrutschen und Hose zerreißen verschiebe ich auf eine andere Gelegenheit. So laufe ich ein paar Meter zurück und schlage durch die Unterführung den „harmlosen Weg“ (Kalkeifel-Radweg) zu den Fällen ein und nähere mich den Wasserfällen. Mein Weg kreuzt den eines Ehepaares, das zum ersten Mal hier ist und keine Ahnung hat, ob es auf dem richtigen Weg ist (ja! Es ist nicht mehr weit! Etwa 500 Meter.) – gemeinsam setzt man den Weg fort.
Der Anblick der Wasserfälle ist immer schön! Kaum in Sichtweite, beginnen meine beiden Begleiter, sich gegenseitig mit den Fällen im Hintergrund abzulichten. Ich nehme die Sache in die Hand, nehme ihr Handy und fotografiere beide gemeinsam vor diesem schönen Hintergrund, und im Gegenzug bieten beide mir das Gleiche an, was ich gerne annehme. Bis heute ist dieses Foto von mir vor den Nohner Wasserfällen mein Profilbild bei Instagram.
Vor den Fällen geht ein Stieg mit Geländer hinab ins Tal, und dort erfahre ich auch auf einer Infotafel, wie dieses Naturwunder entstanden ist: nämlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts, als wegen Bauarbeiten an der Bahnstrecke nach Jünkerath ein gemeinsamer Lauf für drei Karstquellen des Mühlenbachs geschaffen wurde. Seitdem fällt das Calcium- und CO2-haltige Wasser an genau dieser Stelle über eine Breite von etwa 12 Metern über die Kante etwa 6 Meter in die Tiefe. Durch eine besonders starke Verdunstung, Laubmoos und Kieselalgen (die eine viel größere Oberfläche bieten als glatter Fels) bilden sich hier Kalksinterverkrustungen, die den Wasserfall jährlich um etwa 8-10 Zentimeter zum Tal hin wachsen lassen. Die drei Bäche hatten bereits zuvor seit der letzten Eiszeit eine 300 Meter lange und 100 Meter breite Sinterbank entstehen lassen. Es handelt sich um das nördlichste Kalksintervorkommen in Europa. Seit 1938 gilt der Wasserfall Dreimühlen (benannt nach der nahegelegenen Burgruine) als Naturdenkmal. Das Wasser enthält 200 mg Calcium je Liter. Ich staune.
Anschließend erkunde ich den Wasserfall an seiner Basis von allen Seiten. Der Weg führt teilweise fast darunter hindurch, und von jeder Seite bietet er neue und spannende Perspektiven. Das Wasser gleitet wie ein Vorhang an Höhlen vorbei, springt und tropft über moosige Absätze im Gestein, platscht auf Felsen und in seinen eigenen Abfluss zum Ahbach, den ich über die malerische Brücke überquere, um den Wasserfall aus der Ferne mit seiner umgebenden Landschaft zu betrachten und natürlich zu fotografieren. Auf einer Bank genau gegenüber gönne ich mir eine Rast, bevor es auf den Rückweg geht. Wieder vorbei am Wasserfall, wieder eine endlose Kette von (noch besseren) Fotos…
Es dauert eine Weile, bevor ich mich von all dem abwenden kann. Auf dem Weg zum Auto kehre ich in die winzige Kapelle ein. Sechs Kerzen sind schnell gegriffen, bezahlt und auf dem Altar arrangiert. Ich sehe mich im ganzen (überschaubaren, aber sehr hübschen) Raum um. Keine brennende Kerze, kein Feuerzeug, keine Streichhölzer. Seufzend hoffe ich, dass sich jemand, der besser ausgerüstet ist als ich, meiner Kerzen und damit auch der Wünsche, die ich hineingelegt habe, annehmen wird, und ziehe weiter. Nach fünfzig Metern stoppe ich. Ich habe nicht gebetet! Das gehört aber unbedingt dazu. Ich drehe um und betrete die Kapelle erneut. Und bevor ich überhaupt anfangen kann zu beten, öffnet sich die Tür, und eine Wanderin mit voluminösem Rucksack kommt herein (es wird eng!), die – welch wunderbare Fügung – ein Feuerzeug bei sich hat. So bedanke ich mich überschwänglich und bringe meine Wünsche auf den Weg.
Nun kann ich beruhigt fahren! Und habe so viel Gutes erfahren an diesem schönen Herbsttag!

Weitere Informationen: https://www.gerolsteiner-land.de/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.nohn-eifel.de/tourismus/wasserfall, https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-255237, https://www.eifel.info/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.eifelsteig.de/a-wachsender-wasserfall-dreimuehlen, https://www.eifelverein.de/index.php/hauptwanderwege
(Rad-)Wandern: Fernwanderweg Eifelsteig, Kalkeifel-Radweg, Rundweg
Parken: Wanderparkplatz Nohner Mühle, GPS 50°19’18.0″N 6°46’45.1″E (Abzweig von der L68) – ab hier 1 km Fußweg zum Wasserfall
Essen und Trinken: Nohner Mühle, Nohner Mühle 2, 54578 Nohn, www.nohnermuehle.de

Ein Blick von „gegenüber“:
Hier erkennt man die Kalksinterbank, die seit der Eiszeit entstanden ist, in ihrer ganzen Breite

Kalk verdunstet auf der vergrößerten Oberfläche des Mooses.
Diese Verkrustungen lassen den Wasserfall wachsen

Zulauf oberhalb des Wasserfalls
Die kleine Kapelle – ein guter Ort für wichtige Wünsche
Der Ahbach im Tal

Auf der Flucht vor dem Coronavirus rund um das Mehlenbachtal

Am 18.03.2020 wird es Zeit, die Eifel zu verlassen und mich an meinem Heimatort in die mehr oder weniger freiwillige Isolation zu begeben. Keine Urlaubsreisen mehr. Jeder kehre in sein Haus oder seine Wohnung zurück – wie in der Bibel: ein jeglicher in seine Stadt… Also Lebewohl Eifel, Lebewohl Freiheit, wer weiß schon, für wie lange und was danach sein wird. Welche Restaurants und Feriendomizile nach der „Reisesperre“ überlebt haben und noch existieren. Und welche geliebten und geschätzten Menschen der Krankheit womöglich zum Opfer fallen.
Nun also, wie ein letzter freier Atemzug, eine Wanderung im Mehlenbachtal. Das Tal macht mich schon lange neugierig, leuchtet es mir doch auf meiner Wanderkarte grün und einladend entgegen. Ich habe mir die Sache auf der Karte genau angeschaut und ein paar Tourenbeschreibungen durchgelesen und mich entschieden, direkt im Tal unterhalb von Niedermehlen zu parken, dort, wo der Wanderweg 8 auf die Landstraße trifft. Auf der Durchfahrt habe ich bereits ausgekundschaftet, dass dort neben der Landstraße ein wenig Freiraum mit zum Parken geeignetem Untergrund vorhanden ist. Spannend klingt auch das Wacholdergebiet, also beschließe ich, beides miteinander zu kombinieren.
So überquere ich zum ersten Mal den Mehlenbach, genieße den Blick auf das Bächlein, das unter Sträuchern geduckt dahinplätschert, und folge zunächst der Landstraße Richtung Westen leicht aufwärts nach Niedermehlen und biege nach 150 Metern links ab in den Wacholderweg. Die Straße ist wie ausgestorben. Klar, wegen Corona sitzt jeder in seinem Haus. Doch hinter der nächsten Kurve begrüßt mich ein Hund äußerst freudig, und seine Besitzerin grüßt entspannt, wünscht mir erst einmal einen schönen Tag (ich mag die Eifelmenschen so gern!) und erkundigt sich dann nach meinem Ziel. „Oh, das Wacholdergebiet, da müssen Sie ja den Weg ganz hoch!“ Ja, das muss ich, und sie beschreibt mir genau, wie mein Weg weiter verlaufen sollte. Ich bedanke mich herzlich für ihre hilfreichen Angaben. Sie bezweifelt, dass der Wanderweg oben schon freigeschnitten ist, und ich sehe das nicht so verkrampft. Zur Not komme ich eben einfach wieder zurück. Außerdem verrät mir meine Wanderkarte, dass es „oben“ Alternativen gibt. Ich hatte mir eigentlich eine tiefer liegende Route ausgesucht. Die Praxis zeigt: Auf dieser Route hätte ich gar keinen Wacholder gesehen. Also hier noch einmal ein ganz herzlicher Dank an die nette Dame mit dem genauso netten Hund. Ich verdanke ihr einen ganz besonderen Moment.
Also einfach immer nach oben. Die kleine gepflasterte Straße lässt das entspannt zu und bietet Aussichten, die alle zwei Meter schon wieder noch spektakulärer erscheinen als einen Moment zuvor. Ein Aufstieg mit Genuss – es müssen etwa 100 Höhenmeter gewesen sein, bei denen jeder Schritt es wert war, gegangen zu werden. „Oben“ ist nicht zu verfehlen. Ich tauche in den Wald ein, sehe rechterhand den ersten Wacholder, als sich zur Linken ein Wald- und Wiesenweg mit einem verwitterten Hinweisschild „Wacholdergebiet“ öffnet, der definitiv noch nicht freigeschnitten wurde. Ich klettere über den Baum, der mir den Weg versperren möchte, und genieße den Wiesenpfad zwischen Waldrand und Weiden, der immer wieder eindrucksvolle Aussichten bietet. Auf der anderen Seite des Tals erhebt sich der Kalvarienberg. Ich kann das Krankenhaus und ein paar Häuser der Ortschaft Tafel erkennen. Mein Weg führt direkt auf eine skurrile Formation aus drei Kiefern zu, doch zuvor lädt mich zur Rechten eine malerische Schutzhütte zum Verweilen ein. Ich setze mich, trinke, esse, schaue auf die Karte und lese dann eine Nachricht. Einer meiner Eifel-Menschen bedankt sich bei mir, weil ich ihm heute Morgen noch etwas Gutes zurückgelassen habe. Ich blicke von meiner Bank aus durch die Fenster und die Tür und genieße die Schönheit der Eifel, die unglaubliche Stille des Landes um mich herum, und der Abschied wird mir noch viel schwerer. Kein Mensch ist in der Nähe – ein guter Ort, um einfach einmal die Seele fließen zu lassen und eine Runde hemmungslos zu weinen. Hört ja keiner. Außer mir ist niemand hier.
Irgendwann ist es wieder gut. Ich trinke etwas Wasser, stärke mich und ziehe weiter. Nach wenigen Schritten erreiche ich die Kiefern, stark und knorrig und ganz einzigartig gewachsen. Wie alt mögen sie sein? Ihr Ausblick über das Tal ist einmalig. Und hier gibt es ihn dann auch in Hülle und Fülle: den Wacholder. Wild und struppig geleitet er meinen Weg, und über ihn hinweg schaue ich hinunter ins Tal und hinüber auf die nächste Hügelkette. Den Germanen war der Wacholder heilig. Irgendwie kann ich das verstehen.
Irgendwann ist es vorbei mit dem Wacholder, und ich treffe auf den breiten, heute etwas schlammigen Wanderweg 17, von dem es heißt, dass er später steil abwärts geht. Mal schauen, wie ich und mein Knie das so verkraften. Vor meinem geistigen Auge bildet sich ein Bild von mir mit schlammverkrusteter Kleidung. Alles dreckig und verschrammt, bloß die Kamera heil und sauber. Auch das gab es schon einmal bei einer Wanderung. An einer Weide öffnet sich ein grandioser Weitblick bis zum Viadukt der Schnellstraße mit viel typischer Eifellandschaft und der eindrucksvollen Architektur der Brücke und der Straße, die sich wie ein Band durch die Natur zieht.
Ein Stück weiter bergab zeigt ein Wegweiser, dass mein Weg (17) sich rechts durch einen Laubwald fortsetzt. Kaum erkennbar schlängelt er sich abwärts zwischen den Bäumen hindurch, und ruckzuck (und ohne nennenswerte Probleme mit dem Gefälle, eher beim Erkennen des Weges) bin ich unten. Das letzte Stück Böschung renne ich, damit ich nicht rutsche (später erkenne ich, dass ich eine Serpentine verpasst habe – so viel zum Thema Geländetauglichkeit).
Und dann bin ich fast im Tal und werde von nun an begleitet von dem freundlichen Plätschern verschiedenster Wasserläufe, die den Weg kreuzen oder parallel dazu verlaufen, und von sprießendem Grün. Ich folge dem Weg nach rechts auf der Suche nach einem Übergang und mit dem Ziel, endlich den Mehlenbach nicht nur aus der Ferne, sondern auch aus der Nähe zu erkunden. Dafür muss ich nur weiter dem Gebietswanderweg 17 folgen. Zwei querliegende Bäume weiter (kein echtes Hindernis, ein malerisches Motiv und zudem gut für mein Wanderer-Abenteurer-Selbstbewusstsein, mit allem fertig zu werden) ist es endlich so weit: über einen Blockbohlenweg gelange ich zu einer Brücke über den Mehlenbach, der sich malerisch durch das weite grüne Tal windet – mäandern sagt der Fachmann wohl dazu. Parallel zur hölzernen Brücke führt eine Furt durch das Wasser, und ich stelle mir den Spaß für Pferd und Reiter beim Durchqueren des Bachbetts vor – es sei denn, einer von ihnen ist wasserscheu oder nutzt die Gelegenheit für ein Bad. Das Gewässer wird begleitet von niedrigen und höheren Büschen, die zeitweise Hecken bilden und sich wie das Dach eines Kirchenschiffs über dem Bächlein wölben.
Auf der anderen Seite geht es wieder kurz bergauf, dann folge ich dem örtlichen Wanderweg 8 nach links bis zu meinem Ausgangspunkt. Immer noch werde ich linkerhand begleitet von dem plätschernden Mehlenbach, auf den ich immer wieder Blicke erhaschen kann. Zur Rechten steigt der Wald teilweise steil an, und von meinem Standpunkt aus, vielleicht 20 oder 30 Meter über der Talsohle, schaue ich zurück auf die andere Seite des Tals, dorthin, wo ich hergekommen bin. Deutlich oberhalb meines Standorts liegt gegenüber das Wäldchen, das ich erreichte, nachdem ich schon eine ganze Weile abwärts gelaufen war. Das Wacholdergebiet wird nur teilweise sichtbar, und plötzlich erkenne ich, wie hoch ich eigentlich war. Hoch über den Dingen, allein in meiner Hütte am Feldrand neben den alten Kiefern.
Ein guter Ort für den letzten Tag in Freiheit – für wie lange, das werden wir sehen.

Parkmöglichkeit: Bleialfer Straße (L17) 50°12’59.1″N 6°23’32.3″E
Daten zur begangenen Route: Länge: gut 4 km, Höhenmeter: aufwärts wie abwärts je etwa 130; Nutzung der Wanderwege 10 (nicht auf der Karte, aber an den Wegen gekennzeichnet), Gebietswanderweg „Route 17“ (Prümer Land) und Ortswanderweg 8 (Prüm)
Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de/wandern
Empfehlung: Wanderkarte Nr. 17 des Eifelvereins, „Prümer Land“, ISBN: 978-3-944-620-00-8

Weiter Blick über Niedermehlen
Blick zurück von fast ganz „oben“
Traumhafte Aussichten vom Wiesenweg am Waldrand über die Felder auf dem Weg zum Wacholdergebiet
Rast mit traumhaftem Blick
Einsame Hütte mit Ausblick

Kiefern mit Ausblick: Diese Bäume könnten viel erzählen
Traumhafter Blick über das Wacholdergebiet in die Landschaft hinein

Abstieg mit weitem Blick

Diese Schilder geleiten uns vom Wacholdergebiet hinab bis über den Mehlenbach

Der Mehlenbach

Hier geht es gleich links zum Mehlenbach
Dieser Blockbohlenweg führt zur Brücke über den Mehlenbach
Hier gluckert und plätschert es laut: Der Mehlenbach

Wanderweg 8
Wanderweg 8 kurz vor Niedermehlen
Der Mehlenbach windet sich malerisch durch das weite Tal

Frühlingsboten

Eine Schlucht, der Teufel, die Felsen und ich – oder: Von der Schlucht, die oben liegt (die Teufelsschlucht)

Die faszinierende, wildromantische Teufelsschlucht in Ernzen nahe der luxemburgischen Grenze und ich brauchten drei Anläufe, bis ich Landschaft und Felsen wirklich genießen und auf mich wirken lassen konnte. Das zwischen uns ist eine lange und komplizierte Geschichte.

Sie beginnt im April 2011, als ich mich frohgemut mit zwei Teenagern und einer Vierjährigen im Schlepptau aufmachte, die Felsschlucht zu erkunden, und erst einmal an den Irreler Wasserfällen halt machte – im Grunde eine sinnvolle Idee, die auch zunächst zu schönen Erlebnissen führte. Da wir vorhatten, mit dem Auto zur Schlucht weiterzufahren, ließ ich die Hälfte meiner Vorräte im Auto und nahm nur etwas Bargeld, zwei Trinkflaschen und einen kleinen Snack mit zu den Wasserfällen. Wir kletterten hinab zum Fluss und erkundeten die Stromschnellen, überquerten die malerisch überdachte Brücke, bestaunten den Ausblick über das wilde Wasser und die gewaltigen Felsblöcke darin und durchstreiften schließlich den angrenzenden Wald. Auf einem Schild stand: Teufelsschlucht 2,0 km.

Nun, dachte ich bei mir, das ist nicht weit, und die Stufen, mit denen der Weg begann, sahen hübsch und einladend aus. Von den 180 Höhenmetern, die wir auf diesem Stück überwinden mussten, und dass der Rundweg durch die Teufelsschlucht weitere 1,8 Kilometer lang ist (ganz zu schweigen von seinem ständigen Auf und Ab), war nirgendwo die Rede. Bei jedem Felsen glaubten wir, die Schlucht erreicht zu haben, machten eine Pause, tranken, aßen, fotografierten und entdeckten dann ein weiteres Schild mit dem Vermerk „Teufelsschlucht“ und einer Kilometeranzeige, die einfach nicht signifikant kleiner werden wollte. Nach etwa einem Kilometer und gefühlten 1000 Stufen gingen uns Getränke und Verpflegung aus. Die Teenager meuterten. Die Vierjährige gab den letzten Schluck in ihrer Flasche dahin für die maulenden Jugendlichen. Klingt wie ein Märchen, fühlte sich an wie ein Alptraum und führte meinerseits zu Phantasien von plötzlich auftauchenden Helikoptern oder geländetauglichen Traktoren, die uns aus diesem „Irgendwo im Nirgendwo“-Trip befreiten.

Als wir die Teufelsschlucht endlich erreichten, übersahen wir die Abkürzung zum Besucherzentrum, stolperten hungrig, durstig und müde zwischen Felsen hindurch und Pfade und Stiege hinauf und hinab, ohne sie genießen zu können. Endlich im Besucherzentrum angekommen, füllte ich meine Flasche mit Leitungswasser, kaufte Essen und Trinken für die Kinder, eine Karte für mich (natürlich – die Menschen in der Eifel sind immer hilfsbereit – begleitet von einer exakten Wegbeschreibung bezüglich der kürzesten Strecke zurück zu meinem Auto), schärfte meinen Kindern ein, sich nicht vom Fleck zu rühren, und galoppierte die Abkürzung vom Besucherzentrum hinab zum Parkplatz an den Irreler Wasserfällen (ein Foto von der Brücke musste trotzdem noch sein!), stieg ein, fuhr die Strecke zum offiziellen Besucherparkplatz, lief von dort wieder zum Besucherzentrum (eine nicht enden wollende Entfernung von 500 Metern) und war nach rekordverdächtigen 45 Minuten wieder mit meinen drei Schützlingen vereint.

Fazit: Die Strecke erscheint deutlich länger und ist durch die Höhenmeter sehr anstrengend. Als Familie unbedingt „oben“ bei der Teufelsschlucht starten und mit dem Weg durch die Schlucht beginnen, solange man noch frisch und aufnahmefähig ist. Im Anschluss an eine Wanderung bietet sich ein Besuch im Dinosaurierpark an, der sich am Weg zwischen Parkplatz und Schlucht befindet. Bei Regen oder Frost kann der Pfad, der über Felsen, Stufen, Stock und Stein führt, glitschig und glatt sein. Es gibt eine Vielzahl von Wanderwegen unterschiedlicher Länge, die die Schlucht durchqueren. Unterhaltsam aufbereitete spannende Fakten rund um das Naturwunder und seine Entstehung gibt es auf dem 1,8 Kilometer langen kleinen Rundweg Teufelspfad 1 als Audiotour, die auch über eine App aufs Handy geladen werden kann. GPS-Geräte können im Besucherzentrum geliehen werden. Das Naturparkzentrum bietet neben „Teufels Küche“ noch ein Naturparkmuseum mit interaktiven Stationen, das Haus der Jagd und einen Info- und Souvenirshop. Das Besucherzentrum ist übrigens barrierefrei – die Schlucht ist es nicht!

Im Sommer 2019, bei meinem dritten Anlauf (der zweite scheiterte an einem trüben Novembertag 2013 an meiner negativ angehauchten Stimmung), erschloss sich mir endlich die traumhafte Schönheit und Faszination dieser Schlucht, die ihren Namen mehr als verdient hat: Ich drängte mich durch schmale Spalten, die ich nicht aufrecht durchqueren konnte, starrte auf bizarre Steingesichter, bewunderte wild wucherndes Grün und durchlöcherte Felsen und bestaunte die atemberaubende Aussicht hinab auf die sanft hügelige Eifellandschaft außerhalb der Schlucht. Die wilde, ungezähmte und berauschend schöne Natur verzaubert an jeder Ecke auf eine ganz urtümliche und aufregende Weise, die jeder Beschreibung trotzt. Da gibt es nur eines: Sehen, durchwandern und jeden Meter genießen!

Nun endlich hatte ich auch Augen und Ohren für die Entstehungsgeschichte der Gegend und ihre Besonderheiten: Die Teufelsschlucht liegt am Ostrand des Ferschweiler Hochplateaus, also weit über den Irreler Wasserfällen am Unterlauf der Prüm im Tal (die eigentlich Stromschnellen sind). Die Landschaft der Südeifel bildete sich vor 190 Millionen Jahren aus einem Meer heraus, dessen Reste heute noch an vielen Orten der Eifel sichtbar sind. Es sind nicht zuletzt die Versteinerungen und Fossilien, die diese Landschaft so einzigartig und faszinierend machen. Im Delta eines Flusses, durch die Anhebung des Rheinischen Schiefergebirges heute auf einer Höhe von 330 Metern, bildete sich eine ca. 30 Meter dicke Schicht aus Luxemburger Sandstein. Der darunter liegende Mergelboden war weich und wurde stellenweise herausgewaschen, was zu einem Abrutschen der darüber liegenden Felsschichten und zur Bildung von Klüften führte. Vor etwa 12.000 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit, bildete sich – herausgesprengt im ständigen Wechsel zwischen Frost und Tauwetter – eine 28 Meter tiefe Felsspalte im Sandstein, an ihrer engsten Stelle nur einen Meter breit: die Teufelsschlucht war entstanden. Ihre Lage hoch oben verwirrte die Menschen. Diese Schlucht war nicht durch einen Fluss entstanden, sie musste Teufelswerk sein. Schaut man sich die Felsgebilde mit etwas Phantasie an, können sie auch heute noch gespenstisch wirken. Die ins Tal gerutschten gewaltigen Felsblöcke finden sich auch an den Irreler Wasserfällen. Die wabenförmigen Löcher im Sandstein stammen übrigens von Kieselsäure-Einlagerungen. Und noch eine botanische Besonderheit haben die Felsen vor Ort zu bieten: das goldgrün reflektierende Leuchtmoos. Als gäbe es nicht schon genug zum Wundern und Staunen!

 

Adressen und Infos:
Naturparkzentrum Teufelsschlucht, Ferschweilerstraße 50, 54668 Ernzen, Tel.: 06525/933930, www.teufelsschlucht.de
GPS Besucherzentrum 49°50.8217’N 6°26.1164’E
GPS Teufelsschlucht 49°50.7232’N 6°26.4195’E
Dinosaurierpark Teufelsschlucht (gleiche Adresse): Tel. 06525/9339344 www.dinopark-teufelsschlucht.de

Weitere Infos: www.eifel-gps.de, www.eifel.info, www.naturpark-südeifel.de  

Youtube: https://youtu.be/LbBaF5ezv3U

Irreler Wasserfälle

Durchgang

April 2011: Der Weg begann harmlos und schön
November 2013 – hier sieht man deutlich, wie winzig der Durchgang ist: Der Wanderweg führt durch dieses Loch!

Von oben nicht viel mehr als ein Spalt: Blick von oben am Ausgang der Teufelsschlucht (Norden)
Vor dem Eingang des Dinosaurierparks

Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Eifelblick „Am Apert“

Alles fest im Blick: Die Eifel von oben

Es gibt Themen, mit denen ist man nie wirklich „fertig“. Schon als Kind kletterte ich gerne auf Hochsitze, um mir einen Überblick zu verschaffen, obwohl ich sonst gar nicht so sportlich war. Bevorzugter Platz dafür: natürlich die Eifel!

Die Eifel ist reich an vielfältigen Landschaften, alten Klöstern und Schlössern, malerischen Dörfern, sanften Hügeln, schroffen Felsen, wasserreichen Wiesengründen und unendlich erscheinenden Wäldern. Und noch etwas bietet sie in Hülle und Fülle: fabelhafte Aussichten!

Diese „schönen Aussichten“ finden sich praktisch überall, wo der Betrachter ein wenig erhöht steht und die Sicht nicht durch Bäume verstellt wird. Im Idealfall wird dieser „Ort mit Ausblick“ noch ergänzt um eine Bank. Und die allerbesten Stellen – an denen die Augen gleich in mehrere Richtungen in die Ferne schweifen über endlose Hügelketten bis zum Horizont und wo sich atemberaubende Panoramen bieten – dort befinden sich die „Eifel-Blicke„.

Die entsprechenden Standorte wurden in den vergangenen Jahren vom Naturpark Nordeifel ausgebaut. Sie bestehen aus Aufbauten oder sogar Türmen mit Informationstafeln und sind von den benachbarten Wanderwegen/Zufahrtstraßen aus ausgeschildert. Alleine im Umkreis von 20 Kilometern rund um Prüm sind aktuell acht „Eifel-Blicke“ ausgewiesen, im Umkreis von 30 Kilometern sind es sogar 17. Aktuell finden sich auf der unten genannten Internetseite 65 Standorte, davon sind 13 barrierefrei zugänglich. Eines haben sie alle gemeinsam: Dem Besucher weht ordentlich Luft um die Nase, und die Aussicht ist herrlich und zeigt die Vielfalt und den Reiz der Eifellandschaft!

Vier davon habe ich bereits kennengelernt – viele weitere sollen noch folgen! Mein „erster“ „Eifel-Blick“ ist der Aussichtspunkt „Am Apert“ bei Büdesheim, den ich bereits 2009 besuchte. Zu jener Zeit war er einfach nur ein Fleck an einem Wirtschaftsweg mit einer phantastischen Aussicht und einer Picknickbank im hohen Gras. Und ich wusste als aufmerksamer Fahrgast meiner Gastgeber schon beim ersten Besuch die Antwort auf die alles entscheidende Frage: „Wo in diesem wunderschönen Panorama ist denn Fleringen?“ und fühlte mich wie ein Erstklässler, der beim Aufzeigen mit dem Finger schnipst, um auch bloß drangenommen zu werden. (Die Lösung wird natürlich nicht verraten, das soll jeder selbst herausfinden…) Heute geben Informationstafeln auf einer Holzplattform genaue Auskünfte über die Landschaft und die Ortschaften, die sich auf 600 Meter Höhe zu unseren Füßen erstrecken: Linkerhand über Wallersheim und die Prümer Kalkmulde hinweg bis zu den Höhen der Schneifel, nach rechts wandert der Blick weiter über den Duppacher Rücken zur Vulkaneifel hin. In weiter Ferne sind bei guter Sicht Teile der Ahreifel und die Vulkane um den Nürburgring erkennbar. Keine zwei Kilometer entfernt finden sich das Blutkreuz und die benachbarte Quelle. Ähnlich nah liegt „mein“ Waldhaus, in dem ich als Kind immer wieder gerne meine Ferien verbrachte. Heute sind es meine aktuellen Gastgeber, die mich jährlich zum Apert bringen.

Eine andere Tour führte 2017 zum Aussichtsturm „Zur Hardt“ oberhalb von Weinsheim. Während einer Traktorfahrt durch den zauberhaften Eifelwald bestieg ich erstmals die 25 Meter hohe Aussichtsplattform. Mit jedem Meter nach oben wurde die umliegende Landschaft mehr und mehr sichtbar, genau wie der sich entfernende Erdboden. Immer mehr Bäume blieben unter meinen Füßen zurück, und schließlich thronte ich hoch oben über den Wipfeln und konnte aus einer Gesamthöhe von 652 Metern über NN eine fabelhafte Rundumsicht weit ins Land hinaus genießen. Der Mobilfunkmast mit frei zugänglicher Plattform wurde 2010 am ehemaligen Standort eines hölzernen Aussichtsturms errichtet. Zugleich bietet er beim Besteigen – je nach persönlichem Umgang mit Höhen – ein wenig Nervenkitzel. Denn das Stahlgerüst bietet genügend Platz für den Blick nach unten… Für die, die es nach oben schaffen, bietet sich die Gelegenheit für das eine oder andere „Selfie mit Aussicht“. So auch für mich!

Zwei weitere „Eifel-Blicke“ eroberte ich dieses Jahr auf eigene Faust. Meine Wanderung vom Eichholzmaar zur Mineralquelle in Duppach führte mich zum Ausblick von der „Duppacher Höhe“. Dieser Platz ist nicht auf der unten genannten Internetseite der „Eifel-Blicke“ aufgeführt, allerdings der nahe gelegene, höher liegende „Eifel-Blick“ „Auf Heilert“. Trotzdem bietet der Aussichtspunkt auf 539 Meter Höhe am Bettinger Berg einen feinen Blick über die Vulkaneifel bis zur Hohen Acht, zum Nürburgring und zum Nerother Kopf. Über die im Mai vielfach gelb gefärbten Felder hinweg scheint mir in der Ferne die bezaubernde Votivkapelle auf der Anhöhe Wahlhausen zuzuwinken. Noch so ein Ziel…

Meine neueste Eroberung, wenn auch bei eher ungemütlichem Wetter, ist der „Katzenkopf Gondenbrett“ nördlich von Prüm ganz in der Nähe der Landstraße („Gondenbretter Weg“). Ich hatte es mir einfach machen und den Aussichtspunkt von der Straße aus besuchen wollen. Stattdessen wäre die Wanderweg-Variante vermutlich einfacher gewesen – und am Ende kaum länger. So wählte ich prompt die deutlich umständlichere Variante von Norden, die erst einmal konstant bergauf führte. Nicht weiter verwunderlich: „Eifel-Blicke“ liegen nun einmal oben. Irgendwann kam ich endlich an und schaute von der windumtosten Plattform in die an dem Tag nicht ganz so freundliche, aber umso eindrucksvollere Landschaft. Aus 574 Metern Höhe kann der Blick frei in alle Richtungen schweifen, über das Prümer Land und bis weit nach Belgien hinein. Ganz in der Nähe befinden sich Prüm und der Kalvarienberg (auch diese Geschichte will noch erzählt werden!). Der Höhenzug der Schneifel mit dem 697 Meter hohen „Schwarzen Mann“ bietet sich ebenso vor unseren Augen dar wie der Islek und die Prümer Kalkmulde. Die hölzerne Plattform wurde direkt auf einem gesprengten Westwallbunker errichtet. Die umliegende Natur lässt darauf nicht schließen. Wild und einsam und an dem Tag ähnlich zerzaust wie ich erhebt sich die Kuppe oberhalb der Zivilisation.

Nach dem „Eifel-Blick“ ist vor dem „Eifel-Blick“. Die Fern- (und Nah-)Sichten und ich sind noch nicht fertig miteinander. Nächstes Ziel – oder besser „weitere Aussichten“: Der Dreiländerblick bei Buchet. Es gibt noch so viel zu erkunden. Ich werde berichten…

 

Weitere Infos: www.eifel-blicke.de, www.ferienregion-pruem.de (unter „Erleben“ – „Ausflugsziele“), www.eifel.info, www.naturpark-eifel.de

Aussichtsturm „Zur Hardt“ Weinsheim: GPS 50°14’6.20″N, 6°28’14.56″E (der Straße „Zur Hardt“ aufwärts folgen, im Wald rechts halten – Parkgelegenheit am Gemeindehaus (Hans-Peter-Stihl-Haus, Straßburger Straße gegenüber der Kirche))

„Eifel-Blick“ „Am Apert“ Büdesheim: GPS 50°12’4.24″N, 6°33’14.72″E (B410 Büdesheim / Abzweig L10 in Richtung Wallersheim – Wanderparkplatz 17 – ab hier 2,5 km Fußweg)

„Eifel-Blick“ „Gondenbrett-Katzenkopf“: GPS 50°13’22.47″N,  6°24’47.14″E (Parkgelegenheit am St.-Joseph-Krankenhaus, ab hier 1,2 km Fußweg nördlich – ab Gondenbretter Weg/K180 definitiv ausgeschildert, direkt am Jakobsweg, Panoramaweg 120 und am Schneifel-Pfad gelegen)

„Eifel-Blick“ „Duppacher-Höhe“: GPS 50°16’12.43″N, 6°33’6.01″E (Wanderparkplatz Eichholzmaar, ab hier 1,5 km Fußweg westlich, direkt am Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“ gelegen)

Blick vom „Apert“ zur Duppacher Höhe
Foto: Ferienhof Feinen
Nicht jeden interessiert die Aussicht
Foto: Ferienhof Feinen
Blick vom Apert über die Kalkmulde zur Schneifel
Eifel-Blick „Am Apert“: Vulkaneifel-Panorama
Am Turm angekommen
Auf dem Aussichtsturm
Blick Richtung Prüm
Landschaft, so weit das Auge reicht

Vulkaneifel-Panorama
Auch mal nach unten schauen…
Selfie mit Aussicht
Blick von der Duppacher Höhe in die Vulkaneifel hinein
Ganz oben links liegt die Votivkapelle Wahlhausen
Blick vom Katzenkopf Gondenbrett zum Kalvarienberg
Blick vom Katzenkopf zum Höhenzug der Schneifel mit dem Schwarzen Mann

 

 

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

 

Im Zeitreise-Tunnel – Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen in Bleialf

Ein bisschen neugierig bin ich, als ich vor dem hölzernen Bauwerk im Süden Bleialfs stehe, hinter dem sich ein sanfter bewaldeter Hügel erhebt. Neben dem Gebäude befinden sich frei zugänglich mehrere alte Loren. Gegenüber eines kaum erkennbaren Wassergrabens parken wir und stoßen sofort auf ein Schild, das auf eine Katastrophe hinweist, die mir als Auswärtige bisher völlig entgangen war.

Am 1. Juni 2018 wurde die Region von einem Unwetter mit Starkregen heimgesucht. Das Wasser in Flüssen und Bächen schwoll stark an. Es war nicht einmal der namensgebende Alfbach, der dem Besucherbergwerk Flut und Verderben brachte, sondern der kleinere Üchenbach. Dort, wo er über ein Rohr unter der Straße hindurchgeführt wird, wurde ein Anhänger angeschwemmt. Bis heute weiß niemand, wie er dorthin geriet oder wohin er gehörte. Er verstopfte den Abfluss. Wasser und Schlamm sammelten sich in der Talmulde und suchte sich den einfachsten Weg: nach unten! Ins Besucherbergwerk. Stollen, Empfangsgebäude und das kleine zugehörige Museum alter Grubenlampen und anderen Zubehörs standen bis zum Dach unter Wasser. Die Statue der heiligen Barbara, Schutzherrin der Bergleute, wurde fortgeschwemmt. Zurück blieb eine Wüste voll Schlamm. Es dauerte über ein Jahr, bis Führungen wieder möglich waren. Die Sammlung wurde fast vollständig zerstört. Aber St. Barbara steht wieder an ihrem Platz. Und ein Album dokumentiert mit zahlreichen Fotos die Überflutung. Der Stollen ist um einige Ausstellungsstücke ärmer, aber um eine Geschichte reicher. Bergleute und Bevölkerung haben gemeinsam dafür gesorgt, dass dieser Ort bestehen bleibt. Und wir immer noch unter Tage Abenteuer erleben können.

Die Geschichte des Erzabbaus ist uralt. In der Eifel finden sich zahllose Erze: Eisen, Kupfer, Blei, Zink Mangan, Braun- und Toneisenstein. Heute sprechen wir über Blei. Europas größtes Bleierzvorkommen befindet sich in der Eifel: in Günnersdorf bei Mechernich. Auch hier in Bleialf war das Erz bereits maßgeblich für den Ortsnamen. Es handelt sich um eine der wichtigsten Erzlagerstätten in der Eifel. Die Überlieferung besagt, dass die Menschen nur etwas in der Erde buddeln mussten, um reiche Beute zutage zu fördern. Bereits die Kelten und die Römer wussten das und nutzten diese Schätze der Erde. Erzabbau wurde also bereits über 2000 Jahre lang betrieben. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert – diese schriftlichen Nachweise bezeugen 1000 Jahre Bergbau in der Schneifel! Auf dem Bergbaupfad lassen sich auf überschaubarer Strecke verschiedene Spuren und Relikte erwandern und erfahren. Allen voran das Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, das wir nun endlich betreten.

Zunächst erhalten wir jeder einen Kittel und einen Helm. Sobald eine vorherige Gruppe aus der Tiefe zurückgekehrt ist, geht es los. Wir sind sieben Personen: drei Erwachsene, drei Kinder und ein Stollenführer. Vorbei an einer Ausstellung alter Kommunikationsgeräte geht es die Treppe hinab in den Stollen, der ursprünglich der Entwässerung und als Arbeitsweg zu den Abbaustellen diente. Das eigentliche Abbaugebiet lag etwa einen Kilometer tiefer im Berg. Doch es gibt hier alles zu sehen, was den Bergbau vor Ort ausmachte. Unser Führer erzählt uns von der Geschichte des Bergwerks und des Abbaus, zeigt uns Lichtlöcher, Erzvorkommen und Gesteinsschichten in den Wänden und reicht uns „tonnenschweres“ Werkzeug zum ausgiebigen Selbstversuch. Niemand verlässt den Stollen ohne ein Stück Gestein in der Tasche. Und dennoch ist noch genug da. Alte Schilder und Original-Equipment bis hin zum „Scheißkübel“ (klar, was soll man unter Tage sonst machen, wenn man mal muss…) ergänzen den intensiven Einblick in alte Zeiten. Übrigens braucht sich niemand Sorgen zu machen: Blei in festem Zustand ist nicht giftig. Gefährlich wird es erst bei der Bearbeitung und beim Schmelzen. So können wir sorglos weiter erkunden: Was macht ein Hund unter Tage? Wofür sind die Keile zwischen Balken und Decke? Was ist Wetter? Woran erkennt man im Stollen, ob draußen ein Tiefdruck- oder ein Hochdruckgebiet vorherrscht? Wie alt sind die Eichenbalken im Stollen? (So viel sei verraten – das Alter ist beeindruckend!!!) Und wie verrät gerade dieses Holz den Bergleuten, wenn der Gang einzubrechen droht? Ich möchte das nicht alles erzählen, sonst ist der tatsächliche Besuch nur noch halb so spannend. Denn das war er wirklich: spannend und erlebnisreich!

Irgendwann war es so weit, und wir mussten wieder „auftauchen“, zurück nach oben, aus dem Stollen wie aus einem Zeittunnel zurück in unsere eigene Wirklichkeit. Empfangen von einem Schwall warmer Luft, der uns fast zu Boden drückt nach der angenehm kühlen, feuchten Luft, die sich so gut atmen lässt. Die Kinder dürfen die Glocke läuten, um uns anzukündigen: Wir kommen, wir fahren aus! Dann geht es die Treppe hinauf. Noch ein Erinnerungsfoto, dann geben wir Kittel und Helme wieder ab. Schön war’s. Bergbau zum Sehen, Riechen, Anfassen, Erleben… Wir waren sehr beeindruckt! Und kommen gerne wieder.

Die eigentliche Blütezeit des Bleialfer Bergbaus lag in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Mühlenberger Stollen selbst wurde von 1839 bis 1852 1189 Meter weit in den Berg getrieben. 1862 erreichte der Abbau im Mühlenberger Stollen seinen Höhepunkt. Nach anfangs 85 Arbeitern im Jahr 1856 stieg die Zahl der Beschäftigten auf mehr als 1000 an. 1885 lag sie bereits wieder bei „nur“ 111 Arbeitern. 1954 wurde der Stollen geschlossen. Seit 1986/87 ist er als Besucherbergwerk und Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zugänglich. Führungen und Pflege erfolgen durch den Bergmannsverein St. Barbara.

Wer den Bergbau noch genauer erkunden möchte, folgt dem Bergbaupfad zu weiteren Stationen: Lichtlöchern, Schächten, Stollen und Halden. Nicht weit von hier erinnert ein weiterer Wanderweg an Ernest Hemingway. Wieder so etwas, was niemand weiß: 1944 hielt er sich als Kriegsberichterstatter in Buchet auf – etwa vier Kilometer von Bleialf entfernt.

Vor langer Zeit jedoch gab es hier im Berg noch weitere Bewohner. Eine alte Sage erzählt von den Wichtelmännchen:

Die Wichtelmännchen waren dünne kleine Wesen, die in verborgenen Höhlen und Ritzen unter der Erde lebten. Manchmal sah man sie, wie sie sich im Gras sonnten oder glockenhelle Lieder sangen, doch niemand durfte ihnen zu nahe kommen oder gar erfahren, wo genau sie lebten. Sie waren hilfreich und gut. Als ein armer Bauer schwer erkrankte, kamen sie heimlich im Schutze der Dunkelheit, versorgten das Vieh, erledigten die Feldarbeit und droschen das Korn. Der Bauer wurde wieder gesund und blickte voller Dankbarkeit auf die getane Arbeit. Seine Frau nähte viele kleine Jacken, Hosen und Mützen, auf dass die kleinen Helfer im Winter nie wieder frieren müssten. Der Bauer wartete, bis tiefer Schnee lag, ging frühmorgens auf die Suche und folgte den kaum sichtbaren Spuren, die er fand. Voll Freude stellte er einen Korb voller winziger Kleidung vor den verborgenen Eingang zu ihren Gängen. Die kleinen Wichtel aber erschraken: Sie waren entdeckt worden! Voller Furcht ergriffen sie die Flucht und waren nie wieder gesehen…

 

Anschrift und Internetauftritt: Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen, Hamburg 1, 54608 Bleialf, Tel. 06555/1227 oder 0160/1009749, info@besucherbergwerk-bleialf.de, www.besucherbergwerk-bleialf.de, www.bergmannsverein-bleialf.de

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober Sa+So 14-17 Uhr (letzte Führung 16.15 Uhr), Sonderführungen und Gruppen ab 8 Personen nach Vereinbarung, Kindergeburtstage mit Schatzsuche

Eintrittspreise: Erwachsene 5,00 €, Jugendliche (6-14 Jahre) 2,50 €

Wanderempfehlung: Prümer Land Tour, Route 4 – Bergbaupfad Bleialf mit 12 Info-Stationen (kurzer Weg mit 6 Stationen 3km, langer Weg zzgl. 6 km) / Erlebnispfad Bleialf-Buchet (ca. 2,5 km) / Ernest-Hemingway-Weg (östlich von Bleialf, ca. 4km) / Westwall-Weg (östlich von Bleialf am Schwarzen Mann)

Weitere Infos: www.ferienregion-pruem.de (unter Erleben – Ausflugsziele oder Wandern – Prümer Land Touren), www.bleialf.de, www.naturpark-eifel.de, https;//touristikbleialf.de

Buchempfehlung (und Quelle der Wichtelgeschichte): Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

Noch eine Geschichte zum Bergwerk Bleialf: http://eifelecho.de/eine-geschichte-aus-dem-bleialfer-bergbau/

Der Üchenbach im Normalzustand

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Oben auf der Keltenfliehburg

Schönecker Schweiz – auf der Jagd nach der Felsenburg

Die Schönecker Schweiz und ich kennen uns jetzt elf Jahre. In jedem Urlaub streife ich zumindest ihre Randgebiete, zu Fuß, auf dem Pferderücken oder bei einem Ausflug mit dem Traktor. Sie hat so viele Gesichter, und jedes ist schön. Und eines ist sie eigentlich immer: grün! Grün vom Laub an den Bäumen, grün vom Bärlauch auf dem Waldboden und von Moosen, Farnen und Flechten auf den Felsen. Ihre Geschichte ist ein ganz eigener Eifelkrimi, denn hier existierte vor 400 Millionen Jahren ein Meer, dessen Ablagerungen die heutige Landschaft gestaltet haben. Und die ist außergewöhnlich!

Beginnen wir mit dem Bärlauch. Ab März bis in den Juni hinein begleitet uns dieser Duft durch die ganze Schönecker Schweiz. Es handelt sich um das größte zusammenhängende Bärlauchgebiet Europas! 2017 wurden hier etwa 60 Tonnen Bärlauch geerntet – Tendenz steigend. Daneben gibt es hier große Vorkommen an Märzenbechern, oft im Jahreslauf gefolgt vom Silberblatt. Zwischen Fleringen und Rommersheim befindet sich auf einer felsigen Anhöhe im Wald zudem noch eine andere botanische Besonderheit: die „krüppelig gewachsene“ Krausbuche! (Streng genommen gleich drei dieser Bäume.)

Überhaupt: als Teil der Prümer Kalkmulde, die mit 240 km² wiederum die größte der Eifeler Kalkmulden ist und im Süden der Kalkmuldenzone liegt, bietet die Schönecker Schweiz Geologen und Botanikern einmalige Einsichten und Erlebnisse. Für Enzian muss niemand in die Alpen fahren: Der (teils beweidete) Kalkmagerrasen an sanften Hängen bietet mit kargem Boden, wenig Wasser, viel Sonne und eisigem Frost extreme Lebensbedingungen, die erstaunlicherweise eine große Artenvielfalt begünstigen und solche Besonderheiten hervorbringen wie beispielsweise Orchideen, Enzian, Wiesen-Salbei, Mücken-Händelwurz, Thymian, Küchenschellen und Wacholder.

Gleich nebenan finden sich Dolomitfelsen und Karstgestein und eine interessante Besonderheit: „Schwindbäche“ (auch Verlierbäche genannt). Das Wasser verschwindet in „Schlucklöchern“ im Karstgestein und tritt an anderer Stelle wieder aus. So kommt es, dass sich hier unterirdisch das größte Trinkwasserreservoir der Südeifel befindet, das 20.000 Menschen versorgt. Die Schönecker Schweiz einmal von unten zu betrachten, wäre also genauso interessant wie unsere oberirdische Wanderung heute! Doch die ist spannend genug: Überall finden sich Fossilien, und die Felsen geben Geologen einzigartige Einsichten: Bei Schönecken-Wetteldorf wurde bereits 1937 der „Wetteldorfer Richtschnitt“ vorgenommen, anhand dessen Wissenschaftler die Grenze zwischen Unter- und Mittel-Devon festlegen konnten und der seit 1981 der weltweit einzig gültige Maßstab ist. Um bei Superlativen zu bleiben: Hier befindet sich auch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Landkreis Bitburg/Prüm, stolze 865 Hektar groß.

Es ist die Landschaft, die dem Beinamen „Schweiz“ alle Ehre macht. Beispielsweise die „Jungfernley“ im Schalkenbachtal unweit des Schönecker Wanderparkplatzes. Es wird berichtet, hier sei eine bösartige Jungfrau zu Stein erstarrt. Daneben gibt es auch Erzählungen, aus ihrem Felsspalt hätten Hebammen die neugeborenen Kinder herausgezogen. Oder etwa die Hohlley, das „Tor zur Unterwelt“, deren Tropfsteinhöhlen Fledermäusen und Kreuzspinnen Unterschlupf bieten.

Hier beheimatet ist auch die Sage vom „Schalkenmännchen“. Es soll sich um den hinterhältigen Johann von Schwirzheim handeln, den auch der Himmel nicht aufnehmen wollte und dessen Seele daher immer noch unruhig durch den Wald streift, in dem er gewaltsam zu Tode kam. Ein junger Knecht hatte in Wallersheim drei Ferkel abgeliefert und sein Trinkgeld in der dortigen Wirtschaft gegen flüssiges Wohlbefinden eingetauscht. In der Dämmerung machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Dienstherrn nach Schönecken, als er im Schalkenbusch auf ein kleines Männlein traf, das er zunächst für einen verstockten Knaben hielt. Im Streit warf er dem Wicht böse Worte entgegen, bis dessen Gestalt wuchs und wuchs und ihm auf den Rücken sprang. Dem Jungen gelang es nicht, die bleierne Last abzuwerfen, die ihn zudem peitschte und antrieb und erst auf der Brücke in Schönecken von ihm abließ. Es heißt, der Knecht sei danach nie wieder froh gewesen.

Wen wundert es, dass auch die Kelten dieses Gebiet zu schätzen wussten? Oberhalb des Altburgtals befindet sich eine sogenannte „Keltenfliehburg“, auch „Keltenring“ genannt: Bezeichnungen, die neugierig machen! Um sie zu finden, muss man gut zu Fuß sein, und so machen wir uns auf den Weg, laufen von Meyersruh, wo Schalkenbach und Kupferbach zusammentreffen, über den Ichter Berg hinab ins Altburgtal und folgen zunächst dem Wanderweg 2. Meine Wanderkarte ist der Ansicht, dass Wanderweg 1 sicher am „Keltenring“ vorbei führt, doch diversen Wegbeschreibungen entnehme ich, dass auch die 2 zum Ziel führt, wenn man achtsam ist und sich im richtigen Moment rechts hält. Die Frage, wann dieser richtige Moment ist, wird uns eine Weile auf Trab halten – neben der atemberaubend schönen Wald- und Felsenlandschaft, die uns umgibt. Hinweisschilder geben uns die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein, und so biegen wir kurz rechts ab, um ein paar besonders schöne Felsen im Wald in Augenschein zu nehmen. Wenn ich Kelte gewesen wäre, hier hätte ich gelebt! Ich ernenne dieses Stück Erde kurzerhand zu meiner persönlichen Keltenfliehburg und folge weiter brav den Schildern, bis der Wald aufhört und ich irritiert feststelle, dass wir die Keltenfliehburg längst erreicht haben müssten. Also müssen es die grandiosen Felsen sein, an denen wir unlängst vorbei gelaufen sind, direkt am Wanderweg 1, was auch zu den Angaben auf meiner Karte passt. Die nächste halbe Stunde erkunden wir diese Felsen und Klüfte, und ich stehe auf den natürlichen Terrassen oberhalb der Bäume und stelle mir vor, wie die Kelten diesen Bereich gegen die von unten herannahenden Feinde verteidigten. Die Angreifer hatten keine Chance! Zufrieden lassen wir diesen Ort hinter uns und folgen dem Schneifel-Pfad abwärts, dem Altburgtal mit seinem Schluckloch entgegen. Die Felsen haben 1000 Gesichter: ein Flusspferd, von einem Löwen gejagt, ein schlafendes Krokodil, ein Bär mit einer vorwitzigen Nase – vielleicht ist es auch ein Fabelwesen, das Wache hält vor der Burg. Wie mögen die Kelten diese gewaltige Natur verehrt haben?

Wenige Meter weiter laufen wir fast gegen ein Schild, das plötzlich in der Landschaft erscheint und uns mit folgenden Worten begrüßt: „Schutz vor Feinden: Burg aus der Zeit um 500 v. Chr.“ Schallendes Gelächter erfüllt den Wald: Was auch immer wir vorher erkundet haben, hier ist es, das Ziel unserer Wanderung! Und es ist tatsächlich beeindruckend. Die Felsen Richtung Süden und Osten mögen mindestens 20 Meter hoch sein. Von hier oben gesehen geht es senkrecht in die Tiefe – Eroberung unmöglich, Verteidigung gesichert. Auf der ebenen Seite, von der auch wir uns genähert haben, gab es Wälle und Gräben sowie Konstruktionen aus Steinen und Holz – eine Abgrenzung von etwa 4.000 m². Das Holz ist längst verrottet, doch die Steine liegen überall. Was für ein magischer Ort hier oben mitten im Wald, grün schimmernd in der Sonne. Unter uns liegt das Altburgtal mit der kleinen Brücke und dem Schwindbach und wartet darauf, dass wir diese Burg von unten bestaunen.

Wer suchet, der findet – gelegentlich auch dreimal…

 

So findet man die Keltenfliehburg: Sie liegt am Schneifel-Pfad oberhalb des Altburgtals, ca. 50°10’8″N, 6°29’13″E (Angabe in der Datenbank der Kulturgüter: 50.169538N, 6.488320E). Wanderweg 2 verläuft unterhalb der Burg. Am einfachsten ist es, den Altburgbach in nördliche Richtung über die kleine Stahlbrücke zu überqueren. Dann wenige Meter links bis zum Infoschild über Karstbäche. Von hier nun weder Richtung Niederhersdorf noch Richtung Schönecken laufen, sondern den kleinen Pfad (Schneifel-Pfad) bergauf. Die Keltenburg befindet sich während des gesamten „Aufstiegs“ auf der rechten Seite. „Oben“ befinden sich rechterhand das Infoschild und der Zugang.

Lage: zwischen Schönecken, Rommersheim, Fleringen und Hersdorf

Wanderparkplätze: in Schönecken (Lindenstraße/L5 an der Nims-Brücke) und Rommersheim (der Straße „Auf der Schlack“ in östliche Richtung folgen)

Weitere Infos zu Wanderwegen und zu einer Mountainbike-Tour sowie zu den geologischen Gegebenheiten: www.ferienregion-pruem.de, www.schoenecken.de, www.naturpark-eifel.de, www.eifelsteig.de/Partnerwege/Vulkaneifel-Pfade (Schneifel-Pfad)

Führungen: http://www.brunhilde-rings.de/fuehrungen/altburgtal/

Buchempfehlung: Alois Mayer: Sagenhaft & Wunderbar – Sagen und Erzählungen aus dem Altkreis Prüm (Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Prümer Land, Band 59), www.gvpl.de

YouTube: https://youtu.be/4s7TbqExq0s

Am Fuße der Keltenfliehburg
Bärlauch zwischen Rommersheim und Fleringen
Gefunden: Dieses Schild informiert über die Keltenfliehburg
Altburgtal bei Schönecken
Krokodilfelsen
Blick von der Fliehburg – Wir tauften dieses imposante Felsgebilde „Die Liebenden“
Brücke im Altburgtal
An der Jungfernley
Jakobsweg am Schalkenbach bei Schönecken
Die Krausbuche zwischen Rommersheim und Fleringen
Interessanter Baum ausgangs des Altburgtals kurz vor Schönecken

Imposante Felsen am Kupferbach nahe Meyersruh
Schwindbach
Mit all meiner Phantasie glaubte ich die Angreifer zu sehen – aber die „echte Burg“ ist noch 500 Meter entfernt

Oberhalb des Altburgtals am Wanderweg 2
Mystische Felsen mitten im Wald
Auch hier wäre ein guter Ort für eine Burg gewesen – Felsen am Wanderweg 1
Nicht die gesuchte Keltenfliehburg, aber wer weiß…
Blick vom Schneifel-Pfad auf die Kelten-Fliehburg
Jungfernley

Tanz auf dem Vulkan – unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

Blick über die Vulkaneifel vom Eifelblick Duppacher Höhe

Tanz auf dem Vulkan:
Unterwegs rund um Steffeln und Duppach

 

An einem Samstag im Mai mache ich mich auf den Weg zum Tanz auf dem Vulkan: Interessanterweise sind es die kleinen Ortschaften Duppach und Steffeln, die – obwohl ganz am Rand der Vulkaneifel und nur etwa 15 Kilometer von Prüm entfernt gelegen – auf recht engem Raum alles präsentieren, was der Vulkanismus in der Eifel zu bieten hat. Schaut man sich die Ausbruchszentren der Quartär-Zeit (die letzten 2,588 Millionen Jahre bis heute) an, so gibt es an keiner anderen Stelle der Eifel eine derartige Dichte an Ausbrüchen und Kratern wie genau hier. Zudem sind die (meist trockenen) Maare hier im Norden des Westeifler Vulkanfeldes die ältesten. Am Eichholzmaar gibt es hierzu eine Schautafel.

Während Duppach verträumt-beschaulich daherkommt, bindet Steffeln seinen Gästen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase, dass sich hier alles um die heimischen Vulkane dreht. Im Vulkangarten erfährt der neugierige Besucher Genaueres über die Entstehung, den Ausbruch und die verschiedenen Formen von Vulkanen: Vulkanismus quasi zum Anfassen, mit einer mächtigen Vulkanwand, einem Modell-Maar und einem Modell-Vulkankegel. (Das ist wieder so ein Augenblick, wo ich unbedingt auf etwas hinaufklettern muss und nicht sicher bin, ob ich an einem Stück wieder herunterkomme – dieses Mal gerate ich nur ein bisschen ins Rutschen; trotzdem wird mir letztlich klar, dass es sich nicht um Schotterwege hinauf handelt, sondern um symbolische Lavaströme!)

Als der Steffelnkopf vor mehr als 100.000 Jahren entstand, war das sicher weniger gemütlich, genauso während des Schlackeabbaus in den vergangenen 30 Jahren, doch beeindruckend ist es dort auch heute. Neben den Infotafeln werden Experimentierstationen und Führungen angeboten, und an den Stationen lassen sich Lava- und Ascheströme, Einschlagtrichter, Wasserabflussrinnen und komplexe Phänomene wie Entstehungsphasen, Diskordanzen und Antidünen buchstäblich mit allen Sinnen erfahren und auf Abbildungen nachvollziehen. Ich verstehe jetzt endlich, was ein Tuffring ist und mache mich auf den Weg zur Steffelner Kirche, die auf einem solchen erbaut ist – absolut beeindruckend und sehenswert!

Beschaulich und entspannt präsentiert sich das Eichholzmaar, das etwa 1,7 Kilometer entfernt zwischen Steffeln und Duppach in der sich anmutig hebenden und senkenden Landschaft ruht, die von einigen markanten „Vulkanköpfen“ beherrscht wird. Mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Tiefe von drei Metern ist es eines der kleineren der 75 Eifelmaare, von denen zwölf Wasser führen. Auch das Eichholzmaar war zwischenzeitlich trockengelegt worden. Der seit 2007/2008 durchgeführten Renaturierung verdanken wir die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands als Maarsee mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Die Maarkrater sind übrigens deshalb vergleichsweise groß, weil es bei der Eruption zum Kontakt zwischen Magma und Grundwasser kam, der zu besonders starken Explosionen führte, und in den Tiefen der Maarseen finden Wissenschaftler unglaubliche Zeugnisse unserer Klima- und Besiedlungsgeschichte – hier beispielsweise Asche aus dem heftigen Vulkanausbruch, bei dem vor 13.000 Jahren der Laacher See entstand.

Rund um das Eichholzmaar gibt es Bänke und Ruhezonen und die Möglichkeit, entspannt die Natur zu betrachten oder sie von einem Beobachtungsturm aus zu genießen. Die hier beobachteten Vögel sind auf einer Tafel aufgelistet, und wenig später – auf dem Weg zur nahegelegenen Eichholzer Mineralquelle, wird mir klar, welche Farbe mich schon den ganzen Tag begleitet: Vor mir landet ein bezaubernder Vogel, der so unglaublich golden in der Sonne glitzert, dass es sich nur um eine Goldammer handeln kann! (Eine Annahme, die die Infotafel im Beobachtungsturm bestätigt.) Überall um mich herum ist es gelb: Löwenzahn, Raps, Ginster, Zitronenfalter und nun auch eine Goldammer!

Die in Stein gefasste Eichholzer Mineralquelle wird auch Steffelner Drees genannt (übrigens hat dieses in der Eifel sehr gebräuchliche Wort einen keltischen Ursprung: „draisen“) – ein deutliches Zeichen für stärker kohlendioxidhaltiges Wasser. Beim Betrachten erkenne ich die aufsteigenden Bläschen, die auch deutlich auf der Zunge prickeln. Ein letzter Gruß des erkaltenden Magma im Erdinneren. Schon die Farbe lässt erkennen, dass das Wasser einen hohen Eisengehalt besitzt. Es enthält übrigens vergleichsweise wenig Calcium und Magnesium. Auf der anderen Seite des Eichholzmaars, jenseits der Landstraße, befindet sich in einem Waldstück eine weitere Quelle, der Aueler Drees – wer also noch Durst hat… Von dort lässt es sich vorzüglich weiterwandern zu einer römischen Ausgrabungsstätte, aber heute besuche ich die Vulkane und nicht die Römer.

Ich folge dem Wegweiser Richtung Duppach, denn dort gibt es noch mehr zu trinken und außerdem noch ein Maar. Doch zunächst geht es aufwärts zum Eifelblick „Duppacher Höhe“ auf dem 539 Meter hohen Bettinger Berg. Der Blick reicht weit über das sanfte grün-gelbe Land und bleibt an markanten Punkten hängen, wie an der auf dem Steffelner Tuffring liegenden Votivkapelle Wahlhausen am alten Kreuzweg. Spannende Ziele gibt es noch genug.

Ich folge weiter dem Vulkaneifel-Pfad. Der Abstieg zur Mineralquelle Duppach ist relativ komfortabel. Unten ist es warm und sonnig. Die Quelle – auch Duppacher Drees genannt – liegt westlich des Dorfes, liebevoll durch einen Quellpavillon überdacht und in Stein gefasst mit einem Auslass aus Metall, an einer schmalen Straße direkt am Rande des trockenen Duppacher Maars. Das Wasser ist ebenfalls kohlensäure- und eisenhaltig, enthält aber auch sehr viel Calcium, Magnesium und Natrium sowie wenig Chlor und ist gut trinkbar. Knapp zwei Kilometer entfernt im weiteren Verlauf dieser Strecke lockt ein weiterer Aussichtspunkt: der „Eifelblick Heilert“.

Menschen, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen, sei ein Spaziergang durch das trockene Duppacher Maar an den dort grasenden Kuhherden vorbei empfohlen. Diese Tiere sind äußerst neugierig und kontaktfreudig und freuen sich über jede Abwechslung. Die am Hang stehenden Tiere muhen bei dieser Gelegenheit sogar mit einem klangvollen Echo!

Eifelherz, was willst Du mehr – denke ich und genehmige mir noch einen Schluck aus der Quelle.

 

Wanderparkplätze: Eichholzmaar und Vulkangarten Steffeln

Möglichkeiten zum Erkunden: Vulkaneifel-Pfad „Maare & Vulkane“, Eifelverein-Wanderweg 2, Georundweg Steffeln / Georundweg Duppach (je etwa 10 km) sowie ein Rundgang durch Steffeln und Umgebung, der auf der Infotafel am Parkplatz des Vulkangartens beschrieben ist.

Führungen Vulkangarten/Eichholzmaar durch den Eifelverein ab Dorfgemeindehaus Steffeln (gegenüber der Kirche) April-Oktober jeden Mittwoch um 14 Uhr

Weitere Infos: www.obereskylltal.de, www.gerolsteiner-land.de, www.naturpark-eifel.de, http://eifelsteig-partnerwege.de

Im Vulkangarten
Vulkangarten – im Vordergrund das Maar
Tuffsteinring an der Kirche in Steffeln
Ankunft am Eichholzmaar
Eichholzmaar
Blick über das Eichholzmaar auf den Beobachtungsturm auf der anderen Seite
Eichholzer Mineralquelle / Steffelner Drees
Duppacher Drees
Freundliche Aufmerksamkeit im Duppacher Maar
Gelb, wohin das Auge reicht – blühendes Eifelgold (Ginster)
Aussichtspunkt Duppacher Höhe
Blick von der Duppacher Höhe auf Steffeln